Zum IBAD gehören derzeit vier Professuren:
HANS-GEORG LIPPERT ist als Lehrer und Forscher zuständig für
den Bereich Baugeschichte, also für die historische Betrachtung
des Architekturgeschehens aus dem Blickwinkel des Architekten.
Im Grundstudium steht dabei zunächst die Wissensvermittlung
durch Überblicksdarstellungen im Vordergrund, im Hauptstudium
dagegen der thematische Bezug zu den besonderen
Forschungsschwerpunkten des Lehrstuhls: Zeichenhaftigkeit und
symbolische Aussage in der Architektur, Wechselwirkungen
zwischen Avantgarde, Traditionalismus und Klassizität im 20.
Jahrhundert, Architektur in den modernen Massenmedien
(Fotografie, Spielfilm, Comic und Werbung), daneben aber auch
Bauarchäologie bzw. historische Bauforschung am konkreten
Objekt.
ACHIM HAHN lehrt und forscht in den Bereichen
Architekturtheorie und Architekturkritik sowie Wohnen und
urbane Landschaften. Architektur (Wohnen, Entwerfen, Bauen) ist
zunächst ein Phänomen unserer alltäglichen Lebenswelt. Wir
erfassen es spontan, geleitet von unseren Interessen und
Ansprüchen. Dem wird in den Vorlesungen nachgegangen, um es
begrifflich zu vertiefen und wissenschaftstheoretisch
einzuordnen. Die Seminare fokussieren spezieller, üben das
Wahrnehmungsverhalten, suchen lokale Beispielfelder,
organisieren Verknüpfungen mit dem Wohnen und Entwerfen.
THOMAS WILL vertritt das Lehr- und Forschungsgebiet
Denkmalpflege und Entwerfen. Die Verbindung beider
Arbeitsfelder zeigt an, dass der Umgang mit dem historischen
Erbe als integraler Teil der Arbeit des Architekten behandelt
wird. Die analytische Erforschung von Baudenkmalen
(Stratigraphie des Bestandes, Bedeutung, Potenzial,
Gefährdungen) mit Hilfe wissenschaftlicher Methoden schafft die
Voraussetzungen für die Synthese des Entwurfs, in der konkrete
Erhaltungs-, Ergänzungs- und Entwicklungsmaßnahmen ermittelt
und festgelegt werden. Diese Ausrichtung entspricht der
wachsenden Verantwortung, die Architekten in Zeiten zunehmender
technischer Spezialisierung für das baukulturelle Erbe zu
übernehmen haben.
INGRID SCHEURMANN vertritt derzeit die Professur für
Denkmalkunde und angewandte Bauforschung und leitet (gemeinsam
mit der Stiftungsprofessur für Stadtumbau und Stadtforschung)
den Masterstudiengang Denkmalpflege und Stadtentwicklung.
Das IBAD steht für eine Lehr- und Forschungshaltung, die sich
in der Tradition der europäischen Geistesgeschichte verortet
weiß und zugleich aktuelle Phänomene der Baukultur mit ihren
Chancen und Risiken berücksichtigt. Auf dem methodischen und
inhaltlichen Fundament der Baugeschichte werden theoretische
und praktische Fragestellungen behandelt, die über den
ideengeschichtlichen Grundlagendiskurs hinaus in die Bereiche
der planerischen Umsetzung führen. Die Architekturtheorie
profitiert davon, versucht sich selbst jedoch als
phänomenologisch-hermeneutische Disziplin mit
erfahrungswissenschaftlichem Forschungsimpuls zu etablieren.
Zudem bildet das Institut eine wichtige und notwendige Brücke
zwischen der Architektur als einer wissenschaftlich fundierten
Praxis, die ihre eigenen Forschungsgebiete umfasst, und den
Kultur- bzw. Gesellschaftswissenschaften. So sucht das IBAD in
kollegialer Verbindung theoretischer, historischer und
entwurfsorientierter Lehr- und Forschungsgebiete die
interdisziplinäre Arbeitsweise zu verwirklichen, wie sie das
Architekturstudium und den Beruf des Architekten in besonderer
Weise kennzeichnet.
Zur Geschichte des IBAD
Vorlesungen zur Baugeschichte und eine Sammlung für
Baukunst gab es an der Technischen Hochschule Dresden seit
Gründung der Hochbauabteilung des Königlichen Polytechnikums
1875. Für die bau- und kunstgeschichtliche Ausbildung
verantwortlich waren KARL WEIßBACH (Geschichte der Baukunst),
der später auch als Architekt für die Institutsbauten der
Abteilungen Maschinenbau und Elektrotechnik in Erscheinung
trat, und ab 1878 zusätzlich RICHARD STECHE (Geschichte der
Technischen Künste, Praktische Ästhetik, Entwicklung der Künste
in Sachsen). Dessen Nachfolger wurde 1893 CORNELIUS GURLITT,
einer der bedeutendsten Forscher und Lehrer dieser Zeit auf dem
Gebiet der Bau- und Kunstgeschichte. 1896 übernahm er das Fach
Geschichte der Baukunst von WEIßBACH (unterstützt ab 1898 durch
Vorlesungen von LOUIS SPONSEL in Geschichte der Architektur und
des Kunstgewerbes), ab 1908 erweiterte er seine Vorlesung um
Aspekte des Städtebaus, der Denkmalpflege, der historischen
Kunstlehre, der Kunst des Orients und Sachsens, der Geschichte
der Kunstkritik u. a. 1900 hatte die TH Dresden das
Promotionsrecht erhalten und GURLITT wusste diese Chance für
die bauhistorische Forschung zu nutzen. Als erster Architekt in
Deutschland promovierte hier 1902 HERMANN MUTHESIUS,
Mitbegründer des Deutschen Werkbundes (1907) und einer der
bedeutendsten Reformarchitekten in der Zeit vor dem Ersten
Weltkrieg.
STECHE und GURLITT waren auch mit wichtigen Aufgaben im Rahmen
der Kommission zur Erhaltung der Kunstdenkmäler betraut. (Das
Sächsische Landesamt für Denkmalpflege wurde erst 1920
gegründet). Das Archiv dieser Kommission wurde 1908 in die
Sammlung für Baukunst eingegliedert, die auf Initiative
GURLITTS seit 1897 entstanden war und bereits Sammlungen für
Baukonstruktionslehre, für das Entwerfen von Hochbauten und für
die Fächer Bauformenlehre, Freihand- und Ornamentzeichnen und
Stillehre des Kunstgewerbes enthielt. Leider konnte die
Sammlung, die sich bald zur größten ihrer Art in Deutschland
entwickelt hatte, an der TH Dresden nicht fortgeführt werden.
Große Teile wurden jedoch in den 1930er Jahren dem Landesamt
für Denkmalpflege übereignet, wo sie bis heute eine wichtige
Arbeits- und Forschungsgrundlage darstellen; was an der
Technischen Hochschule verblieb, wurde im Zweiten Weltkrieg
zerstört.
Als Nachfolger GURLITTS für die Geschichte der Baukunst wurde
1920 OSKAR REUTHER berufen, ein Spezialist für Alte
Hochkulturen, dessen wissenschaftlicher Schwerpunkt auf
bauarchäologischen Forschungen im Vorderen Orient lag. Seine
Lehre ergänzten ab 1924 FRITZ RAUDA mit Vorlesungen zu
mittelalterlicher Baukunst und OTTO SCHUBERT, eigentlich
zuständig für Bauformenlehre und Entwerfen und zugleich
wichtiger Architekt des genossenschaftlichen Wohnungsbaus in
Dresden, mit Vorlesungen zur Baukunst des Barock.
REUTHER war Gründungsmitglied der 1926 ins Leben gerufenen und
bis heute bestehenden Koldewey-Gesellschaft (wichtigstes Forum
für Bauhistoriker und bauarchäologisch tätige Architekten im
deutschsprachigen Raum) und von 1932 bis 1934 Rektor der TH
Dresden, ein Amt, das er augenscheinlich vorbehaltlos im Sinne
nationalsozialistischer Hochschulpolitik ausübte. Die 1933
einsetzenden und unter dem Rektorat des ebenfalls aus der
Hochbauabteilung kommenden WILHELM JOST zwischen 1935 und 1945
fortgesetzten Repressalien führten unter anderem dazu, dass
OTTO SCHUBERT 1938 seine Stelle und 1940 seine Lehrbefugnis
verlor.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Abteilung Architektur
zunächst der Fakultät für Kommunale Wirtschaft und danach der
Fakultät für Bauwesen angegliedert. Inmitten der schweren
Kriegszerstörungen konnte der Lehrbetrieb bereits im Oktober
1946 wieder aufgenommen werden, nun allerdings unter
sozialistischen Vorzeichen. Nachfolger REUTHERS und Leiter der
nunmehr zusammengelegten Lehrstühle für Geschichte der Baukunst
und Allgemeine Kunstgeschichte wurde der seit 1936 hier
lehrende Kunsthistoriker EBERHARD HEMPEL. Das Lehrangebot
umfasste vornehmlich Überblicksvorlesungen und die Kunst- und
Baugeschichte Sachsens, insbesondere Dresdens. Flankiert wurden
diese Lehrveranstaltungen bis 1957 durch Vorlesungen des
rehabilitierten und an die TH Dresden zurückgeholten OTTO
SCHUBERT. Als Nachfolger HEMPELS übernahm 1956 sein vormaliger
Assistent WALTER HENTSCHEL die Leitung des Instituts für
Kunstgeschichte und die Sammlung für Baukunst. Bereits seit
1955 Inhaber eines Lehrstuhls für Kunstgeschichte und
Denkmalpflege (in dieser Fächerkombination erstmalig in
Deutschland), hatte er das Lehrgebiet Denkmalpflege, das in
seinen Grundzügen bereits durch das Wirken GURLITTS begründet
worden war, neu aufgebaut. Unterstützt wurde er dabei durch
Landeskonservator HANS NADLER, der seit Anfang der 1950er Jahre
dem Institut als Lehrbeauftragter verbunden war. Als Schüler
REUTHERS mit bauarchäologischen Methoden vertraut, brachte
NADLER auf Exkursionen und Übungen die praktischen Aufgaben der
Erhaltung und Wiederherstellung der Denkmallandschaft Sachsens
in die Architektenausbildung ein. Als er 1965 nach langwierigen
Bemühungen der Abteilung zum Honorarprofessor ernannt worden
war, konnte er auch die Vorlesungen zur Denkmalpflege
übernehmen.
Seit 1957 gab es an der TH Dresden (die Aufwertung zur
Technischen Universität erfolgte 1961) auch einen Lehrstuhl für
Theorie der Architektur und Entwerfen, der die mit SCHUBERTS
Tod vakant gewordene Professur für Bauformenlehre und Entwerfen
ersetzte. Auf ihn berufen wurde der aus Lübeck in die DDR
übergesiedelte Architekt GEORG MÜNTER, der seit 1954 als
Wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der technisch-ideologischen
Zentralinstanz des Bauwesens der DDR, der Deutschen Bauakademie
in Ostberlin, tätig gewesen war. Den offiziellen
zeitgeschichtlichen Veröffentlichungen zufolge lehrte er
Architekturtheorie und Baugeschichte auf ausdrücklich
marxistischer Grundlage, wobei es im Wesentlichen um die
systematische Anwendung des Marxismus-Leninismus und dessen
Kunstdoktrinen bzw. Geschichtsmodellen auf Fragen der
architektonischen Produktion zu gehen hatte. Dabei rückte nun
auch die Baukunst des 19. und 20. Jahrhunderts stärker in den
Blick. Die bleibende Leistung MÜNTERS liegt in seinen
Untersuchungen zu Idealstädten der Frühen Neuzeit, auch wenn er
sich aus heutiger Sicht damit wissenschaftlich weit weniger
profilierte als EBERHARD HEMPEL durch seine langjährigen
Forschungen zu Kunst und Architektur des Barock und WALTER
HENTSCHEL durch die Arbeiten zur Kunstgeschichte
Sachsens.
Nach dem Tode MÜNTERS erfolgte 1965 die Gründung des Institutes
Theorie und Geschichte der Architektur, in dem der Lehrstuhl
Theorie der Architektur und Entwerfen mit dem Lehrstuhl für
Geschichte der Baukunst und den Lehrfächern Denkmalpflege und
Konstruktive Sicherung von Baudenkmalen zusammengeführt wurden.
(Für die Lehrfächer Kunstgeschichte und Marxistische Ästhetik
war fortan das Lehrgebiet Kunstwissenschaft in der Sektion
Philosophie und Kulturwissenschaften zuständig.) Ab 1969 kam es
im Kontext der DDR-Hochschulreform, der Industrialisierung des
Bauwesens und der damit einhergehenden zunehmenden
Marginalisierung des Architektenberufs in der DDR nicht nur zur
Schaffung einer vereinigten Fakultät für Bau-, Wasser- und
Forstwesen an der TU Dresden, in der die frühere Abteilung
Architektur nun als eine von fünf „Sektionen“ fortbestand,
sondern auch zu einer weiteren Zusammenführung von
architekturtheoretischen und baugeschichtlichen Anteilen der
Architektenausbildung. 1973 wurden sie in einer Professur für
Theorie und Geschichte der Architektur und Entwerfen unter der
Leitung von KURT MILDE konzentriert, der im Folgenden nicht
zuletzt durch grundlegende Forschungen zur damals noch weithin
verkannten Architektur des 19. Jahrhunderts wissenschaftlich in
Erscheinung trat. Aus diesem Umfeld ist 1984 (anlässlich der
ICOMOS-Generalversammlung in der DDR) eine Broschüre
hervorgegangen, die die „Aneignung des baulichen Erbes
gleichsam zum normalen Bestandteil sozialistischer
Umweltgestaltung“ erklärt. Und weiter heißt es darin: „Bauen
ist Weiterbauen, und daher ist die Aneignung des baulichen
Erbes in den allgemeinen Reproduktionszyklus des baulichen
Lebensrahmens mit eingeschlossen, der das Erhalten,
Modernisieren und den Neubau umfasst.“
Der Mittelalter- und Kirchenbauspezialist KLAUS MERTENS, Dozent
und Mitautor dieser Broschüre, erhielt im Zuge der Erneuerung
der Technischen Universität Dresden nach 1990 den nun wieder
eingerichteten Lehrstuhl für Baugeschichte, den er bis zu
seiner Emeritierung 1997 innehatte. Als erster Sprecher der
Abteilung Architektur nach der Wiedervereinigung Deutschlands
hat er deren Neubeginn maßgeblich mitgestaltet. Im Zuge dieser
Reform kam 1993 mit der Gründung der heutigen
Architekturfakultät und der damit verbundenen Einrichtung des
IBAD eine Hochschuldozentur für Architekturtheorie hinzu, die
FALK JÄGER übernahm, und im selben Jahr wurde THOMAS WILL auf
die neu geschaffene Professur für Denkmalpflege und Entwerfen
berufen. Seither hat das IBAD sich personell und strukturell
weiter entwickelt: HANS-GEORG LIPPERT hat 1998 die Nachfolge
von KLAUS MERTENS angetreten. Die Dozentur für
Architekturtheorie ist in eine Professur für Architekturtheorie
und Architekturkritik umgewandelt worden, auf die 2001 ACHIM
HAHN berufen wurde. Im Jahre 2004 konnte (mit Unterstützung des
Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst und
der Deutschen Stiftung Denkmalschutz) das Forschungs- und
Lehrprofil des IBAD mit der Professur für Denkmalkunde und
angewandte Bauforschung ergänzt werden, auf die HANS-RUDOLF
MEIER berufen wurde. Er leitete erfolgreich die Gründungsphase
des seit längerem vorbereiteten postgradualen
Masterstudienganges Denkmalpflege und Stadterneuerung. Seit
seinem Wechsel an die Bauhaus-Universität Weimar (2007) wird
diese Professur durch INGRID SCHEURMANN (bis Oktober 2008
gemeinsam mit SUSANNE JÄGER) vertreten.
Zu den vier Professuren des Instituts gehören insgesamt drei
Wissenschaftliche Mitarbeiterstellen. Dazu kommen derzeit 10
weitere, aus Drittmitteln finanzierte Wissenschaftler, die in
der Forschung und der Weiterbildung tätig sind.
(hgl/ah/tw/za)
Quellen:
(Autorenkollektiv) 1828-1988. Geschichte der Technischen
Universität Dresden, Berlin 1988
Dorit Petschel (Bearb.): Die Professoren der TU Dresden
1828-2003 (175 Jahre TU Dresden, Bd. 3), Köln / Weimar / Wien
2003
Erhard Schmidt, Die Entwicklung der Hochbauabteilung an der
Technischen Hochschule Dresden in den Jahren von 1900 – 1945,
ein Beitrag zur Geschichte der Technischen Universität Dresden,
unveröffentlichte Dissertation, Dresden 1981
Technische Universität Dresden, Sektion Architektur (Hg.),
Beiträge aus Lehre und Forschung zur Architektonischen
Gestaltung der sozialistischen Umwelt, Dresden 1975
Technische Universität Dresden, Sektion Architektur (Hg.):
Beiträge der Sektion Architektur in Lehre und Forschung bei der
Aneignung des baulichen Erbes, Dresden 1984
Technische Universität Dresden, Sektion Architektur (Hg.):
Beiträge der Architekturausbildung für die Praxis 1980-1989,
Dresden 1990
TU Dresden, Fakultät Architektur (Hg.): Bauen lehren – Bauen
lernen. Die Architekturfakultät der TU-Dresden, Leipzig und
Dresden 1997
Veröffentlichung der Sektion Architektur zu Ehren des 100.
Geburtstages W. I. Lenins, in: Wissenschaftliche Zeitschrift
der TU Dresden 18 (1969), H. 6, S. 15-17.
Kunstgeschichte in der Nachkriegszeit 1945-1955,
http://ikg.uni-karlsruhe.de/projekte/kg45_55/lektiographie/
dresden (zuletzt aufgesucht: Juli 2008)