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Deutsch
Prof. Dr. Heiner Böhmer (Sprachwissenschaft Span./Franz.)
Profil
Die Professur "Romanistische Sprachwissenschaft (Spanisch/Französisch)" hat ihren Schwerpunkt in der hispanistischen Sprachwissenschaft. Hier sollen einerseits die speziell linguistischen Themenfelder in ihrer vollen Breite (synchronische und diachronische, interne und externe Linguistik des Spanischen und der Hispanophonie) präsent sein, d.h., es soll vor allem in der Lehre Basiswissen über all diese Felder vermittelt werden. Andererseits wird eine Sprachwissenschaft angezielt, die ihre Inhalte in Abstimmung mit der hispanistischen Literaturwissenschaft und Kulturwissenschaft am Institut für Romanistik der TU Dresden entwickelt. Zielkultur ist dabei in erster Linie Spanien. Betreffend Lateinamerika sollen bestimmte Schwerpunkte gesetzt werden. Vor allem Mexiko und Argentinien, aber auch andere Länder werden kulturwissenschaftliche, literaturwissenschaftliche und damit auch linguistische Bezugspunkte sein. Für die Kooperation mit der hispanistischen
Literaturwissenschaft und Kulturwissenschaft können bestimmte
sprachwissenschaftliche Teildisziplinen, Paradigmen und
Theorien besonders geeignete Gesichtspunkte abgeben:
Vergleichende Texttypologie und andere Felder der kontrastiven
Linguistik, Sprachgeschichte, Mehrsprachigkeitsforschung,
kognitive Semantik (Prototypen, Stereotypen u.a.),
Untersuchungen zur Sprachkultur sowie auch zu kommunikativen
Verhaltensformen in mündlichen Dialogen verschiedenster Art
(Höflichkeit, Rhetorik usw.). Forschungsschwerpunkte(1) Thema: Text- und Dialogtraditionen in Alltag und LiteraturPeter Koch hat im Anschluss an Brigitte Schlieben-Lange das
Konzept der Diskurstraditionen ausgebaut und so innerhalb der
Romanistik ein Fundament für die Erforschung der Geschichte von
Textsorten und Dialogformen vorgegeben. Dieses Konzept eignet
sich auch für die Integration der germanistischen Beiträge, in
denen diese Thematik ja besonders weit vorangetrieben worden
ist. Was die empirische Seite betrifft, sind im Bereich der
romanischen Sprachen gerade in den letzten Jahren entscheidende
Fortschritte erzielt worden, wovon der repräsentative
Sammelband von Gerhard Ernst und Martin Gleßgen (2003) Zeugnis
gibt. Ein vorbildlicher, sehr schöner Beitrag im Bereich der
Hispanistik sind die Forschungen von Rolf Eberenz zu den
Regimientos de peste des Spätmittelalters. Publikationen in diesem Bereich bisher: (1999) "Grammaire générale et grammaires spécifiques des
genres de texte: l'exemple des chartes médiévales". In:
Ruffino, Giovanni (ed.). Atti del XXI Congresso
internazionale di linguistica e filologia romanza. Bd. VI.,
27-36. (2) Thema: Kontrastive Untersuchung zur
Polysemie
Diese Forschungslinie betrifft die Mehrfachbedeutung von
Wörtern und steht von daher in einer potentiellen Beziehung zur
Mehrfachbedeutung literarischer Texte und dem in der
Kommunikationspraxis (parole) stattfindenden Ereignis
des interkulturellen Missverständnisses. Es geht zunächst
jedoch um ein linguistisches Problem: Inwieweit sind die zu
einer Grundbedeutung hinzukommenden weiteren Bedeutungen der
Wörter eines bilingualen Äquivalenzpaares (etwa pie (span.) -
pied (frz.) oder Ziel (dt.) - meta (sp.)) die selben in den
beiden Sprachen und inwieweit unterscheiden sie sich? Gibt es
hier eher Konvergenz zwischen Sprachen oder Divergenz? Publikationen in diesem Bereich bisher: (2006): "Polysemie-Konfigurationen in benachbarten Sprachen Westeuropas". In: Frings, Michael/Klump, André (eds.): Romanische Sprachen in Europa. Eine Tradition mit Zukunft?, 127-146. Längerfristige Perspektiven: Die bisherigen Analysen sind in
ihrem Umfang zu erweitern, d.h., die Zahl an untersuchten
Lexikoneinträgen sollte weiter vergrößert werden. Auch kleinere
romanische Sprachen wie das Katalanische sowie außerdem das
Englische und Chinesische mit ihren besonderen
Polysemiestrukturen (Konversion, Hochpolysemie einsilbiger
chinesischer Lexeme) könnten in diese Untersuchungen mit
einbezogen werden. Eine zweiter Weg der Ausweitung könnte darin
bestehen, die Pragmatik des intra- und interkulturellen
Missverständnisses zu untersuchen, da Missverständnisse zum
Teil ja auf lexikalisierte Mehrdeutigkeiten zurückgehen, die je
kontextabhängig virulent werden. (3) Thema: Wechselbeziehungen zwischen Allgemeiner Sprachwissenschaft und romanischer PhilologieDie Allgemeine Sprachwissenschaft hat im Wissensschaftsgefüge als eine ihrer Hauptaufgaben, dass sie die Philologien, die historisch-kulturell verwurzelte Einzelsprachen untersuchen, mit Sprachmodellen und auf verschiedene Ebenen sowie Bedingungen von Sprachwandel bezogenen Theorien versorgt. Andererseits sind aber auch immer wieder in den Einzelphilologien und ihrer Auseinandersetzung mit den Strukturen bestimmter Einzelsprachen heraus Vorschläge zur Modellierung von Sprachphänomenen gemacht worden, die so allgemein sind, dass sie sich auf viele andere Sprachen übertragen lassen. Es gibt also eine Schnittmenge zwischen den Interessen der Allgemeinen Sprachwissenschaft und der Romanistik. Hier liegt ein weiterer Forschungsschwerpunkt, der von dem Inhaber der Professur verfolgt wird. Dabei werden einerseits Überschneidungen in den Blick genommen, andererseits wird gleichzeitig sondiert, was sich aus Kontrasten zu Anliegen der Allgemeinen Sprachwissenschaft (Universalsprachen u.a.) lernen lässt. Publikationen in diesem Bereich bisher: (2001): "Künstliche Sprachen und Universalsprachen". In:
Haspelmath, Martin/König, Ekkehard/Oesterreicher, Wulf/Raible,
Wolfgang (eds.): Sprachtypologie und sprachliche
Universalien. Berlin/New York: de Gruyter, 85-94. Die Beiträge in diesem Feld haben eher den Charakter von
Gelegenheitsarbeiten, da nicht der Anspruch besteht, die eigene
Forschung aus dem Selbstverständnis eines Allgemeinen
Sprachwissenschaftlers heraus zu betreiben. Nichtsdestoweniger
pflegt der derzeitige Inhaber der Professur immer wieder die
Auseinandersetzung mit Sprachen anderer Sprachfamilien und
-typen, schon allein aus dem Grund, weil das zu
Hybridisierungen führende Zusammenleben des Spanischen mit
autochthonen und allochthonen Kontaktsprachen in den nächsten
Jahrzehnten die Weiterentwicklung dieser Sprache entscheidend
mitbestimmen wird, in noch höherem Maße, als dies bisher im
Laufe seiner Geschichte schon der Fall gewesen ist. Lehrprogramm und Lernziele(in Vorbereitung) Das Lehrprogramm wird derzeit fortlaufend umgeändert. Da der Anpassungsprozess an die neuen Bedingungen, die sich durch die kürzlich eingeführten Master- und Bachelor-Studiengänge ergeben haben, noch nicht abgeschlossen ist, werden die Planungen erst im Sommersemester 2010 vollendet sein. Zu Beginn des Wintersemesters 2010/11 wird an dieser Stelle dann ein langfristiges, in sich abgerundetes Lehrprogramm ins Netz gestellt. Hinweise zu Ausrichtung, Grundsätzen und Inhalten meiner Lehrplanung gebe ich augenblicklich in den Lehrveranstaltungen selber. Linguistische Links
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