Analyse des BWW-State-Tracking-Modells
Vor mehr als 15 Jahren stellten die Wissenschaftler YAIR WAND und
RON WEBER drei Modelle zur theoretischen Fundamentierung der
Entwicklung von Informationssystemen auf. Als Ausgangspunkt zur
Formulierung ihrer Modelle wählten sie den Ontologieentwurf
aus der Abhandlung MARIO BUNGES 'Treatise on Basic Philosophy'.
WAND und WEBER extrahierten die Kernbegriffe der Bunge-Ontologie
und entwickelten diese zur BWW-Ontologie weiter. Prägendes
Element beider Ontologien ist die Sicht der Welt als System von
interagierenden Dingen.
Auf der Basis der BWW-Ontologie entfalten sich das
Representation model, das Good decomposition model und das
State-tracking model. Das Representation model beschreibt einen
Vergleich des Konzeptvorrats einer Modellierungssprache mit der
BWW-Ontologie und kann als Theorie über die
Ausdrucksfähigkeit von Modellierungssprachen aufgefasst
werden. Das Good-decomposition model gibt Kriterien zur
Bewertung der Aufspaltung von Systemen in Teilsysteme vor und
erweist sich so als Theorie über die Güte von
Systemzerlegungen. Das State-tracking model formuliert
Forderungen dafür, dass ein Informationssystem eine gute
Repräsentation eines Realweltsystems darstellt. Die
Konsequenzen des State-tracking models sind ungeklärt, da
im Gegensatz zu den anderen Modellen eine wissenschaftliche
Diskussion über die Anwendungsmöglichkeiten dieses
Modells bisher nicht stattgefunden hat. Die Analyse innerhalb
dieser Diplomarbeit wird zeigen, dass es sich hier nicht um
eine Theorie, sondern um eine Technologie handelt, die den
Entwicklungsvorgang von Informationssystemen umreißt.
In den Arbeiten WANDS und WEBERS sind zwei Fassungen des
State-tracking models nachweisbar. Die frühere Fassung
beschreibt den Systementwicklungsprozess als die Erstellung
eines Modells des Realweltsystems mit anschließender
formaler Überführung in das Modell des
Informationssystems. Beide Systeme werden hierzu lediglich
durch die Menge der Systemzustände, die Menge der
Umwelteinflüsse und einem Gesetz über das
Systemverhalten spezifiziert. Dieser Systemspezifikation kann
nachgewiesen werden, dass sie äquivalent zu den
Beschreibungsmitteln eines einfachen Zustandsautomaten ist. Das
State-tracking model in der späteren Fassung geht von
einem bestehenden Modell des Realweltsystems aus und liefert
die Beschreibungsmittel zur Spezifikation des
Informationssystems.
Werden die beiden Fassungen des State-tracking models einer
kritisch-rationalistischen Analyse unterzogen, so zeigt sich,
dass die frühere Fassung auf Grund der enthaltenen
Annahmen über das Wesen und die Erkennbarkeit der
Realität nicht an der Realität scheitern kann. Eine
Falsifikation des Modells ist daher nicht möglich. Die
Analyse der späteren Fassung zeigt, dass die enthaltenen
Forderungen unvollständig sind, um ein Informationssystem
als Zustandsverfolgungsmechanismus zu beschreiben.