Dr. Gunter Wolf
Experimentelle Studie: Größe und zusätzlich biologische
Eigenschaften von Tumoren ohne Kontrastmittel und radioaktive
Strahlung sichtbar machen
Dresden. Mit dem Förderpreis für Nachwuchswissenschaftler
zeichnete die Sächsische Radiologische Gesellschaft e. V. in
diesem Jahr die experimentelle Studie der diffusionsgewichteten
Magnetresonanztomografie zur Volumenbestimmung in Modelltumoren
von Dr. rer. nat. Gunter Wolf aus. Der 35-Jährige Chemiker, der
in der Arbeitsgruppe Biologisches Imaging am OncoRay – Zentrum
für Strahlenforschung in der Onkologie forscht, konnte in
dieser Studie nachweisen, dass mit der diffusionsgewichteten
Magnetresonanztomografie die Tumorabgrenzung genauso gut
möglich ist wie mit den herkömmlichen bildgebenden Verfahren.
Mit dieser diffusionsgewichteten Methode werden zusätzlich
Informationen biologischer Tumoreigenschaften gewonnen gänzlich
ohne Einsatz von Kontrastmitteln und radioaktiver
Strahlung.
Die diffusionsgewichtete Magnetresonanztomografie (dwMRT), die
bereits in Kliniken standardmäßig eingesetzt wird, um
Schlaganfälle zu diagnostizieren, ist ein bildgebendes
Verfahren, das die Beweglichkeit (Diffusionsbewegung) von
Wassermolekülen im Gewebe misst und räumlich aufgelöst
darstellt. „Das im menschlichen Körper vorkommende Wasser dient
bei diesem Verfahren als natürliches Kontrastmittel“, erläutert
Dr. Wolf. Die dwMRT liefert keine Bilder einzelner Zellen aus
dem menschlichen Körper, jedoch lässt die Wechselwirkung des
Wassers mit den Zellen im Gewebe während der Messung
Rückschlüsse auf biologische Eigenschaften im Tumorgewebe auf
zellulärer Ebene zu.
Im Krebsgewebe ist diese Wasserbeweglichkeit deutlich
verschieden von der Diffusion in gesundem Gewebe. Daher besitzt
die dwMRT mit den einzigartigen funktionellen Informationen
über die Beweglichkeit der Wassermoleküle im Gewebe auch in der
Onkologie ein großes Potential, um sowohl Krebserkrankungen zu
entdecken und zu diagnostizieren, als auch frühzeitig
Therapieerfolge abzuschätzen, noch bevor es bei den Tumoren zu
einer sichtbaren Größenveränderungen kommt.
In seiner experimentellen Studie untersuchte Dr. Gunter Wolf in
einem klinischen MRT-Scanner die potentiellen Möglichkeiten der
dwMRT zur Tumorabgrenzung im Vergleich zu herkömmlichen
morphologischen Bildgebungsverfahren. Die Tumorabgrenzung ist
von entscheidender Bedeutung für die bildgestützte Planung von
Krebstherapien, beispielsweise der Strahlentherapie. Dr. Wolf
konnte zeigen, dass dwMRT und morphologie-basierte
Bildgebungsverfahren eine vergleichbare Tumorabgrenzung
zulassen. Der entscheidende Vorteil der dwMRT gegenüber
herkömmlichen Bildgebungsverfahren besteht jedoch in der
Gewinnung funktionell-biologischer Eigenschaften von
Tumoren.
Die prämierte Arbeit ist ein wichtiger Beitrag für die
zusätzliche Integration funktioneller Tumoreigenschaften in die
bestehende, in der Regel morphologie-basierte Therapieplanung.
Dies könnte zu einer biologisch besser auf den einzelnen
Patienten zugeschnittenen Therapie und einem verbesserten
Patientenmanagement in der Onkologie beitragen. Um die
gewonnenen Erkenntnisse der wissenschaftlichen Studien in die
klinische Anwendung zu überführen, arbeitet die Arbeitsgruppe
Biologisches Imaging unter Leitung von PD Dr. Dr. med.
Nasreddin Abolmaali mit anderen europäischen Wissenschaftlern
zusammen, unter anderem als Mitglied der European Organisation
for Research and Treatment of Cancer (EORTC). Der
gemeinnützigen Organisation für Studien zur Krebstherapie
gehören mehr als 2.900 Forscher aus über 300 verschiedenen
europäischen Einrichtungen an.
Weitere Informationen:
PD Dr. Dr. med. Nasreddin Abolmaali
Gruppenleiter Biologisches Imaging
OncoRay – Zentrum für Strahlenforschung in der Onkologie
Tel. (0351) 458-7414
E-Mail:
Nasreddin.Abolmaali@oncoray.de
Pressekontakt:
Birte Urban-Eicheler
Öffentlichkeitsarbeit und Bildungsprojekte
Tel. (0351) 458-7443
E-Mail:
Birte.Urban@uniklinikum-dresden.de