Dresdner Wissenschaftler ermitteln die durch einen
Pestizid-Wirkstoff ausgelösten Mechanismen der
Krankheitsentstehung
Dass Bestandteile von Pestiziden die Entstehung von
Parkinson mit verursachen können, ist bereits länger bekannt.
Wie es durch die Wirkstoffe allerdings genau zur Schädigung der
Hirnstrukturen kommt, wurde nur vermutet. Bisher gingen die
meisten Forscher davon aus, dass die schädlichen Substanzen
über die Blutbahn ins Hirn gelangen und dort ihre Wirkung
entfalten. Jetzt konnte Francisco Pan-Montojo, Mitglied des
Labors von Prof. Richard Funk am Anatomischen Institut der
Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus, im Tiermodell die
Mechanismen aufzeigen, die infolge des Pestizid-Wirkstoffes
Rotenon tatsächlich zu den verschiedenen Phasen der
Parkinson-Erkrankung führen. Die Forschungsarbeitarbeit
entstand gemeinsam mit einer Gruppe von Wissenschaftlern, der
u. a. der Parkinson-Experte Prof. Heinz Reichmann, Direktor der
Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Carl Gustav
Carus, angehörte.
Der auch natürlich vorkommende Wirkstoff Rotenon, Bestandteil
von Pestiziden, die heute vorrangig in Entwicklungsländern zum
Einsatz kommen, verursacht nach den von Pan-Montojo und
Kollegen soeben im international renommierten Journal „PLoS
one“ veröffentlichen Ergebnissen ihrer aktuellen Forschung
einen lokalen Effekt auf das Nervensystem des Darmes im
Mausmodell. Dort kommt es durch Rotenon zur Veränderung von
Proteinen. Diese umgebauten Eiweiße können nun über
Nervenfasern des vegetativen Nervensystems über das Rückenmark
und den Hirnstamm bis ins Hirn wandern und verursachen die bei
Parkinson-Patienten bekannten Krankheitssymptome. Der
Krankheitsverlauf der untersuchten Mäuse folgt einem
charakteristischen Muster, wie es auch bei Parkinson-Patienten
gesehen wird: In den Anfangsstadien gibt es eine
Beeinträchtigung der peripheren Nervenstrukturen,
beispielsweise des Nervensystems des Darms und des
Riechkolbens. Später zeigen die sympathischen und
parasympathischen Systeme, die auch für die Beweglichkeit des
Darms verantwortlich sind, Parkinson-typische Änderungen.
Schließlich gelangt der Krankheitsprozess bis zu den zentralen
Nervensystemstrukturen wie der Hirnregion „Substantia nigra“
mit Auswirkungen auf motorische Fähigkeiten, den Schlaf und die
Stimmung (Depressionen). Diese in den Versuchen beobachtete
Abfolge könnte die klinischen Phasen der Parkinson-Erkrankung
hervorragend erklären.
Die Arbeit von Pan-Montojo und Kollegen gibt damit neue
Einsichten, wie Umweltfaktoren Parkinson auslösen können und
legt einen transsynaptischen Mechanismus nahe, durch den sich
die Parkinson-Erkrankung in Nervenfasern vom Darm bis ins
zentrale Nervensystem ausbreitet. Das bessere Verständnis der
Ursachen, des Entstehens und des Fortschreitens der
Parkinson-Krankheit eröffnet neue Ansätze beim Erforschen
geeigneter Heilmittel.
Kontakt:
Technische Universität Dresden
Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus
Institut für Anatomie
Prof. Richard Funk
Tel.: 0351 – 458 6110
E-Mail
Richard.Funk@tu-dresden.de