Schutz und Regeneration von Photorezeptoren bei
altersbedingter Degeneration der Makula im Tiermodell bereits
erfolgreich getestet
Bisher
gibt es für die altersbedingte Makuladegeneration (AMD)
keine Heilungschancen, sondern nur die Möglichkeit, das
Absterben weiterer Zellen zu verzögern und so die
zentrale Sehschärfe länger zu erhalten. Dieser
Problematik widmen sich Forscher der Medizinischen
Fakultät Carl Gustav Carus und der Life-Science-Inkubator
GmbH & CoKG (LSI) an den Standorten Dresden, Hamburg
und Bonn. Ziel des innovativen Ansatzes der
Mesentech-Gruppe ist es, den fortschreitenden Prozess der
Sehzellen-Degeneration zu stoppen bzw. im optimalen Fall
sogar umzukehren. Das geschieht durch den Einsatz
körpereigener Zellen der Patienten, sogenannter
mesenchymaler Stammzellen. Um eine Zelltherapie in die
klinische Anwendung zu bringen, erfordert es aber einen
langen Atem von bis zu zehn Jahren. Das Projekt wird
hierbei durch eine innovative Fördermaßnahme des Bundes,
den so genannten Life Science Inkubator, mit fast zwei
Millionen Euro unterstützt. Das Mesentech-Team –
bestehend aus drei Wissenschaftlern, zwei PostDocs und
zwei Technischen Assistenten – treibt nun die Entwicklung
der in dieser Art ersten für das menschliche Auge
geeigneten Therapie bis zur ersten klinischen Phase
voran.
Die häufigste
Erblindungsursache im Alter ist in den westlichen
Industrienationen die Makuladegeneration. Es gibt
Schätzungen, dass aufgrund der sich verschiebenden
Alterspyramide 2020 etwa 25 Prozent der Bevölkerung über
60 Jahre von AMD betroffen sind. Die Krankheitshäufigkeit
in der Gesamtbevölkerung beträgt drei Prozent. Bezogen
auf die Gesamtbevölkerung entspricht dies elf Millionen
Menschen in Nordamerika, Westeuropa und Japan. Ursachen
der AMD liegen im Alter, in genetischen Faktoren, im
Rauchen, in entzündlichen Prozessen und in der Ernährung
(Vitaminmangel). Ansonsten ist zu den Ursachen und
Vorgängen bei der Entstehung der Krankheit wenig
bekannt.
Bisher mussten Betroffene einmal monatlich
gefäßwachstumshemmende Stoffe – so genannte VEGF-Hemmer – mit
einer Spritze durch den Augapfel hindurch an die Makula bringen
lassen. Das funktioniert aber nur bei der „feuchten Form“ der
AMD, die 20 Prozent aller Makuladegenerationen ausmacht. Diese
Form der Behandlung ist mit hohem Aufwand und hohen Kosten von
800 bis 1500 Euro je Spritze über einen langen Zeitraum
verbunden. Aber für 80 Prozent der Betroffenen – den Anteil,
der an der „trockenen Form“ der AMD leidet – gibt es keine
grundlegende Therapie.
Hier will Mesentech für Abhilfe sorgen. «Das Projekt Mesentech
entwickelt eine regenerative und protektive Zelltherapie für
Patienten mit degenerativen Netzhauterkrankungen unter
Verwendung von körpereigenen Zellen“, erklärt Projektleiter
Dierk Wittig. „Dabei liegt der Fokus auf der altersbedingten
Makuladegeneration sowie der diabetischen Retinopathie.“ Das
Voranschreiten dieser Erkrankungen kann bis heute nicht
wesentlich beeinflusst werden. Mesentech will schwere
Krankheitsverläufe in Zukunft verhindern, indem die Therapie
bereits in frühen Krankheitsstadien Anwendung findet.
»Degenerative Netzhauterkrankungen sind typische
Alterskrankheiten, über ein Viertel aller Menschen über 60
Jahren sind davon betroffen. Die aktuellen Standardtherapien
können lediglich in den späten Krankheitsstadien angewendet
werden und können eine Erblindung nicht verhindern. Eine echte
Verbesserung der Lebenssituation kann zu diesem Zeitpunkt nicht
mehr erreicht werden. Und dort setzt Mesentech an. „Wir wollen
diesen Menschen zu einer hohen Lebensqualität, auch im höheren
Alter, verhelfen.“
Die Planungen zum Projekt überzeugten schon mit einem ersten
Platz im Businessplan Wettbewerb „futureSAX“ in der Kategorie
„Gründen“. Durch diesen Erfolg wurde der Life Science Inkubator
(LSI) am Bonner Forschungszentrum caesar auf das Projekt
aufmerksam. Dieser bietet ein in Deutschland einzigartiges
Inkubationskonzept. Durch eine systematische und
zielorientierte Evaluierung und Projektsteuerung wird das
Forschungs- und Entwicklungsrisiko minimiert und so eine
stabile Basis für die spätere Gründung erarbeitet. Für die
Umsetzung wird der Life Science Inkubator von Bundesministerium
für Bildung und Forschung, Fraunhofer, Helmholtz Gemeinschaft,
Max Planck Gesellschaft sowie anderen außeruniversitären
Forschungseinrichtungen und Kapitalgebern,
finanziert.
Nach detaillierter
Evaluierung der bisherigen Arbeiten wurde die
Forschergruppe Mesentech vom Investmentgremium der Life
Science Inkubator GmbH zur sogenannten Inkubation
empfohlen. Daraus ergab sich die Entscheidung zur
Aufnahme in das Förderprogramm, wodurch über die
kommenden zweieinhalb Jahre eine Vollfinanzierung von 1,9
Millionen Euro in das Projekt fließt und eine Ausgründung
in Form einer GmbH erfolgt.
Das Institut für Anatomie, das durch den Mentor des Teams,
Prof. Richard Funk, geleitet wird, bietet durch seine
Infrastruktur sowie das vorhandene Know-how auf dem Gebiet der
Grundlagenforschung am Auge dafür die idealen Bedingungen.
Einen besonderen Beitrag leistet hier die Forschungsarbeit von
Dr. Monika Valtink, die sich bereits seit über dreizehn Jahren
mit der Entwicklung zellulärer Therapien für degenerative
Erkrankungen des Auges befasst. In den Laboren der Life Science
Inkubator GmbH in Bonn werden die speziellen molekularen
Mechanismen des Therapieansatzes erforscht und die Gruppe im
Rahmen von Personalentwicklung und Projektmanagement
qualifiziert. Den Bezug zur Praxis erhält das Projekt durch die
Einbindung der Chefärztin des Augenklinikums Chemnitz, Frau
Prof. Katrin Engelmann, für die der Kampf gegen die Folgen
degenerativer Netzhauterkrankungen zur täglichen Arbeit gehört.
Auch Frau Dr. Lange aus der Interdisziplinären Klinik und
Poliklinik für Stammzelltransplantation am Universitätsklinikum
Hamburg und Prof. Axel Zander sind in die Projektarbeit
eingebunden.
Kontakt:
Technische Universität Dresden
Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus
Institut für
Anatomie
Dierk
Wittig
Projektleiter
Mesentech
Tel. 0176 70625603
0351 458 6103
Fax 0351 458 6303
E-Mail Dierk.Wittig@tu-dresden.de
bzw. wittig@life-science-inkubator.de