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Dem frühen Herzinfarkt begegnen

Experten diskutieren neue Therapien bei Fettstoffwechsel- und immunologisch bedingten Erkrankungen

Menschen mit stark erhöhtem LDL-Cholesterin (Low-Density-Lipoprotein-Cholesterin) haben ein besonders hohes Herzinfarkt-Risiko. Medikamente können den LDL-Cholesterin-Wert senken. Doch das gelingt, trotz angepasster Ernährung, nicht bei allen Patienten. Das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden bietet solchen Patienten ein spezielles Blutreinigungsverfahren, die Lipoproteinapherese, an. Dabei wird das krankmachende LDL-Cholesterin zu mehr als 60 Prozent aus dem Blut gefiltert. Die Lipoproteinapherese der Dresdner Medizinischen Klinik und Poliklinik III ist inzwischen die größte universitäre Einrichtung ihrer Art in Deutschland. Ihr Leiter, der bekannte Fettstoffwechselforscher Prof. Dr. Ulrich Julius, lädt vom 15. bis 17. März bereits zum zweiten Mal internationale Experten zu einem Symposium in das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden ein, um neue Ergebnisse zur Lipoproteinapherese zu diskutieren.

Produziert ein Körper zu viel LDL-Cholesterin, kommt es zur Ablagerung von Blutfetten an den Blutgefäßwänden. Mögliche Folgen sind Arterienverschluss und Herzinfarkt. Normalerweise helfen Medikamente, die sogenannten Statine, sowie eine angepasste Ernährung, das ‚schlechte’ Cholesterin zu senken. Dies gelingt jedoch nicht immer, wie bei der familiären Hypercholesterinämie. Die Betroffenen sterben oft sehr früh an Herzinfarkten als Folge ihrer Stoffwechselstörung.

Der Dresdner Mediziner Professor Dr. Ulrich Julius gehört zu den international führenden Fettstoffwechsel-Experten. Seit 40 Jahren erforscht der Wissenschaftler Störungen und neue Therapien in diesem Bereich, begründete 1990 die Dresdner Lipoproteinapherese. Fast 70 Patienten erhalten hier zwei- bis viermal pro Monat an insgesamt neun Behandlungsplätzen eine Lipoproteinapherese-Behandlung. Mehr als 18.000 Behandlungen sind das in rund 21 Jahren.

Prof. Julius: „Bei diesem Verfahren wird das Blut - vergleichbar einer Hämodialyse - außerhalb des Körpers von den krankmachenden Fetten gereinigt. Dabei werden LDL-Cholesterin und andere Stoffe wie das Lipoprotein(a) sowie Triglyzeride in einem zwei- bis dreistündigen Verfahren herausgefiltert. Die Behandlung reduziert deutlich die Gefahr neuer kardiovaskulärer Ereignisse, zu denen Infarkte und Arterienverkalkung gehören“, so der Mediziner Julius.

Doch die Geräte, die das Blut von schlechtem LDL-Cholesterin reinigen, können noch mehr. Prof. Julius: „Mit diesem Verfahren kann man ebenso Antikörper und Giftstoffe aus dem Blut der Patienten entfernen und dadurch den Ablauf anderer lebensbedrohlicher Krankheiten positiv beeinflussen. Diese Therapie wird beispielsweise bei einigen Autoimmun-Erkrankungen eingesetzt, bei denen Antikörper gegen körpereigenes Gewebe gebildet werden. Die Antikörper sind vermutlich für die Erkrankung verantwortlich und werden darum aus dem Körper ausgewaschen.“

Um aktuelle Forschungsergebnisse und neue Therapieansätze mit anderen internationalen Spitzenforschern zu diskutieren, rief der Dresdner Wissenschaftler 2009 das „Dresden International Symposium on Therapeutic Apheresis“ ins Leben. Prof. Julius: „Beim unserem zweiten Symposium werden wir gemeinsam mit internationalen Spitzenforschern neue Wege bei der Behandlung von Fettstoffwechselstörungen diskutieren. Einen weiteren Focus werden wir außerdem auf die Immunadsorption legen und ihre Wirkung bei verschiedenen Erkrankungen wie pulmonaler Hypertonie oder multipler Sklerose diskutieren. Auf dem Symposium werden auch moderne Verfahren der Photopherese erörtert.“ Dies ist ein Verfahren, bei dem Blut mit lichtaktivierbaren Pharmazeutika behandelt wird, die dann mit UV-Licht aktiviert werden.

Das interdisziplinär angelegte Symposium bringt Experten aus den Bereichen Fettstoffwechsel, Transfusionsmedizin, Kardiologie, Nephrologie, Hämatologie, Dermatologie und Rheumatologie zusammen. Es wird auch Pflegepersonal aus Apherese-Einrichtungen teilnehmen.

 

Kontakt:
Medizinische Klinik und Poliklinik III
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus
Technische Universität Dresden
Prof. Dr. med. Ulrich Julius
Tel.: +49 0351 458 2306
E-Mail: ulrich.julius@uniklinikum-dresden.de
Internet: www.mk3.uniklinikum-dresden.de

 


Last modified: 13.03.2012 11:26
Author: Konrad Kästner


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