Das Philosophiestudium am Institut für Philosophie der TU
Dresden
Definitionen dessen, was Philosophie sei, gibt es so viele, wie
es Philosophen gibt. Auch die Motive, ein Philosophiestudium zu
beginnen, sind wahrscheinlich zahlreich. Soviel läßt sich
immerhin sagen: Philosophie hat es mit Grund- und
Grenzproblemen menschlichen Lebens, der Wissenschaften und
Künste zu tun. Dazu bedarf es - vielleicht noch mehr als beim
Studium ohnehin - der Neugier und der Lust am Denken. Dies
meint nicht nur ein Nach-Denken über schon zuvor Gedachtes,
sondern vor allem ein Mit-, Um- und Weiter-Denken. Hierzu sind
logisch-systematisches Denken und die Fähigkeit zu
argumentativer Kritik ebenso erforderlich wie geschichtlicher
Weitblick und geistige Kreativität. Alle diese Fähigkeiten
sollte der Studienanfänger zumindest im Ansatz mitbringen,
damit er sie entsprechend den gebotenen Chancen im Studium
weiter ausbauen kann.
Viele Anfänger brechen ihr Studium nach einer gewissen
Probephase aber wieder ab. Das ist kein Versagen, sondern ein
berechtigter Entschluss, wenn ein Fach, das ohnehin keine
großen Berufsaussichten bieten kann, inhaltlich nicht dem
entspricht, was man sich darunter vorgestellt hat. Das kann
gerade bei der Philosophie sehr schnell geschehen, denn sie ist
im Alltag oft von einer Aura umgeben, der sie nicht entsprechen
kann und will. Ebenso oft erscheint sie als Sinngebungsinstanz
für private Lebensentwürfe. Da ist die Überraschung dann groß,
wenn man an der Universität auf ein akademisiertes, in weiten
Teilen verwissenschaftlichtes Fach trifft. Deshalb ist es umso
wichtiger, sich zunächst einen möglichst weiten Überblick
darüber zu verschaffen, was das Fach Philosophie bieten kann
und was nicht, welche Erwartungen erfüllt werden können und
welche nicht.
Das Dresdner Institut für Philosophie wurde 1992 als eines der
größten philosophischen Institute der neuen Bundesländer neu
gegründet, und zeichnet sich bis heute durch ein breites und
vielfältiges Studienangebot aus. Neben dem Hauptaugenmerk der
Bachelor- und Masterstudiengänge in Philosophie sowie der
Lehramtsstudiengänge in Ethik/Philosophie ist es möglich
Philosophie in verschiedensten Umfängen als Ergänzung zu
studieren. Dabei ist es möglich den Bachelor in Philosophie
bereits in 3 Jahren und den Master in Philosophie bereits nach
weiteren 2 Jahren zu erreichen.
Studienanfänger müssen sich allerdings nur entscheiden zwischen
einem Studium der Philosophie oder einer Ausbildung als
Ethiklehrer. Über die einzelnen Erfordernisse der verschiedenen
Studiengänge können Sie weitere Informationen hier auf der
Homepage des Instituts, bei der Zentralen Studienberatung sowie
auf den entsprechenden Überblicksseiten der TU-Dresden finden.
Aber auch inhaltlich kann man sich in Dresden einen soliden,
breit gefächerten Überblick verschaffen - und zwar sowohl in
historischer als auch in systematischer Hinsicht. Im Rahmen der
Geschichte der Philosophie werden zunächst einmal die wichtigen
Standards, z.B. Antike, Deutscher Idealismus oder Philosophie
des 20. Jahrhunderts, abgedeckt. Darüber hinaus finden sich
hier Epochen, die an anderen Universitäten selten auch nur
angeboten werden, durch ausgewiesene Experten vertreten. So
etwa die mittelalterliche Philosophie, die Renaissance oder die
Aufklärung.
Betrachtet man die systematischen Orientierungen der
Gegenwartsphilosophie, so finden sich auch in dieser Hinsicht
die wichtigsten Richtungen in Dresden vertreten. Ob man sich
mit analytischen, hermeneutischen oder
transzendentalphilosophischen Fragestellungen und Methoden
vertraut machen will, in jedem Fall wird hier dazu Gelegenheit
sein. Zudem gibt es einige wichtige Sachgebiete, die man als
Dresdner Spezialitäten bezeichnen kann. So existiert in Dresden
ein wichtiger Schwerpunkt in technikphilosophischen
Untersuchungen, der sich mit dem Zentrum für interdisziplinäre
Technikforschung auch institutionell etabliert hat. Und obwohl
die Ausbildung von Ethiklehrern ein wichtiger Bestandteil aller
philosophischen Institute Sachsens ist, so findet sich in
Dresden Gelegenheit zur besonderen Vertiefung der didaktischen
und der religionsphilosophischen Aspekte des
Ethikunterrichts.
Auf einige übergreifende Forschungsprojekte, an denen
Mitglieder des Instituts für Philosophie beteiligt sind, sei
hier nur kurz hingewiesen.
In der theoretischen Philosophie ist das DFG Projekt zur
„Erklärung und Analyse epistemischer Werte“, in der praktischen
Philosophie das Teilprojekt P des SFB 804 „Transzendenz
und Gemeinsinn“ der Deutschen Forschungsgesellschaft sowie das
Forschungsprojekt „Gutes Leben im hohen Alter…“ der
Volkswagenstiftung hervorzuheben, welche die bundesweite, ja
sogar internationale Einbindung der Dresdner Philosophie
zeigen. Hinzu kommen die Mitherausgabe des vom Schweizer
Nationalfond geförderten „Grundrisses der Geschichte der
Philosophie“ (des sog. „Ueberweg“), und der „Zeitschrift für
Didaktik der Philosophie und Ethik“ so wie die Mitarbeit an
einem internationalen Forschungsprojekt am Consejo Superior de
Investigaciones Científicas (CSIC) in Madrid. Auch gibt es
zahlreiche (teils interdisziplinäre) Arbeitsgruppen, wie etwa
die zur Untersuchung philosophischer Aspekte des AAL (Ambient
Assisted Living) oder dem Verhältnis von Perspektivität und
Subjektivität
Im Rahmen der europäischen Austauschprogramme Sokrates und
Erasmus hat das Institut für Philosophie Verträge mit den
folgenden Universitäten abgeschlossen:
Italien: Bologna, Florenz, Pisa und Neapel.
Spanien: Madrid (Universidad de Complotense), Murcia, Granada
und Sevilla (Universidad de Olavide).
Frankreich: Bordeaux (Univerité de Montaigne).
Schweiz: Fribourg.
Bewerbungen haben große Chancen. Da die Kontingente selten
ausgeschöpft werden, sind Bewerberinnen und Bewerber aus
anderen Fächern der Philosophischen Fakultät willkommen.
Was die Philosophen hier wie anderswo letztlich wirklich tun,
erfährt man am besten durch ihre einzelnen Repräsentanten. Ob
man Philosophie in Dresden studieren sollte, kann man daher am
besten aus den Selbstdarstellungen der Institutsmitglieder
ersehen.
Studium der Ethik und Philosophie für das Lehramt an
Mittelschulen und Gymnasien
Ethik (oder Philosophie) als Schulfach gibt es in
West-Deutschland schon seit einiger Zeit. Dennoch führte es
dort in all den Jahren nur ein Schattendasein. Erst mit der
Einführung des Faches an ostdeutschen Schulen hat Ethik eine
neue Bedeutung erlangt. Hier wird sie von unvergleichlich mehr
Schülern als Alternative zum Religionsunterricht gewählt, hier
soll sie letztlich auch in allen Klassenstufen eingeführt
werden: von der Grundschule bis zur gymnasialen Oberstufe. Dies
ist natürlich auch eine neue Herausforderung für die
Philosophie als Disziplin.
Gern unterstellt man den Philosophen, sie lebten in einem
Elfenbeinturm. Mit einem Schulfach Ethik kann die Philosophie
auch institutionell beweisen, dass dieses Vorurteil nicht
zutrifft. Allerdings muss man sich davor hüten, das Fach auf
eine zu kurzsichtige Weise praktisch werden zu lassen. Eine
davon ist, Ethik als Bereich aus dem größeren Rahmen der
Philosophie zu isolieren.
Es gibt aber sowohl fachwissenschaftliche als auch didaktische
Gründe, die gegen eine Trennung von Ethik und Philosophie
sprechen. Auf der einen Seite hat die Ethik ihre historischen
Voraussetzungen in der Philosophie. Solange die Ethik als
philosophische Disziplin existiert, steht sie im Kontext von
Anthropologie, politischer Philosophie, Rechts- und
Sozialphilosophie, Geschichtsphilosophie sowie auch von
Erkenntnistheorie, Metaphysik und Religionsphilosophie. Wenn
moralische Regeln auf ihre Geltung hin geprüft werden, stellen
sich Fragen wie: Welche Vorstellung vom Menschen verbirgt sich
dahinter? Welche Idee von sozialer Gerechtigkeit ist legitim?
In welcher Beziehung steht die Moral zu Recht und Politik? Die
Beantwortung dieser Fragen erfordert also eine thematisch
erweiterte philosophische Reflexion.
Auf der anderen Seite orientiert sich die gegenwärtige Ethik
verstärkt an der Anwendung moralischer Regeln auf bestimmte
Problemfelder, wie die neu etablierten speziellen Ethiken
demonstrieren: ökologische Ethik, Medizin-Ethik,
Wirtschafts-Ethik, Ethik der Medien usw. Gerade diese konkreten
Anwendungsbereiche machen dieses Fach nicht zuletzt im
Schulunterricht besonders attraktiv. Wenn nun diese
Problemfelder unter ethischen Aspekten reflektiert werden
sollen, spielen die oben genannten philosophischen Disziplinen
wieder eine wesentliche Rolle. Geht es beispielsweise um Fragen
der Reproduktionsmedizin oder Gentechnologie, sind sicherlich
bestimmte Grundkenntnisse der Biologie oder Medizin
erforderlich; aber ein ethisch-philosophisches Urteil erfordert
darüber hinaus die Einbeziehung genuin anthropologischer
Fragestellungen.
Vor dem Hintergrund dieser Überlegungen ist an unserem Institut
eine Studienordnung entstanden, die sowohl den äußeren
Rahmenbedingungen als auch den fachlichen Erfordernissen
gerecht wird. Daher enthält das Curriculum für das Fach Ethik
so viele Schwerpunkte aus der Philosophie, dass Sie ein
interessantes und wohl auch anspruchsvolles Studienangebot
erwarten dürfen.
Wenn Sie also Ihr philosophisch orientiertes Ethikstudium
aufnehmen, beschränken Sie sich nicht auf ausschließlich
»ethische« Themen, weil Sie vielleicht glauben, nur diese seien
für den späteren Unterricht verwertbar. Nutzen Sie vielmehr die
angebotene Breite und Tiefe, weil Sie nur vor diesem
Hintergrund die nötige Kompetenz erwerben können. Frei nach dem
Motto: Wer bloß die Ethik kennt, versteht auch von dieser
nichts.