Homepage of Technische Universität Dresden

Personal tools
Home » ... » Botanischer Garten » Termine » Boselgarten
Sections

This document is not available in the language you requested. It is therefore shown in Deutsch
Translated versions are available in following languages: Deutsch

Boselgarten

Willkommen auf der Bosel

Blick von der Bosel nach Sörnewitz

Anfang des 20. Jahr­hunderts bearbeitete der bedeutende Botaniker Prof. Oskar Drude, Leiter des Botani­schen Instituts und des Botanischen Gartens der Techni­schen Hochschule Dresden, die Pflan­zengesellschaften des Elbhügellandes. Dieses Gebiet umfasst das Elbtal und seine Randhöhen zwischen Pirna und Hirschstein. Gegen­über dem übrigen Sachsen weist es höhere Durchschnittstemperaturen und geringere Niederschläge auf. Viele hier vorkommende Wärme und Licht liebende Pflanzenarten wanderten nach der Eis­zeit aus den Steppengebieten Südost-Europas in das Gebiet ein. Klimaänderungen und der langsamer nachziehende Wald verdrängten sie später auf Rückzugsstandorte. Typische Beispiele solcher Rückzugsgebiete im Raum Meißen sind die Knorre, der Göhrisch-Felsen und die Bosel.

Blick von Sörnewitz auf den Boselfelsen

Abgesehen von der botanischen Bedeutung war der Boselfelsen von jeher markantes Wahrzeichen der Region und beliebter Aussichtspunkt. 1904 ging der Steinbruch am Boselfelsen an die Firma Dümling über. Der Besitzerwechsel hatte eine so starke Intensi­vierung des Abbaus zur Folge, dass Heimatfreunde und Botaniker um den Standort fürchten mussten. Da man sich damals noch nicht auf Natur­schutz­gesetze berufen konnte, erwarb der „Landesverein Säch­sischer Heimatschutz“ (LSH) auf Anraten Prof. Drudes und mit Unterstützung des Meißener Verschönerungsver­eins 1908 ein Flurstück nahe der Abbruchkante - die Keimzelle des heutigen Boselgartens. Damit war dem Steinbruch eine Eigentumsgrenze gesetzt. Die bedrohten Pflanzenarten konnten bewahrt werden und sollten sich vom Garten aus wieder ausbreiten. Von 1928 bis 1930 verwirklichte der Drude-Schüler Prof. Arno Naumann die heute noch in weiten Teilen gültige Konzeption des Boselgartens.

Blick in den Garten

Dem Wirken des LSH ist auch der endgültige Erhalt der Boselspitze zu danken: Das erste Reichsnaturschutzgesetz 1935 ermöglichte es, den Steinbruch an massive Auflagen zu binden; dies führte langjährige Bemühungen des LSH um einen Erwerb des Steinbruchgeländes 1943 zum Erfolg. Die Kaufsumme betrug 50.000 RM – ein stattlicher Betrag für eine Vereinigung von Privatleuten mitten im II. Weltkrieg. 1948 wurde der gesamte Besitz des LSH an der Boselspitze als Naturdenkmal unter Schutz gestellt. Das umgebende Spaargebirge genießt seit 1974 den Status eines Landschaftsschutzgebietes. Nach der widerrechtlichen Enteignung des LSH 1949 fiel der Boselgarten der „Hauptver­waltung Staatliche Schlösser und Gärten“ zu. 1957 setzte sich erneut ein Botaniker – Prof. Herbert Ulbricht von der Technischen Hochschule Dresden – für ihn ein. Auf dessen Initiative hin wurde er zur Außenstelle des Botanischen Gartens Dresden und erlangte damit eine solide Grundlage für die Zukunft.

Anthericum liliago - Astlose Graslilie

Der Boselgarten zeigt auf einer Fläche von insgesamt ca. 2.500 m² etwa 850 verschiedene Pflanzenarten. Den Schwerpunkt bilden bis heute die Wärme liebenden ( = thermophilen) Arten des Elbhügellandes. Die morphologischen Formen der Anpassung an Trockenheit kann man im Garten gut beobachten. Neben Pflanzen, die der Wanderer im landschaftlich schönen Elbtal noch relativ häufig findet, zeigt der Garten viele Arten, die am natürlichen Standort selten gewor­den oder gar ausgestorben sind. Etwa 200 von ihnen stehen in der Roten Liste Sachsens:



So kann der Besucher im oberen Gar­tenteil z. B. die beiden Graslilien-Arten (Anthericum
liliago und A. racemosum), den Blutroten Storchschnabel (Geranium sanguineum), den Blauen Lattich (Lactuca perennis), die Wiesen-Kuhschelle (Pulsatilla pratensis ssp. nigricans), das Felsen-Fingerkraut (Potentilla rupestris) oder seltene Gräser wie die Erd-Segge (Carex humilis) oder das Steppen-Lieschgras (Phleum phleoides) finden.
Geranium sanguineum - Bluter Storchschnabel
Lactuca perennis - Blauer Lattich


Dictamnus albus - Diptam

Ähnliche klimatische Verhältnisse wie im Elbhügelland herrschen im nahegelegenen Böhmen und Thüringen. Die geographische Lage (Einwanderung von Pflanzen aus dem Osten bzw. Westen) und eine größere Häufigkeit kalkreicher Böden ließen dort eine besonders reichhaltige thermophile Flora entstehen. Der mittlere Teil des Boselgartens zeigt Pflanzen, die im Elbhügelland fehlen, aber in Thüringen und/oder Böhmen heimisch sind. Hier finden sich so attraktive Stauden wie der Dip­tam (Dictamnus albus), das Frühlings-Adonisröschen (Adonis vernalis) und verschiedene Federgras-Arten (z.B. Stipa pulcherrima), die den aufmerksamen Besucher zur Zeit der Samenreife mit einem raffinierten Mechanismus der Samenausbreitung überraschen. In zwei Quartieren trägt eine Deckschicht aus Pläner (heller, geschichteter Kalk­stein, der plattenartig verwittert) dem Bedarf bzw. günstigen Einfluss von Kalk auf die Entwicklung vieler Wärme liebender Arten Rechnung.



Um im Boselgarten langfristig zum Erhalt ausgewählter gefährdeter Arten beizutragen, sind besondere Maßnahmen nötig: Wir kultivieren z. B. von der Violetten Königskerze (Verbascum phoeniceum) und der Bologneser Glockenblume (Campanula bononiensis) eine größere Zahl von Individuen mit möglichst großer genetischer Breite unter Bedingungen, die den Naturstandorten möglichst nahe kommen. Ausgangsmaterial ist Saatgut aus dem Raum Meißen, dessen Herkunft genau dokumentiert ist. Diese Erhaltungskulturen sowie eine kleine Sammlung früher in Sachsen heimischer und inzwischen z. T. vom Aussterben bedrohter Ackerun­kräuter findet der Besucher auf den Terrassen in der Nähe der unteren Gartenpforte. Hier wachsen z. B. Kornrade (Agrostemma githago), Feldlöwenmaul (Misopates orontium) und die Saat-Wucherblume  (Glebionis segetum).     

Die Monate Mai und Juni sind die günstigste Zeit, um die typischen Vertreter des Gartens in Blüte zu erleben: Viele der gezeigten Pflanzen sind bestrebt, die Frühjahrsfeuchte auszunutzen und ihre Entwicklung bis zur Samenreife abzuschließen, ehe die sommerliche Trockenperiode einsetzt.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!



Öffnungszeiten: 
wochentags Uhrzeit
mittwochs 09.00 bis 17.00 Uhr
Samstag und Sonntag
10.00 bis 17.00 Uhr
     Aus betrieblichen Gründen ist der BOSEL-Garten
     in der Zeit vom 23.04.12 - 05.05.12 geschlossen
    
und nur am Sonntag, den 29.04.2012 geöffnet!


Eintritt: frei
Spenden willkommen!


Führungen nach Vereinbarung unter: Tel.: 0172/ 353 84 19

Zu erreichen über:

* Elbradweg bis Sörnewitz
* S-Bahn bis Coswig, weiter mit dem Regionalbus bis Sörnewitz
* S-Bahn bis Meißen, weiter mit dem Stadtbus Linie A bis Oberspaar
* PKW-Abstellmöglichkeit vorm Gästehaus "Zur Boselspitze"
* die Fußwege zum Boselgarten sind ausgeschildert

Last modified: 20.04.2012 14:34
Author: Barbara Ditsch

Dates
ab 01. April
Contact
Barbara Ditsch
Phone: +49 351 4593185
Fax: +49 351 4403798
email iconbot.garten@tu-dresden.de

Office:
Botanischer Garten,
Stübelallee 2


Mail & Bulk Mail to:
Botanischer Garten
Stübelallee 2
01307 Dresden