Untersuchung einheimischer Raubsäuger und deren Einfluss auf Wasservögel,  sowie Prädatorenreduktion und deren Wirkung in einem Teichgebiet in Mecklenburg (Lewitz)

Projektleiter: Frau Prof. Dr. Mechthild Roth

Projektmitarbeiter: Norman Stier, Jana Zschille, Marcus Borchert

Laufzeit: Januar 2007 bis Dezember 2011

Auftraggeber/Finanzierung: Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg Vorpommern (Mittel der Jagdabgabe)

Schlagworte: Marderhund, Waschbär, Mink, Fuchs, Dachs, Iltis, Baummarder, Steinmarder, Bruterfolg, Monitoring

Projektbeschreibung:

Ziel
Im Vorprojekt zu Marderhund, Waschbär und Mink und deren Einfluss auf Wasservogelarten wurden 2003-2006 die 3 Neozoen und parallel Wasservögel und deren Bruterfolg untersucht. Da sich dort zeigte, dass sehr unterschiedliche Arten (Raubsäuger, Rabenvögel, Greifvögel & Schwarzwild) bei der Prädation vertreten waren, sollen einerseits die anderen wichtigen, einheimischen Raubsäuger Fuchs, Dachs, Iltis, Baum- und Steinmarder und deren Einfluss auf Wasservögel untersucht werden. Andererseits ist zu einem späteren Zeitpunkt geplant, im Rahmen einer Prädatorenregulierung deren Bestand zu dezimieren und damit den Bruterfolg der Wasservögel zu verbessern. Parallel dazu soll weiterhin das Brutvogelmonitoring durchgeführt werden, um den Erfolg zu überprüfen. Durch die Auswertung der Bejagung und eine gleichzeitige Überwachung der Prädatorendichten ist außerdem eine Bewertung der unterschiedlichen Bejagungsmethoden für die einzelnen Arten möglich. Hieraus lassen sich verallgemeinerbare Hinweise zu den verschiedenen Methoden sowie deren Effektivität ableiten, die allen interessierten Jägern weiterhelfen können, eine wirklich erfolgreiche Bejagung der Prädatoren durchzuführen.

Untersuchungsgebiet/Methoden
Das Untersuchungsgebiet ist identisch mit dem im Marderhund-Waschbär-Mink-Projekt (siehe dort) und umfasst das Gebiet des südöstlich von Schwerin gelegenen NSG „Fischteiche in der Lewitz“ und dessen Umgebung. Neben den ca. 10 km2 großen Karpfenteichen dominieren Wiesen mit Entwässerungsgräben, ein naturnaher Flusslauf, Feldgehölze, Baumreihen und Hecken.

Um Bestandeszahlen und die Lebensraumnutzung (Nahrungshabitate, Schlafplätze) der 5 Raubsäuger untersuchen zu können, müssen eine repräsentative Anzahl aller Arten telemetriert werden. Sie werden mit unterschiedlich großen Kastenfallen gefangen, narkotisiert und mit Halsbandsendern (Fa. Wagener Köln) markiert. Wie beim Mink werden auch beim Iltis aus Tierschutzgründen Implantatsender verwendet.
Über das Einsammeln von Losungsproben und Fraßresten an den Tagesverstecken der telemetrierten Tiere wird das jeweilige Nahrungsspektrum ermittelt. Beim Iltis und bei beiden Marderarten ist dabei oft eine individuelle Zuordnung möglich, was eine Verschneidung der Nahrungsergebnisse mit denen der Raumnutzung erlaubt. Beim Dachs kann Losung nur pro Familienverband eingesammelt werden und der Fuchskot kann meist gar nicht zugeordnet werden.
Zur Erfassung der Prädationsraten und –ursachen werden wie auch im Vorprojekt Wasservogelnester kartiert, regelmäßig kontrolliert und der Bruterfolg registriert. Zusätzlich werden einzelne Nester videoüberwacht, um die Nesträuber artenmäßig erfassen zu können.

Ergebnisse/Diskussion (Stand September 2008)
 

Baum- und Steinmarder

Baummarder_S.Hans © Susann Hans Baummarder_S.Hans © Susann Hans
Baummarder_S.Hans

© Susann Hans

Bisher wurden 10 Baummarder (6 Revierbesitzer, 4 Welpen) und 7 revierbesitzende Steinmarder gefangen, besendert und telemetriert. Im Teichgebiet und seiner unmittelbaren Umgebung leben 3 Baummarderrüden und 2 -fähen. Beim Steinmarder waren nicht alle Tiere besendert, so dass wir einen Bestand von 4 Rüden und 6-7 Fähen schätzen. Beide Baummarderweibchen gebaren 2007 und 2008 Welpen, wobei BF5 im Jahr 2008 den gesamten Wurf verlor. Die vier 2007 besenderten Welpen blieben anders als erwartet bis zum Frühjahr 2008 im elterlichen Aktionsraum. Zwei von ihnen wanderten weit ab, einer nutzt im Untersuchungsgebiet kleine Feldgehölze in „Warteposition“ und der Vierte konnte dem residenten Rüden BR2 einen Aktionsraumteil abjagen. Von den geschlechtsreifen Steinmarderfähen warfen auch fast alle (2007: SF2, SF5; 2008: SF4). Lediglich SF5 bekam 2008 keinen Nachwuchs.
Während der Nahrungssuche nutzen beide Marderarten vor allem die deckungs- und nahrungsreichen Gehölze und Baumreihen sowie die Gewässerufer. Bei der Schlafplatzwahl stellten Gebäude eine limitierte Ressource für die Steinmarder dar, die auch deren Verteilung im Gebiet beeinflusst. Die in großen Mengen vorkommenden Vogelnester, Kobel und Baumhöhlen wurden, wie in der Literatur beschrieben, auch hier in den sonst teilweise Baummarder-untypischen Lebensräumen genutzt. Bei dieser Spezies scheint die Verteilung der Gehölze der Haupteinflussfaktor für die Verteilung im Raum zu sein.


Fuchs und Dachs

markierter und besenderter Dachs_N. Stier © Norman Stier markierter und besenderter Dachs_N. Stier © Norman Stier

markierter und besenderter Dachs

markierter und besenderter Dachs_N. Stier

markierter und besenderter Dachs © Norman Stier

Bisher wurden trotz erheblichen Aufwandes nur fünf ausgewachsene Füchse (1 Rüde, 4 Fähen) und fünf Dachse (2 Rüden, 3 Fähen) gefangen und mit Halsbandsendern ausgestattet. Weiterhin gefangene Fuchswelpen wurden mit Ohrmarken markiert. Anhand der Telemetriedaten und der vorhandenen Dachsbaue schätzen wir den Dachsbestand auf 4-5 Familien. Beim Fuchs ist lediglich klar, dass eine sehr hohe Dichte vorherrscht. Genauere Informationen werden erst weitere Senderfüchse liefern. Die Telemetriedaten und Beobachtungen zeigten eine Lebensraumnutzung wie aus anderen Untersuchungen bekannt. Hierbei nutzten Füchse oft auch offene Wiesenflächen, während Dachse diese eher mieden. Fuchs und Dachs aber auch Marderhund und Waschbär suchen gezielt im Herbst die abgelassenen Teiche auf. 2008 wurde eine erhebliche Sterblichkeit bei Fuchs und Dachs teilweise auch den Mardern beobachtet, deren Ursachen noch nicht abschließend geklärt sind. Es starben mehr als die Hälfte der Fuchswelpen und einige adulte Tiere aller 4 Arten.

besenderter Fuchs_N. Stier.jpg © Norman Stier besenderter Fuchs_N. Stier.jpg © Norman Stier

markierter und besenderter Fuchs

besenderter Fuchs_N. Stier.jpg

markierter und besenderter Fuchs © Norman Stier



Iltis
2007 wurden lediglich 2 Iltisbeobachtungen und ein Todfund registriert. Auch die Beobachtungen und Beifänge aus den Vorjahren belegen, dass innerhalb der Teiche, wenn überhaupt, nur Einzeltiere leben. Ob dabei das Vorkommen des Mink in den sonst sehr guten Iltislebensräumen eine Rolle spielt, konnte bisher nicht geklärt werden.

Andere Arten
Als Beifänge wurden etliche Minke und Marderhunde gefangen, außerdem 2 Waschbären, die ebenfalls besendert werden konnten. Beide Individuen waren jedoch leider nicht lange unter Kontrolle.

Wasservögel 

Zerstörtes-Eigelege_N.Stier © Norman Stier Zerstörtes-Eigelege_N.Stier © Norman Stier

zerstörtes Eigelege

Zerstörtes-Eigelege_N.Stier

zerstörtes Eigelege © Norman Stier

Die Ergebnisse des Brutmonitorings der Wasservögel bestätigten den bereits im Vorprojekt registrierten deutlichen Rückgang einiger Gruppen. In den Jahren 2007 bis 2010 wurden insgesamt 267 Wasservogelnester kontrolliert, von denen 22 auch mittels Videotechnik überwacht wurden. Besonders dramatisch zeigte sich die Situation bei der untersuchten Gruppe der Enten. Die Prädationsrate der kontrollierten 58 Nester lag bei 95 %. Die Nestprädationsraten bei den Graugänsen, Rallen und Tauchern lagen gemittelt über den Untersuchungszeitraum zwischen 50 und 60 %.  Eine Bestandserhaltung ist bei den ermittelten Werten nicht möglich. Lediglich die Schwäne sind im Untersuchungsgebiet von der Nestprädation nicht signifikant betroffen.
Durch die Videoüberwachung einiger Nester wurden die Raubsäuger Marderhund, Fuchs, Mink, Waschbär sowie die Vögel Aaskrähe und Rohrweihe als Prädatoren ermittelt. Teilweise konnten auch mehrere Prädatoren an einem Nest nachgewiesen werden, so z. B. Marderhund und Aaskrähe. Beachtenswert ist der hohe Anteil der Neozoenarten an der Nestprädation. Der Marderhund spielt besonders bei der Prädation von Enten- und Graugansgelegen eine Rolle, der semiaquatisch lebende Mink prädiert sowohl Entennester, als auch Rallen- und Tauchernester.
Prädatorenregulierung Mit dem Start der zweiten Projektphase im Oktober 2009 begann die Prädatorenregulierung. Hierfür wurde ein umfangreiches Fallennetz aus unterschiedlichsten Fallentypen errichtet. Zusätzlich wurde auch versucht mit Abschuss, vor allem von Fuchs & Marderhund, den Bestand zu verringern.
Mit diesem Ansatz wurden von Oktober 2009 bis Februar 2011 insgesamt 164 Stück Raubwild erlegt.

Raubsäugermonitoring
Im Rahmen des Raubsäugermonitorings, das vor allem mit Hilfe von Fotofallen und Minkspurflößen durchgeführt wird, zeigte sich, dass sich der Trend der Erfolge in der Raubwildbejagung in den Monitoringergebnissen widerspiegelt. Da erst ein erster Teil der Fotofallenbilder im Rahmen von zwei Bachelorarbeiten ausgewertet wurden, können noch keine detaillierten Endergebnisse vorgestellt werden.

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Richard Georgi
Letzte Änderung: 14.08.2018