Wozu ist die Professur für Verkehrsökologie da?

Die Professur für Verkehrsökologie an der Fakultät für Verkehrswissenschaften „Friedrich List“ wurde 1994 eingerichtet und ist die einzige universitäre Professur auf dem Gebiet Umwelt und Verkehr. Entsprechend der offiziellen Widmung „hat die Professur dazu beizutragen, dass die Umweltwirkungen des Verkehrs verringert werden“.

Umweltbelastungen kann man sowohl durch technische Maßnahmen als auch durch die Veränderung des Verkehrsverhaltens reduzieren.

Selbstverständlich verfolgt die Professur in Forschung und Lehre beide Ansätze: Im ersten Bereich werden alle von Straßen-, Schienen-, Schiffs- und Flugverkehr  ausgehenden Abgasbelastungen erfasst, modelliert und berechnet, um etwa technische Reduktionsmaßnahmen zu entwickeln und einzusetzen. Steigen dann allerdings durch Verhaltensänderungen oder durch andere Raumnutzungen die Gesamtverkehrsmengen wieder an, dann werden diese technischen Vorteile z. T. (über-) kompensiert. Der erste Ansatz ist deshalb sinnvoll und gut, aber für sich allein bleibt er ungenügend. Wegen dynamischer Reaktionen der Verkehrsnutzer muss er unbedingt durch den zweiten Ansatz ergänzt werden.

Veränderungen des Verhaltens der Verkehrsnutzer sind aber oft unerwünscht: man muss mit dem Widerstand Betroffener rechnen. Deshalb muss immer die Akzeptanz für entsprechende Maßnahmen einbezogen werden. Entscheidend dabei ist das Vermitteln von Wissen. Von grundsätzlicher Bedeutung ist dabei der Unterschied zwischen „Mobilität“ und „Verkehr“, beides muss man streng voneinander trennen: Jede Stadt und jede Gesellschaft kann entweder viele Mobilitätsbedürfnisse mit wenig Verkehr befriedigen; oder man kann für wenig Mobilitätsbedürfnisse viel Verkehr und einen hohen Verkehrsaufwand verursachen.

„Mobilität“ ist damit grundsätzlich zu unterscheiden von „Verkehr“. Mobilität ist das Ziel, Verkehr ist das Instrument dazu. Mobilität ist zu garantieren, ohne jede Frage: Den Menschen muss die Angst vor Ausschluss von Teilhabe und vor Mobilitätseinschränkungen genommen werden. Wie viel Verkehr man aber für Mobilität einsetzt, ist eine zweite Frage: Besser wäre es, wir würden wenig Ressourcen, wenig Zeit, wenig Energie, wenig Umweltbelastung, wenig Unfälle und wenig Klimaveränderung einsetzen.

Damit lässt sich als Leitlinie für die gesamte Arbeit der Professur festhalten:

Das Ziel aller Forschung und aller Lehre besteht in der Sicherstellung bedürfnisgerechter Mobilität aller Menschen – heute und morgen. Deshalb ist diese Mobilität grundsätzlich mit möglichst wenig Verkehr zu ermöglichen.

Derzeit tragen die Verkehrsnutzer allerdings nur einen Teil der durch ihr Verhalten entstehenden Gesamtkosten; viele Kostenbereiche, vor allem die ökologischen Kosten (Lärm, Abgas, Klimaveränderung, usw.), werden auf Dritte verlagert: auf andere Menschen, auf andere Länder, auf andere Generationen. Preissignale sind wichtige Informationsträger für Verhaltensentscheidungen. Deshalb sind stetige Schritte hin zu mehr Kostenwahrheit von entscheidender Wichtigkeit: Jeder Schritt hin zu weniger Kosten-Unwahrheit erhöht die Effizienz des Verkehrssystems insgesamt – und ist ein Schritt zu weniger Un-Nachhaltigkeit.

Thematisch arbeiten wir dabei vorrangig in den folgenden Arbeitsfeldern:

  • Abschätzung der Umweltbelastungen aus dem Verkehr: Messung und Modellierung der Emissionen von Luftschadstoffen, Lärm und CO2; Emissionsfaktoren von Fahrzeugen, Fahrmuster sowie Verkehrssituationen; Energieverbräuche, Energieflussmodelle und kumulierte Energieaufwände
  • Monetarisierung von Umweltwirkungen: Bewertungsmethoden, Monetarisierungsansätze und Maßnahmen zur Internalisierung
  • Konzeptionierung und Bewertung von Maßnahmen zur Reduktion der Umweltbelastungen: Handlungsansätze verschiedener Akteure und Ebenen sowie deren Umsetzung; Rad- und Fußverkehr, öffentlicher Verkehr und Naherreichbarkeit, Klimaschutzstrategien
  • Mobilität und Bedüfnisabdeckung: Welche Mobilitätsbedürfnisse werden mit welchen Aufwänden, welche werden nicht abgedeckt? Mobilitätsbedingte soziale Exklusion
  • Bewusstseinsbildung und Information: Erarbeitung von Leitfäden, Lehrmaterialien, Informationen oder Schulungskonzepten; Nachhaltige Verkehrsentwicklung, Verkehr in Entwicklungsländern

Dresden, 01.06.2016

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Letzte Änderung: 15.11.2016