Perspektiven

Am Zentrum für Integrationsstudien (ZfI) werden die sprachlichen, kulturellen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und juristischen Dimensionen des Themenfeldes Integration erforscht, um die Potentiale, aber auch die Hürden auf dem Weg zu einer inklusiven Gesellschaft differenzierter beschreiben und klären zu können.

Die einzelnen Handlungsfelder, in denen sich das Zentrum für Integrationsstudien (ZfI) dieser Aufgabe nähert, lassen sich in drei Dimensionen beschreiben: Integration durch Sprache, Kultur und soziale Praxis.

Integration durch Sprache

Sprache hat eine Schlüsselfunktion für die Integration der Neuzugewanderten in unsere Gesellschaft. Sprache ist Voraussetzung für den Zugang zum Arbeitsmarkt, die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und dafür, dass zugewanderte Menschen in der Zukunft eigene Beiträge für unser Land und unsere Gesellschaft leisten können. Mit Sprache werden aber auch Wirklichkeiten und Normalitätsannahmen (re)produziert und manifestiert. Worte als Begriffe sind Legitimationswerkzeuge für die Abbildung von Differenz. In der Sprachpraxis, d.h. im Handeln durch Sprache, erfolgt stets eine Thematisierung von Zugehörigkeit bzw. Ausschluss / Abgrenzung. Mit Sprachwendungen wie “Menschen mit Behinderung” oder “Menschen mit Migrationshintergrund” werden Unterschiede markiert und zugleich als eine symbolische Differenz problematisiert. Sprachliche Bildung, die gesellschaftliche Teilhabe ermöglich, ist ein zentrales Element von Integration in einer inklusiven Gesellschaft. Sie ist aber auch eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, da es eine Kultur der Mehrsprachigkeit zu etablieren gilt, in der diese nicht als Hemmnis, sondern als Potential verstanden wird und sprachliche Ausgrenzungsmechanismen reflektiert werden.

Integration durch Kultur

Kultur kann verstanden werden als Lebensweise von sozialen Gruppen. Die Funktion von Kultur besteht in der Stiftung von Bedeutung, die identitätsbildend für den Einzelnen wird. Im Deuten wird Kultur auch als Differenzschema genutzt, indem mit Kultur eine Konstruktion von “Wir” und “Andere”, von “drinnen” und “draußen” erfolgt. Kulturen schaffen Differen-zen, die zur Eigenstabilisierung notwendig sind. Durch Kultur als Dimension von Integration kann folglich aufgezeigt werden, unter welchen Bedingungen kulturelle Unterscheidungen funktionalisiert werden. Sind diese Bedingungen bekannt, lassen sich daraus Maßnahmen für erfolgreiche Integration in einer inklusiven Gesellschaft ableiten. Damit wird deutlich, dass es im Prozess der Integration nicht darum geht, einseitig “Andere” zu “inkludieren”. Vielmehr geht es darum, die Gesellschaft als inklusive Gesellschaft zu gestalten, in der jedem Menschen eine Teilnahme und ein Empowerment als Mitglied der Gesellschaft ermöglicht wird.

Integration durch Soziale Praxis

Soziale Praxis als dritte Dimension von Integration legt den Fokus auf den Ablauf des sozialen Geschehens. Soziale Praktiken lassen sich als Kontexte von Tätigkeiten vor dem Hintergrund der Situation, in der sie sich zeigen, beschreiben. Aus der Beschreibung von sozialen Praktiken kann abgelesen werden, wie soziale Ordnungen funktionieren und wie sie konstruiert werden. Das Spektrum der Situationen reicht von Bildung und Erziehung über Arbeit, Wirtschaft, Recht hin zu Politik und Religion und weit darüber hinaus. Hier gilt es, die in der sozialen Praxis geltenden Ordnungsrahmen zu identifizieren und zu verstehen. Warum und wie werden Menschen durch soziale Kategorisierung in Gruppen zusammengefasst und dabei häufig bewertet? Grundlage der Zusammenfassung kann ein äußerlich sichtbares Merkmal sein ‒ wie die Hautfarbe oder das Geschlecht ‒ oder eine geteilte Überzeugung ‒ wie die Religions- oder Parteizugehörigkeit. Kategorien stellen den Menschen geeignete Ordnungsrahmen zur Verfügung, um soziale Situationen zu strukturieren. In diesem Sinne vereinfachen sie bestehende Verhältnisse und ermöglichen schnelles Handeln in konkreten Situationen.

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Letzte Änderung: 23.05.2017