Sonderforschungsbe­reich 1285: Invektivität. Konstellationen und Dynamiken der Herabsetzung

Logo

Phänomene der Schmähung und Herabwürdigung, der Beschämung und Bloßstellung haben nicht nur gegenwärtig in Politik und Gesellschaft eine erstaunliche Konjunktur; sie lassen sich epochen-  und kulturübergreifend als Fundamentaloperationen gesellschaftlicher Kommunikation verstehen. Als Störungs-, Stabilisierungs- und Dynamisierungsmomente sozialer Ordnungen haben sie das Potential, Gemeinschaften zu bilden und Gesellschaften zu prägen; dabei wirken sie zugleich destruktiv wie produktiv.

Der Forschungsverbund fasst solche Phänomene unter dem Terminus Invektivität. Invektivität beschreibt begrifflich jene Aspekte von Kommunikation (ob verbal oder nonverbal, ob mündlich, schriftlich, gestisch oder bildlich), die dazu geeignet sind, herabzusetzen, zu verletzen oder auszugrenzen. Erscheinungsformen und Funktionen des Invektiven – verstanden als sich realisierender Modus von Invektivität – unterliegen dabei keinem starren Muster, sondern treten in medialer, politischer, sozialer und ästhetischer Hinsicht in komplexen, historisch variablen Konstellationen auf. Sie können deshalb angemessen nur als performatives Geschehen, als relationales Geflecht von Zuschreibungen, Resonanzen und Anschlusskommunikationen sowie im Kontext ihrer sozialen, diskursiven und medialen Ermöglichungsbedingungen verstanden werden. Alle Ebenen des Sozialen werden von den produktiven Momenten destruktiver Kommunikation insofern mitbestimmt, als sie davon entweder hervorgebracht oder aufgelöst, jedenfalls aber verdichtet oder unter Spannung gesetzt werden.

Mit dem Konzept der Invektivität unternimmt es der geplante Sonderforschungsbereich, eine neue Perspektive kulturwissenschaftlicher Forschung zu entwickeln, um Voraussetzungen und Effekte herabsetzend-destruktiver Kommunikation kontextübergreifend beschreibbar zu machen. Er zielt kurz- und mittelfristig auf eine komparative Analytik von Konstellationen und Dynamiken des Invektiven, mittel- und langfristig auf eine Theorie von Invektivität. Die empirische Grundlage für eine Analyse der komplexen Konstellationen von Invektivität wird ein breites Spektrum von Untersuchungen bereitstellen, die von der Antike bis zur Gegenwart reichen. Sie dienen dazu, die unterschiedlichen Ausprägungen und Abstufungen von Invektivität – von der flüchtigen Gruppenkonstitution über (De-)Formationen sozialer Ordnungen bis hin zu epochalen Brüchen – zu erfassen. Auf dieser Basis werden gesellschaftliche Funktionen und kulturelle Formen von Invektivität sicht-, beschreib- und vergleichbar gemacht.

weitere Informationen

https://tu-dresden.de/gsw/sfb1285

Zu dieser Seite

Letzte Änderung: 04.01.2018