08.09.2016 - 10.09.2016; Tagung

Dresdner Symposium "Digitale Revolution in der Demokratie": Wie die Digitalisierung die Politik verändert: Trends, Mechanismen und Strategien

Philosophische Fakultät; Institut für Kommunikationswissenschaft; Staatskanzlei des Freistaats Sachsen
Ganztägig
Institut für Kommunikationswissenschaft, TU Dresden
Zellescher Weg 17
01062 Dresden

Die Digitale Revolution verändert Prozesse der politischen Kommunikation drastisch und in vieler Hinsicht. Anfangs hat sie vor allem die Mediatisierung im Rahmen der traditionellen Massenmedien angetrieben und dazu geführt, dass mediale Kommunikation als Mittel und als Bezugspunkt politischen Handelns wichtiger geworden ist. Nach der Jahrtausendwende gewann mit dem Web 2.0 eine Entwicklung die Oberhand, in deren Verlauf die zuvor stark homogenisierenden, eher zentripetal wirkenden Medien nunmehr auch starke zentrifugale Effekte ermöglichen und die Individualisierung und Vernetzung der politischen Kommunikation vorantreiben. Dies ist mit einem zweiten Strukturwandel der Öffentlichkeit verbunden, der die politischen Akteure vor große Herausforderungen stellt. Dies betrifft vor allem drei Entwicklungen:


1) Erleichterte Partizipation. Es ist nun technisch und ökonomisch für Jedermann leicht möglich, politische Botschaften auch ohne Massenmedien massenhaft zu verbreiten. Neue Formen der Partizipation wie E-Petitioning und E-Government erleichtern einerseits die Beteiligung, andererseits gibt es erste Hinweise darauf, dass sie ganz überwiegend die Partizipation derjenigen stärken, die auch außerhalb der digitalen Sphäre schon die politisch Aktivsten sind.


2) Algorithmischer Strukturwandel und Augmented Selectivity. Durch soziale Netzwerke und anderen digitale Angebote werden Informationsangebote zunehmend automatisch übermittelt und auf individuelle Bedürfnisse hin angepasst. Ausgehend von den Präferenzen und Gewohnheiten der Nutzer erfolgt eine algorithmische Selektion und Individualisierung politischer Information. Dies erhöht einerseits für den Einzelnen die Menge verfügbarer Information und die Wahrscheinlichkeit, Relevantes zu erfahren. Andererseits steigt damit das Ausmaß, in dem Information entsprechend der individuellen Wünsche, Meinungen und Kenntnisse ausgewählt wird (augmented selectivity). Es wird befürchtet, dass Filterblasen und Echo-Kammern die politische Polarisierung vorantreiben und die politische Diskussionskultur verroht.


3) Ressourcenkrise des Journalismus. Die Ertragskraft der journalistisch produktiven Medien wird durch den Aufstieg des Internets massiv verringert, was nicht ohne Folgen für die Qualität des politischen Journalismus bleiben kann. Inzwischen steht in den digitalen Netzen journalistische Information zuhauf öffentlich und kostenlos zur Verfügung, während Printausgaben von Zeitungen und Zeitschriften eine Abwärtsspirale durchlaufen, bei der sich die Verluste von Abonnenten und Anzeigenkunden wechselseitig befeuern.


Der Fokus des Symposiums liegt einerseits auf der wissenschaftlichen Analyse (Beschreibungen, Erklärungen, Prognosen) der oben skizzierten Entwicklungen. Andererseits sollen Strategien entwickelt werden, um ihnen zu begegnen, und mit Praktikern aus Politik und Medien diskutiert werden (Technologien). Wie können die Potenziale der digitalen Informations- und Kommunikationstechnologien im Feld der politischen Kommunikation gehoben werden? Wie können mögliche Dysfunktionen eingedämmt werden? Welche Erfahrungen gibt es seitens der Praxis?
Willkommen sind sowohl empirische und theoretische Beiträge, als auch die Vorstellung von Praxisbeispielen aus dem beschriebenen Themenbereich.


Einreichungen
Bitte reichen Sie „Extended Abstracts“ von maximal 800 Wörtern Länge (exkl. Literaturverzeichnis) ein. Wichtig: Bitte reichen Sie ein separates Deckblatt mit Vortragstitel, Name/n und Kontaktangaben sowie einen anonymisierten Textteil mit dem Vortragstitel ein.
Die Abstracts werden in einem doppelblinden Peer-Review-Verfahren begutachtet, bei dem die üblichen Kriterien zur Anwendung kommen: Bezug zum Tagungsthema, Qualität der theoretischen Fundierung, Relevanz der Fragestellung, Angemessenheit der Vorgehensweise sowie Klarheit/Prägnanz der Darstellung.


Bitte senden Sie die Abstracts bis zum 31. Juli 2016 als PDF-Dokumente per E-Mail an: digitale_demokratie@mailbox.tu-dresden.de


Ein Tagungsband ist geplant.


Zeitplan
05.07.2016 Veröffentlichung Call for Papers
31.07.2016 Deadline für die Einreichung der Extended Abstracts
15.08.2016 Bekanntgabe der Review-Ergebnisse und des Tagungs-Programms
08. – 10.09.2016 Dresdner Symposium „Digitale Revolution in der Demokratie“

Veranstalter
Lutz Hagen, Anna-Maria Schielicke, Cornelia Brantner und Cornelia Mothes, Technische Universität Dresden, IfK - Institut für Kommunikationswissenschaft, Zellescher Weg 17, D-01062 Dresden


Kontakt: digitale_demokratie@mailbox.tu-dresden.de
 

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Letzte Änderung: 26.08.2016