Vorstellung des Instituts und des Studiums

1. Was bedeutet ein Studium der Klassischen Philologie?

Die Klassische Philologie ist die Wissenschaft von den griechischen und lateinischen Texten der Antike. Sie zielt darauf, ein möglichst umfassendes Verständnis dieser Texte zu gewinnen, und befasst sich:

  • mit der griechischen bzw. lateinischen Sprache, die als Kommunikationssystem Voraussetzung der Texte ist;
  • mit den Texten selbst, die in ihrer Gesamtheit die griechische bzw. römische Literatur bilden, sowie mit der Geschichte ihres Weiterwirkens;
  • mit der griechischen bzw. römischen Kultur, der die Literatur die Bedingungen ihres Entstehens verdankt und in deren Zusammenhang sie sich unserem Verständnis erschließt.

Das Lehrangebot unseres Instituts sucht den drei Arbeitsbereichen der Klassischen Philologie angemessen Rechnung zu tragen: durch Übersetzungsübungen, Vorlesungen, Seminare und Lektürekurse zur griechischen und römischen Literatur und durch Veranstaltungen, die Kenntnis und Verständnis der antiken Kultur unter verschiedenen Aspekten erweitern und vertiefen. Trotz steigender Studentenzahlen ist die Klassische Philologie nach wie vor kein Massenfach, was sowohl dem Verhältnis von Lehrenden und Lernenden als auch dem individuellen Studieninteresse in mancherlei Hinsicht zugutekommt.

In unserem heutigen Europa, das sich um ein engeres Zusammenwachsen bemüht, ist die Besinnung auf die gemeinsamen Traditionen der Sprache, der Literatur und der Kultur von besonderer Aktualität; darin dürfte zugleich ein Grund für das ungebrochene Interesse an den altsprachlichen Fächern des Gymnasiums liegen.
 

2. Studieren in Dresden

An der TU Dresden ist die Klassische Philologie seit 1992 vertreten; eine Professur für Latinistik wurde 1993 (Inhaber: Prof. Dr. Fritz-Heiner Mutschler), eine Professur für Gräzistik 1994 eingerichtet (Inhaber: Prof. Dr. Christian Mueller-Goldingen). Die Professur für Latinistik wurde im Sommersemester 2010 wegen einer Einladung nach Oslo zu einem mehrmonatigen Forschungsprojekt von Herrn PD Dr. Wytse Keulen (Universität Rostock) vertreten. Nach der Emeritierung von Herrn Prof. Dr. Mutschler wurde die Professur in den Wintersemestern 2011/12 und 2012/13 von Herrn Prof. Dr. Hartmut Wulfram (damals Universität Bielefeld) und in den Semestern Sommer 2012 und Sommer 2013 bis 2014 von Herrn PD Dr. Andreas Heil vertreten. Seit dem Wintersemester 2014/15 hat Herr Prof. Dr. Dennis Pausch den Lehrstuhl für Latinistik in Dresden inne.

Das Institut verzeichnet seit seiner Gründung vor allem im Bereich der Latinistik eine wachsende Zahl von Direktstudenten. An vielen sächsischen Schulen werden inzwischen die altsprachlichen Fächer von Absolventen der TU unterrichtet. Darüber hinaus sind zahlreiche Gymnasiallehrer berufsbegleitend zu Lateinlehrern ausgebildet worden. Bis zum Jahre 2005 wurden neben den Lehramtsstudiengängen (sog. 'altes' Lehramt) Griechisch und Latein auch entsprechende Magisterstudiengänge angeboten.

Seit dem Wintersemester 2005/2006 können im fachwissenschaftlichen Bachelor-Studiengang der Fakultät Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften die Hauptfächer Gräzistik und Latinistik studiert werden. Seit dem Wintersemester 2007/2008 können im Bachelor-Lehramtsstudium für Allgemeinbildende Schulen die Fächer Latein und Griechisch studiert werden. Weiterhin bietet das Institut einen konsekutiven fachwissenschaftlichen Master-Studiengang "Klassische Philologie" (Griechisch und Latein) und einen Master-Studiengang "Antike Kulturen" an. Seit dem Wintersemester 2012/2013 gibt es wieder einen eigenen Studiengang für das Höhere Lehramt an Gymnasien in den Fächern Latein und Griechisch (sog. 'neues' Lehramt).

Seit 1994 unternimmt das Institut regelmäßig Exkursionen in den antiken Kulturbereich, und zwar ca. alle zwei Jahre immer abwechselnd je eine Exkursion zu einem entfernteren und eine zu einem näher gelegenen Ziel. Auf diese Weise bestand für unsere Studierenden bisher die Möglichkeit nach Rom (1995 und 2007), Wien (1997), Kampanien (1998), Pannonien (2000), Kleinasien (2002), ins Saarland (2004), nach Xanten, Haltern am See und Detmold (Varusschlacht-Ausstellung 2009), Sizilien (2011), Osterburken und Würzburg (2014) und Zypern (2015) zu gelangen.

Seit vielen Jahren veranstaltet das Institut jedes Jahr ein Sommerfest und eine Weihnachtsfeier, zu denen sich bisher immer engagierte Studierende gefunden haben, die ein musikalisches Programm (Chor) und ein kurzes Theaterstück in lateinischer Sprache auf die Bühne gebracht haben. Aus studentischer Initiative gingen im besonderen Theateraufführungen wie die „Mostellaria“ des Plautus (1999), der Dithyrambus Nr. 17 des Bakchylides (2002), ein „Gyges“ nach Herodot (2003) und „Dido @ Aeneas“ (2014, unter der Leitung von Herrn PD Dr. Peglau) hervor. Auch zu den seit 2011 stattfindenden Dresdner Lateintagen wurden bisher immer lateinische Stücke von Studierenden aufgeführt.
 

3. Schwerpunkte in der Forschung

Die Forschung am Institut für Klassische Philologie umfasst ein breites Spektrum. Einen wichtigen Schwerpunkt vor allem der Gräzistik bildet die Auseinandersetzung mit der antiken Philosophie. Am Lehrstuhl von Prof. Mueller-Goldingen wird unter anderem zu Platon und Aristoteles geforscht, daneben kommen Untersuchungen zur frühgriechischen Lyrik sowie der Beschäftigung mit dem griechischen Drama und seiner Nachwirkung besondere Bedeutung zu.

Am latinistischen Lehrstuhl unter Prof. Mutschler bildeten die Beschäftigung mit der Dichtung der Augusteischen Zeit und der frühen Kaiserzeit und komparatistische Projekte zur griechisch-römischen und altchinesischen Geschichtsschreibung weitere Schwerpunkte. Dazu hat sich am Institut ein verstärktes Interesse an übergreifenden kulturwissenschaftlichen Fragestellungen herausgebildet.

Mit der Übernahme der latinistischen Professur durch Prof. Pausch werden mit der antiken Historiographie und der lateinischen Literatur von der Späten Republik bis ins 4. Jh. n. Chr. wichtige Bereiche dieser Felder auch in Zukunft fortgeführt werden. Besondere Aufmerksamkeit soll dabei einerseits die interdisziplinäre Zusammenarbeit (innerhalb der Altertumswissenschaften und darüber hinaus) und die Auseinandersetzung mit methodischen Innovationen innerhalb der Klassischen Philologie finden.

Unter der Leitung von Prof. Mutschler war der lateinische Lehrstuhl von 1997 bis 2008 am Dresdner Sonderforschungsbereich (SFB) 537 „Institutionalität und Geschichtlichkeit“ mit dem Teilprojekt A1 „Der römische mos maiorum: Werteordnung und literarische Kommunikation“ und 2009 bis 2013 am Dresdner SFB 804 „Transzendenz und Gemeinsinn“ mit dem Teilprojekt B2 „Tradition, Vernunft, Gott. Zur wechselnden Fundierung gemeinsinnigen Handelns“ beteiligt. Aus der Beteiligung an diesen beiden Projekten sind mehrere Veröffentlichungen hervorgegangen, u.a. vier Sammelbände und mehrere Dissertationsprojekte (unter Beteiligung am Internationalen Graduiertenkolleg „Institutionelle Ordnungen, Schrift und Symbole“).

Ein vielfältiges Tagungsprogramm dient dem Austausch mit auswärtigen Fachkollegen aus Schule und Wissenschaft: Aller zwei Jahre finden im Wechsel mit der Universität Leipzig die „Fortbildungstage für sächsische Griechisch- und Lateinlehrer“ in Dresden statt. 2002 richtete das Institut den Bundeskongress des Deutschen Altphilologenverbandes und 2003 und 2013 die Fachtagung „Aquilonia“ aus. 2008 fand im Rahmen des komparatistischen Forschungsprojektes von Fritz-Heiner Mutschler und Achim Mittag die internationale Tagung „Empires and Humankind – China and the West Compared“ in Dresden statt. 2016 wird die sog. „Kleine Mommsentagung“ der Mommsengesellschaft und das Nachwuchsforum Latein (gegr. von Therese Fuhrer und Marco Formisano) in Dresden zu Gast sein. In Kooperation mit den Lehrstühlen für Alte Geschichte (Martin Jehne), Katholische Biblische Theologie (Maria Häusl) und Evangelische Biblische Theologie (Matthias Klinghardt) finden seit dem Sommersemester 2006 durchgängig jedes Semester die „Dresdner Altertumswissenschaftlichen Vorträge“ statt. Seit 2011 finden jährlich die Dresdner Lateintage statt, bei denen Schüler aus Ostsachsen sich über das Studium an unserem Institut informieren können.

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Mario Waida
Letzte Änderung: 21.05.2016