Botschafterinnen und Botschafter der guten Lehre

Unter dem Motto „Vielfalt in Lehren und Lernen“ kommen Lehrende und Studierende der TU Dresden sowie alle an Lehre und Lernen Interessierten am 15. November 2017 zusammen. In Vorträgen, inhaltlichen Sessions und Diskussionsräumen lassen sie sich von Beispielen guter Lehre inspirieren und tauschen sich über aktuelle Themen des Lehrens und Lernens aus. Repräsentativ für die vielfältigen, facettenreichen und erfolgreichen Lehr-Lern-Projekte an der TU Dresden präsentieren die Botschafter und Botschafterinnen des Tags der Lehre in einer regelmäßigen Kolumne des Uni-Journals und auf dieser Website, was Lehre für sie bedeutet, wie sie ihre Lehre gestalten und was Sie vom Tag der Lehre erwarten.

Herr Dr. Andreas Albers (Fakultät Umweltwissenschaften)
Bild von Andreas Albers © Jürgen Lösel Bild von Andreas Albers © Jürgen Lösel
Bild von Andreas Albers

© Jürgen Lösel

"Gute Lehre heißt für mich: Fordern und Fördern mit Praxisbezug."


Interview mit Herrn Dr. Andreas Albers und dem Zentrum für Weiterbildung

Lieber Herr Dr. Albers, welchen Wert hat Lehre für Sie?
Wenn ich dazu beitragen kann, dass ein Mensch sein Wissen erweitern kann, dann hat das einen großen Wert für mich. Und die Vielfalt universitärer Lehre macht mir persönlich großen Spaß.

Was ist speziell an Ihrer eigenen Lehre, was ist Ihnen wichtig?
Wichtig sind mir Zusammenhänge der Teilthemen und, wesentlich, den Bezug zur Praxis darzustellen. Da ich in Hamburg viel mit diversen Wasserwerken im Rahmen von Consultingprozessen nach Problemlösungen gesucht habe, fällt mir der Bezug zur Praxis eher leicht. Aber auch im kleinen Rahmen: Siedepunkterhöhung durch gelöste Ionen zu berechnen ist eher nicht so spannend. Setze ich das aber in den Zusammenhang des Kochens von Nudeln wird es gleich anschaulicher.

Speziell an meiner Lehre sind Abwechslung und Humor. Weiterhin versuche ich ein Bewusstsein für die Eigenverantwortlichkeit des Studierenden für das jeweils eigene Lernen zu induzieren. Das kommt nicht immer gut an

Sie haben das sächsische Zertifikatsprogramm zur Hochschuldidaktik abgeschlossen. Welche Bedeutung hat dies für Ihre Lehrtätigkeit?
Die Teilnahme am HDS-Zertifikatsprogramm hat mir sehr geholfen. Ich habe im Austausch mit den Teilnehmenden gemerkt, dass ich mit meinen Fragen nicht alleine bin. Auch, dass die Voraussetzungen durch die jeweiligen Vorgesetzten anders sein können als bei mir. Ich bekomme 100% Unterstützung meines Professors und er ist sehr neugierig, was ich didaktisch so mache. Das ist leider nicht überall so.

Ich bin, ehrlich gesagt, sehr kritisch in das Programm gegangen und konnte schnell ableiten, z.B. welche der Methoden und Inhalte für mich relevant und umsetzbar sind. Zusammengefasst habe ich gelernt, dass ich schon ziemlich viel richtig mache. Ich traue mir aber nach dem Abschluss des Zertifikats mehr zu, wie z.B. die Konzeption einer komplett neuen Lehrveranstaltung oder eines Moduls oder die Vernetzung verschiedener Module.

Sie haben, mit Unterstützung durch den Multimediafond, kürzlich selbst Lehrvideos gedreht. Worin liegt die Stärke in der Nutzung von E-Learning?
Letztendlich ist E-Learning eine weitere Methode, über deren Eignung für die eigene Lehre man selbst entscheiden muss, inklusive einer Zielgruppenanalyse. Kommt man zu dem Schluss, dass E-Learning für die spezielle Lehrsituation keinen Sinn macht, ist das völlig ok.

Die Aspekte in meiner Lehre, bei denen E-Learning hilft, ist die Abgabe, Ordnung, Beantwortung, Benotung von Protokollen. Es ginge auch analog, ist elektronisch aber deutlich einfacher für alle Beteiligten.

Die Auslagerung von Lehre aus dem Hörsaal im Rahmen eines inverted classrooms muss sehr sorgfältig kommuniziert werden und führt natürlich zu einer zeitlichen und örtlichen Unabhängigkeit der Studierenden vom Vorlesungsbetrieb. Ihnen muss dafür ihre Eigenverantwortlichkeit klar sein. Dies werde ich im kommenden Semester im Rahmen einer Rechenübung umsetzen und bin gespannt wie es funktioniert.

Sie sind erfreulicherweise Botschafter für den Tag der Lehre. Warum braucht die TU Dresden so ein Event?
Weil es zur Zeit keine Veranstaltung in dieser Art in größerem Rahmen an der TU Dresden gibt.

Was möchten Sie anderen Lehrenden am Tag der Lehre mit auf den Weg geben?
Habt keine Angst mal etwas Neues zu probieren und schaut mal, was andere so machen!

In welcher Form kann man Ihnen an dem Tag begegnen?
Ich hoffe in Bestform. Ich werde an den Sessions beteiligt sein. Zusätzlich kann man einen kleinen Versuch ausprobieren und sehen, ob die Lehrvideos als Anleitung genügen.

Zum Abschluss: Was wünschen Sie sich als Lehrender für Ihre zukünftige Arbeit?
Ich wünsche mir den Spaß an der Lehre nicht zu verlieren.

Frau Prof. Dr. Roswitha Ertl-Schmuck (Fakultät Erziehungswissenschaften)
Bild von Professorin Dr. R. Ertl-Schmuck © Jürgen Lösel Bild von Professorin Dr. R. Ertl-Schmuck © Jürgen Lösel
Bild von Professorin Dr. R. Ertl-Schmuck

© Jürgen Lösel

"Gute Lehre heißt für mich, Irritationen zu schaffen, um Bildungsprozesse in Bewegung zu bringen."

Lehrthemen

  • Pflegedidaktische Themen, wie z.B. Gegenstandsbereich und Handlungsfelder der Pflegedidaktik, Berufswissenschaftliche Grundlagen, pflegedidaktische Theorien, Methodenkonzepte, pflegedidaktische Forschung;
  • curriculare Arbeit - dazu gehören u.a. theoriegeleitete Planung, Durchführung und Reflexion von Unterricht, Fallarbeit im Unterricht, Prüfungsformate;
  • Lernorte z.B. Schule, Pflegeeinrichtungen und Dritter Lernort (Lernwerkstatt), Lernortkooperation, forschendes Lernen in den Schulpraktischen Studien.

Lehrformate und jeweilige Gruppengröße

Seminare, ca. 20-24 Studierende, größere Gruppen von 45 Studierenden werden in zwei Gruppen aufgeteilt, so dass eine Seminarform möglich wird.

Interview mit Frau Prof. Ertl-Schmuck und dem Zentrum für Weiterbildung

Liebe Frau Prof. Ertl-Schmuck, welchen Wert hat Lehre für Sie?
In der Lehrer/innenbildung nimmt die Lehre einen zentralen Stellenwert ein, denn die Lehrperson wirkt ja auch als Modell oder eben auch nicht. Dennoch werden mit dem Stil und dem Habitus der Lehrperson auch implizit und beiläufig bestimmte Dinge transportiert. Z.B. erleben die Studierenden Aushandlungsprozesse zu Beginn eines Seminars eher irritierend. Im Laufe des Studiums verändert sich die Haltung der Studierenden dazu und sie übernehmen implizit manche Dinge und transformieren diese in die Schulpraxis in ihren Praktika.

Worauf legen Sie bei der Zusammenarbeit mit den Studierenden Wert?
Die Entwicklung eines wissenschaftlich-reflexiven Habitus, einer kritischen Denkweise und einer forschenden Haltung sind mir besonders wichtig. Lehrende sollen neugierig sein, Fragen stellen und diese wissenschaftlich erkunden. Die angehenden Lehrenden müssen später in ihrer Schulpraxis die Unterrichtsinhalte immer wieder aufs Neue auf ihre Relevanz hin überprüfen und dazu benötigen sie eine forschende Haltung, die im Studium angebahnt werden kann.

Wie wichtig ist gute Lehre für die Forschung?
Forschung und Lehre können nicht losgelöst voneinander betrachtet werden. In die Lehre gehen Forschungsergebnisse ein und die Studierenden können darüber auch für Forschungsarbeit Interesse entwickeln. Ein Kriterium für die Bewertung von Lehre ist, inwieweit hier Forschung Eingang findet. Für den Lernort Universität ist dies absolut erforderlich.

Was ist Ihnen als Studiendekanin an Ihrer Fakultät besonders wichtig?
Die Gestaltungsspielräume sind an der Universität gering, es sind zudem langwierige Gremienwege einzuhalten. Dennoch gibt es Gestaltungsspielräume bei der Entwicklung von Studiendokumenten. Hier können in Zusammenarbeit mit den Studierenden und den Kollegen/innen in den jeweiligen Studienkommissionen innovative Ideen eingebracht und neue Aspekte aufgenommen werden.

Sie sind Botschafterin für den Tag der Lehre. Warum braucht die TU Dresden so ein Event?
Es gibt zahlreiche innovative hochschuldidaktische Konzepte, die jedoch nicht immer einer breiten Öffentlichkeit präsentiert werden. Der Tag der Lehre bietet vielen die Möglichkeit, sich zu präsentieren, mit Studierenden und Kollegen/innen zu diskutieren und sich zu vernetzen. Derartige Veranstaltungen geben viele Impulse für Neues und machen Mut ggf. auch Ungewöhnliches zu erproben.

In welcher Form kann man Ihnen an dem Tag begegnen?
Ich werde das Lehrkonzept „Videografie in der Lehrer/innenbildung“ vorstellen. In diesem geht es darum, die Schulpraxis durch den Einsatz von realen Unterrichtsvideos forschend zu erkunden. Also ein „Fenster“ zur Schulpraxis öffnen.

Was wünschen Sie sich als Lehrende für Ihre zukünftige Arbeit?
Ich wünsche mir neugierige Studierende, die Zeit und Interesse mitbringen, sich auf Neues einzulassen. Das ist nicht immer selbstverständlich, denn die Universität ist nicht in jedem Fall der zentrale Ort für die Studierenden. Und ich wünsche mir, dass die Lehre mehr Aufmerksamkeit und Wertschätzung erfährt und dementsprechend auch Mittel zugewiesen werden, die nötig sind, um gute Lehre und Betreuung der Studierenden leisten zu können. Der Tag der Lehre kann dafür sensibilisieren und den Stellenwert der Lehre hervorheben. Somit ist der Tag der Lehre eine großartige Bühne für die Lehre!

Herr Dr. Andreas Franze (Fakultät Bauingenieurwesen)
Bild von Dr. Andreas Franze © Jürgen Lösel Bild von Dr. Andreas Franze © Jürgen Lösel
Bild von Dr. Andreas Franze

© Jürgen Lösel

"Gute Lehre heißt für mich, Studierende bei der Reflexion und Gestaltung ihres eigenen Lernprozesses zu begleiten."


Interview mit Herrn Dr. Franze und dem Zentrum für Weiterbildung

Herr Dr. Franze, welchen Wert hat Lehre für Sie?
Neben dem, wenn auch oft verzögert wahrnehmbaren, aber offensichtlichen ökonomischen Wert, ist Lehre für mich in erster Linie eines der wichtigsten kulturbildenden Güter. Sie spiegelt unsere Wertschätzung und unser Verantwortungsbewusstsein gegenüber der folgenden Generation sehr deutlich wider.

Sie haben seit 2009 das E-Learning Management System EMSIG für die Lehre entwickelt, für das Sie den sächsischen Lehrpreis erhielten. Was hat es damit auf sich?
Mein Fach, die Mechanik, ist ein sehr wichtiges Grundlagenfach, das für viele Studierende eine enorme bis existenzielle Herausforderung darstellt. Auf diesen Umstand wird seit je her auch von Seiten der Lehrenden durch eine sehr intensive Betreuung durch Übungen, Tutorien, Hausaufgaben und Sprechstunden eingegangen. Dabei kann die Abstimmung der Lehrinhalte zwischen allen Lehrbeteiligten sowie die Verarbeitung der zahlreichen Dokumente sehr fehleranfällig und zeitaufwendig sein. EMSIG steht für E-Learning-Management-System in der ingenieurwissenschaftlichen Grundlagenausbildung und ist eine maßgeschneiderte Softwarelösung, die die Lehrorganisation elektronisch unterstützt. Beispielsweise werden Planungshilfen, Besprechungsübersichten, Aufgabenstellungen und Aushänge nun automatisch erstellt. Neben dem Zeitgewinn für die Lehrenden, die sich jetzt weniger der Verwaltung und mehr der Durchführung guter Lehre widmen können, wurden die Informationsflüsse zwischen Dozent_innen, Tutor_innen und Studierenden optimiert.

Heute heißen Ihre Projekte Love@MINT und ALFA. In ihnen geht es um die Untersuchung und Förderung von Lernenden in der Studieneingangsphase. Was haben Sie hier verändert?
Diese zwischen der Professur für Diagnostik und Intervention (Fak. Psychologie) sowie der Professur für Mechanik (Fak. Bauingenieurwesen) in Kooperation entstandenen Projekte beschäftigen sich mit der Analyse der bestehenden Lehr-Lern-Situation. Mit den daraus gewonnenen Erkenntnissen entwickeln wir passende Interventionen in Form von Präsenzveranstaltungen, als aktivierende Großgruppenübungen, adaptive und responsive E-Learning-Angebote für die Selbstlernphasen sowie verschiedene Beratungsformate.

Warum braucht die TU Dresden einen Tag der Lehre?
Im forschungsintensiven Alltag tritt die Lehre leider allzu oft als Nebenprodukt in den Hintergrund und auch erfahrene Hochschullehrende blicken z.T. sehr verunsichert auf ihre eigene Rolle. Sie fragen sich beispielsweise Welchen Anteil habe ich als Person am Studienerfolg? oder Wie kann ich Studierende dazu bewegen, sich auf meine Lehrveranstaltung vorzubereiten? Ein solcher Tag kann eine sehr wertvolle Austauschplattform für alle Lehrenden werden, auch über Fachgrenzen hinaus auf Augenhöhe neue Ideen für eine noch höherwertigere Lehre auszutauschen.

Was möchten Sie Kolleg_innen am Tag der Lehre mit auf den Weg geben?
Laut Einstein kann man Probleme niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind. In diesem Sinne möchte ich jeden ermutigen, sich aus seiner Komfortzone zu wagen und in seinem Verantwortungsbereich, so klein er auch sei, für die Veränderung der Lehre nach den eigenen Vorstellungen einzusetzen.

In welcher Form kann man Ihnen an dem Tag begegnen?
Ich werde mich an der inhaltlichen Gestaltung des Tages beteiligen und darüber hinaus wie jeder andere aufgeschlossene Teilnehmer rege an Diskussionen und Gesprächen beteiligen.

Und abschließend: Was wünschen Sie sich als Lehrender für Ihre zukünftige Arbeit?
Zum einen eine Veränderung der Finanzierung: Während Veränderungsprozesse durch eine projektbasierte Förderung angestoßen werden können, benötigt dauerhaft stabile Lehre eine dauerhaft stabile Förderung. Zum anderen eine zukunftsfähige Strategie in Sachen Lehre: So wie sich beispielsweise Bibliotheken neu definierten, weil Wissen digital immer und überall in großer Breite zugänglich ist, müssen sich auch Hochschulen fragen Was ist eigentlich unser Mehrwert?

Herr Dr. Alexander Kästner (Philosophische Fakultät)
Bild von Dr. Alexander Kästner © Jürgen Lösel Bild von Dr. Alexander Kästner © Jürgen Lösel
Bild von Dr. Alexander Kästner

© Jürgen Lösel

"Gute Lehre heißt für mich, Studentinnen und Studenten ernst zu nehmen und zu fordern."


Lehrthemen

Geschichte der Reformation als Konfliktgeschichte, Schreibwerkstatt (Kooperationsprojekt), Einführung in die Forschungsarbeit im Archiv

Lehrformate und jeweilige Gruppengröße

Einführungs- und Proseminare, sowie Praxisveranstaltungen
zwischen 3 und 70 Studierenden

Interview mit Herrn Dr. Kästner und dem Zentrum für Weiterbildung

Welchen Wert hat Lehre für Sie?
Einen großen – ich lehre häufig über das Deputat hinaus. Ich mache das nicht nur, weil es mir wichtig ist, sondern auch weil es mir Spaß macht. Außerdem habe ich außerhalb des Deputats die Möglichkeit, Lehrveranstaltungen noch stärker nach meinen Vorstellungen zu gestalten und neue Dinge auszuprobieren.

Sie sind ja bereits seit einiger Zeit in der Lehre tätig. Wenn Sie zurückblicken, wie verliefen Ihre ersten Schritte?
Meine ersten Schritte als studentischer Tutor waren noch sehr zaghaft und bei meinem ersten Seminar hat natürlich nicht alles so geklappt, wie ich mir das vorgestellt habe. Was mir neben dem Lehramtsstudium sehr viel gebracht hat, war der Austausch mit anderen Lehrenden.

Worauf legen Sie bei der Zusammenarbeit mit den Studierenden und der Gestaltung von Lehre und Lernen Wert?
Mir ist wichtig, dass die Studentinnen und Studenten ihre Wünsche auch verwirklicht sehen. Dazu plane ich meine Veranstaltungen so, dass es immer genügend Raum für gewünschte Themen gibt.

Wie schon im Motto angesprochen, lege ich außerdem Wert darauf, die Studentinnen und Studenten ernst zu nehmen, auch wenn ihre Fragen manchmal naiv oder unpassend erscheinen. Das führt immer dazu, dass man nochmal darüber nachdenkt, was man jetzt gerade selbst nicht klar ausgedrückt oder im Vorfeld nicht richtig bedacht hat.

Der zweite Teil meines Mottos – Studentinnen und Studenten zu fordern – kommt daher, dass die Erfahrung der letzten Semester zeigt, dass Studierende, die frisch aus der Schule kommen, nach anfänglichem Stöhnen mehr leisten, als sie sich selbst je vorstellen konnten.

Wie wichtig ist gute Lehre für die Forschung?
Ungemein wichtig. Wenn man die Lehrveranstaltung forschungsorientiert und adäquat durchführt, kann man durchaus einige Erkenntnisse in Forschungsprojekte zurück speisen und es entstehen Abschlussarbeiten zu Themen, für die man ansonsten keine Gelder bekommen würde.

Sie sind Botschafter für den Tag der Lehre, welcher dieses Jahr im November stattfinden wird. Warum braucht die TU Dresden so ein Event?
Der Tag der Lehre soll zeigen: Lehre ist an dieser Universität ein Thema, das wichtig ist. Allerdings sollte das dann kein einmaliges Event bleiben.

In welcher Form kann man Ihnen an dem Tag begegnen?
Bei der Posterpräsentation, der Podiumsdiskussion und ansonsten einfach im Gebäude.

Was möchten Sie anderen Lehrenden am Tag der Lehre mit auf den Weg geben?
Offen zu sein für neue Ideen, aber auch Bewährtes beizubehalten.

Zum Abschluss: Was wünschen Sie sich als Lehrender für Ihre zukünftige Arbeit?
Ich würde mir wünschen, dass es mehr Seminarräume gibt, die nicht aussehen wie Schulunterrichtsräume. Man muss ständig umräumen, wenn man das anders gestalten will. Das finde ich völlig unpassend für die Lehre. Schön wäre auch, wenn es ein neues großes Seminargebäude gäbe, mit einer Raumausstattung, die sowohl technisch auf dem neuesten Stand ist als auch eine Arbeit in anderen Tischordnungen zulässt.

Frau Dr. Carolin Noack (CRTD)
Bild von Frau Dr. Carolin Noack © Jürgen Lösel Bild von Frau Dr. Carolin Noack © Jürgen Lösel
Bild von Frau Dr. Carolin Noack

© Jürgen Lösel

"Lehre heißt für mich, ein stetes Arbeiten am Curriculum, um es aktuell und studierbar zu halten sowie mit der Vorgabe des Constructive Alignments eine gute Basis für Lehrende und Lernende zu gestalten."

Interview mit Frau Dr. Carolin Noack und dem Zentrum für Weiterbildung

Liebe Frau Noack, welchen Wert hat Lehre für Sie?
Der Stellenwert von Lehre hat zugenommen, seitdem ich an der TU Dresden 2005 als Doktorandin angefangen habe. Als ich plötzlich „auf der anderen Seite“ stand, wurde mir bewusst, dass ich es in der Hand habe, wie interessant und anwenderfreundlich ich Lehre gestalten und Themen aufwerten kann, die sonst langweilig und unverständlich erschienen.

Sie sind sehr engagiert in der Lehre und entwickeln diese aktiv weiter. Was heißt das konkret?
Ich habe den internationalen Masterstudiengang „Regenerative Biology and Medicine“ inhaltlich begleitet, d.h. ich habe alle Vorlesungen besucht, um den roten Faden in die fast ausschließlichen Ringvorlesungen zu bringen. Das bedeutet, ich halte mit den Dozenten Rücksprache zu Inhalten und didaktischen Methoden, ich konzipiere gemeinsam mit dem Modulverantwortlichen die Prüfungen nach dem Vorbild des Constructive Alignment, ich evaluiere die Lehrveranstaltungen auf Basis der Studierendenmeinung und plane mit dem Studiendekan und der Studiengangskoordinatorin neue Lehrkonzepte. Mit dem Hochschuldidaktischen Zertifikat im Rucksack habe ich die Grundlagen für Didaktik und Methodik dabei und kann damit Lehrende beraten und neue Impulse setzen.

Wie wichtig ist gute Lehre für die Forschung?
Gute Lehre setzt den Grundstein für gute Forschung. Nur wenn wir dem Studierenden adäquat vermitteln, worauf es in der Forschung ankommt, kann er verlässliche und richtige Daten ermitteln. Hierfür haben wir zum Beispiel das Modul „Scientific working methods and conduct“ in unser Curriculum integriert.

Warum braucht die TU Dresden den Tag der Lehre?
…weil eine Universität zu gleichen Teilen lehren und forschen sollte. Es gibt zuhauf Events zu Forschungsthemen. Daher ist auch ein Tag der Lehre angebracht, um darauf hinzuweisen, dass es in diesem Bereich Entwicklungen gibt.

Was möchten Sie anderen Lehrenden am Tag der Lehre mit auf den Weg geben?
Ich würde allen Lehrenden empfehlen, wenn nicht das gesamte Zertifikatsprogramm, dann wenigstens einige der Workshops vom Zentrum für Weiterbildung zu besuchen. Ich habe wirklich viele neue Sichtweisen und praktische Handlungshilfen dadurch bekommen.

In welcher Form kann man Ihnen an dem Tag begegnen?
Indem man mich einfach anspricht.

Danke für die spannenden Einblicke. Zum Abschluss: Was wünschen Sie sich für Ihre zukünftige Arbeit?
Ich wünsche mir mehr solcher Stellen an der TU wie meine als Teaching Coordinator, weil sie essentiell für die Qualitätsentwicklung und -sicherung in der Lehre sind.

Herr Prof. Dr. Stefan Odenbach (Fakultät Maschinenwesen)
Bild von Herrn Prof. Dr. Odenbach © Jürgen Lösel Bild von Herrn Prof. Dr. Odenbach © Jürgen Lösel
Bild von Herrn Prof. Dr. Odenbach

© Jürgen Lösel

"Gute Lehre ist für mich eine Situation, in der es uns gelingt auf wirklich hohem Niveau relevantes Wissen zu vermitteln, dabei gleichzeitig hervorragende Resultate – auch im Sinne guter Noten – zu erzielen und zudem dafür zu sorgen, dass es allen Beteiligten, Lernenden und Lehrenden, Spaß macht."

Interview mit Herrn Prof. Odenbach und dem Zentrum für Weiterbildung

Lieber Herr Prof. Odenbach, welchen Wert hat Lehre für Sie?
Die Lehre ist eines der beiden zentralen Standbeine einer Universität. Wir haben die Forschung, mit der wir das Geld verdienen, aber wenn wir keine Lehre machen würden, würde uns die entscheidende Geschichte wegfallen: Die permanente Weiterentwicklung von Konzepten für junge Leute.

Sie haben die Forschung bereits erwähnt. Wie wichtig ist dafür gute Lehre?
Über die Lehre haben wir die Möglichkeit, die Studierenden über Jahre hinweg an die Forschung heranzuführen. Natürlich – gerade im Maschinenwesen – bilden wir einen erheblichen Teil der Leute für die Industrie aus. Das steht ganz außer Frage. Wir können aber nicht alle für die Industrie ausbilden, denn wenn wir übersehen, dass neue Ideen Bestandteil der Forschung sind, dann übersehen wir die Zukunft. Nur wenn neue Ideen entstehen, ist Zukunft überhaupt denkbar. Das heißt wir müssen Forscher ausbilden, die eben die neuen Ideen generieren können, die dann in 10-15-20 Jahren entsprechend wieder den industriellen Standard heben. Und das ist genau der Vorteil einer Universität: dass sie nämlich die jungen Leute, die Forscher werden wollen,  vom ersten Semester bis zumindest mal zum Abschluss der Promotion begleitet, und zwar in einer in sich geschlossenen Struktur.

Mit anderen Worten: Die Ausbildung, die wir planen, muss - und das beginnt typischerweise im 5./6. Semester - sowohl einen industriell orientierten, das ist im Ingenieurwesen einfach normal, Aspekt haben, sie muss aber auch zwingend einen forschungsorientierten Anteil haben. Wenn sie den nicht hat, dann verschließen wir den Leuten ja einen Teil des gesamt möglichen Wegs, und damit berauben wir nicht nur die Lehrstühle, nicht nur die Universität, sondern im Endeffekt das Land, einer Weiterentwicklung die notwendig ist. Wir tragen an der Stelle hohe gesellschaftliche Verantwortung. Weil, wie gesagt, ohne die Forscher der Zukunft, gibt es keine industrielle Zukunft, sprich es gibt überhaupt keine Zukunft für einen Industriestaat.

Sie haben bereits zwei Mal den „Preis für Innovation in der Lehre“ der Fakultät Maschinenwesen erhalten. Worauf legen Sie bei der Zusammenarbeit mit den Studierenden und der Gestaltung von Lehre und Lernen Wert?
Ich stelle an mich selbst die Forderung, meine Lehre anzupassen. Die Welt hat sich weiterentwickelt und entwickelt sich zunehmend schneller weiter. Dieser Tatsache muss die Lehre Rechnung tragen. Es hat überhaupt keinen Sinn, wenn ich mich heute auf den Standpunkt stelle: Vor 30 Jahren waren die Studierenden anders, und die hätte ich jetzt gerne. Wir müssen die Leute erreichen, die wir heute ausbilden. Ich denke der Innovationspreis hat viel mit der permanenten Veränderung zu tun, die sich daraus ergibt.

Im Umgang mit meinen Mitarbeitern und den Tutoren, die die Übungen betreuen, trage ich das in regelmäßigen Treffen weiter. Da wird beraten: Was ist in den Übungen aufgefallen, was können wir ausprobieren, es werden auch Konzepte diskutiert. Alle sind irgendwann in der gemeinsam mit dem ZfW entwickelten Tutorenschulung im Maschinenwesen gewesen, manche auch mehrfach, sodass sie im Prinzip wissen, was wir wollen und wo wir hin wollen. Ich denke, wenn man Veränderungsprozesse vorlebt, dann übernehmen andere das. Ich habe selbst auch viel von meinem Doktorvater Klaus Stierstadt mitgenommen. Manche Dinge sieht man, findet sie gut und setzt sie später für sich selber um.

Sie sind Botschafter für den Tag der Lehre, der am 15.11. stattfindet. Warum braucht die TU Dresden so ein Event?
Ich denke, in einer immer stärker an Drittmitteleinwerbung orientierten Zeit ist es wesentlich, dass wir hin und wieder darauf hinweisen, dass es zwei Standbeine gibt: Forschung und Lehre. Sonst werden wir als Universität auf lange Sicht unsere Aufgaben nicht erfüllen können, und wir werden auch nicht die Qualität heranbringen, die wir brauchen. Wenn wir uns als exzellente Universität sehen, dann müssen wir auch exzellente Lehre bieten. Dafür müssen wir Bewusstsein schaffen.

Was würden Sie anderen Lehrenden mit auf den Weg geben?
Zuerst einmal sich auf die Leute einstellen, die einem gegenübersitzen. Eine Vorlesung ist nur so gut, wie man sie auf das entsprechende Publikum ausrichtet.

Der zweite Punkt ist alle drei Jahre Vorlesungskonzepte zu überarbeiten. Wenn man eine Vorlesung immer und immer wieder wiederholt, dann wird sie zur Gewohnheit. Gewohnheit bedeutet, es ist keine Spannung mehr im System, und ohne Spannung kein Durchkommen zu denen, die einem gegenübersitzen.

Vielen Dank für das Interview. Zum Abschluss: Was wünschen Sie sich als Lehrender für Ihre zukünftige Arbeit?
Dass Lehre wichtig ist, ist eine wesentliche Geschichte, und dieses Bewusstsein sollte die gesamte Universität erfüllen. Das heißt die Anerkennung der Lehre muss auf gleichem Niveau sein wie die Anerkennung von Forschungsleistung, sonst schneiden wir uns das eine Bein ab.

Auch was die Studierenden betrifft habe ich Wunschvorstellungen: Dass wir weiterhin junge Leute an der Universität ausbilden können, die mit Begeisterung an der Sache dabei sind.

Was ich mir auch wünschen würde, was ich aber wohl nicht mehr erleben werde: Es wäre schön, wenn die Schulen diesen Aspekt einer selbstverantworteten lernenden Tätigkeit wieder stärker ausbilden würden. Die Tatsache, dass man sich selber kümmern muss, sollte nicht erst an der Universität erlernt werden müssen. Aber das sind langfristige gesellschaftliche Entwicklungen.

Herr Simon Puteanus (Fakultät Elektrotechnik und Informationstechnik)
Bild von Simon Puteanus © Jürgen Lösel Bild von Simon Puteanus © Jürgen Lösel
Bild von Simon Puteanus

© Jürgen Lösel

„Lehre heißt für mich, Studierende zu befähigen und zu motivieren, sich aktiv in Lehrveranstaltungen einzubringen und sich auch im Selbststudium mit den Lehrinhalten zu beschäftigen.“

Lehrthemen

Mathe für Elektrotechniker - Algebraische und analytische Grundlagen (1. Semester) sowie Mehrdimensionale Differential-und Integralrechnung (2. Semester)

Lehrformate

Tutorien/ Übungen, ca 20-30 Teilnehmende

Interview mit Herrn Simon Puteanus und dem Zentrum für Weiterbildung

Lieber Herr Puteanus, welchen Wert hat Lehre für Sie?
Für mich als Student ist gute Lehre ein Stück Lebensqualität. Ich liebe es Wissen in mich aufzusaugen und freue mich immer auf Lehrveranstaltungen, in denen ich das Gefühl habe, dass mir dieses Wissen und die dazugehörigen Kompetenzen auf eine kluge und durchdachte Art vermittelt werden.
Für mich als Mathetutor ist gute Lehre eine notwendige Bedingung für einen zielführenden und effektiven Lernprozess meiner Studierenden. Gute Lehre bildet somit die Grundlage für ein erfolgreiches und sinnstiftendes Studium.

Was ist Ihnen in Ihrer Lehre wichtig und was möchten Sie Studierenden vermitteln?
Eine sehr wichtige Kompetenz ist sich selbständig an (mathematische) Probleme zu setzen und diese zu lösen, eine unabdingbare Voraussetzung für den Rest des Ingenieurstudiums. Deswegen versuche ich die Studierenden möglichst viel selbst in der Übung und zu Hause rechnen zu lassen, damit sie diese Kompetenz trainieren.
Außerdem ist es mir wichtig, durch Praxisbeispiele Brücken zu höheren Semestern und praktischen Fragestellungen zu schlagen. Dies gestaltet sich jedoch häufig als schwierig, da den Studierenden meist das technische Vorwissen zum Verständnis fehlt, da dies natürlich erst in den höheren Semestern kommt. Mit einigen Praxisbeispielen bin ich schon grandios gescheitert.

Wie hat es sich auf Ihr Studium ausgewirkt, seit Sie in der Lehre aktiv sind?
Seitdem ich als Mathetutor arbeite, stecke ich ein bisschen in einer Zwickmühle. Als Tutor wünsche ich mir motivierte Studierende, die Veranstaltungen vor- und nachbereiten und nicht nur auf die Klausur lernen. Gleichzeitig erfülle ich diese Ansprüche als Student häufig selbst nicht, wenn ich nur das Nötigste für manche Fächer mache und so selber einen eher „ökonomischen“ Lernstil pflege.
Mittlerweile denke ich auch in den Veranstaltungen, in denen ich als Student teilnehme, darüber nach, was mir an diesen Veranstaltungen didaktisch gefällt und was ich anders machen würde. Bis jetzt ist es mir aber noch schwer gefallen, dieses Feedback an meine Dozenten weiterzugeben. Ich habe häufig das Gefühl, dass der Abstand zwischen Studierenden und Dozierenden noch zu groß ist, als das man auf Augenhöhe Feedback geben kann.
Dabei wissen Studierende oft sehr genau, was an einer Lehrveranstaltung gut gemacht ist und was man besser machen könnte, behalten dies aber häufig für sich oder besprechen es nur untereinander. Unter Umständen kann hier auch der Tag der Lehre einen Beitrag leisten.

Was möchten Sie anderen Lehrenden am Tag der Lehre mit auf den Weg geben?
Wir sind alle nicht zu Didaktikern ausgebildet worden. Die Lehre, die wir machen, ist immer irgendwo Stückwerk und unvollständig. Deswegen sollten wir den Mut haben mit unserer Lehre zu experimentieren und sie so Stück für Stück besser zu machen, am besten indem wir unsere Studierenden mit einbinden.
Allen Übungs- und Praktikumsleitenden empfehle ich die Schulung im Maschinenwesen, die jede Semesterferien in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Weiterbildung stattfindet, die zwei Tage lohnen sich auf jeden Fall!
Außerdem kann ich die LiT.Shortcuts des Zentrums für Weiterbildung hervorheben. Dort werden in kurzer Zeit ziemlich coole Best-Practice-Beispiele von Lehrenden an der TU vorgestellt und mit didaktischem Input unterfüttert.

In welcher Form kann man Ihnen an dem Tag begegnen?
Wir machen einen Stand in der Lehr-Lern-Galerie zum Thema „Mathe für Elektrotechnik“. Ich hoffe dabei mit anderen Lehrenden aus dem Bereich der Matheausbildung für naturwissenschaftliche und technische Studiengänge ins Gespräch zu kommen. Mathe ist ja häufig das Nadelöhr für viele Studierende in den ersten Semestern und ich bin sehr gespannt von anderen Konzepten zu erfahren, mit denen erfolgreich gelehrt wird.

Was wünschen Sie sich als Tutor für Ihre zukünftige Arbeit?
Ich wünsche mir noch mehr Fortbildungsmöglichkeiten. Z.B. würde ich mich freuen, wenn man schon als Tutor an dem Programm für das Hochschuldidaktikzertifikat teilnehmen könnte.

Herr Jun.-Prof. Dr. Stefan Scherbaum (Fakultät Psychologie)
Bild von Herrn Jun.-Prof. Dr. Stefan Scherbaum © Jürgen Lösel Bild von Herrn Jun.-Prof. Dr. Stefan Scherbaum © Jürgen Lösel
Bild von Herrn Jun.-Prof. Dr. Stefan Scherbaum

© Jürgen Lösel

"Gute Lehre heißt für mich, im Kontakt mit den Studierenden Begeisterung für die Auseinandersetzung mit auch schwierigen Themen zu wecken."

Lehrthemen

Methoden der Psychologie, Fortgeschrittene statistische Methoden und kognitive Modellierung, Evaluation und Metaanalyse, Theorie dynamischer Systeme, Experimentelles Arbeiten

Lehrformate

Vorlesungen mit ca. 120 Teilnehmenden und Seminare mit ca. 30 Teilnehmenden

Interview mit Juniorprofessor Dr. Stefan Scherbaum und dem Zentrum für Weiterbildung

Welchen Wert hat Lehre für Sie?
Lehre ist eine meiner Kernaufgaben, die meinen Beruf mit generativem Sinn erfüllt. Ich komme in Kontakt mit einer jungen Generation, kann Wissen, Erfahrung und Haltung weitergeben und werde gleichzeitig in Diskussionen von den Ideen dieser neuen Generation bereichert.

Sie sind ja bereits seit einiger Zeit in der Lehre tätig. Wenn Sie zurückblicken, wie verliefen Ihre ersten Schritte?
Mit sehr viel Begeisterung für das Fach und einer sicherlich großen Überforderung der Studierenden. Doch zu sehen, wie sie sich dieser Überforderung stellten und wir gemeinsam daran wuchsen empfand ich als sehr bereichernd.

Worauf legen Sie bei der Zusammenarbeit mit den Studierenden und der Gestaltung von Lehre und Lernen Wert?
Ich muss selbst von den Inhalten meiner Veranstaltungen überzeugt sein und sie mit Begeisterung vertreten können. Zu dieser Überzeugung kann auch explizite Skepsis gegenüber Themen zählen. Nur wenn das gegeben ist, kann ich offen und flexibel in Kontakt mit den Studierenden gehen, mich mit Ihren Ansichten auseinandersetzen und die Begeisterung weitergeben.

Wie wichtig ist gute Lehre für die Forschung?
Die Auseinandersetzung mit dem Lehrstoff erlaubt es mir, meine Haltung als Forscher und etablierte Lehrmeinungen zu überdenken. Gleichzeitig stellt die Lehre den ersten Kontakt mit einer jungen Generation potentieller Forscherinnen und Forscher dar, deren Interessen durch spannende und kritische Lehre mit geprägt wird.

Sie sind Botschafter/in für den Tag der Lehre, welcher dieses Jahr im November stattfinden wird. Warum braucht die TU Dresden so ein Event?
Jede Maßnahme, die gute Lehre unterstützt und bewirbt, sehe ich als hilfreich an. Das Anreizsystem für Wissenschaftler bietet nur wenig Raum für gute Lehre – Eigenengagement ist das, was hier gefordert ist. Und dieses kann mit Aufmerksamkeit und Anerkennung für das Thema gefördert werden.

Was möchten Sie anderen Lehrenden am Tag der Lehre mit auf den Weg geben?
Freude an der Lehre und am Kontakt mit den Studierenden

In welcher Form kann man Ihnen an dem Tag begegnen?
Im persönlichen Gespräch.

Zum Abschluss: Was wünschen Sie sich als Lehrender für Ihre zukünftige Arbeit?
Mehr Raum, um innovative Lehrkonzepte zu erproben. Dieser Raum müsste allerdings sowohl auf Seiten meines Zeitkontos gegeben sein, als auch auf Seiten der Studierenden, welchen dank einer als hoch empfundenen Prüfungslast in Verbindung mit Leistungs- und Zeitdruck verständlicherweise auch oft die Lust am Ausprobieren neuer Formate fehlt.

Frau Dr. Jannette Wober (Fakultät Biologie)
Bild von Frau Dr. Jannette Wober © Jürgen Lösel Bild von Frau Dr. Jannette Wober © Jürgen Lösel
Bild von Frau Dr. Jannette Wober

© Jürgen Lösel

"Gute Lehre heißt für mich, Inhalte so interessant aufzubereiten und anzubieten, dass die Studierenden hoch motiviert sind, dieses Wissen selbstständig zu vertiefen."

Interview mit Frau Dr. Jannette Wober und dem Zentrum für Weiterbildung

Liebe Frau Dr. Wober, welchen Wert hat Lehre für Sie?
Die Lehre an der Universität steht für mich gleichberechtigt neben der Forschung an der Universität. Gerade das Zusammenspiel zwischen Lehre und Forschung macht es für mich zu einem spannenden, interessanten und abwechslungsreichen Arbeitsfeld.

Ihre Lehre kennzeichnet oft eine Kopplung zwischen Forschung und Lehre – inwiefern hat dies mit dem späteren Berufsleben zu tun?
Ich betreue zweiwöchige Blockpraktika im Masterstudiengang Biologie. Inhaltlich kommen Methoden und Untersuchungsmaterialien zum Einsatz, die auch Bestandteil unserer Forschungsarbeit sind. Somit gewinnen die Studierenden einen Einblick in Themen, mit denen wir uns gerade beschäftigen. Die einzelnen Experimente ziehen sich über einige Tage hin und laufen parallel. Da heißt es, Übersicht behalten, planen und miteinander kommunizieren, nicht nur innerhalb der Praktikumsgruppe, sondern auch mit den anderen Kursteilnehmern. Alles Dinge, die in unserem Berufsalltag unabdingbar sind. Als begleitende Seminarleistung erarbeiten wir an einem fiktiven Fallbeispiel einen detaillierten Arbeits- und Kostenplan, genauso wie es für Projektanträge nötig ist. Am Ende haben sich die Studierenden nicht nur mit den Methoden und benötigten Materialien auseinandergesetzt. Der Aha-Effekt, wie lange es dauert und was es kostet, ist dann Belohnung nicht nur für die Studierenden.

Wie wichtig ist gute Lehre für die Forschung?
Gute Lehre bedingt gute Forschung und gute Forschung schafft gute Lehrmöglichkeiten. Das heißt, ich kann gut lehren, wenn ich auch forsche; und ich kann erfolgreich forschen, wenn ich gut ausgebildet bin.

Nun sind Sie auch Botschafterin für den Tag der Lehre. Warum braucht die TU Dresden so ein Event?
Ich persönlich glaube, dass eine Forschungsexzellenz auch eine Lehrexzellenz bedingt. Und wir haben beides an der TU. Nur ist die Lehre nicht so sichtbar, weil nicht quantifizierbar wie Forschungsleistung. Teilweise wird sie als selbstverständlich hingenommen, teilweise wird ihr (gefühlt) nicht die Wertschätzung entgegengebracht, die sie verdient. Daher könnte eine solche Veranstaltung die Lehre etwas mehr ins Scheinwerferlicht rücken.

Was möchten Sie anderen Lehrenden am Tag der Lehre mit auf den Weg geben?
Zu Beginn meiner Lehrtätigkeit habe ich angenommen, der Studierende weiß, was er aus der Fülle des Stoffes zu lernen und nachzuarbeiten hat. Aber aus Gesprächen mit Studierenden habe ich erfahren, dass das Lernen viel intensiver und interessanter ist, wenn sogenannte Lernziele definiert sind. Dann ist auch die Motivation gegeben, im Selbststudium das Wissen gezielt zu vertiefen.

In welcher Form kann man Ihnen an dem Tag begegnen?
Ich bin gebeten worden, bei der Podiumsdiskussion die Position des lehrenden Mittelbaus zu repräsentieren. Dem komme ich sehr gern nach.

Was wünschen Sie sich als Lehrende für Ihre zukünftige Arbeit?
Ich wünsche mir, dass Lehre auf jeder Ebene die Wertschätzung erfährt, die sie verdient. Um gut Lehre machen zu können, braucht es Zeit für die Vor- und Nachbereitung der Lehrveranstaltungen, das Ausprobieren neuer Lehransätze, Zeit für die Studierenden, um mit ihnen den Lernstoff zu erarbeiten und diesen nicht nur zu servieren. Das erfordert Geduld, aber auch die nötige materielle Ausstattung.

Zu dieser Seite

Antje Döschner
Letzte Änderung: 13.10.2017