ERASMUS in ... ?

Studierende der TU Dresden studierten mit ERASMUS im Ausland und berichten über ihre Erlebnisse und Erfahrungen. Dazu erscheint hier ab Anfang April wöchentlich ein neues Interview.  Lasst Euch inspirieren und idealerweise motivieren zu eigenen Erfahrungen durch einen Studienaufenthalt im Ausland!

Nora Schulte studierte Politik- und Kommunikationswis­senschaft in Lyon (1/13)
Nora Schulte © Felix Meyerhoff Nora Schulte © Felix Meyerhoff

Nora Schulte

Nora Schulte

Nora Schulte © Felix Meyerhoff

Ich bin Nora Schulte und studiere Politik- und Kommunikationswissenschaft. Ich bin in meinem 6. Semester mit ERASMUS nach Lyon in Frankreich gegangen.

Warum wolltest du ins Ausland gehen und wie wichtig war es für dich einen Teil deines Studiums im Ausland zu verbringen?

Man hat doch sonst nie wieder die Chance so einfach ins Ausland zu gehen und dann auch noch in so einem guten Rahmen was ganz Neues zu entdecken. Also ich persönlich hatte das Gefühl wieder was ganz Neues machen zu wollen und wo ganz anders hinzugehen, wo ich noch nie war. Es liegt überhaupt nicht daran, dass man Langeweile hat, sondern, dass man einfach mal raus will und was Neues erleben möchte.

Und wieso hast du dich entschieden nach Lyon zu gehen?

Weil ich da noch nie war und vor allem auch sehr viel Gutes gehört habe. Zum Beispiel, dass es eine tolle Studentenstadt sei. Ich hab zwar schon mal in Frankreich gelebt, aber nie in einer Stadt. Zudem ist Lyon die drittgrößte Stadt Frankreichs. Ich wollte nämlich mal so richtig das Leben in einer französischen Stadt erkunden.

Was war der größte Unterschied zu deinem Leben hier in Dresden?

Ich fand das mediterrane Leben toll. Ich war ständig in Cafés oder saß draußen am Fluss. Man hat einfach so viel unternommen und sein Leben ganz anders genossen. Allein weil es dort schon ein viel besseres Klima gibt.

Hast du dort denn schnell Anschluss finden können?

Ja, vor allem mit anderen ERASMUS-Studenten oder anderen Auslandsstudenten, wie den Amerikanern. Weil die natürlich auch Leute suchen. Meistens auf Partys, das ging immer sehr gut. Aber auch mit den Franzosen kam man im Alltag sehr schnell ins Gespräch.

Wie würdest du denn die ERASMUS-Studenten in Lyon beschreiben?

Es war vor allem viel Party im Spiel und alle haben das Leben in vollen Zügen genossen. Aber trotzdem haben natürlich alle viel vom Leben an der Uni mitnehmen wollen. Insgesamt war es sehr entspannt. Alle wollten immer sehr viel unternehmen. Dank der ganzen ERASMUS-Studenten habe ich auch ständig Ausflüge gemacht und super viel gesehen.

Hast du dich während deiner ganzen Zeit in Lyon wohl gefühlt?

Ja, ich war mega glücklich in Lyon. Das ist voll die coole Stadt und es war alles so schön sommerlich. Die Leute waren auch alle cool. Und so unterschiedlich sind die Leute zu den Leuten hier in Deutschland ja natürlich auch nicht.

Konntest du dein Auslandssemester problemlos in dein Studium hier in Dresden integrieren?

Ja, das ging voll einfach! Ich hab zwar keine Noten angerechnet bekommen, aber konnte mir viele meiner deutschen Kurse als „bestanden“ anrechnen lassen.

Willst du nochmal ins Ausland?

Auf jeden Fall! Klingt zwar jedes Mal irgendwie doof zu sagen, dass es so eine einmalige Erfahrung ist. Aber so ist es halt wirklich. Es macht mega Spaß neue Leute und neue Orte kennen zu lernen. Ich würde sehr gerne nochmal ins südliche Europa gehen. Vielleicht Italien oder Portugal. Oder was ganz anderes. Vielleicht Norwegen. Da war ich auch noch nie und finde das Land super spannend.

Was rätst du jemanden der selbst überlegt ins Ausland zu gehen?

Also erstmal keine Angst haben, es wird immer cool! Und wenn man am Anfang eine Wohnung sucht, dann am besten immer über Facebook. Da findet man echt super Sachen. Und falls man Sorgen hat, dass man keinen Anschluss findet, dann sollte man sich einfach an die vielen ERASMUS-Leute halten. Dann wird’s auf jeden Fall immer gut!

Inwiefern hat dein Auslandssemester in Frankreich dein weiteres Studium beeinflusst?

 

Na vor allem in dem Sinne, dass ich nochmal ins Ausland gehen will! *lacht* Aber sonst war es natürlich auch eine prägende Erfahrung. Dadurch, dass man mit vielen unterschiedlichen Leuten zu tun hat, lernt man viel offener zu sein. Und zwar nicht nur diese Unterschiede zu akzeptieren, sondern auch wertzuschätzen. Ich finde so ein Auslandssemester weckt das Interesse noch mehr Länder zu sehen und neue Leute kennenzulernen.

Würdest du im Nachhinein sagen, dass es schwierig war dein ERASMUS-Semester zu organisieren?

Gerade weil man ERASMUS macht, ist das super einfach! In der Uni im Gastland kennen das ja alle und es gibt immer und überall einen ERASMUS-Beauftragten. Also in Dresden und in Lyon. Eigentlich musste man nur den ERASMUS-Koordinator finden und sofort war alles voll einfach. Ich fand’s wirklich ziemlich leicht, da das Programm echt gut durchorganisiert ist.

Hattest du denn an deiner Uni in Frankreich spannende Kurse?

Ich hatte einen sehr coolen Kurs über den Brexit. Vor allem, weil den Kurs auch viele Studenten aus England besucht haben, war es für mich besonders interessant. Das hat echt nochmal diese gesamte europäische Sicht auf solche Themen widergespiegelt.

Hast du denn jetzt noch Kontakt zu den Leuten, die du in Lyon kennengelernt hast?

Ja vor allem noch zu den Deutschen. Ich hab jetzt zwei neue Freunde in Leipzig und einen in Berlin, die ich seitdem auch schon besucht habe. Aber auch zu einigen Franzosen, die mittlerweile auch schon hier in Deutschland waren. Man hält schon irgendwie Kontakt zu den Leuten.

Ist dir denn vor Ort etwa kurioses passiert, das du gerne erzählen würdest?

Wir haben ein großes Picknick am Fluss organisiert. Und dafür haben wir ERASMUS-Studenten uns mit den amerikanischen Studenten in Lyon verabredet. Dafür haben wir Tee, leckeres Baguette, Dips und Obst mitgebracht. Als wir dann ankamen, haben wir die Amerikaner nur mit so riesigen Chips Tüten und in Plastik eingeschweißte Sandwichs und Fertiggerichte gesehen. Da haben wir uns echt wie die letzten Ökos gefühlt. Solche kleinen kulturellen Unterschiede waren immer mega witzig.

Welche Rolle spielt deiner Meinung nach das ERASMUS Programm für Europa?

Ich finde es so wichtig, dass junge Menschen aus verschiedenen Ländern schon früh miteinander in Kontakt kommen. Damit sie sehen, dass es Unterschiede gibt, aber man sich gleichzeitig auch sehr ähnlich ist. Man ist sich selber gar nicht bewusst, wie es war, bevor es so einen wichtigen Austausch gab. Und um sich das klar zu machen, muss man daran halt einfach auch mal teilnehmen.

Hattest du während deines Auslandssemesters in Lyon das Gefühl hier in Dresden etwas zu verpassen?

Ne, eigentlich gar nicht. Ein Semester ist ja auch wirklich nicht lang. Ich hatte eher das Gefühl, dass ich in Lyon so viel machen muss, wie es geht. Klar habe ich Kontakt zu meinen Freunden hier in Dresden gehalten, aber das Gefühl etwas zu verpassen hatte ich echt überhaupt nicht. Auch an der Uni nicht.

Und ist dein Französisch besser geworden?

Mein English eigentlich noch eher. *lacht* Ich konnte vorher schon relativ gut Französisch sprechen. Ich glaube, dass wenn man anfangs nicht so ein gutes Niveau hat, man durch ERASMUS echt noch viel dazu lernen kann. Und sonst muss man sich halt echt bemühen, viel in der Uni mitzumachen oder nur etwas mit Franzosen zu unternehmen, um die Sprache noch zu verbessern. Aber es hat auf jeden Fall schon sehr geholfen, dass man jeden Tag Französisch spricht.

Marco Schwabe studierte Informatik in Rennes (2/13)
Marco Schwabe © Felix Meyerhoff Marco Schwabe © Felix Meyerhoff

Marco Schwabe

Marco Schwabe

Marco Schwabe © Felix Meyerhoff

Mein Name ist Marco Schwabe und ich studiere jetzt im 7. Semester Informatik. Ich war vor einem Jahr in Rennes, in Frankreich. Ich war dort von Oktober bis Februar und habe, wie auch hier in Dresden, Informatik studiert.

Wieso wolltest du ins Ausland gehen?

Größtenteils hat mich die Sprache motiviert. Ich habe Französisch sechs Jahre lang in der Schule gelernt, wovon leider nicht viel hängen geblieben ist. Deswegen wollte ich mein Französisch unbedingt verbessern. Vor meinem Auslandsaufenthalt hab ich auch hier an der TU Dresden schon einige Französischkurse belegt. Obwohl die Vorlesungen an der Uni in Rennes alle auf Französisch waren, konnten wir die Prüfungen auch auf Englisch ablegen. So gab’s dann auch sprachlich keine Probleme. Nach meinem Aufenthalt bin ich jetzt viel besser in der Lage bei Gesprächen mitzukommen und so gut wie alles auch wirklich zu verstehen. Es mir definitiv etwas gebracht nach Frankreich zu gehen.

Wie war denn die Uni in Rennes und was für Kurse hast du so belegt?

Man muss feststellen, dass die Uni dort eine Ingenieursschule ist. Der Campus liegt außerhalb der Stadt, ist ziemlich groß und beherbergt alle Gebäude. Der Weg von den Studentenwohnheimen zu den Kursen war somit immer extrem kurz, dafür ist man aber auch schwerer mal in die Innenstadt gekommen. Die Kurse waren sehr praxisorientiert. Wir haben oft praktische Aufgaben bekommen, die wir dann lösen mussten. Zum Beispiel mussten wir Prozessoren programmieren, womit ich an der TU Dresden noch nie zu tun hatte. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, im Vergleich zu Lehre hier in Dresden, mal etwas Praktisches zu machen. Das System in Frankreich ist insgesamt deutlich verschulter als in Deutschland. Die Lehre der Professoren dort hat mir trotzdem sehr gut gefallen. Richtig Spaß gemacht hat mir ein Kurs, wo wir mit Routern aus der Industrie gearbeitet haben.

Wie gut konntest du dein Auslandssemester in dein Studium hier in Dresden integrieren?

Sehr gut! Im fünften und sechsten Semester haben wir im Bachelorstudiengang die Module „Vertiefung in die Informatik“ und „Spezialisierung in der Informatik“ mit jeweils 12 Leistungspunkten, die ich mir dann 1 zu 1 anrechnen lassen konnte. Ich hab die beiden Module dann auch bestanden.

Wie findest du denn die Organisation von ERASMUS?

Es lohnt sich auf jeden Fall! Was man allerdings immer beachten sollte, ist sich rechtzeitig um alles zu kümmern. Ich mach immer alles auf den allerletzten Drücker und hatte mich auch damals erst eine Woche vor Fristende um alles gekümmert. Es hat zum Glück trotzdem noch alles geklappt. *lacht*

Hast du dich im Ausland wohlgefühlt?

Ich fand’s vor allem von der Uni sehr gut. Man war nicht mehr bloß einer von vielen, sondern konnte sich in die kleinen Kurse voll einbringen. Das hat mir immer viel Spaß gemacht. Auch mit den anderen ERASMUS Studierenden habe ich mir sehr gut verstanden und einiges unternommen. Als ERASMUS Student war man auch dem Leistungsdruck an der Uni weniger ausgesetzt, als die französischen Studenten. Die Studentenwohnheime waren ok, aber trotzdem würde ich jedem empfehlen sich eine WG zu suchen. Dann hat man ein besseres Gleichgewicht zwischen Campus und Studentenleben in der Stadt.

Wie war denn dein Leben außerhalb der Uni?

Nachdem ich ein paar Leute getroffen die in der Stadt Politik studiert haben, habe ich viel unternommen. Wir haben gemeinsam Ausflüge gemacht oder waren mal im Museum. Die Leute kamen auch aus der ganzen Welt, was immer spannend war.

Was hat dir dein Auslandsaufenthalt gebracht?

Ich hab eine andere Kultur kennengelernt. Außerdem hat’s mir natürlich sprachlich sehr viel gebracht. Aber auch die Praxis an der Uni hat mir viel gebracht. Wenn ich es nochmal machen würde, dann aber lieber in Südfrankreich. Da ist das Wetter besser als im Norden. *lacht*

Maximiliane Monse studierte Lehramt Englisch und Italienisch in Padua (3/13)
Maximiliane Monse © Felix Meyerhoff Maximiliane Monse © Felix Meyerhoff

Maximiliane Monse

Maximiliane Monse

Maximiliane Monse © Felix Meyerhoff

Ich bin Maximiliane Monse und studiere Englisch und Italienisch auf Lehramt im Master. Ich war im Sommersemester 2017 in Padua in Italien. Das war mein drittes bzw. viertes Mastersemester. Ich war im Bachelor schon mal ein Semester in Italien und habe dort im Hostel gearbeitet, um die Sprache kennen zu lernen. Ich hatte dort aber keinen Sprachkurs gemacht und hab nicht wirklich viel gelernt. Deswegen hat mir auch meine Dozentin immer wieder geraten nochmal ins Ausland zu gehen, was ich dann auch gemacht habe.

Und wieso nach Padua?

Ich wollte nach Norditalien und dann auch nicht nach Bologna, sondern eher in eine kleine Stadt. Padua ist nicht weit von Venedig und außerdem richtig im Grünen. Man kann dort in der Umgebung toll wandern gehen. Ich hab mich natürlich auch von italienischen Freunden beraten lassen.

Wie war denn die Universität dort?

Die Uni in Italien ist komplett anders als die Uni hier in Dresden. In Italien muss man vor allem viel auswendig lernen. Ich hatte dreimal die Woche eine Vorlesung und musste dafür eine Menge vorbereiten. In der Abschlussprüfung kommt dann auch echt jeder gelesene Text dran. Das viele Lesen und Auswendiglernen war für mich eine große Umstellung. Außerdem habe ich dort eher Literaturwissenschaften statt Kulturwissenschaften belegt. Die Unterrichtssprache war, je nach Fach, auf Italienisch, Englisch oder Deutsch.

Wie war denn dein Italienisch?

Es hat sich definitiv verbessert. Einfach schon durch den Alltagsgebrauch. Man geht irgendwo hin und muss Italienisch reden oder auf Italienisch bestellen. Wenigstens mal „bitte“ und „danke“ sagen. *lacht*

Was hat dir dein Auslandsaufenthalt gebracht?

Es war auch einfach mal wieder ein Semester Ruhe. Ich bin auch ganz viel gereist und war zum Beispiel auf Sizilien. Ich bin selbstbewusster geworden und habe auch gemerkt, dass es langsam reicht zu studieren. Ich möchte endlich mal auf eigene Faust mein Leben gestalten und sogar noch mehr reisen. Der Auslandsaufenthalt hat mir das nochmal deutlich gemacht. Aber was es mir gebracht hat ist echt eine gute Frage: ich habe vor allem mein Italienisch verbessert.

Wie war denn dein Leben außerhalb der Uni?

Ich habe in einer WG mit einer Deutschen und einer Italienerin zusammengewohnt. Die Italienerin war aber leider nie da, weshalb ich Zuhause viel zu viel Deutsch gesprochen habe.
Eigentlich möchte man ja Italienisch sprechen. Ich musste anfangs noch einige Hausarbeiten schreiben, weshalb ich anfangs nicht wirklich am sozialen Leben in Italien teilnehmen konnte. Aber danach ging es dann gut. Vor allem mit den anderen ERASMUS Studenten. Im Sommer gab es zum Beispiel am Fluss eine sehr lange Bar-Meile mit Livemusik, wo sich dann jeder getroffen hat. Aber man hat sich auch einfach mal in der Stadt zum Eis Essen getroffen. Ich hab mich in der Stadt sehr wohl gefühlt. In Padua gibt’s außerdem ein Buddy-Programm, das sich um die ERASMUS Studenten kümmert. Dadurch, dass mein Buddy mehrere Deutsche betreut hat, habe ich direkt am Anfang Leute kennen gelernt. Leider sind die ERASMUS Studenten aber oftmals unter sich geblieben. Als dann im April das Wetter besser wurde, war man außerdem ständig gemeinsam draußen unterwegs.

Was würdest du jemandem raten der nach Padua gehen will?

Quatsch einfach die Italiener in der Uni an. Sag denen, dass du die Neue bist und ab jetzt häufiger da sein wirst. Frag die Leute einfach mal, ob sie mit dir einen Kaffee trinken gehen wollen. Das läuft schon! *lacht*

Wie war denn Organisation deines ERASMUS Aufenthalts?

Gerade von deutscher Seite war es extrem einfach. Ich hab noch einen der sogenannten Restplätze bekommen. Ich hab mich relativ kurzfristig dafür entschieden ins Ausland zu gehen. Als ich ins ERASMUS Büro gegangen bin, meinten die nur zu mir: „Ja, wir haben Restplätze. Du kannst eigentlich überall hingehen, wo du willst. Also sag Bescheid“. Daraufhin hab ich meine Bewerbung abgegeben und damit war das Ding auch sicher. In Italien war es auch gut strukturiert. Die hatten in der Uni ein Auslandsbüro, wo man mit jeder noch so doofen Frage hingehen konnte.

Hattest du das Gefühl, dass du in Dresden etwas verpasst hast?

Nö, nicht wirklich! Ich hatte nie das Gefühl etwas zu verpassen. Warum auch? Ich hab ja meine ganz eigenen Erfahrungen gemacht!

Was bringt denn das Programm ERASMUS überhaupt?

Oh da kommt direkt die Lehrerin in mir hervor. Die würde jetzt sagen: Interkulturelle kommunikative Kompetenz muss unbedingt im Unterricht ausgebildet werden. Und das kann nur passieren, wenn man an Austauschen in anderen Ländern teilnimmt. *lacht* Ne jetzt mal ehrlich… Es bringt auf jeden Fall viel, sich mal von seiner gewohnten Kultur zu entfernen und in eine andere einzutauchen. Ob nun mit oder ohne Vorkenntnisse ist egal. Man wird sich viel über seine eigene Kultur bewusst und fängt an alles zu hinterfragen. Warum machen wir die Dinge eigentlich so? Warum geben wir uns zur Begrüßung zum Beispiel die Hand? Gerade für Lehrer ist es essentiell wichtig das Mal zu erleben und sich selbst aus einer gewissen Entfernung zu betrachten. Man sollte seinen Schülern ja vermitteln, dass es außer uns noch andere Menschen auf der Welt gibt. Die sind anders als wir und ist das ist gut so. Ich denke jeder Lehramtsstudent solle mal ERAMUS gemacht habe, um dort die Perspektive seiner Schüler wieder einnehmen zu könne.

Andréa Okongo studierte Wasserwirtschaft in Straßburg (4/13)
Andréa Okongo © Felix Meyerhoff Andréa Okongo © Felix Meyerhoff

Andréa Okongo

Andréa Okongo

Andréa Okongo © Felix Meyerhoff

Ich bin Andréa und studiere hier in Dresden Wasserwirtschaft im 5. Mastersemester. Letztes Jahr war ich in Straßburg und habe dort Geo- und Umweltwissenschaften studiert.

Wie war die Uni im Ausland?

Wie war die Uni im Ausland?

Die Uni hatte einen sehr schönen und grünen Campus. Ich hatte meine Kurse fast alle auf Französisch. Ich bin ins Ausland, als ich mit meinem Studium quasi schon fertig war und nur noch meine Masterarbeit offen hatte. Ich wollte mir gar nichts anrechnen lassen, weshalb mein Aufenthalt teilweise sehr entspannt war. Ich bin eigentlich mit dem Gedanken ins Ausland gegangen, dass mein Französisch ganz gut ist. Als ich dann dort war, musste ich feststellen, dass ich doch viele Schwierigkeiten hatte in Gesprächen mitzukommen. Es hat dann ein paar Monate gedauert und danach ging’s deutlich besser. Vor allem die Geschwindigkeit war für mich problematisch. Am Ende habe ich aber trotzdem mehr Englisch gesprochen. Das war im Wohnheim die wichtigste Sprache. *lacht*

Wie war denn dein Leben außerhalb der Uni?

Wie war denn dein Leben außerhalb der Uni?

Ich hab in Frankreich im Wohnheim gewohnt. Das war die einfachste Möglichkeit, etwas Günstiges zu finden. Dort habe ich dann sehr schnell Anschluss gefunden. An meinem zweiten Tag wurde bei mir an die Tür geklopft und gefragt, ob ich in die Küche kommen möchte, um gemeinsam Tee zu trinken. Am Anfang hatte ich Sorge wegen der Anonymität im Wohnheim, deshalb war es besonders cool, dass meine Mitbewohner so direkt auf mich zugekommen sind. Daraufhin haben wir uns auch angefreundet. Ich hab zwar bei einigen der ERASMUS Veranstaltungen mitgemacht, aber Kontakt hatte ich vor allem mit internationalen Studierenden im Wohnheim von außerhalb Europas.

Was war deine Motivation ins Ausland zu gehen?

Was war deine Motivation ins Ausland zu gehen?

Ich wollte eigentlich schon immer ins Ausland. Im Bachelor ging es leider nicht. Aber ich wollte unbedingt diese Erfahrung machen. Mal eine andere Sprache lernen, neue Leute und eine andere Kultur kennenlernen. Auch dieses auf sich Selbstgestellt-sein wollte ich mal erleben. Ich hab auch immer mal wieder überlegt im Ausland zu arbeiten und wollte einfach mal ausprobieren, ob es den klappt, wenn ich mal ganz allein woanders lebe.

Wie hat dich dein Auslandsaufenthalt verändert?

Wie hat dich dein Auslandsaufenthalt verändert?

Fachlich habe ich nicht unbedingt viel Neues gelernt, was aber nicht schlimm ist. Persönlich hat es mir natürlich sehr viel gebracht. Ich hab eine Menge neuer Freundschaften geknüpft, die sicherlich auch noch lange bestehen werden. Ich habe viele neue Sichtweisen kennengelernt. Ich hatte zum Beispiel viel Kontakt zu syrischen Studenten. Und da habe ich gemerkt, dass vor allem die Leute, die am meisten durchmachen müssen, am freundlichsten und offensten sind. Anfangs hatte ich nicht wirklich viele Erwartungen an mein Auslandssemester, aber es hat sich unglaublich gelohnt. Ich habe eine Weile gebraucht um anzukommen, aber als ich dann endlich angekommen bin, war es richtig schön. Ich hab jetzt auch Lust auf noch einen Auslandsaufenthalt. Aber irgendwann muss man ja auch mal aufhören zu studieren. *lacht* Seitdem ich zurück in Dresden bin, war ich auch schon mehrmals wieder in Straßburg um meine Freunde dort zu besuchen.

Marius Schmidinger studierte Geschichte und Politik in Lissabon (5/13)
Marius Schmidinger © Felix Meyerhoff Marius Schmidinger © Felix Meyerhoff

Marius Schmidinger

Marius Schmidinger

Marius Schmidinger © Felix Meyerhoff

Ich bin Marius, 22, und studiere hier an der TU Dresden Geschichte, Politik und Humanities. Im 5. und 6. Semester war ich in Lissabon. Ich hab mich erst für ein Auslandssemester beworben und hab dann in Lissabon gemerkt, dass es mir sehr gut gefallen hat. Ich hab dann problemlos um ein Semester verlängert und war insgesamt ein Jahr dort. Das war Studium war anders als hier in Dresden. Es ist insgesamt anders aufgebaut und ich hatte unterschiedliche Kurse. Ich konnte mir aber trotzdem alles in Dresden gut anrechnen lassen.

Warum wolltest du ins Ausland gehen?

Ich finde es spannend andere Länder zu besuchen, neue Leute kennenzulernen und auch eine neue Sprache zu erlernen. Portugal ist zwar nicht weit weg, aber trotzdem gibt es einen merklichen Unterschied zum Leben in Deutschland. Es war total spannend das zu erleben. Ich hab eben gemerkt, dass ein Semester dafür nicht reicht. Man sollte lieber ein ganzes Jahr weggehen, da kann man viel tiefer in die Kultur eintauchen. Man kann sich viel mehr Zeit lassen, die Stadt zu entdecken.

Wieso nach Lissabon?

Das war eine absolut spontane Entscheidung. Ich hab eher geschaut, wo ich nicht hin will. Portugal war die richtige Entscheidung!

Wie gut war dein Portugiesisch?

Ich hatte in Dresden zwei Sprachkurse, die auch gut waren. Das Problem war nur, dass die beiden Kurse den brasilianischen Dialekt gelehrt haben. Als ich dann Portugal so gesprochen habe, wie ich es gelernt habe, wurde ich nicht immer verstanden. In Lissabon habe ich dann auch noch einen Kurs belegt. Aber dadurch, dass man immer problemlos mit Englisch klar kam, war meine Motivation nicht immer die größte. Wenn man mit älteren Einheimischen sprechen wollte, war Portugiesische aber schon eine Voraussetzung.

Wie war die Uni?

Ich hab vor allem Geschichtskurse belegt. Im ersten Semester dort habe ich insgesamt vier Kurse belegt und im zweiten Semester habe ich dann komplett frei gewählt. Der spannendste Kurs den ich hatte, war ein Kurs über Filmgeschichte. Das Thema war die Repräsentation der Stadt im Film. Es ging los mit Metropolis, dann über die 50er, 60er Jahre, den Film noir, die 80er, 90er, und der letzte Film, den wir analysiert haben, war Lost in Translation. Ich fand es spannend, weil das so etwas ist, das es in Dresden nicht gibt und im ersten Moment zwar nicht akademisch klingt, es aber dennoch ist. Es gab einige limitierte Kurse auf Englisch. Der Großteil war aber auf Portugiesisch.

Wie hast du denn in Lissabon gewohnt?

Es gab Online-Foren, wo man sich sofort ohne Besichtigung ein Zimmer buchen konnte. Ich selbst hab das nicht gemacht. Von anderen habe ich aber sowohl gutes, als auch schlechtes gehört. Es war nicht leicht ein Zimmer zu finden. Am Anfang ist die Sprachbarriere noch ziemlich präsent und man traut sich nicht wirklich zu sprechen. Aber am Ende hat jeder ein Zimmer gefunden. Ich selbst hab eine WG mit zwei Italienerinnen im Zentrum Lissabons gefunden. Das hat viel Spaß gemacht!

Wie schnell hast du Anschluss gefunden?

Die ersten Leute, die ich kennengelernt habe, waren auch ERASMUS Leute an meiner Uni. Ich hab nicht wirklich an der Veranstaltungen der ERASMUS Netzwerke teilgenommen. Ich hab mir zwar am Anfang direkt eine Karte geholt, weil ich dachte, dass jeder da mitmachen muss, um am ERASMUS Leben teilnehmen zu können, aber hab dann gemerkt, dass es gar nicht so ist. Ich hab an der Uni auch einige Portugiesen kennengelernt. Es war aber auch einfach so, dass man mit anderen ERASMUS Studierenden wesentlich einfacher in Kontakt kommt. Man ist in der gleichen Lebensrealität. Die portugiesischen Studierenden haben ihre festen Freunde, ihre Familien und vielleicht noch einen Nebenjob. Während die einen relativ festen Zeitplan haben, hat man als ERASMUS Student viel mehr Freiheiten.

Was würdest du jemanden raten, der noch zögert ins Ausland zu gehen?

Jede Angst ist unbegründet. Klar kann man mal ein bisschen schüchtern sein, aber auch dann muss man keine Angst vor dem Neuen haben. Alle Leute die ich in Lissabon kennengelernt habe, waren unglaublich nett und offen. Klar merkt man auch mal, dass es nicht passt. Aber das ist ja ganz normal.

Was hat dir dein Auslandsaufenthalt gebracht?

Ich hab mich persönlich extrem weiterentwickelt. Ich fühle mich im Nachhinein wesentlich gefestigter in meinem Standpunkt und meiner Meinung. Ich hab mich in Lissabon auf jeden Fall mehr selber erfahren, als das hier in Dresden möglich wäre. Man trifft Leute aus aller Welt und findet sich dabei auch selber.

Was bringt ERAMUS für Europa?

ERASMUS bringt sehr viel. Man ist in einer Art ERASMUS Bubble drin und hat Kontakt zu allen Nationalitäten. Ich hab jetzt gute Freunde in Italien, Frankreich und Spanien. Ich würde schon sagen, dass das Freundschaften fürs Leben sind und freue mich aufs Wiedersehen. Das ist ja quasi die Verkörperung des europäischen Gedankens. Am liebsten würde ich direkt wieder ins Ausland!

Elisabeth Dreysse studierte Kunstgeschichte in Leiden (6/13)
Elisabeth Dreisse © Felix Meyerhoff Elisabeth Dreisse © Felix Meyerhoff

Elisabeth Dreisse

Elisabeth Dreisse

Elisabeth Dreisse © Felix Meyerhoff

Ich heiße Elisabeth und war im 4. Semester in Leiden und habe dort Kunstgeschichte studiert. Es war sehr spannend und natürlich auch eine große Veränderung. Ich war das erste Mal im Ausland und es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Ich habe dort auf Englisch studiert. Da die Niederländer alle tolles Englisch sprechen, gibt es eigentlich keine Sprachbarrieren. Ich habe dort Menschen aus aller Welt kennen gelernt und habe mit vielen heute noch Kontakt. Das Semester dort war auf jeden Fall entspannter als ein Semester hier an der TU Dresden.

Wieso wolltest du ins Ausland gehen?

Ich war endlich soweit, dass ich Lust darauf hatte. Es hat sich auch angeboten, weil ich mich in meinem Studium auf holländische Kunst spezialisiere. Es hat sich also mal gelohnt all das live zu sehen und auch die ganze Atmosphäre der Städte ich sich aufzunehmen.

Konntest du denn ein bisschen Niederländisch sprechen?

Naja, ich hab schnell ein paar Sätze gelernt. Ich hab zwar auch online einen Sprachkurs belegt, aber der hat mir nicht so viel gebracht. Es ist aber so, dass die Niederländer sofort ins Englisch wechseln, wenn sie merken, dass du kein Niederländisch sprichst. Ich habe aber immer darauf geachtet mindestens „hallo“, „danke“, usw. auf Niederländisch zu sagen.

Wieso bist du nach Leiden gegangen?

Das war die Stadt die von meiner Fakultät angeboten wurde. Ich kannte die Stadt davor gar nicht und hab sie zum ersten Mal gesehen, als ich dort zum Semesterstart angekommen bin. Als ich dann da war, war es echt Liebe auf den ersten Blick. Die Stadt ist ganz klein und total niedlich. Voller Studenten und wie eine klein Blase. Man ist dort zwar ein bisschen in seiner eigenen Welt, aber das ist auch mal schön. Nach einiger Zeit kennt man eigentlich fast alle Leute und hat seine Ecken gefunden, an denen man sich total wohl fühlt.

Wie war denn die Uni dort und was hast du für Kurse belegt?

Ich war dort an der Philosophischen Fakultät und hab Kurse in Kunstgeschichte, Englischer Literatur und einen Einführungskurs zu den Niederlanden belegt. Da es nur vier Veranstaltungen in der Woche waren, hatte ich eine sehr entspannte Zeit. Wir wurden vor Ort sehr gut vom ERASMUS Büro empfangen. Bei allem wurde uns geholfen und mein Semester dort verlief absolut problemlos. Ich konnte mir dann in Dresden drei der vier Kurse anrechnen lassen.

Wie war denn dein Leben außerhalb der Uni?

Wir hatten direkt am Anfang eine Einführungswoche, in der wir ein volles Programm hatten. Wir waren auf dem Campus und in der Stadt unterwegs und natürlich auch gemeinsam feiern. In dieser Gruppe sind wir dann natürlich auch ein bisschen zusammengewachsen und kamen dort auch aus den verschiedenen Studiengängen. Ich war in Leiden viel entspannter und hatte natürlich auch ein bisschen weniger zu tun. Deswegen konnte ich mit Freunden durch die Niederlande reisen und auch mal nach Belgien fahren. Das finde ich im Semester in Deutschland immer zu schwierig. Ich war auch fast jeden Abend weg und das auch immer echt lange. *lacht* das klingt jetzt zwar wie eine Werbekampagne für ERASMUS, aber es ist halt einfach schön! Ich hab Dresden überhaupt nicht vermisste und habe es so sehr genossen, mal ganz weit weg von allem zu sein. Gerade in meiner letzten Woche im Ausland war es hart mich wieder auf Deutschland vorzubereiten. Das Erlebnis war eher wie ein Traum. Man war so entspannt für sich in seiner Blase. Ich würde es auf jeden Fall nochmal machen. Ich vermisse jetzt auch immer noch die Offenheit und positive Art der Niederländer.

Wie hast du dort gewohnt?

Eine Wohnung zu finden war richtig schwierig. Da würde ich jedem empfehlen, der in die Niederlande geht, rechtzeitig anzufangen. Von all meinen Vorbereitungen war das die stressigste. Die haben dort einen riesen großen Wohnungsmangel. Man kann über Facebook ganz gut suchen. Ich habe dann durch Zufall zwei Mädels kenne gelernt. Eine Spanierin und eine Portugiesin, die ein Apartment mieten wollten und noch eine dritte Mitbewohnerin gesucht habe. Ich habe dann relativ zentral am Hafen gewohnt. Aber in Leiden sind die Entfernungen sowieso maximal 15 Minuten. Ich habe mich dort dann wirklich wohl gefühlt. Das Zusammenleben war gut und ich werde eine der beiden wahrscheinlich sogar im kommenden Sommer besuchen.

Was hat dir dein Auslandsaufenthalt gebracht?

Ich habe gelernt schneller und offener auf neue Leute zuzugehen. Es hat mir viel mehr Stärke gegeben. Als ich aus der Schule gekommen bin, hätte ich nie gedacht, dass ich mal ganz alleine ein halbes Jahr ins Ausland gehen würde. Es hat mir vor allem die Bestätigung gegeben, dass ich das kann. Dass ich auch durchaus in der Lage bin, mal wo anders zu leben. Man ist dort so viel freier, als Zuhause. Allgemein kann so ein Austausch die große Welt ein bisschen kleiner machen. Man kann da wirklich ein Netz über die Welt spannen und die verschiedensten Leute kennenlerne. Man baut dadurch auch automatisch Vorurteile ab.

Leonhard Neumann studierte Luft- und Raumfahrttechnik in Bordeaux (7/13)
Leonhard Neumann © Felix Meyerhoff Leonhard Neumann © Felix Meyerhoff

Leonhard Neumann

Leonhard Neumann

Leonhard Neumann © Felix Meyerhoff

Ich bin Leon und 25 Jahre alt. Ich bin an der Fakultät für Maschinenbau und studiere Luft-und Raumfahrttechnik und als zweite Vertiefung habe ich jetzt Triebwerkstechnik gewählt. Ich war im 11. Semester in Bordeaux und habe dort an der Uni einen sehr praktischen Studiengang gemacht: Luftfahrzeugwartung. Die Uni dort hatte auch richtig spannende Labore. Also wenn da zum Beispiel der Triebwerksprüfstand gelaufen ist, hat auch mal die ganze Uni vibriert. Das war ziemlich cool.

Wieso wolltest du denn ins Ausland gehen?

Ich wollte gerne noch eine andere Sprache richtig lernen. Ich hab schon an der Uni ein paar Kurse belegt und da mein B1 Niveau erworben. Aber ich wollte natürlich auch mal eine Auslandserfahrung machen und mir das eigentlich schon immer vorgenommen.

Was hat denn ERASMUS für einen Mehrwert für Europa?

Ich find vor allem das gemeinsame Verständnis wichtig. Man lernt irgendwie anders zu denken. Also man weiß jetzt ein bisschen mehr, wie sich ein Ausländer fühlt der nach Deutschland kommt. Gerade auch die kleinen Dinge, wie einen neuen Mobilfunkvertrag abzuschließen, können am Anfang echt ziemlich hart sein. Man merkt halt auch direkt den Unterschied bei Leuten die Erfahrung mit Ausländern haben.

Wie war denn dein Leben außerhalb der Uni?

Ich bin bewusst prüfungsfrei nach Frankreich gegangen, weil ich mir gedachte habe, dass ich dann bei der Auswahl der Kurse viel freier bin. Ich hab mir vor allem vorgenommen sehr viel Französisch zu sprechen. Ich hatte sehr viele internationale Freunde. Vor allem meine WG war international und schön durchgemischt. Dort haben 12 Leute aus 6 Nationen gewohnt. Das war immer sehr interessant. Aber sonst war es natürlich nicht sehr viel anders als das Leben in Deutschland.

Was würdest du jemandem raten der mit ERASMUS nach Bordeaux gehen möchte?

Vorher recherchieren! Also meine Uni war zum Beispiel sehr weit draußen, was ich vorher nicht gewusst habe. Und wenn jemand nicht ganz so gut Französisch spricht, dann sollte er einfach ein paar englische Fächer belegen. Das moviert einen trotzdem an der Uni weiterzumachen. Der Anfang im Ausland ist irgendwie hart, aber insgesamt ist es cool und macht viel Spaß. Außerdem kommt es natürlich immer sehr gut an und wertet auch den eigenen Lebenslauf auf.

Hattest du das Gefühl, dass du hier in Dresden etwas verpasst hast?

Nein, ganz im Gegenteil! Es war insgesamt eine ziemlich gute Erfahrung. Also ich glaube, dass ich sehr sehr viel gelernt habe. Ich könnte jetzt im Nachhinein schwer sagen, was genau ich gelernt habe, aber doch auf jeden Fall sehr viel. Auch vom Land und der Kultur her. Die Franzosen waren aller sehr freundlich zu mir. Auf der Straße auf jeden Fall freundlicher als die Leute hier in Dresden. *lacht* Die Gelegenheit so einfach in ein anderes Land zu gehen und eine neue Kultur zu erleben, hat man so nie wieder. ERASMUS ist schone echt eine super Gelegenheit und ich würde es auch gerne nochmal machen. Diesmal nach Spanien.

Hast du denn schnell Anschluss gefunden?

Ja, durch meine große WG habe ich sehr schnell Freunde gefunden. Das kann ich auch nur jedem empfehlen. Das Zimmer habe ich auf Leboncoin.fr gefunden. Das ist so eine französische Mischung aus Ebay-Kleinanzeigen und WG-Gesucht. Ich hab echt viel Glück mit der Wohnung gehabt. Die haben mich dann auch gleich genommen.

Wie fandst du die Organisation deines ERASMUS Aufenthalts?

Klar ist es schon schwierig am Anfang. Aber man kann seine Betreuer eigentlich so oft nerven, wie man will. Wenn man eine Frage hat, dann geht man da halt hin. Man muss einfach immer in Kontakt bleiben und Fragen stellen. Es ist echt alles nicht so schwer.

Franziska Strehlow studierte Germanistik in Neapel (8/13)
Franziska Strehlow © Felix Meyerhoff Franziska Strehlow © Felix Meyerhoff

Franziska Strehlow

Franziska Strehlow

Franziska Strehlow © Felix Meyerhoff

Mein Name ist Franziska Strehlow und ich studiere Sprach,- Literatur- und Kulturwissenschaften, jetzt im offiziell 2. Mastersemester. In meinem 1. Mastersemester war ich im Ausland. Ich war in Neapel und zwar von Februar bis Juli. Ich wollte nach Italien, da mich das schon immer sehr gereizt hat. Außerdem hatte ich schon drei Semester lang hier an der TU Dresden einen Italienisch Kurs belegt.

Konntest du denn dein Studienfach dort problemlos studieren?

In groben Zügen schon. Ich habe im Bachelor Germanistik und Kunstgeschichte gemacht und habe das auch so an der Uni in Neapel belegt. Ich habe dort ein literaturwissenschaftliches Seminar, eins zu Kunstgeschichte und ein philologisches Seminar besucht. Alles war auf Italienisch, obwohl viele der Texte auf Deutsch waren, was oft sehr witzig war. Die Dozenten konnten daher auch alle definitiv besser Deutsch, als ich Italienisch. Das war aber überhaupt kein Problem und die Verständigung ging immer gut. Ich hatte zwar anfangs das A2 Niveau, aber wirklich Sprechen konnte ich noch nicht. Das war aber nie ein großes Problem. Man kommt gut voran und da auch so viele andere ERASMUS Studenten vor Ort sind kommt man auch immer mit Englisch weiter. Oder im Notfall mit Händen und Füßen. *lacht*

Was sind denn die Unterschiede zu der Universität hier in Deutschland?

In Italien hatten die Seminare einen reinen Vorlesungscharakter. Man bearbeitet die Texte zwar zusammen, aber der Kurs wird dennoch alleine vom Dozenten gestaltet. Trotzdem fand ich es sehr spannend. Gerade der Kurs zur Kunstgeschichte hat mir nochmal einen anderen Blickwinkel gezeigt, da man alles von der italienischen Seite aus betrachtet. Daher waren natürlich auch vor allem italienische Künstler im Fokus.

Wie gut konntest du denn dein Auslandsemester in dein Studium hier an der TU Dresden integrieren?

Eigentlich ganz gut. Das war ja vorher schon alles mit dem „Learning Agreement“ abgedeckt. Was ich mir sozusagen wofür anrechnen lasse könnte. Ich hab mir dann auch zwei Kurse problemlos anrechnen lassen können.

Und wieso hast du dich für Neapel entschieden?

Weil man über meine Fakultät nur in Neapel Germanistik studieren konnte. Wäre ich aber über Deutsch als Fremdsprache ins Ausland gegangen, dann wäre da der entscheidende Faktor das Meer gewesen. Und da Neapel direkt am Meer liegt, wäre das ja auch direkt gegeben.

Wie war denn dein Leben außerhalb der Uni?

Mit meinem Zimmer hatte ich richtig viel Glück. Ich hab die ersten Tage über Airbnb eine Unterkunft gebucht und konnte da durch Zufall direkt für den gesamten Zeitraum in eins der Zimmer einziehen. Einer meiner Mitbewohner war auch Deutscher, der mir anfangs mit der Sprache viel geholfen hat. Auf der anderen Seite wird man aber auch schnell dazu verleitet, im deutschen Sprachkontext zu bleiben und sich nicht wirklich auf das Italienische einzulassen. Oder mit anderen ERASMUS Studenten nur Englisch zu sprechen. Und viele der Italiener, die wir vor Ort getroffen haben, wollten dann auch gerne mit uns Deutsch oder Englisch sprechen. Ich hab gerade in diesem ERASMUS Pool schnell Anschluss gefunden. In der Hinsicht habe ich mich sehr wohl gefühlt.

Wie war denn das Leben allgemein in Neapel?

Das Leben war laut, wild und dreckig! *lacht* Wirklich chaotisch, also es ist wirklich ein ganz anderes Leben… Hier ist alles ruhiger, aber dort war’s gerade in den ersten Wochen eine richtige Reizüberflutung. Ob ich das auf Dauer machen könnte, weiß ich nicht, aber irgendwo ist das ja auch alles eine Gewöhnungssache. In Neapel liegt auch alles im Zentrum. Die Universität auch. Ich hab sowohl fußläufig zum Campus, als auch zu allen Piazzen gewohnt. Und auch zum Meer habe ich nie mehr als 15 Minuten gebraucht. Man kann im Kreis Neapel auch landschaftlich und kulturell wirklich viel mitnehmen. Da gibt es so eine riesige Auswahl an Ausflugszielen, wie zum Beispiel den „Pfad der Götter“, wo man unglaublich toll wandern kann.

Und was fehlt dir nach deiner Rückkehr nach Dresden am meisten?

Natürlich das Wetter, aber tatsächlich auch dieser bunte Trubel und vor allem die schöne italienische Sprache. Der Klang der Sprache fehlt mir so richtig. Gerade an Weihnachten ist das richtig schön, wenn man ab und zu mal auf dem Striezelmarkt ein paar italienische Brocken der Touristen aufschnappt. Das geht dann runter wie Butter!

Hast du dich dort wohl gefühlt?

Hast du dich dort wohl gefühlt?

In der ersten Zeit war es schwierig ganz auf sich allein gestellt zu sein. Aber das war echt nur eine erste Umgewöhnungszeit. Man braucht einfach eine gewisse Zeit um anzukommen, sich in der Stadt zurecht zu finden und sich auch zu trauen frei zu sprechen. Und dann kann man es auch richtig genießen! Im Nachhinein wäre ich vielleicht auch gerne ein ganzes Jahr dageblieben.

Was würdest du jemanden raten der sagt, dass es sich nicht lohnt ins Ausland zu gehen?

Es lohnt sich auf jeden Fall. Klar habe ich anfangs auch gezweifelt, ob es sich lohnt. Ich hab mich gefragt, ob es mir wirklich was bringt. Und irgendwo ist natürlich auch ein Leistungsdruck da. Man muss bis dann und dann fertig sein und fragt sich, ob es überhaupt gut in den eigenen Lebenslauf passt. Im Nachhinein denke ich, dass ich mir damals viel zu viel Stress gemacht habe. Ein Auslandssemester bringt einen nämlich immer weiter. Man ist ganz auf sich allein gestellt und lernt nochmal auf eigenen Füßen zu stehen. Außerdem lernt man auch sich selbst ganz neu kennen. Man hat die Möglichkeit eine andere Kultur und das Leben in einem neuen Land ganz nah zu erleben. Ich wüsste nicht, warum man nicht ein Auslandssemester machen sollte. Und man sollte sich auch nicht vom ganzen bürokratischen Aufwand abschrecken lassen. Das wäre Quatsch!

Willst du denn nochmal ins Ausland gehen?

Ja! Wie gesagt, im Nachhinein ist ein halbes Jahr echt zu kurz. Ich würde auch gerne nochmal nach Italien gehen. Einfach schon um die Sprache nochmal zu verbessern. So ein Sprachkurs hier in Deutschland ist einfach nicht das gleiche.

Was bringt ERASMUS für Europa?

Die Länder werden untereinander viel stärker miteinander verbunden. Man hat ja oftmals Klischees anderer Länder im Kopf. Und wenn man dann vor Ort ist, hinterfragt man die alle. Außerdem ist man im Freundeskreis auch sehr interkulturell unterwegs. Schon in der ERASMUS Gruppe sind ja die verschiedensten Länder dabei. Das ist dann so eine schöne große bunte Gruppe, wo man sich gegenseitig fragen kann: Hey, wie ist das denn eigentlich bei dir? Dieses Kennenlernen der anderen Kulturen finde ich ganz wichtig.

Till Uebelacker studierte Komunikationswissenschaften in Izmir (9/13)
Till Uebelacker © Felix Meyerhoff Till Uebelacker © Felix Meyerhoff

Till Uebelacker

Till Uebelacker

Till Uebelacker © Felix Meyerhoff

Mein Name ist Till Uebelacker und ich war im 6. Semester in der Türkei. Ich studiere Politik-und Kommunikationswissenschaften. Über das kommunikationswissenschaftliche Institut der TU Dresden habe ich an der Universität in Izmir Internationale Beziehung und Kommunikationswissenschaften studiert.

Wieso wolltest du ins Ausland?

Ich wollte unbedingt ins Ausland und auch unbedingt mal wieder in ein sonniges Land. *lacht* Außerdem wollte ich gerne Abwechslung in meinen Studienalltag bringen, Kontakte knüpfen, eine neue Sprache lernen, auf Englisch studieren. Ich interessier mich außerdem sehr für die deutsch-türkischen Beziehung interessiere.

Und wieso gerade Izmir?

Izmir war eine der Städte, in denen man auf Englisch studieren konnte. Nach Istanbul und Ankara ist Izmir die drittgrößte Stadt der Türkei und ein kulturelles Zentrum. Auch die griechischen Inseln sind nicht weit weg und Izmir somit ein absolutes Urlaubsparadies. In Izmir gibt es viele Universitäten und das Studienangebot ist wirklich sehr vielfältig.

Wie war denn die Uni in Izmir?

Der Unterricht ist etwas verschulter. Trotzdem gibt es in Seminaren viel Freiraum für Diskussion. Die Studierenden waren alle ein bisschen jünger als ich, aber dadurch, dass es auch viele ERASMUS-Studierende gab, war das überhaupt kein Problem. Die Dozenten haben fast alle im Ausland studiert und konnten auf einem hohen Englischniveau lehren. Das Campusleben ist ganz anders als hier an der TU Dresden. Es ist deutlich lebendiger! An jeder Fakultät gibt’s einen großen Aufenthaltsbereich mit eigenen Mensen und vielfältigen Möglichkeiten die Zeit zwischen den Veranstaltungen zu verbringen. Es wird eigentlich überall Essen oder Cay verkauft. So kommt man sehr schnell mit Kommilitoninnen und Kommilitonen ins Gespräch.

Wie war denn dein Leben außerhalb der Uni und wie hast du gewohnt?

Es ist sehr einfach in Izmir anzukommen. In der Türkei sagt man sich, dass die Menschen in Izmir die offensten des ganzen Landes sind. Izmir ist außerdem eine sehr europäische Stadt. Über das ERASMUS Netzwerk an der Universität oder über Facebook Gruppen war es überhaupt kein Problem eine Wohnung zu finden. Ich hab mit zwei Türken zusammen gewohnt, die für ihr Studium aus Istanbul nach Izmir gekommen sind. Die beiden sind umgezogen, weil sie das Leben in Izmir im Vergleich zum Leben in der riesigen Metropole Istanbul angenehmer finden. Durch das ERASMUS Netzwerk sind auch alle ausländischen Studierenden schnell miteinander in Kontakt gekommen. Nach kurzer Zeit haben sich so schon viele Möglichkeiten ergeben, gemeinsame Ausflüge in großen Gruppen zu unternehmen. Gerade in der Umgebung von Izmir gibt es sehr viel zu sehen und zu erleben.

Hast du dich während deiner Zeit in der Türkei wohlgefühlt?

Ja, das habe ich! Gerade an der Uni war es überhaupt kein Problem Anschluss zu finden. Und auch wenn man mit Englisch nicht immer weiterkommt, ist man niemals verloren. Die Leute waren alle sehr hilfsbereit. Vor meinem Auslandssemester habe ich hier in Dresden am TUDIAS Sprachzentrum schon angefangen Türkisch zu lernen. In der Türkei habe ich vor allem über meine Mitbewohner und einige Deutschtürken noch ein bisschen was dazu gelernt. Man braucht nicht zwangsläufig Türkischkenntnisse, aber sie sind natürlich auch auf einem niedrigen Niveau schon sehr hilfreich.

Was hat dir dein Auslandssemester gebracht?

Ich denke gerade wenn man Geistes- und Sozialwissenschaften studiert hilft es sehr, mal im Ausland zu leben. Vor Ort ein anderes politisches System oder gesellschaftliche Prozesse nachzuvollziehen, fördert das eigene Verständnis unglaublich. Allein wenn man sich mit den lokalen Medien beschäftigt oder den Studierenden beim Diskutieren zuhört, erhält man viel tiefere Einblicke in ein anderes Land, als aus der Ferne. Man nimmt für kurze Zeit am gesellschaftlichen Leben des Gastlandes teil und lernt die Kultur hautnah kennen.

Hattest du während deines Auslandsaufenthalts das Gefühl in Dresden etwas zu verpassen?

Nein überhaupt nicht. Mein Auslandsaufenthalt hat mich komplett eingenommen und fasziniert. Gleichzeitig waren viele meiner Kommilitoninnen und Kommilitonen auch im Ausland. Flüge in die Türkei sind nicht teuer, man kann Besuch bekommen und ist nicht aus der Welt. Die fünf Monate im Ausland vergehen wie im Flug.

Konntest du dir deine Kurse problemlos anrechnen lassen?

Mein Austausch lief jeweils über die kommunikationswissenschaftlichen Fakultäten. Man muss sagen, dass das Institut für Kommunikationswissenschaften in Izmir sehr praktisch ausgerichtet ist. Also ganz anders als hier in Dresden. Die haben einen eigenen Radiosender mit Studio und Computer, sowie jeglicher Software für Bild-, Ton-, und Videobearbeitung. Man kann dort auch autodidaktisch sehr viel machen. Ich konnte mir sowohl für Politik-, als auch für Kommunikationswissenschaft Kurse an der TU anrechnen lassen. Ich habe in Izmir im Bereich der Internationalen Beziehung Kurse zu den deutsch-türkischen Beziehungen und Friedens- und Konfliktforschung belegt, die mir beide in Dresden anerkannt wurden.

Alexander Rehberg, Lehramt Französisch/Geographie, studierte Französisch in Toulouse (10/13)
Alexander Rehberg © Felix Meyerhoff Alexander Rehberg © Felix Meyerhoff

Alexander Rehberg

Alexander Rehberg

Alexander Rehberg © Felix Meyerhoff

Ich heiße Alex und studiere Lehramt für Französisch und Geografie. Nach meinem 4. Semester war ich über die Spralikuwi-Fakultät im Ausland in Toulouse und fand’s richtig gut.

Was hast du in Toulouse studiert?

Also die meisten Kurse habe ich im Bereich „Französisch als Fremdsprache“ belegt, die ich mir in Dresden alle auch gut für die Romanistik anrechnen lassen konnte. Dann habe ich noch einen Anglistikkurs belegt und so ein bisschen in Geographie und Sport reingeschnuppert. Am meisten Spaß hat mir Bogenschießen und Klettern gemacht, was ich mir sogar anrechnen lassen konnte. Manchmal war ich sogar in den Pyrenäen klettern.

Was war deine Motivation ins Ausland zu gehen?

Vor allem die Sprache. Ich studiere ja Französisch, um das später mal zu unterrichten. Ich habe gemerkt, dass ich in Dresden nur in der Uni bin und da nicht so viele Fortschritte mache. Da habe ich richtig Lust bekommen, mal länger in Frankreich zu leben. Es kam mir irgendwie unwirklich vor das zu studieren, aber persönlich eigentlich nichts damit zu tun zu haben. Ich war einfach neugierig, was da auf mich zu kommt und hatte Lust weg zu gehen.

Wie lange warst du in Frankreich?

Ich war zwei Semester dort und fand das auch gut so. Gerade im zweiten Semester hat sich nochmal viel verändert. Ich habe nochmal viele neue Leute kennengelernt und bin sogar nochmal umgezogen. Ich hab erst im Wohnheim und dann in einem Hausprojekt gewohnt. Das Wohnheim war zwar nicht schlecht, aber halt ein bisschen anonym und deshalb hatte ich Lust mit anderen Leuten zusammen zu wohnen.

Was waren denn die großen Unterschiede zwischen der TU Dresden und der Universität in Toulouse?

Gerade bei Geografie habe ich gemerkt, dass der Unterricht ein bisschen frontaler ist, als in Deutschland. Mir ist auch aufgefallen, dass in Frankreich kaum Leute nach der Schule etwas Anderes machen. Dadurch sind alle gleichalt und waren auch meist jünger als ich. Aber abgesehen davon war das Uni-Leben richtig gut. Das Leben auf dem Campus ist besser als in Dresden. Der Campus war in sich geschlossen. Zudem gab es eine Menge an Veranstaltungen. Wir hatten dort zum Beispiel ein Kulturzentrum, wo fast jeden Abend Veranstaltungen stattgefunden haben. Es gab auch einen Gemeinschaftsgarten. Viele selbstverwaltete Studentencafés, mit jeweils eigenen Veranstaltungen. Es war einfach immer was los und überall war Leben. Am Ende wurde sogar ein Raum besetzt, der für ein teures Restaurant verwendet werden sollte. Dafür hatte die Studenten aber andere Ideen, wie z.B. eine Bio-Mensa. Es gab außerdem ein riesiges Sportangebot. Davon habe ich viel ausprobiert, weil es für ERASMUS-Studenten sogar kostenlos war.

Konntest du schnell Anschluss finden?

Zu den ERASMUS-Leuten Kontakt herzustellen und dort Freunde zu finden geht sehr leicht. Das habe ich aber extra ein bisschen vermieden, weil ich Lust hat mir Franzosen in Kontakt zu kommen. Und auch das war kein Problem. Ich habe sehr schnell viele Leute kennen gelernt. Viele durch den Sport und im zweiten Semester vor allem durch das Hausprojekt, in dem 80 Leute gewohnt haben. Die Idee hinter dem Projekt war, dass jeder Bewohner ein soziales Projekt in der Nachbarschaft mitgestaltet. Und dadurch bin ich mit vielen Leuten aus dem Haus in Kontakt gekommen. Das war eine große uns sehr angenehme Gemeinschaft. Einsam ist man auf jeden Fall nicht. Selbst wenn man kein Französisch spricht, findet man unter den ERASMUS Leuten viele Freunde.

Wie war denn dein Französisch davor und danach?

Ich hab da diesen Test gemacht und hatte davor B2 und danach C1. Aber so eine Zahl sagt natürlich wenig aus. *lacht* Ich hab aber auf jeden Fall das Gefühl, dass ich jetzt besser Französisch spreche. Am Anfang fiel es mir zum Beispiel noch schwer in großen Gruppen mitzuhalten, aber am Ende ging auch das problemlos.

Wie war denn dein Leben in Toulouse?

Ich war fast jedes Wochenende unterwegs. Häufig zum Klettern oder mal in anderen Städten. Ich habe in den Ferien auch ab und zu mal mit Freunden in Frankreich ihre Familien besucht. In Toulouse selbst gibt es viele Cafés bzw. Vereine, die alle einen kleinen Kulturraum haben. Da war ich sehr oft bei Konzerten und Veranstaltungen. In der Stadt gibt es auch eine Zirkusschule und die machen wöchentlich Vorstellungen und Feiern, wo ich ab und zu war. Außerdem bin ich natürlich viel durch die Stadt gelaufen. In Toulouse war ja alles neu und ich hab häufig neue Orte entdeckt. Ich mich auch einfach mal in ein Café gesetzt, was ich in Dresden so nicht machen würde. Aber im Auslandssemester ist man irgendwie offener.

Hast du einen Tipp für jemanden, der auch ins Ausland möchte?

Also man sollte auf jeden Fall in eine WG gehen. Ich denke das ist schöner, als im Wohnheim zu leben. Ich hab mich zwar auch erst vor Ort danach umgeschaut, aber hätte es lieber schon vor meiner Ankunft gemacht.

Wie hast du denn die ERASMUS Organisation empfunden?

So schwierig ist das gar nicht. Am Anfang kommt es einem vielleicht viel vor, aber so viel Papierkram ist es am Ende wirklich nicht. Man muss halt ein paar Sachen ausfüllen und ein paar Fristen einhalten… oder auch mal etwas nachreichen. *lacht* Der kleine Aufwand ist es auf jeden Fall wert und ich habe es nie bereut. ERASMUS ist eine gute Möglichkeit im Ausland zu gehen. Ich glaube, dass es mit keinem anderen Programm leichter ist.

Was hat dir der Auslandsaufenthalt gebracht?

Ich habe andere Leute kennengelernt, als ich hier in Dresden kenne. Ich war ja in vielen Gartenprojekten oder auf Farmen in den Pyrenäen unterwegs und habe viele neue Perspektiven auf die Welt kennengelernt. Im fahre bald nochmal hin, um alle zu besuchen. Es hat mich außerdem motiviert nochmal ins Ausland zu gehen. Ich möchte mich gleich nächstes Jahr nochmal bewerben. Ich hatte überhaupt nicht das Gefühl, hier in Dresden etwas zu verpassen.

Was bringt deiner Meinung nach ERASMUS für Europa?

Man bekommt eine neue Perspektive und erlebt, wie viele Möglichkeiten es tatsächlich gibt. Es öffnet einem die Augen. Man muss ja nicht immer in Deutschland leben. Man bekommt ein Gefühl dafür, was man alles machen kann und inwieweit man sich unter den Ländern austauschen kann.

Wajdi Abdel-Haq studierte Werkstoffwissenschaften in Lille (11/13)
Wajdi Abdel-Haq © Felix Meyerhoff Wajdi Abdel-Haq © Felix Meyerhoff

Wajdi Abdel-Haq

Wajdi Abdel-Haq

Wajdi Abdel-Haq © Felix Meyerhoff

Mein Name ist Wajdi Abdel-Haq. Ich bin Student an der Fakultät für Werkstoffwissenschaften und bin aktuell im 12. Semester. Im letzten Semester war ich im Ausland und zwar in Lille. Dort habe ich mein Wissen im Textilsektor vertieft. Da bin ich quasi als Quereinsteiger reingekommen.

Warum wolltest du ins Ausland gehen?

Auch meinen Zivildienst habe ich schon im Ausland gemacht und reise sehr gerne. Durch meinen Migrationshintergrund habe ich irgendwie schon eine gewisse Affinität zum Ausland und dem Reisen. Ich wollte dann natürlich auch nochmal die Möglichkeit nutzen ERASMUS zu machen, also bezahlt ins Ausland zu gehen. Bei dem Programm muss man sich echt nicht um viel kümmern, was natürlich top ist.

Wie war denn die Uni in Frankreich?

Die Uni dort ist eine École Supérieure, die in Frankreich ziemlich hoch im Kurs steht. Die Uni war sehr praktisch. Zu Beginn habe ich erstmal die Kurse belegt, die mir von meinem Professor hier in Deutschland empfohlen wurden. Ich hab mir dann vor allem viel praktisches Wissen im Textilbereich angeeignet. Ich habe Fachbegriffe gelernt und mit, für mich neuen, Maschinen gearbeitet bzw. Wissen auch wiederaufgefrischt, da ich in Serbien schon gewebt habe. Ich hab aber auch normal am Unterricht teilgenommen, was auch echt gut war. Da wird einem immer sofort geholfen. Ich war an der Uni auch der einzige ERASMUS Student, weshalb ich direkt aufgefallen bin. Die Leute sind immer auf einen zu gekommen, und haben mir beispielswiese sogar bei Prüfungen geholfen. Ich hab dort außerdem meine Diplomarbeit geschrieben. Ich brauchte nichts mehr, was ich mir anrechnen lassen musste und habe deshalb viel nach Interesse belegt. Ich bin dann in Richtung Textildesign gegangen und hab zum Beispiel mal meine eigene Hose designt und genäht. Das hat mir alles sehr viel Spaß gemacht.

Wie lief es denn mit der Sprache?

Mein Französisch war schon davor ganz gut, aber der erste Monat war trotzdem schwierig. Ich saß einmal morgens um 8 Uhr im Unterricht. Der Professor hat dann einen spontanen Test angekündigt, was ich irgendwie nicht ganz verstanden hatte. Alle haben dann angefangen zu schreiben und auf einmal stand der Professor direkt hinter mir und hat mich gefragt, ob ich denn überhaupt nichts schreiben möchte. Solche Sachen passieren am Anfang einfach, was aber nicht wirklich tragisch ist. Ist ja auch eine schöne Erfahrung und lustige Geschichte.

Wie war denn dein Leben außerhalb der Uni?

Ich hab im Studentenwohnheim gelebt, was mir von der Uni organsiert wurde. Ich habe dann auch innerhalb der ersten Woche viele neue Leute kennengelernt. Am Anfang waren das vor allem französische Studenten und im zweiten Halbjahr sind dann auch einige andere ERASMUS Studierende an die Uni gekommen. Ich wurde oft eingeladen und bin dann auch überall hingegangen. Ich hab außerdem viel Sport gemacht. Auch die ganzen Partys habe ich besucht und habe an Veranstaltungen des Einführungsmonats teilgenommen. Durch die ganzen anderen Studierenden, habe ich jetzt auch Kontakte nach ganz Europa, Indien oder China. Ich telefonier ab und zu noch mit den Leuten und war sogar schon zu Besuch in Indien. Ich bin demnächst auch nochmal an der Uni, um für eine Veröffentlichung mit meinem Prof einige Experimente zu machen. Währenddessen werde ich dann auch bei Freunden schlafen.

Hattest du während deines Auslandsaufenthaltes das Gefühl hier in Dresden etwas zu verpassen?

Ne das Gefühl hatte ich überhaupt nicht. Ich hab’s nie bereut ins Ausland zu gehen. Außerdem haben mich meine Freunde zum Teil auch in Frankreich besucht. Einige meiner Freunde war sogar gleichzeitig mit mir in an anderen Universitäten in Frankreich.

Was hat dir dein Auslandsaufenthalt gebracht?

Auf jeden Fall große Begeisterung. Zum Beispiel für das Projekt Europa, was ich sehr cool finde, aber auch das Reisen. Ich bin viel gereist und hatte seitens der Uni auch immer die Möglichkeit dazu. Aber auch mal zu sehen wie andere Herangehensweisen an die Arbeit im Labor oder die Organisation der Lehre funktionieren, waren sehr interessant. Ich habe gelernt ein bisschen entspannter an die Forschung heranzugehen. Wenn man in Deutschland zum Beispiel 500ml von irgendwas abfüllt dann wird ganz genau darauf geguckt und alles Mögliche gemessen. In Frankreich hat man dann jemanden, der es wie beim Kochen macht. Alles irgendwie zusammen kippen und am Ende funktioniert es trotzdem. Ich überlege mittlerweile auch, ob ich Frankreich arbeiten möchte und habe dort sogar ein Stellenangebot.

Ivonne Schneider studierte Lehramt Französisch in Toulouse (12/13)
Ivonne Schneider © Felix Meyerhoff Ivonne Schneider © Felix Meyerhoff

Ivonne Schneider

Ivonne Schneider

Ivonne Schneider © Felix Meyerhoff

Ich bin Ivonne und bin durch das Urlaubssemester jetzt im 8. Semester. Ich war in meinem 7. Semester in Frankreich und zwar an der Universität in Toulouse. Dort war ich am Bereich für Französisch als Fremdsprache. Ich hab dort also mit anderen Nicht-Muttersprachlern zusammen gelernt, was ich sehr cool fand. Das hat man an anderen Unis nicht so oft. Da habe ich auch etwas über Didaktik gelernt. Und weil ich Lehramt studiere, hat das sehr gut gepasst. Ich habe in Toulouse in einem Studentenwohnheim gewohnt, welches mir die Uni organsiert hat und wo auch alles reibungslos lief. Es hat mir super gut gefallen und ich habe dort auf jeden Fall eine Menge Sachen dazu gelernt, die ich hier so niemals gelernt hätte.

Wieso wolltest du überhaupt ins Ausland gehen?

Also erstmal muss man fairerweise sagen, dass ich für mein Studium ins Ausland gehen muss. Aber ich wollte auf jeden Fall länger als die geforderten drei Monate gehen, weil ich finde, dass drei Monate viel zu kurz sind. Ich wollte mehr Praxis für meine Sprache sammeln, da ich vorher nie länger in Frankreich war und auch keinen direkten Kontakt mit der Sprache hatte. Und natürlich wollte ich mitten in der französischen Kultur sein und mal so richtig etwas vom studentischen Leben dort mitbekommen.

Also war es klar, dass du nach Frankreich gehst. Aber wieso dann nach Toulouse?

Na natürlich zum einen weil es dort viel schöner im Winter ist und vor allem wärmer, als hier in Dresden. Aber auch weil ich mir ein paar Erfahrungsberichte durchgelesen habe und mich dabei die Uni in Toulouse immer mehr interessiert hat.

Hast du vor Ort schnell Anschluss gefunden und wie lief die Orientierung in der neuen Stadt?

Es gab am Anfang eine Willkommenswoche und mehrere Einführungsveranstaltungen, die für die ERASMUS-Studenten organisiert wurde. Da haben wir dann von Montag bis Freitag jeden Tag Programm gehabt. Wir waren an der Uni und haben etwas über den Ablauf unseres Studiums gelernt. Außerdem haben wir unsere Koordinatoren kennengelernt. Dann gab’s an der Uni auch noch eine ERASMUS Organisationen von Studenten, die uns auch während der gesamten Zeit zur Seite stand. Sich zu orientieren war also echt kein Problem.

Was würdest du jemandem sagen, der sich Sorgen macht, dass er im Ausland keinen Anschluss findet?

Das stimmt absolut nicht, da schon alleine so viele andere Menschen dort auch ein Auslandssemester machen. Da findet man schon innerhalb des ERASMUS-Kreises oder der anderen ausländischen Studierenden sehr schnell Anschluss. Und wenn man sich selbst nur ein bisschen Mühe gibt, ist es auch kein Problem in der Stadt ein paar Franzosen kennenzulernen.

Wo kamen denn deine Freunde so her und hast du noch Kontakt zu einigen?

Ich hab hauptsächlich noch Kontakt zu den Deutschen. *lacht* Was bei ERASMUS immer irgendwo logisch ist, da man natürlich in der Uni viel gemeinsam macht. Aber durch die Fakultät kannte ich auch viele Studenten aus der ganzen Welt. Und in Toulouse hatte ich außerdem eine französische Tandempartnerin, mit der ich viel gemacht habe und auch jetzt noch Kontakt habe.

Hat sich denn dein Französisch verbessert?

Also am Anfang hatte ich vor allem theoretisches Wissen, aber vor dem Sprechen hatte ich noch ein bisschen Angst. Und dadurch, dass man dort einfach gezwungen war zu sprechen, ging es zum Ende hin viel besser. Ich hab’s vor allem täglich angewendet und das war gut.

Wie hast du denn die Lehre an der Uni insgesamt wahrgenommen?

Der Bereich für Französisch als Fremdsprache, an dem ich war, hat sich von der Uni ein bisschen unterschieden. Ich hab dort fast alle meine Kurse gemacht. Aber auch zwei am Bereich für Literatur und dort waren die Kurse, naja, sehr klassisch aufgebaut. Der Dozent steht vorne und erzählt und man selbst schreibt die ganze Zeit nur mit. Aber in meinem Bereich hatte man vor allem interaktive Seminare mit vielen studentischen Vorträgen. Ich fand’s vor allem spannend, dass man sehr didaktisch gearbeitet hat. Wir haben Lehrbuchanalysen oder auch Unterrichtsentwürfe gemacht. Dadurch habe ich auch sehr viel über die Geschichte des französischen Unterrichts gelernt, was mir für mein Lehramtsstudium insgesamt sehr viel gebracht hat.

Konntest du dein Auslandssemester problemlos in dein Studium hier an der TU Dresden integrieren?


Ja, ich hab in Frankreich keinen einzigen Kurs gemacht, den ich nicht einbringen konnte. Durch mein ERASMUS Aufenthalt bin ich jetzt sogar schon fertig mit meinem Französisch- Studium, was ich eigentlich gar nicht erwartet habe.

Wie bewertest du die gesamte ERASMUS Organisation im Nachhinein?

Ich finde, man darf sich am Anfang einfach nicht von dem ganzen Papierkram unterkriegen lassen, weil es genug Ansprechpartner gibt. Es gibt hier an der Uni Ansprechpartner und es gibt in Toulouse Ansprechpartner. Wenn man irgendeine Frage hat, ist es nie schlimm hin zu gehen und zu fragen. Man macht ja eins nach dem anderen und muss nicht alles auf einmal organisieren. So viel wie es am Anfang wirkt, ist es dann nämlich gar nicht.

Wie war denn dein Leben außerhalb der Uni?

Ich fand, dass ich relativ viel Freizeit hatte, obwohl ich eigentlich viel für die Uni gemacht habe. Ich hatte genug Zeit um Ausflüge zu machen. Ich war fast jedes Wochenende in einer anderen französischen Stadt und dadurch, dass Toulouse so nah an Spanien ist, auch ab und zu dort. Ich war aber auch, ganz typisch ERASMUS, viel feiern. Da gibt’s halt ständig ERASMUS Partys. Sonst habe ich aber auch im Studentenwohnheim viel mit meinen Mitbewohnern gemacht.

Wie war denn das Leben im Studentenwohnheim?

Also das Studentenwohnheim war nicht so weit weg vom Zentrum. Das war mit dem Bus relativ gut angebunden. Die Zimmer waren zwar klein, aber dadurch, dass es große Gemeinschaftsküchen gab, konnte man die anderen Bewohner schnell kennenlernen. Das hat viel Spaß gemacht.

Haben sich deine Erwartungen erfüllt?

Ich hab mir anfangs vorgestellt, dass ich in Frankreich viel mehr für die Uni machen muss. Ich dachte, dass es komplett anders ist auf einer fremden Sprache zu studieren. Aber ehrlich gesagt, hatte ich dort nicht wirklich einen großen Arbeitsaufwand und hatte auch viel mehr Freizeit, als gedacht. Die hab ich dann natürlich auch voll ausgenutzt.

Was würdest du jemandem raten, der sagt, dass es sich nicht lohnt ERASMUS zu machen?

Ich finde, den Aufwand am Anfang ist es hundertprozentig wert. Also am Ende ist es gar nicht stressig. Und wenn man einmal im Ausland angekommen ist, dann lebt man ja auch sein ganz normales Leben weiter.

Wie hat dich dein Auslandsaufenthalt verändert?

Dadurch, dass ich in Frankreich so viele Erfahrungen gesammelt habe, weiß ich jetzt viel besser darüber Bescheid, was ich gerade an der Uni lerne und später auch mal unterrichten werde. Und ich bin auch generell offener für neue Erfahrungen geworden und denke mir, dass ich, nachdem ich das geschafft habe, auch weitere Auslandsaufenthalte meistern kann. Klar hatte ich am Anfang ein bisschen Angst vor der Erfahrung, aber ich hab schnell gemerkt, dass ich alles schaffen kann. Und jetzt kann man auch ein bisschen stolz auf sich sein, dass man alles so gut geschafft hat.

Was hat ERASMUS denn für einen Vorteil für Europa?

Dadurch, dass das Programm so groß und so gut organisiert ist, findet man eigentlich zu jedem Thema einen Ansprechpartner oder auch jemanden der die gleiche Erfahrung schon mal gemacht hat. Da fühlt man sich auf jeden Fall weniger alleine. Deshalb habe ich mich auch für ERASMUS entschieden. Ich wusste, dass es einen festen Ablauf gibt und alles gut geregelt ist. Außerdem werden einem alle Hürden genommen und man muss keine Studiengebühren zahlen. Das erlaubt jedem in einem anderen Land zu studieren. ERASMUS ist eine sehr gute Möglichkeit von solch einem großen Netzwerk zu profitieren.

Hattest du denn während deines Auslandsaufenthalts das Gefühl hier in Dresden etwas zu verpassen?

Ne, überhaupt nicht. Ehrlich gesagt, war ich sogar sehr überrascht, dass nach meiner Rückkehr alles noch genauso war, wie vorher. *lacht* Ich hab den Eindruck gehabt, dass alle meine Freunde und Kommilitonen genauso weiter gemacht haben, wie immer und ich hab selbst so viel anderes erlebt. In Frankreich war ich jedes Wochenende wo anders und hab so viele unterschiedliche Städte gesehen. Das würde ich in Deutschland ja gar nicht machen, jedes Wochenende in eine andere Stadt zu fahren. Aber vielleicht macht man das auch einfach viel zu selten. Hier hat man halt seine Routine und im Ausland ist das alles ganz anders und viel aufregender.

Und möchtest du nochmal ins Ausland?

Ja, ich plane jetzt schon meinen nächsten Auslandsaufenthalt für Ende 2018. Ich möchte nach Australien. Da ich noch Englisch studiere, passt das sehr gut. Nach meinem Auslandsemester in Toulouse, wäre ich am liebsten direkt wieder weggegangen und hab auch sofort angefangen meinen nächsten Auslandsaufenthalt vorzubereiten. Wie gesagt, wenn ich das einmal geschafft habe, schaffe ich es auch noch ein nächstes Mal. Das hat mich sehr motiviert. Es hat so viel Spaß gemacht, dass ich es jederzeit wieder machen würde.

Hast du noch einen Aufruf an diejenigen, die an unsere Universität nicht ins Ausland gehen?

Ihr verpasst eindeutig was! Toulouse ist eine unglaublich tolle Stadt zum Studieren, die ich euch allen sehr gerne weiterempfehle.

Caroline Scherer studierte Lehramt Französisch/Italienisch in Besançon und Bologna (13/13)
Caroline Scherer © Felix Meyerhoff Caroline Scherer © Felix Meyerhoff

Caroline Scherer

Caroline Scherer

Caroline Scherer © Felix Meyerhoff

Ich bin Caroline Scherer, mittlerweile 28 Jahre alt, und habe an der TU Dresden Französisch und Italienisch auf Lehramt studiert und zudem noch Latein als Drittfach belegt. Ich war insgesamt zweimal mit ERASMUS im Ausland. Das erste Mal in meinem 6. und somit letzten Bachelorsemester und das zweite Mal in meinem letzten Mastersemester. Ich war zuerst in Bologna und dann in Besançon in Frankreich. Ich bin ins Ausland gegangen um Land und Leute kennenzulernen. Das geht nur, wenn man länger vor Ort ist. Gerade als Lehrerin muss man ein Gefühl für die Länder bekommen, um das später auch gut vermitteln zu können. Erleben ist etwas Anderes, als es nur nachgelesen zu haben.

Wie waren denn jeweils deine Sprachkenntnisse vor und nach den Auslandsaufenthalten?

Vor meinem Semester in Italien war mein Italienisch ziemlich holprig. Ich musste viel überlegen, bevor ich gesprochen habe. Nach meinem Aufenthalt kam das ganze wesentlich flüssiger raus. Vor Frankreich hatte ich eigentlich schon ein relativ hohes Sprachniveau. Ich hab mich aber nicht wirklich getraut zu reden. Um diese Hemmungen abzubauen, hat mir der Aufenthalt in Frankreich aber sehr geholfen.

Wie war denn dein Leben im Ausland?

Bologna ist eine der ältesten Universitätsstädte in Europa und das merkt man auch. Die Stadt ist mit der Universität gemeinsam gewachsen und mittlerweile sind die beiden untrennbar voneinander. Nach Bologna kommen jedes Jahr massig Austauschstudenten. Beim Ankommen ist man deshalb etwas auf sich selbst gestellt. Die Uni in Besançon ist deutlich kleiner, wodurch der Empfang auch viel netter gestaltet werden konnte. Wir wurden am Bahnhof abgeholt und zum Campus begleitet. Fuß zu fassen, war durch die kleinere Anzahl an ausländischen Studenten, viel einfacher. Ich habe mich durchgehend wohl gefühlt. In beiden Städten habe ich durch die Uni sehr schnell Anschluss gefunden, wodurch auch gute Freundschaften entstanden sind. In Frankreich gab es gegenüber vom Campus eine Bar, in der jeden Dienstag ein internationaler Abend stattgefunden hat. Dort kamen internationale und französische Studenten und Dozenten zusammen. Das hat immer sehr viel Spaß gemacht.

Wieso wolltest du nach deinem Aufenthalt in Bologna nochmal ins Ausland gehen?

Ich habe in Bologna so viele Freundschaften geknüpft, die heute noch bestehen. Man lernt Leute aus allen Ländern der Welt kennen. Diese Freundschaften möchte ich einfach nicht missen. Deshalb wollte ich unbedingt nochmal ERASMUS machen. Allein, weil dabei auch die Organisation am einfachsten ist.

Wie war denn die Uni im Ausland?

In Italien konnte ich mir meine Kurse aussuchen. Ich habe hauptsächlich italienische Literatur und Sprachgeschichte belegt. Man weiß zwar in Deutschland noch nicht genau, worum es in den Kursen geht, aber hat trotzdem eine ungefähre Idee. Je nachdem was man für einen Kurs hat, muss man am Ende eine unterschiedliche Prüfung ablegen. Die Dozenten waren eigentlich alle aufgeschlossen und haben uns ERASMUS Studenten die Prüfungen erleichtert. Ich hätte mir meine Kurse auch alle anrechnen lassen können, bin aber ins Ausland, nachdem ich schon alle Kurse in Deutschland hinter mir hatte und wollte jeweils vor meinen Abschlussarbeiten nochmal einen schönen Abschluss im Ausland haben. Dadurch habe ich nochmal einen anderen Blick auf das Fach und die Lehre insgesamt bekommen.

Hattest du während deines Auslandaufenthaltes das Gefühl in Dresden etwas zu verpassen?

Eher genau andersrum. Ich habe das Gefühl, dass die Studenten, die während ihres Studiums nicht ins Ausland gehen, etwas verpassen. In Frankreich war noch eine andere Studentin aus Dresden da. Und immer, wenn wir etwas gemeinsam gemacht haben, hatten wir das Gefühl, dass es wesentlich aufregender als in Dresden war. Im Ausland sieht man alles nochmal mit großen Augen.

Zu dieser Seite

Letzte Änderung: 06.04.2018