TUD-Sylber-Einzelvorhaben 4.4: Professionelle Aufgabenkultur in der Lehrerbildung

Hintergrund

Schüler mit Stift © www.pixabay.com Schüler mit Stift © www.pixabay.com
Schüler mit Stift

© www.pixabay.com

Den Ergebnissen der COACTIV-Studie (Kunter, Baumert et al., 2011) zufolge, findet in deutschen Schulen zu selten kognitiv aktivierender und selbständigkeitsfördernder Unterricht statt. Dies zeigt sich insbesondere anhand des im Unterricht verwendeten Aufgabenmaterials. So werden Aufgaben von zu vielen Schülerinnen und Schülern als bloße Aufträge verstanden, die ausschließlich abzuarbeitende „Pensen“ darstellen und nur einen vorgegebenen Lösungsweg haben, der durch Finden und nicht durch Nachdenken bestritten werden kann (Leuders, 2015). Aktuell werden vermehrt Anstrengungen unternommen, Aufgaben zu konstruieren, die die Problemlösefähigkeit der Schülerinnen und Schüler stärken sollen. Diese Aufgaben werden jedoch durch Lehrende im Unterricht kaum ausgewählt, da diese lieber Aufgaben nutzen, die klare Lösungskriterien haben und sich mit dem Einschleifen von Handlungsabläufen beschäftigen (Kaur, 2010), anstatt Lernende vor Herausforderungen zu stellen. Eine andere Betrachtung von Aufgaben wäre jedoch nötig, damit Aufgaben ihren vielversprechenden Anspruch erfüllen können und wirklich Katalysatoren von Lernprozessen darstellen (Thonhauser, 2008).

Ziele
Zukünftigen Lehrpersonen soll vermittelt werden, wie Aufgaben unterschiedlicher Anforderungsprofile für Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichen Voraussetzungen systematisch ausgewählt, konstruiert, eingesetzt und deren Bearbeitungsergebnisse interpretiert werden können. Damit soll angehenden Lehrinnen und Lehrern die Betrachtung von Aufgaben als zentralen Teil des Unterrichtsgeschehens  nahe gelegt und damit perspektivisch die vorherrschende „Aufgabenkultur“ in den Schulen verändert werden.

Vorhaben
Lehrende aus den Bereichen Fachwissenschaft, Fachdidaktik und Psychologie thematisieren die Konstruktion und den Einsatz von Aufgaben gemeinsam sowohl aus theoretischer als auch praktischer Perspektive im Rahmen problemorientierter Lehre. Die Psychologie kann dazu u. a. prinzipielle Erkenntnisse über die Lernwirkungen von Aufgaben und daraus abgeleitete praktische Konstruktionsregeln anbieten (Proske, Körndle & Narciss, 2013). Der Beitrag der Fachdidaktik besteht unter anderem in empirischen Analysen typischer Fehler der Lernenden bei der Bearbeitung von Aufgaben, aus denen sich unterrichtliche Interaktionsstrategien für ihre Überwindung formulieren lassen. Die Fachwissenschaften tragen zur Aufgabenkonstruktion mit ihren Strukturanalysen von Themengebieten bei, aus denen die Vorwissensvoraussetzungen für die Bewältigung einer Aufgabe abgeleitet werden können.

Publikationen
Präsentation: Aufgabenkultur, Projektvorstellung im TUD-Sylber-Kolloquium, 06/2016

Leitung
Prof. Dr. Hermann Körndle
Professur für Psychologie des Lehrens und Lernens

Mitarbeiter
Gregor Damnik

Zu dieser Seite

Rolf Puderbach
Letzte Änderung: 17.10.2016