Jul 15, 2026
Eine Schatteninsel für den Campus
Unsere Städte überhitzen – nur eine der vielen Folgen des Klimawandels, an dem die Bauwirtschaft als einer der großen Klimatreiber einen erheblichen Anteil hat. Lange Zeit setzte die Bauindustrie auf den Einsatz moderner Materialien und High-Tech-Lösungen. Doch dieser Ansatz ist nicht nur energieintensiv, mit einem hohen Verbrauch an Ressourcen verbunden und für einen immensen Ausstoß an Treibhausgasen verantwortlich, sondern auch schlichtweg teuer. Die Nachhaltigkeit dieses Vorgehens lässt sich also in vielerlei Hinsicht kritisch hinterfragen.
Gleichzeitig hat die moderne Bauweise ein Stadtbild hervorgebracht, das geprägt ist von großzügiger Flächenversiegelung, dichter Bebauung, von der Verwendung wärmespeichernder Materialien wie Beton und Asphalt sowie mangelnder Vegetation. Stadtbewohner sind einer Aneinanderreihung von Hitzeinseln ausgesetzt, die den Aufenthalt in den heißen Sommermonaten zunehmend unerträglich machen. Es stellt sich also die Frage, wie sich Stadträume an das immer heißer werdende Klima anpassen lassen. Der Einsatz energieintensiver Klimaanlagen oder aufwändig hergestellter Wärmedämmfassaden kann jedenfalls keine Lösung sein.
Wie wäre es stattdessen mit einem schattigen Plätzchen, beispielsweise mit einer kleinen Mikroarchitektur, die darüber hinaus noch als Ort der Begegnung dient? Die Stadt - aber auch der Campus der TU Dresden - könnte so etwas sehr gut vertragen. Die Professur Entwerfen und Konstruieren II hat sich deshalb der Aufgabe gewidmet, das Thema in einem Seminar mit einen anschließendem Design_Build Workshop zu bearbeiten.
Als Seminar mit dem ursprünglichen Titel "Urbane Kühlinseln" hat das Projekt seit seinem Start im April eine spannende und dynamische Entwicklung durchlaufen. Es war geprägt von intensiven Diskussionen, kreativem Austausch und der Zusammenarbeit zwischen den Teilnehmenden und externen Kooperationspartnern. Begonnen hatte das Semester mit der Frage, was eine Kühlinsel eigentlich ausmacht und wie natürliche Kühlung durch architektonische Mittel erreicht werden kann.
Nach einer Analysephase zum Auftakt folgte die Erarbeitung von Entwurfskonzepten und die gemeinsame Festlegung derjenigen Objekte, die als Prototypen im Maßstab 1:1 umgesetzt werden sollten. Da das Projekt in Form eines Design_Build Workshops durchgeführt wird, gibt dies den Studierenden die Möglichkeit, ihre Entwürfe im Eigenbau zu realisieren und nach dem Prinzip learning-by-doing praktische Erfahrung zu sammeln.
Ein besonderes Highlight war die Präsentation der Entwürfe bei der Eröffnungsfeier zur "Sommerstraße", einem Projekt für die Louisenstraße in der Dresdener Neustadt Anfang Juni. Leider musste der geplante Standort jedoch entfallen, was kurzfristige Anpassungen in der Planung nach sich zog. Trotz dieser Herausforderung war die Präsentation ein Erfolg und konnte das Interesse der Öffentlichkeit für das Projekt wecken.
Im Rahmen der Nachhaltigkeitswoche an der TU Dresden konnten die Entwürfe und Ideen erneut der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Die Veranstaltung bot darüber hinaus die Möglichkeit, mit Interessierten und Experten verschiedener Fachrichtungen in den Dialog zu treten, neue Perspektiven zu erlangen und zu verstehen, worauf es bei den Objekten wirklich ankommt.
Am 21.Juli 2026, um 15:00 Uhr, wird das Projekt "Schatteninsel" schließlich eröffnet. Die Studierenden platzieren ihr selbst erbautes Objekt an seinem Aufstellort, auf dem Dach der Zentralbibliothek der SLUB, wo es auch der Öffentlichkeit präsentiert werden soll. Alle Interessenten sind herzlich eingeladen.
Eröffnungs-Termin : 21. Juli 2026, 15 Uhr, SLUB Dach der Zentralbibliothek
TU Dresden
Fakultät Architektur
Professur für Entwerfen und Konstruieren II
Prof. Michael Vaerst