19.12.2025
Große Stahlbau-Exkursion 2025
Die Exkursionsgruppe an der Talbrücke Thulba
Große Stahlbau-Exkursion 2025
Kurz vor Beginn des Wintersemesters 2025/2026 fand vom 7. bis 10. Oktober 2025 die große Stahlbau-Exkursion des Instituts für Stahl- und Holzbau der TU Dresden statt. Den Studierenden des 4. bis 10. Fachsemesters, begleitet von Prof. Richard Stroetmann und dem wissenschaftlichen Mitarbeiter Tobias Bochmann, wurde auf der Reise durch Thüringen, Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz ein anspruchsvolles und abwechslungsreiches Programm geboten.
Das erste Ziel war Plauen Stahl Technologie im Vogtland. Nach einer freundlichen Begrüßung durch den Geschäftsführer Gerald Eckersberg und seinem Team erfolgte ein kurzer Rückblick auf die Geschichte, die Vorstellung des Leistungsspektrums und aktueller Projekte des Unternehmens. Ferner wurden Tätigkeitsfelder für Bauingenieure im Stahlbauunternehmen vorgestellt, bevor dann ein Rundgang durch die Fertigungsstätten erfolgt. Hierbei konnten die verschiedenen Stationen und Bearbeitungsschritte, vom Grobblechlager bis hin zur beschichteten Baugruppe für den Abtransport, besichtigt werden.
Nach einem gemeinsamen Mittagessen ging es weiter zum zweiten Exkursionsziel, nach Hochstadt am Main in Bayern. Im Zuge des Ausbaus der Bundesstraße B173 wurden eine Vielzahl von Brückenbauwerken errichtet, u.a. das Bauwerk 11-2, eine Brücke über den Main und die Bahnlinie Bamberg - Hof (Saale) mit einer Länge von 451,50 m. Nach der Ankunft Empfing Alexander Förster von KREBS+KIEFER Ingenieure GmbH die Exkursionsgruppe und führte gemeinsam der Bauleitung der Firma Eiffage über die Baustelle. Während des Rundgangs in und um das Brückenbauwerk konnten der Hohlkasten sowie die strukturellen Bestandteile des Taktschiebeverfahrens (Taktkeller, Verschubwippen und Vorbauschnabel) besichtigt werden. Nach vielschichtigen Eindrücken vom Bauvorhaben fuhr die Gruppe zum ersten Übernachtungsquartier nach Schweinfurt in Bayern und schloss den Tag bei einem gemeinsamen Abendessen im traditionellen Brauhaus am Markt.
Am Morgen des zweiten Tages ging es zur Mainbrücke Mainflingen, einem Ersatzneubau als Mehrfeldbrücke in Zügelgurtkonstruktion, die das 50 Jahre alte Bestandsbauwerk ersetzen soll. Nach einer Einführung zum Unternehmen Donges SteelTec GmbH und dem Brückenbauprojekt im Baubüro durch den stellvertretenden Geschäftsbereichsleiter Brückenbau Dr. Werner Rack ging es dann auf die Baustelle. Der Brückenzug wird in Seitenlage im Taktschiebeverfahren hergestellt und nach dem Rückbau der vorhandenen Spannbetonbrücke durch Querverschub in die Endlage gebracht. Es konnten die die ersten Stahlbauteile und Hilfsgerüste sowie Vor- und Nacharbeiten zum Längsverschub der Brücke im Taktschiebeverfahren sowie zum Korrosionsschutz des Überbaus in Augenschein genommen werden.
Die zweite Station des Tages war die Firma Donges SteelTec GmbH in Darmstadt, dessen Besuch mit einer Einladung zum Mittagessen der Exkursionsgruppe begann. Dr. Aaron von der Heyden, Technischer Leiter und Mitglied der erweiterten Geschäftsleitung, gab eine Übersicht zur über 150 Jahre währenden Firmenhistorie, zur Struktur und aktuellen Projekten des Unternehmens. Mit einer Jahrestonnage von bis zu 20.000 Tonnen für Projekte vorwiegend im Ingenieur- und Hochbau gehört das Unternehmen zu den größten Stahlbaubetrieben in Deutschland. Innerhalb des großen Hallenkomplexes erfolgte die Führung von der Anlieferung der Trapezprofile und Grobbleche über das Strahlen und den Zuschnitt bis hin zur Beschichtung und Auslieferung von Großbauteilen. Am späten Nachmittag ging es dann mit dem Bus weiter in Richtung Koblenz, wo die Gruppe bei einem gemeinsamen Essen im Restaurant REMOS mit Pizza und Pasta den Abend ausklingen ließ.
Am Morgen des letzten Exkursionstags besichtigten die Studierenden den Ersatzneubau der Pfaffendorfer Brücke über den Rhein bei Koblenz unter sachkundiger Führung von Dr. Kühnemund der Donges SteelTec GmbH. Es handelt sich um eine Strombrücke, die unter Einsatz von 5.500 t Stahl als Stahlverbundbrücke mit einer maximalen Spannweite von ca. 156 m gebaut wird. Die Brücke wird in Seitenlage zur bestehenden Brücke unter Einsatz eines 600 t Raupenkrans montiert, der auf einem großen Schwimmponton steht. Frachtschiffe transportieren die großen Stahlbauteile von einem Vormontageplatz vom Mannheimer Rheinau Hafen nach Koblenz. Die Montage Vorort erfolgt beginnend mit den Streben über den Pfeilern sowie sieben Großbauteilen, deren Stückgewichte beim Einschwimmen bis zu 480 t betragen. Nach der Fertigstellung der Brücke in Seitenlage wird diese zunächst in Betrieb genommen und anschießend das Bestandsbauwerk zurückgebaut. Dann erfolgen die Herstellung der Pfeiler und Widerlager für die neue Brücke und der Querverschub des Überbaus in die Endlage, die Fertigstellung ist für 2029 geplant.
Auf dem Rückweg nach Dresden führte die Fahrt noch zur Talbrücke Thulba in der Nähe von Bad Kissingen. Die Besichtigung des Brückenbauwerks unter der Leitung von Dr. Aaron von der Heyden begann mit einem gemeinsamen Mittagessen im Taktkeller der Baustelle, das von Donges SteelTec GmbH organisiert wurde. Die Talbrücke Thulba, die im Zuge der A7 südlich der Anschlussstelle Bad Kissingen/Oberthulba liegt, wird bis Sommer 2027 durch einen Neubau mit einem einzelligen Stahlverbundhohlkasten ersetzt. Dieser konnte nach einer kurzen Einführung zur Bauweise des Brückenbauwerks eingehend begutachtet werden. Schließlich endete die Exkursion am Abend in Dresden, wo die Exkursionsteilnehmenden mit vielen Eindrücken ihren Heimweg antraten.
Die Stahlbauexkursion 2025 wurde finanziell durch die Fakultät Bauingenieurwesen, die Gesellschaft der Freunde und Förderer der Technischen Universität Dresden und das Institut für Stahl- und Holzbau unterstützt. Ein besonderer Dank gilt zudem den einladenden Unternehmen, die die Baustellen- und Werksbesichtigungen ermöglichten, für die fachliche Ausgestaltung Firmenvertreter und Mitarbeiter bereitgestellt und nicht zuletzt für eine gute Verpflegung der Exkursionsgruppe gesorgt haben.