10.04.2026
Neuberufene Professor:innen im Profil: Prof. Dr. Patrick Zschech
Prof. Dr. Patrick Zschech
Seit dem 1. April 2025 ist Prof. Dr. Patrick Zschech Inhaber der Professur für Wirtschaftsinformatik, insb. Intelligente Systeme und Dienste. Um die Neugierde auf den neuen Kollegen zu stillen, steht er einigen kurzen Fragen Rede und Antwort. Nachfolgend gewährt Prof. Zschech Einblicke in seine Arbeit in Forschung und Lehre.
Was ist Ihre Vision für die Professur?
Ich möchte an der TU Dresden eine Professur etablieren, die dafür bekannt ist, anwendungsorientierte Forschung und Lehre im Bereich moderner KI-Technologien für Business-Analytics-Anwendungen voranzutreiben. Unser Fokus liegt dabei insbesondere auf der Gestaltung intelligenter Informationssysteme auf Basis innovativer Data-Science- und Machine-Learning-Methoden. Dazu zählen unter anderem Natural Language Processing, Computer Vision, Process Mining, Generative AI und Interpretable Machine Learning. In all diesen Bereichen bieten wir unseren Studierenden einerseits praxisnahe Lehrveranstaltungen, um wettbewerbsfähige Kompetenzen aufzubauen, und andererseits herausfordernde Forschungsprojekte, in denen sie ihre erworbenen Fähigkeiten unmittelbar unter Beweis stellen können.
Gleichzeitig ist es mein Anspruch, dass wir nicht nur eine enge Zielgruppe mit unserem Angebot ansprechen, sondern dass unsere Leidenschaft für die Themen Künstliche Intelligenz, Data Science und Algorithmic Programming auf eine breite Studierendenschaft überspringt. Aktuell habe ich die große Ehre, knapp 350 Wirtschaftswissenschaftlerinnen und Wirtschaftswissenschaftlern im ersten Semester die Grundlagen der Python-Programmierung zu vermitteln. Das ist einerseits herausfordernd, weil die Vorkenntnisse, aber auch die Erwartungen an den Kurs, äußerst heterogen sind – von Studierenden, die zum ersten Mal programmieren, bis hin zu Personen mit bereits umfangreicher Programmiererfahrung. Gleichzeitig ist es unglaublich bereichernd zu sehen, wie schnell viele ihre anfängliche Skepsis gegenüber dem „Programmieren“ ablegen und Freude daran entwickeln, Probleme mit nur wenigen Zeilen Code zu lösen. Mein Ziel ist es, diesen Funken Neugier und Begeisterung dauerhaft am Leben zu halten und unsere Lehrangebote kontinuierlich weiterzuentwickeln, um so langfristig eine Community von Studierenden und Forschenden aufzubauen, die Lust hat, mit modernen digitalen Technologien reale Herausforderungen von Wirtschaft und Gesellschaft anzugehen.
Wo haben Sie zuletzt gelehrt/ geforscht/ gelebt?
Zuletzt war ich an der Universität Leipzig tätig, wo ich ebenfalls eine Professur für Wirtschaftsinformatik an einer Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät innehatte. Davor habe ich an der FAU Erlangen-Nürnberg sowie an der TU Dresden geforscht und gelehrt. Damit schließt sich für mich gewissermaßen ein Kreis: Mein akademischer Weg begann einst hier an der TU Dresden – mit dem Studium, der Promotion und den ersten wissenschaftlichen Projekten. Nun in meine Heimat zurückzukehren und hier die Professur fortzuführen, erfüllt mich mit großer Freude und Dankbarkeit. Es ist ein schönes Gefühl, an den Ort zurückzukehren, an dem die eigene wissenschaftliche Reise begonnen hat, und nun die Möglichkeit zu haben, diesen Ort aktiv mitzugestalten.
Wie lautete Ihr Promotionsthema?
Konkret hieß der Titel meiner Promotion „Data Science and Analytics in Industrial Maintenance: Selection, Evaluation, and Application of Data-Driven Methods“, welche ich 2020 erfolgreich abgeschlossen habe. In meiner Promotion habe ich mich damit beschäftigt, wie man Methoden aus dem Bereich Data Science gezielt in der industriellen Instandhaltung einsetzen kann – beispielsweise um Maschinenausfälle frühzeitig zu erkennen und Wartungsprozesse effizienter zu gestalten. Besonders interessiert hat mich dabei die Frage, welche Analyseverfahren unter welchen Bedingungen am besten funktionieren, denn nicht jede Methode passt automatisch zu jedem Datentyp oder Anwendungsfall. Entstanden sind daraus mehrere praxisnahe Werkzeuge, die Unternehmen helfen, geeignete Verfahren auszuwählen und sinnvoll einzusetzen. Kurz gesagt: Ich wollte zeigen, wie datengetriebene Instandhaltung in der Praxis wirklich funktionieren kann.
Was war Ihr schönstes Erlebnis im Studium?
Ich könnte jetzt sicher verschiedene Geschichten über Auslandsaufenthalte oder fachliche Aha-Erlebnisse erzählen. Aber wenn ich ehrlich bin, war der schönste Moment meines Studiums der, als ich meine Frau kennengelernt habe. Wir haben beide an der Fakultät Wirtschaftswissenschaften der TU Dresden studiert und uns für unterschiedliche Themen im Bereich der Wirtschaftsinformatik begeistert. Mittlerweile sind wir seit über zehn Jahren zusammen, und es fühlt sich immer noch besonders an, wenn wir heute gemeinsam über den Campus spazieren oder in der Mensa essen gehen.
Was war Ihr schrecklichstes Erlebnis im Studium?
Das ist schwer zu sagen, da meine Studienjahre an sich durchweg von positiven Erfahrungen und erfüllenden Momenten geprägt waren. Erst später, auf der anderen Seite des Hörsaals als Juniorprofessor, habe ich erlebt, unter welch schwierigen Bedingungen viele Studierende während der Corona-Pandemie ihr Studium bewältigen mussten – ohne den gewohnten sozialen Austausch, ohne lebendige Diskussionen und gemeinsames Lernen auf dem Campus. Auch wenn ich diese Zeit nur aus der Perspektive des Lehrenden erlebt habe, empfand ich sie als bedrückend und zugleich sehr lehrreich. Sie hat mir noch einmal deutlich vor Augen geführt, wie wichtig soziale Interaktion und persönlicher Austausch für erfolgreiche Lehr-Lern-Prozesse sind.
Wann wussten Sie: „Ich möchte Professor:in werden!“?
Ich glaube, lange Zeit wollte ich gar nicht unbedingt Professor werden. Was mich angetrieben hat, war die Freude daran, mich in neue Themengebiete einzuarbeiten, sie zu durchdringen und die gewonnenen Erkenntnisse so aufzubereiten, dass sie für andere verständlich und nutzbar werden. Mir wurde daher recht früh klar, wie sehr mir die Arbeit an der Universität – mit ihrer Kombination aus Forschung, Lehre und ständigem Lernen – liegt. Da unbefristete wissenschaftliche Stellen an Universitäten jedoch äußerst selten sind, war der Weg zur Professur auch eine pragmatische Entscheidung, die es mir ermöglicht, das zu tun, was ich am liebsten mache: forschen, lehren und gemeinsam mit Studierenden Neues entdecken.
Was hat Sie am Campus der TU Dresden positiv überrascht?
Ich kenne den Campus mittlerweile schon sehr lange und freue mich, wie er sich stetig weiterentwickelt. Und damit meine ich nicht nur innovative Labs, gut ausgestattete Hörsäle und Seminarräume sowie modernisierte Institutsgebäude. Als Student habe ich mich damals durchaus gelegentlich über das ein oder andere in die Jahre gekommene WC geärgert – aber inzwischen hat sich wirklich viel getan. Wenn es jetzt noch gelingen würde, dass die Neue Mensa an der Bergstraße eines Tages wieder ihre Pforten öffnet, wäre ich restlos begeistert.
Wie gut kennen Sie Dresden?
Sehr gut. Ich habe in Dresden auch mein Studium absolviert. Damals war ich mit in der ersten Kohorte, welche das Bachelor-Master-System in der Wirtschaftsinformatik durchlief. Und im Anschluss habe ich auch in Dresden promoviert. Ich bin guten Gewissens Dresden und Sachsen treu geblieben und liebe meine Heimat sehr.
Was sind Ihre Favoriten?
Wir mögen im Sommer den Bereich Mickten und Pieschen, um den City Beach drum herum. Und als Familie sind wir oft auch in Plauen und in Richtung Freital zum Wandern unterwegs. Natürlich nutzen wir auch die Nähe zur Sächsischen Schweiz. Dresden und Umgebung hat so viel zu bieten, da fällt es mir schwer einen Favoriten zu benennen.
Was steht auf jeden Fall immer auf Ihrem Schreibtisch?
Ich habe immer ein Foto von meiner Familie auf dem Schreibtisch stehen, ansonsten ist es noch nicht sehr eingerichtet.
Vielen Dank an Prof. Dr. Patrick Zschech für die Einblicke.
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NameProfessor Dr. Patrick Zschech
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