05.02.2026
Terezín: Vision 2050
Terezín: Vision 2050 ist ein internationales, transdisziplinäres Lehr- und Forschungsprojekt der Architekturfakultäten der ČVUT Prag und der TU Dresden in Kooperation mit dem MIT Boston, dem IIT Haifa sowie der TU Liberec. Ziel des Projekts ist es, die komplexe Geschichte der tschechischen Stadt Terezín zu analysieren und zugleich zukunftsfähige Perspektiven für einen historisch hoch belasteten Ort zu entwickeln – einst Habsburger Festung, dann nationalsozialistisches Ghetto, heutige Kleinstadt und zentraler europäischer Erinnerungsort zugleich. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie nachhaltige Stadtentwicklung, Erinnerungskultur und soziale Gerechtigkeit miteinander in Einklang gebracht werden können. Methodisch verbindet das Projekt Archivforschung, Oral History, räumliche Dokumentation, 3D-Scans, Kartierungen, Umweltmessungen sowie filmische Formate.
Terezín steht exemplarisch für die Überlagerung von Trauma, Erinnerung und Stadtentwicklung. Während die Kleine Festung seit der Nachkriegszeit als Gedenkstätte etabliert ist, sieht sich die Große Festung mit den typischen Herausforderungen postmilitärischer Städte konfrontiert: untergenutzte Bausubstanz, begrenzte Ressourcen und fehlende langfristige Entwicklungsperspektiven. Eine zentrale Herausforderung besteht darin, beide Teile der Stadt – räumlich wie konzeptionell – wieder miteinander zu verbinden und Terezín als zusammenhängenden urbanen Raum zu begreifen.
Architektur und Stadtstruktur werden dabei als aktives „räumliches Archiv“ verstanden: als Palimpsest aus militärischer Ordnung, Gewaltgeschichte, Erinnerung und Zukunftspotenzial. Aufbauend auf dieser Lesart entwickeln die Projektteams im Urban LAB (29.03.–04.04.2026 vor Ort in Terezín) Zukunftsszenarien für unterschiedliche Entwicklungspfade der Stadt. Diese Szenarien werden in visuellen und narrativen Formaten – darunter Karten, Collagen, Filme und Textprojektionen – ausgearbeitet und zu einer kohärenten Vision verdichtet.
An der Professur für Städtebau wird das Projekt als Haupt- oder Vertiefungsentwurf bearbeitet. Ziel ist die Entwicklung einer städtebaulichen und freiraumplanerischen Vision sowie einer darauf abgestimmten Entwicklungsstrategie, die eine schrittweise, prozesshafte Umsetzung ermöglicht. Der Strategieplan bildet dabei die Schnittstelle zwischen Forschung und Entwurf und adressiert insbesondere:
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das Zusammenspiel von Landschaft, Festungsanlagen und Siedlungsstrukturen
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historische und kulturelle Narrative
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soziale und inklusive Nutzungsprogramme
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neue sowie adaptive Gebäudetypologien
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die Reaktivierung untergenutzter Strukturen und Räume
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die Neugestaltung von Frei- und Landschaftsräumen
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Strategien zur Klimaanpassung
Bitte melden Sie sich bei Interesse an einer Teilnahme bis spätestens Donnerstag, den 12.02.2026, per E-Mail bei an.