01.07.2026
Geowissenschaftliches Kolloquium am 15. Juli - Ruraler Populismus am Beispiel der Lausitz
Im Geowissenschaftlichen Kolloquium der Fachrichtung Geowissenschaften der TU Dresden halten Paul Nguyễn und Dr. Frank Meyer, beide wissenschaftliche Mitarbeiter am Leibniz-INstitut für Länderkunde (IfL) Leipzig, am 15. Juli ab 16:45 Uhr einen öffentlichen Vortrag im Hörsaal HÜL/S186 im Hülße-Bau der TU Dresden. Dieser befasst sich mit folgendem Thema:
"Degenerierte Urbanität" und "gesunde ländliche Idylle" - Ruraler Populismus am Beispiel der Lausitz
... diese zugespitzte Gegenüberstellung ist kein analytisches Urteil, sondern selbst Gegenstand der Untersuchung: Sie verdichtet eine raumbezogene Semantik, die wiederholt in populistischen Artikulationen wirkmächtig wird. Seit der Diagnose eines „Populist Zeitgeist" (Mudde 2004) hat sich die Populismusforschung breit ausdifferenziert. Dabei gewinnt in jüngerer Zeit insbesondere die räumliche Dimension – konkret das Zusammenspiel von Populismus und Ländlichkeit – an Bedeutung. Während dieser Zusammenhang – etwa zwischen populistischen Wahlerfolgen und dem Grad der Ländlichkeit – vielfach statistisch vermessen wurde, existieren bislang nur vereinzelt Ansätze, die das Verhältnis von Populismus und Ländlichkeit sozialkonstruktivistisch und diskurstheoretisch begreifen. Damit gerät häufig aus dem Blick, dass „das Ländliche" selbst Gegenstand und Effekt politischer Bedeutungskämpfe ist.
Der Vortrag gibt einen kurzen Überblick über dem Forschungsstand zu Ruralen Populismus und beleuchtet am Beispiel der Lausitz näher, wie Ländlichkeit in populistischen Artikulationen (re-)konstruiert und mit anderen Raumkonstruktionen antagonistisch in einem Volk-Elite-Gegensatz gegenübergestellt wird. Die Lausitz ist dabei kein beliebiges Fallbeispiel: wo Transformationsprozesse, wie z.B. Kohleausstieg und Strukturwandel, als Transformationsappelle an die Region herangetragen werden, wird die „gesunde ländliche Idylle" zur diskursiven Ressource, mit der sich solche Appelle als fremdbestimmte Zumutung „von oben" oder "von außen" deuten und zurückweisen lassen. So tritt hervor, wie eng die populistische Konstruktionen von Ländlichkeit mit der Aushandlung von Transformationsprozessen verwoben sind.