M. Sc. Jasmin Uttner
Hitzerisiko in deutschen Städten: Vulnerabilität und Exposition der urbanen Bevölkerung
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Hintergrund und Forschungslücke
Städte heizen sich stärker auf als ihr Umland (städtischer Wärmeinseleffekt). Diese Problematik wird durch den Klimawandel und damit einhergehenden häufigeren und intensiveren Hitzeperioden weiter verstärkt. Dadurch ist insbesondere die städtische Bevölkerung von Hitze betroffen, was zu erheblichen Gesundheitsproblemen und bis hin zum Tod führen kann.
Allerdings sind Stadtbewohnerinnen und Stadtbewohner unterschiedlich von Hitze betroffen. Erstens ist Hitze innerhalb des Stadtgebiets ungleich verteilt, sodass Menschen unterschiedlich stark belastet werden (Exposition). Zweitens reagieren manche Bevölkerungsgruppen, beispielsweise ältere Menschen, Kleinkinder oder Personen mit Vorerkrankungen, empfindlicher auf Hitze als andere (Sensitivität). Drittens unterscheiden sich die Möglichkeiten, sich vor Hitze zu schützen oder deren Auswirkungen im Alltag zu bewältigen (Anpassungskapazität). Diese drei Dimensionen sind wichtiger Bestandteil des Risikokonzepts des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC, 2019).
Um hitzebedingte Gesundheitsrisiken mit begrenzten kommunalen Ressourcen wirksam zu reduzieren, sind zielgerichtete Klimaanpassungsmaßnahmen erforderlich. Dafür werden kleinräumige Informationen zu Exposition, Sensitivität und Anpassungskapazität benötigt, um besonders betroffene Bevölkerungsgruppen zu identifizieren. Bisherige Studien untersuchen jedoch meist nur einzelne Aspekte des Hitzerisikos. Während die räumliche Verteilung von Hitze in vielen deutschen Städten bereits gut erforscht ist, beruhen Untersuchungen zu sensitiven Bevölkerungsgruppen häufig auf statistischen Daten. Die Anpassungskapazität der Bevölkerung wird dagegen bislang seltener betrachtet. Zudem fehlen Erkenntnisse darüber, wie sich Hitzebelastungen zwischen Stadtteilen und Bevölkerungsgruppen unterscheiden. Auch die Erfahrungen der Betroffenen sowie das Wissen lokaler Akteure werden bisher nur begrenzt berücksichtigt. Daher sind Forschungsansätze erforderlich, die alle drei Risikodimensionen gemeinsam betrachten und quantitative Daten mit subjektiven Erfahrungen und lokalem Wissen verbinden.
Forschungsziel und Forschungsfragen
Das Ziel ist es, besonders von Hitze betroffene Bevölkerungsgruppen unterhalb der Stadtebene zu identifizieren. In diesem Zusammenhang wird auf das Risikokonzept des IPCC und die drei Dimensionen (Exposition, Sensitivität und Anpassungskapazität) zurückgegriffen. Basierend auf den Ergebnissen sollen in einem zweiten Schritt zielgerichtete Handlungsempfehlungen für Klimaanpassung abgeleitet werden.
Entsprechend ergeben sich folgende Forschungsfragen:
- Welche Bevölkerungsgruppen sind besonders von Hitze betroffen und weshalb?
- In welchen Alltagssituationen ist der Hitzestress besonders hoch?
- Welche Unterschiede der Hitzebelastung ergeben sich auf Stadtteilebene?
Methodik
Zur Beantwortung der Forschungsfragen wird ein Mixed Methods-Ansatz verfolgt, der quantitative und qualitative Forschungsmethoden kombiniert.
Die systematische Literaturrecherche bildet als ersten Schritt die theoretische Grundlage für die anschließende empirische Analyse. Sie liefert wichtige Erkenntnisse zu den Einflussfaktoren der drei Dimensionen des Hitzerisikos, die zur Konzeption der Haushaltsbefragung notwendig sind. Die quantitative Online-Befragung wird in den beiden Fallstudienstädten Dresden und Frankfurt am Main in besonders hitzebelasteten Stadtteilen durchgeführt. Neben der Erfassung von Exposition und Sensitivität liegt ein besonderer Fokus auf der subjektiven Wahrnehmung von Hitzebelastungen in unterschiedlichen Alltagssituationen sowie auf den individuellen Anpassungsmöglichkeiten der Stadtbewohnerinnen und Stadtbewohner. Ergänzend werden Sekundärdaten, wie Klimafunktionskarten, Daten der kommunalen Statistik und Ergebnisse weiterer Forschungsprojekte mit einbezogen. Darüber hinaus liefern Interviews mit Expertinnen und Experten sowie lokalen Akteuren wichtiges und standortspezifisches Hintergrundwissen für die Beantwortung der Forschungsfragen.