Forschungsaufenthalt in Sydney
Katharina Bettig (Professur für VWL, insb. Finanzwissenschaft) hat von Anfang Februar bis Ende April 2026 einen Forschungsaufenthalt an der University of Sydney in Australien verbracht. Eingeladen wurde sie von Gregor Pfeifer, Senior Lecturer an der School of Economics der University of Sydney. Er ist angewandter Mikroökonometriker und forscht insbesondere zu Themen der Gesundheits- und Bildungsökonomie.
Wie kam es zu dem Forschungsaufenthalt? Wie viel Zeit ist vergangen von der ersten Idee bis zur Umsetzung? Gab es Hürden bei der Planung des Aufenthalts?
Von Gregor Pfeifer habe ich zum ersten Mal während meines Masterstudiums gehört. In einem Kurs zu Health Econometrics habe ich anhand eines seiner Papers (mit Mirjam Stockburger) nicht nur die Methode der Difference-in-Differences-Schätzung kennengelernt, sondern war auch zum ersten Mal von mikroökonometrischer Forschung fasziniert. In dem Paper zeigen die Autor:innen, dass die Einführung des rezeptfreien Zugangs zur „Pille danach“ unerwartet zu einem Anstieg der Fertilität geführt hat. Diese Verbindung aus einer gesellschaftlich relevanten Fragestellung, überzeugender empirischer Methodik und einem überraschenden Ergebnis hat mich damals sehr beeindruckt.
Während meiner Promotion hatte ich dann die Gelegenheit, Gregor Pfeifer bei seinem Besuch an der TU Dresden persönlich kennenzulernen. Bereits in den ersten Gesprächen konnte ich sehr von seiner Expertise für meine eigenen Forschungsprojekte profitieren. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass sich später die Möglichkeit ergab, durch einen Forschungsaufenthalt an der University of Sydney regelmäßig mit ihm und weiteren Kolleg:innen vor Ort in den Austausch zu kommen. Die konkrete Idee für den Aufenthalt entstand relativ kurzfristig, etwa ein gutes halbes Jahr vor meiner Abreise. Dass die Umsetzung dennoch so reibungslos funktioniert hat, lag vor allem an der sehr professionellen Organisation an der University of Sydney und an Gregors großer Unterstützung. Eine gewisse Unsicherheit blieb bis kurz vor Beginn allerdings das Visum, da die Bearbeitungszeiten für Australien variieren können. Glücklicherweise hat am Ende alles rechtzeitig geklappt. Für zukünftige Aufenthalte würde ich jedoch definitiv empfehlen, das Visum so früh wie möglich zu beantragen. Besonders dankbar bin ich außerdem meinem Betreuer, Prof. Marcel Thum, der den Forschungsaufenthalt vollständig finanziert und mir die Freiheit gegeben hat, diese Möglichkeit wahrzunehmen.
Was gibt es vom Aufenthalt in Sydney zu berichten? Wie hat die Zusammenarbeit funktioniert?
Die drei Monate in Sydney waren für mich eine der produktivsten und inspirierendsten Phasen meiner Promotion bisher. Besonders geprägt wurde die Arbeit an meinem Paper durch den intensiven Austausch mit den Forscher:innen vor Ort. Die School of Economics an der University of Sydney ist ein sehr großes Department mit rund 80 Professoren und Professorinnen. Viele haben sich sehr viel Zeit genommen, teilweise mehrere Stunden, um meine Arbeit zu diskutieren, Fragen zu stellen und konkrete Verbesserungsvorschläge zu geben. Außerdem konnte ich mein Paper im Microeconometrics & Public Policy Seminar an der University of Sydney präsentieren. Die Fragen und die anschließende Diskussion haben das Paper wirklich vorangebracht. Gerade weil ich mich in der finalen Phase meiner Promotion befinde und aktuell intensiv an meinem single-authored Projekt arbeite, war dieses detaillierte Feedback enorm hilfreich. Der regelmäßige Austausch mit Gregor Pfeifer während des gesamten Aufenthalts war für mich besonders wertvoll, da seine Rückmeldungen sehr geholfen haben, meine Argumentation zu schärfen und mein Paper weiterzuentwickeln. Zusätzlich gibt es an der University of Sydney mehrere wöchentliche Seminare, in denen internationale Wissenschaftler:innen ihre aktuelle Forschung vorstellen. Dabei ergaben sich viele spannende Gespräche und neue Perspektiven. Und durch die acht Stunden Zeitverschiebung kamen tagsüber kaum E-Mails aus Deutschland — definitiv ein Produktivitätsbooster.
Was nimmst Du an Erfahrungen mit nach Dresden zurück?
Ich bin mit vielen neuen Ideen und wertvollem Feedback nach Dresden zurückgekehrt. Der Aufenthalt hat mir noch einmal gezeigt, wie sehr gute Forschung vom Austausch lebt — von kritischen Fragen, neuen Perspektiven und Gesprächen, die dabei helfen, die eigene Argumentation zu schärfen. Für meine Promotion war das ein wichtiger Schritt: Ich konnte mein aktuelles Paper deutlich weiterentwickeln und einen ersten vollständigen Entwurf fertigstellen. Auch persönlich hat mich Sydney sehr geprägt. Fast immer gutes Wetter und nur wenige Minuten Fußweg bis zum Meer tragen erheblich zur Lebenszufriedenheit bei. Ich mochte besonders den „Early Bird“-Lifestyle in Australien: Run Club um 5:30 Uhr am Bondi Beach, Coastal Walks mit Delfinbegleitung oder einfach morgens den Sonnenaufgang anschauen. Die Zeit vor der Arbeit wird genutzt – eine Routine, die ich auch in Dresden aufrechterhalten will.