21.05.2026
Neue Publikation im Journal of Business Ethics
Am 16. Mai 2026 ist im Journal of Business Ethics ein Beitrag von Iwan Alijew, Doktorand am Department of Philosophy der Universität St. Gallen, Schweiz, und Dr. Benedikt D. S. Kapteina, Postdoktorand am Internationalen Hochschulinstitut (IHI) Zittau der TU Dresden, erschienen.
Der Beitrag mit dem Titel The Democratic Imperative in Everyone’s Business (Ron & Singer, 2024): From Negative to Positive Corporate Obligations setzt sich mit dem normativen Ansatz von Amit Ron und Abraham A. Singer auseinander. Deren Konzept einer „concern for democracy“ versteht unternehmerische Verantwortung vor allem als Pflicht, Korruption und unangemessene politische Einflussnahme zu vermeiden. Demokratische Unternehmensverantwortung wird damit zunächst primär als begrenzende, auf Zurückhaltung gerichtete Verantwortung gefasst.
Der Aufsatz rekonstruiert zunächst diese Argumentation, der zufolge Unternehmen aufgrund ihrer institutionellen Verfasstheit, ihrer Marktanreize und struktureller Machtasymmetrien in erster Linie zu Zurückhaltung verpflichtet sind. Darauf aufbauend entwickelt der Beitrag innerhalb desselben normativen Rahmens eine eng begrenzte Erweiterung: Unter klar definierten Bedingungen können Unternehmen zusätzliche positive Verpflichtungen zukommen, sofern diese nicht auf politische Zielsetzung gerichtet sind, sondern auf die Sicherung prozeduraler und epistemischer Voraussetzungen demokratischer Handlungsfähigkeit.
Ein zentrales Konzept, das der Beitrag einführt, ist „democratic groundwork“. Gemeint sind damit rollenbegrenzte und prozedural regulierte Beiträge von Unternehmen, die darauf zielen, Informationsqualität, Beteiligungsmöglichkeiten und deliberative Infrastrukturen zu sichern – etwa durch Bildungsprogramme, Partnerschaften mit zivilgesellschaftlichen Organisationen oder Maßnahmen zur Stärkung demokratischer Informationsumwelten.
Der Beitrag argumentiert, dass solche Formen unternehmerischen Engagements unter strengen Governance- und Aufsichtsbedingungen normativ begründbar sein können. Damit verschiebt sich der Fokus von reiner Zurückhaltung hin zu einer kontrollierten, demokratisch eingebetteten Unterstützung institutioneller Voraussetzungen demokratischer Willensbildung.
Die Publikation leistet einen Beitrag zu aktuellen Debatten um Corporate Political Activity (CPA) und Corporate Democratic Responsibility (CDR).
Zum Beitrag: https://doi.org/10.1007/s10551-026-06340-6