Festveranstaltung 15 Jahre Allgemeinmedizin Dresden
15 Jahre Allgemeinmedizin an der TU Dresden: Jubiläumsveranstaltung begeistert über 140 Teilnehmende
Mit großem Erfolg feierte der Bereich Allgemeinmedizin der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus am 5. Dezember 2025 sein 15-jähriges Bestehen. Die Jubiläumsveranstaltung zog mehr als 140 Gäste nicht nur aus Sachsen an und bot ein vielfältiges Programm für kleine Patient:innen in der Kuscheltierpraxis und zahlreiche Angebote für die Aus- und Weiterbildung und als Abschluss ein wissenschaftliches Symposium.
Starke Resonanz beim KWASa-Seminartag
Der Tag des Jubiläums startete am Vormittag mit einem Seminartag für Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung im Kompetenzzentrum Weiterbildung Allgemeinmedizin Sachsen (KWASa). Das Kompetenzzentrum, das seit Jahren die hausärztliche Weiterbildung in Sachsen unterstützt, bot praxisnahe Workshops und interaktive Seminare an.
Die Angebote der Praxisbörse "Biete & Suche" können Sie hier noch einmal abrufen: https://tud.link/kjnp1v
Evidenzbasierte Medizin und Einfluss der Pharmaindustrie
Am Nachmittag leitete Manja Dannenberg von der Initiative MEZIS ("Mein Essen zahl ich selbst") mit dem Vortrag "INTEGERan forte – Stärken Sie Ihre Immunität! Über unsere blinden Flecken und wunden Punkte" zum Wissenschaftlichen Symposium über. Die Referentin beleuchtete kritisch den Einfluss der Pharmaindustrie auf ärztliche Entscheidungen und zeigte Wege zu unabhängiger medizinischer Information auf.
Festrede würdigt 15 Jahre erfolgreiche Entwicklung
Im Grußwort von Prof. Dr. Esther Troost, Dekanin der Medizinischen Fakultät, und der Festrede von Prof. Dr. Antje Bergmann, Leiterin des Bereichs Allgemeinmedizin, blickten beide auf die erfolgreiche Entwicklung der vergangenen 15 Jahre zurück. Sie betonten die zentrale Rolle der Allgemeinmedizin in der medizinischen Ausbildung und Versorgung. "Nur die besten Studierenden sollten Allgemeinmediziner werden.", so Prof. Dr. Troost.
30. Wissenschaftliches Symposium setzt Akzente
Das anschließende Wissenschaftliche Symposium mit dem Titel "Über-, Unter- und Fehlversorgung – EbM als Maß und Mittel" bot hochkarätige Beiträge:
- Prof. Dr. med. Thomas Kühlein (Allgemeinmedizinisches Institut, Universität Erlangen) erörterte, was "richtige Versorgung" aus Sicht der evidenzbasierten Medizin bedeutet. "Überversorgung ist ein weltweit anerkanntes Problem. Sie schadet Patienten und verschlingt Geld und Personal." Faire Aufklärung über Nutzen und Schaden seien von enormer Bedeutung. Die Hausärztin oder der Hausarzt sei dabei die primäre Ansprechperson für Patient:innen.
- Dr. rer. medic. Karen Voigt und Dr. med. Jeannine Schübel (Bereich Allgemeinmedizin, TU Dresden) präsentierten wissenschaftliche Evidenz zum Thema Absetzen (Deprescribing) von Medikamenten als wichtige Handlungsoption in der (Hausarzt)-Praxis.
- Ricardo Kuhrt (AOK Plus) analysierte die aktuelle Krankenhausreform zwischen Doppelstrukturen und möglicher Unterversorgung.
- Dr. med. Konrad Kamin (Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Universitätsklinikum Dresden) beleuchtete aus Sicht der Zentralen Notaufnahme die Herausforderungen der Patientensteuerung an einem Krankenhaus der Supramaximalversorgung.
Breites Spektrum der Teilnehmenden
Unter den Gästen befanden sich neben niedergelassenen Hausärztinnen und Hausärzten, Vertreter:innen von Lehr- und Forschungspraxen aus ganz Sachsen und ärztlichem Nachwuchs auch Patient:innen sowie Vertreter:innen verschiedener Kooperationspartner. Darunter waren Krankenkassen, die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen, Sächsischer Landesärztekammer, regionale Initiativen wie die Initiative Neue Gesundheit Chemnitz und der Weiterbildungsverbund Hausärzte für Chemnitz sowie weitere Gesundheitsinstitutionen und Körperschaften vertreten.
Ausstellung und Vernetzung
Die Messestände vor Ort nutzten die Teilnehmenden für einen regen Austausch. Am Stand des Bereichs Allgemeinmedizin erhielten die Teilnehmenden Einblicke in aktuelle Forschungsprojekte, konnten sich beim KWASa über offene Stellen informieren und innovative Lehrangebote wie das Instant-Aging-Erlebnis "Wie fühlt sich Demenz an?" selbst ausprobieren. Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) war mit einem Stand vertreten. Die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen beriet zu Themen wie Niederlassung. Weiterhin waren vertreten: die Sächsische Gesellschaft für Allgemeinmedizin (SGAM), die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), das Netzwerk "Ärzte für Sachsen", der Weiterbildungsverbund Carus Consilium Sachsen, Carus Green sowie Karriere am UKD.
Das jüngste Publikum konnte seine Kuscheltiere in der Praxis vorstellen. Die flauschigen Patient:innen erhielten Trostpflaster und wurden entsprechend aktueller Impfempfehlungen beraten - ein spielerischer Zugang zur Allgemeinmedizin für die Kleinsten.
Ausblick
Die Veranstaltung klang mit einem Get-together aus, bei dem die Band PODKA für musikalische Unterhaltung sorgte. In entspannter Atmosphäre nutzten die Teilnehmenden die Gelegenheit zum fachlichen Austausch und zur Vernetzung.
"Die große Resonanz und die engagierten Diskussionen zeigen, wie wichtig die Allgemeinmedizin für die Gesundheitsversorgung in Sachsen ist", resümierte Prof. Dr. Antje Bergmann. "Wir freuen uns, dass wir in den vergangenen 15 Jahren so viel erreichen konnten und blicken optimistisch in die Zukunft. Wir danken allen, die uns auf diesem Weg begleitet haben und weiterhin begleiten werden."