17.04.2026
Digitale Gesundheitsanwendungen weiterdenken – Evidenzbasierte Empfehlungen für die Weiterentwicklung der Versorgung mit DiGA
Dr. Madlen Scheibe.
Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) sind seit 2020 Teil der Regelversorgung für gesetzlich Versicherte in Deutschland. Sie eröffnen neue Möglichkeiten für eine patientenzentrierte, orts- und zeitunabhängige Versorgung und stärken zugleich die aktive Rolle von Patientinnen und Patienten im Umgang mit ihrer Erkrankung. Mit der Implementierung von DiGA nahm Deutschland eine Vorreiterrolle ein. Gleichzeitig stellen sich neue Fragen: Wie lassen sich DiGA sinnvoll in bestehende Behandlungspfade integrieren? Welche Versorgungseffekte zeigen sich im Alltag? Und welchen Mehrwert bieten DiGA tatsächlich für das Gesundheitssystem? Damit DiGA sinnvoll weiterentwickelt und nachhaltig in die Versorgung integriert werden können, braucht es evidenzbasierte Erkenntnisse zu diesen Fragen.
Genau hier setzt das Innovationsfondsprojekt ImplementDiGA an, das unter der Leitung von Dr. Madlen Scheibe am Zentrum für Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung (Direktor: Prof. Jochen Schmitt) durchgeführt wird. Projektpartner:innen sind die Techniker Krankenkasse, BARMER, DAK-Gesundheit, AOK Bayern - Die Gesundheitskasse, der BAG SELBSTHILFE e.V. und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV).
Forschung aus Dresden für die digitale Gesundheitsversorgung von morgen
Im Projekt ImplementDiGA erforscht ein interdisziplinäres Team aus der Dresdner Hochschulmedizin den Implementierungsprozess und die Wirkungen von DiGA in der Regelversorgung. Ziel ist es, belastbare wissenschaftliche Erkenntnisse zur Akzeptanz, Nutzung und Verordnung von DiGA zu gewinnen. Zudem wird untersucht, wie sich DiGA in bestehende Versorgungsprozess integrieren, welche Auswirkungen die Nutzung einer DiGA auf die eigene Gesundheit und die medizinische Versorgung allgemein hat und welche Kosten damit verbunden sind.
Dabei werden die Perspektiven aller zentralen Akteur:innen des Gesundheitssystems einbezogen – von Patient:innen über Ärzt:innen bis hin zu Krankenkassen und DiGA-Herstellenden. Auf dieser Grundlage werden evidenzbasierte Empfehlungen für die Weiterentwicklung der Versorgung mit DiGA im deutschen Gesundheitssystem abgeleitet.
Vier Projektmodule – ein umfassender Blick auf digitale Versorgung
Das Forschungsprojekt folgt einem multimethodischen Ansatz und gliedert sich in vier Module:
- Modul 1: Analyse und kontinuierliche Charakterisierung aller zugelassenen DiGA sowie Bewertung des Verzerrungsrisikos ihrer Zulassungsstudien.
- Modul 2: Deutschlandweite Befragungen und Interviews mit DiGA-nutzenden Versicherten, Ärzt:innen, Psychotherapeut:innen, Krankenkassen und DiGA-Herstellenden zu Akzeptanz, Nutzung und Mehrwert von DiGA.
- Modul 3: Analyse der Abrechnungsdaten der beteiligten Krankenkassen, um Verordnungsverhalten, Nutzungsmuster, Versorgungseffekte und Kosten zu untersuchen.
- Modul 4: Zusammenführung aller Ergebnisse zur Ableitung evidenzbasierter Empfehlungen für die Weiterentwicklung der Versorgung mit DiGA
Evidenzbasierter Dialog zwischen Wissenschaft und Versorgungspraxis
Ein besonderes Merkmal des Projekts ist der strukturierte Austausch mit zentralen Akteur:innen des Gesundheitssystems (Modul 4). Vertreter:innen aus Wissenschaft, Krankenkassen, Selbstverwaltung, Leistungserbringenden und Patientenorganisationen bringen ihre Perspektiven in den Prozess ein.
Insgesamt fünf Konsensfindungs-Workshops zwischen 2024 und 2026 bilden den Rahmen für diesen Dialog. Der Konsensfindungs-Prozess orientierte sich methodisch an den Standards der evidenzbasierten Leitlinienentwicklung der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Empfehlungen werden auf Grundlage der Forschungsergebnisse durch die Projektpartner:innen vorgeschlagen, gemeinsam diskutiert, weiterentwickelt und abgestimmt.
Empfehlungen für die Weiterentwicklung der Versorgung mit DiGA
Am 26. März 2026 hat der letzte der insgesamt fünf Konsensfindungsworkshops stattgefunden. Im Ergebnis wurde ein Katalog mit insgesamt 62 evidenzbasierten Empfehlungen konsentiert. Diese liefern konkrete Ansatzpunkte für die Weiterentwicklung der digitalen Gesundheitsversorgung, mit Fokus u.a. auf
- eine Weiterentwicklung des DiGA-Angebotes,
- eine nutzerzentrierte Weiterentwicklung des DiGA-Verzeichnisses,
- die Qualität und Transparenz von DiGA-Zulassungsstudien,
- die Mehrwertstiftenden Integration von DiGA in Versorgungspfade und Leitlinien,
- die Sicherstellung der bedarfsgerechten Nutzung von DiGA durch Patient:innen
Im E-Health Monitor 2025 wurden bereits 34 der 62 Empfehlungen veröffentlicht (https://www.mckinsey.de/~/media/mckinsey/locations/europe%20and%20middle%20east/deutschland/publikationen/2025-12-18%20e-health%20monitor%202025/mckinsey_e-health%20monitor%202025.pdf). Eine Veröffentlichung aller im Projekt konsentierten Empfehlungen folgt im 2. Halbjahr 2026.
Impulse aus der Versorgungsforschung für Politik, Selbstverwaltung und Versorgung
Das Projekt zeigt exemplarisch, wie Versorgungsforschung aus der Dresdner Hochschulmedizin dazu beitragen kann, digitale Innovationen im Gesundheitswesen evidenzbasiert weiterzuentwickeln und nachhaltig in die Versorgungspraxis zu integrieren.
Damit leistet das Team des Zentrums für Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung einen wichtigen Beitrag zur Gestaltung einer modernen, digitalen und patientenzentrierten Gesundheitsversorgung.
Weiterführende Informationen zum Projekt: www.implementdiga.de
Ansprechpartnerin:
Dr. Madlen Scheibe
Leiterin Forschungsbereich Digital Health am ZEGV und Konsortialführung ImplementDiGA
E-Mail: Madlen.Scheibe@ukdd.de
Telefon: 0351 458-5665