28.01.2026
Ehrung für junge Forschungstalente: Carl Gustav Carus-Förderpreis an acht exzellente Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler vergeben
Medizinische Innovationen vorantreiben, neue Therapien und Diagnostikmethoden entwickeln – dafür wurden am 27. Januar 2026 acht engagierte Nachwuchsforschende der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden mit dem renommierten Carl Gustav Carus-Förderpreis ausgezeichnet.
Die Preisträgerinnen und Preisträger überzeugten durch ihre herausragenden Promotionen und eine wegweisende Publikation u.a. in der Krebsmedizin, Radiologie und Immunologie. Der Förderpreis richtet sich an Absolventinnen und Absolventen, die ihre Promotion mit „summa cum laude“ oder „magna cum laude“ abgeschlossen haben. Er wird seit 1998 verliehen. Im Jahr 2003 kam der Publikationspreis hinzu. Die diesjährigen Auszeichnungen würdigen exzellente Forschung im klinischen, experimentell-theoretischen und experimentell-naturwissenschaftlichen Bereich.
„Die Vielfalt und Tiefe der Arbeiten unserer jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beeindrucken jedes Jahr aufs Neue. Ihr Engagement und ihre Kreativität sind ein Gewinn für die medizinische Forschung und Versorgung“, betont Prof. Esther Troost, Dekanin der Medizinischen Fakultät.
Prof. Uwe Platzbecker, Medizinischer Vorstand am Universitätsklinikum Dresden, ergänzt: „Unsere Nachwuchsforschenden beschäftigen sich mit drängenden Fragen der Medizin und leisten einen wichtigen Beitrag für neue Diagnostik- und Therapiekonzepte.“
Für ihre Promotion im klinischen Bereich untersuchte Tina Gabriel, wie innovative Ultraschalltechnologien zur frühzeitigen und präzisen Erkennung diffuser Lebererkrankungen beitragen können. Durch die Analyse von Rohdaten aus Handheld-Ultraschallgeräten mittels H-Scan-Verfahren konnte sie zeigen, dass diese Methode eine praktikable Differenzierung von Strukturveränderungen im Lebergewebe ermöglicht und so die Diagnostik insbesondere in der ambulanten Versorgung erleichtert. Betreut wurde die Arbeit von Dr. Moritz Herzog und Prof. Jochen Hampe (beide EKFZ).
Ebenfalls im klinischen Bereich evaluierte Katrin Reichel den Einsatz der schnellen Ganzkörper-Magnetresonanztomographie (MRT) bei Patientinnen und Patienten mit leichten bis mittelschweren Verletzungen. Ihre Ergebnisse belegen, dass die Methode eine umfassende und schnelle Diagnostik ermöglicht, wodurch unnötige Strahlenbelastung durch die heute vorwiegend genutzte Computertomographie vermieden und so die Behandlungsqualität gesteigert werden kann. Betreuer war Prof. Jens-Peter Kühn (Institut und Poliklinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie).
Bei Jean-Paul Bereuter stand die Leber als Metastasierungsort bei kolo-rektalen Karzinomen im Mittelpunkt. Im experimentell-theoretischen Feld erforschte er, wie ihre Regenerationskapazität das Wachstum verbliebener Tumorzellen nach chirurgischen Eingriffen beeinflusst. Mit seiner Arbeit identifizierte Bereuter molekulare Mechanismen, die das Tumorwachstum nach einer Leberresektion fördern, und zeigte potenzielle therapeutische Ansätze, um dieses Risiko zu minimieren. Betreut wurde die Arbeit von Prof. Daniel E. Stange (Klinik und Poliklinik für VTG/Chirurgisches Forschungslabor).
Lina Lüttich fokussierte in ihrer Arbeit auf die Rolle der Rezeptortyrosinkinase c-Met als therapeutische Zielstruktur bei Kopf-Hals-Tumoren. Sie konnte nachweisen, dass die Hemmung von c-Met bei einer Reihe von Krebszelllinien die Strahlenempfindlichkeit erhöht. Eine retrospektive Analyse an einer Patientenkohorte zeigte, dass c-Met weniger gut als prognostischer Biomarker geeignet ist. Ihre Ergebnisse tragen zu einem besseren Verständnis im Rahmen personalisierter Therapien in der Onkologie bei. Betreuerin war PDin Dr. Annett Linge (Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie und Radioonkologie).
Drei Auszeichnungen gibt es in diesem Jahrgang im experimentell-naturwissenschaftlicher Bereich. Luise Rupp analysierte die Verteilung und Funktion von T-Lymphozyten und B-Zellen in Weichteilsarkomen sowie Pankreaskarzinomen. Ihre Arbeit liefert wichtige Erkenntnisse zur Immunarchitektur lymphoider Strukturen bei diesen Tumoren und zeigt, dass die Immunarchitektur Einfluss auf die Behandlungsergebnisse von Chemotherapien und Immuntherapien hat. Betreuer war Prof. Marc Schmitz (Institut für Immunologie).
Anna Kristina Hernandez erforschte das Zusammenspiel des nasalen Trigeminussystems mit dem Geruchssinn und dem Luftstrom in der Nase. Ihre psychophysiologischen und objektiven Messungen zeigen Unterschiede zwischen subjektiv wahrgenommener nasaler Obstruktion und Ergebnissen aus objektiven Funktionstests auf. Sie liefern damit neue Ansätze für die Diagnostik und Therapie von Riechstörungen. Betreuer war Prof. Thomas Hummel (Klinik und Poliklinik für HNO).
Xuan Peng entwickelte ein mikrofluidisches System zur Herstellung von Hydrogeltröpfchen, mit dem sich Tumorzellmodelle in 3D effizient und in hoher Zahl erzeugen lassen. Diese Technologie ermöglicht es, Tumorbiologie und Therapieansprechen unter realitätsnahen Bedingungen zu untersuchen und neue Medikamente schneller zu testen. Betreuer waren Prof.in Larysa Baraban und Prof. Michael Bachmann (EKFZ).
Der Publikationspreis geht in diesem Jahr an Dyke Ferber für seine Veröffentlichung „Development and validation of an autonomous artificial intelligence agent for clinical decision-making in oncology“ im Fachjournal „Nature Cancer“. Ferber entwickelte und validierte einen autonomen KI-Agenten, der klinische Entscheidungen in der Onkologie unterstützt. Die Studie zeigt, dass der KI-Agent komplexe medizinische Daten auswerten und Therapieempfehlungen auf höchstem Niveau geben kann. Ein wichtiger Schritt hin zu einer personalisierten, datengetriebenen Krebsmedizin. Betreuer waren Prof. Jochen Hampe und Prof. Jakob N. Kather (EKFZ).
„Exzellente Forschung verdient Anerkennung und Unterstützung. Gemeinsam mit der Ostsächsischen Sparkasse Dresden freuen wir uns, auch in diesem Jahr innovative Dissertationen und wissenschaftliche Publikationen auszeichnen zu dürfen“, unterstreicht Prof. Andreas Deußen, Vorstandsmitglied der Stiftung Hochschulmedizin Dresden.
Die Preisverleihung fand im feierlichen Rahmen am Campus der Hochschulmedizin Dresden statt. Vertreterinnen und Vertreter der Stiftung, des Universitätsklinikums, der Medizinischen Fakultät sowie der Ostsächsischen Sparkasse Dresden ehrten die Preisträgerinnen und Preisträger. Die Förderpreise sind jeweils mit bis zu 1.000 Euro dotiert.
In Sachsen haben 2024 knapp 1.400 Personen ihre Promotion erfolgreich abgeschlossen. Über 13.000 Menschen befanden sich in einem laufenden Promotionsverfahren. Ein knappes Drittel aller Promovierenden strebt einen Doktorgrad im Bereich der Humanmedizin und Gesundheitswissenschaften an, der Frauenanteil liegt bei über 64 Prozent. An der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden gab es 2024 insgesamt 270 abgeschlossene Promotionsverfahren, für 2025 sind es 278. Der Frauenanteil liegt bei 65 Prozent.
Preisträgerinnen und Preisträger im Überblick:
Dr. med. Tina Gabriel: „H-Scan Analyse von Handheld-Ultraschall Rohdaten zur Bewertung diffuser Lebererkrankungen“
Dr. med. Katrin Reichel: „Rolle der schnellen Ganzkörper-MRT in der Diagnostik von leicht-/ mittelgradig verletzten Patienten “
Dr. med. Jean-Paul Bereuter: „Impact of hepatic regeneration on residual tumor growth and identification of therapeutic intervention”
Dr. med. Lina Lüttich: „Evaluation der Rezeptortyrosinkinase c-Met als therapeutische Zielstruktur zur Strahlensensitivierung und als prognostischer Biomarker bei Patienten mit Kopf-Hals-Plattenepithelkarzinomen“
Dr. rer. Medic. Luise Rupp: „Frequency, phenotype, spatial distribution, therapeutic modulation, and clinical significance of T lymphocytes in soft tissue sarcoma and B cells in pancreatic ductal adenocarcinoma“
Anna Kristina Hernandez, PhD: „Investigating the Intranasal Trigeminal System and Its Interactions with Olfaction and Nasal Airflow / Obstruction Based on Psychophysical and Objective Airflow Tests“
Xuan Peng, PhD: „Hydrogel Droplet Microfluidics for High-throughput 3D Tumor Modeling and Engineering”
Publikationspreis
Dyke Ferber: „Development and validation of an autonomous artificial intelligence agent for clinical decision-making in oncology”
Kontakt:
Anne-Stephanie Vetter
Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus
der Technischen Universität Dresden
Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT/UCC) Dresden
+49 (0) 351 458 17903