21.05.2026
Fiona Kolbinger erhält Jung-Karriere-Förderpreis 2026
In Anerkennung ihrer Arbeit auf dem Gebiet der KI-gestützten Krebschirurgie erhielt Dr. Fiona Kolbinger, Clinician Scientist, den mit 210.000 Euro dotierten Jung-Karriere-Förderpreis 2026. Die Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung vergibt insgesamt drei Medizinpreise, die zusammen mit mehr als 500.000 Euro dotiert sind. Im Vorfeld der Preisverleihung hielt Fiona Kolbinger beim Symposium der Stiftung den wissenschaftlichen Vortrag „Surgery 2.0: Artificial Intelligence-Based Personalized Decision-Making in Oncologic Surgery“, der im Nachgang frei zugänglich veröffentlicht wird.
Fiona Kolbingers Forschung befindet sich an der Schnittstelle von Chirurgie und Datenwissenschaften. Im Zentrum ihrer Arbeit steht die Frage, wie sich Operationen bei Krebserkrankungen im Bauchraum präziser planen und individuelle Risiken besser abschätzen lassen. Dazu nutzt sie KI-Modelle, um Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge besser zu verstehen. Seit 2023 leitet sie eine interdisziplinäre Forschungsgruppe auf dem Gebiet der KI-gestützten Krebschirurgie an der Purdue University (USA).
„Unser Ziel ist es, chirurgische Eingriffe sicherer zu machen und Komplikationen zu vermeiden. Wenn wir bereits vor einer Operation besser einschätzen können, welche Risiken für einzelne Patientinnen und Patienten bestehen, können wir Therapien individueller planen und die Versorgung verbessern,“ erklärt Dr. Fiona Kolbinger, die auch an der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie am Dresdner Universitätsklinikum und der Medizinischen Fakultät der TUD forscht.
KI unterstützt klinische Entscheidungen und personalisierte Krebstherapien
Mit dem Preisgeld möchte Fiona Kolbinger ihre Forschung weiter ausbauen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Behandlung von Enddarmkrebs (Rektumkarzinom). Hier treten trotz etablierter Therapien häufig Komplikationen auf, die die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen können. Mit ihrem Team analysiert sie große, sorgfältig aufbereitete Datensätze, um herauszufinden, welche Faktoren zu Komplikationen führen und Strategien zu entwickeln, mit denen solche unerwünschten Folgen künftig verhindert werden können. In früheren Arbeiten konnte sie zeigen, dass KI-gestützte Modelle bereits vor einer Operation Hinweise darauf geben können, ob ein Tumor operabel oder ob mit Komplikationen zu rechnen ist. Solche Informationen könnten künftig stärker in die klinische Entscheidungsfindung einfließen und personalisierte Therapiestrategien ermöglichen.
Flexible Förderung für ein dynamisches Forschungsfeld
„Das Feld entwickelt sich rasant. Deshalb ist es oft notwendig, schnell zu reagieren – manchmal schneller, als es die traditionelle Forschungsfinanzierung erlaubt“, erklärt Kolbinger. „Die Förderung der Jung-Stiftung gibt mir große Flexibilität, innovative Projekte durchzuführen, für die es noch keine oder nur wenige Vor-Daten gibt und für die (noch) keine spezifische Projektförderung bereitsteht.“ Fiona Kolbinger verbindet klinische Praxis mit datengetriebener Forschung. Ihre wissenschaftliche Arbeit ist seit Jahren durch die Zusammenarbeit mit dem Else Kröner Fresenius Zentrum (EKFZ) für Digitale Gesundheit an der TU Dresden und dem Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT/UCC) Dresden eng mit interdisziplinären Forschungseinrichtungen auf dem Campus der Dresdner Hochschulmedizin verbunden.
Weitere Auszeichnungen der Jung-Stiftung 2026
Neben Fiona Kolbinger zeichnete die Jung-Stiftung 2026 die Pharmakologin Prof. Rohini Kuner (Universität Heidelberg) mit dem Jung-Preis für Medizin für ihre Arbeiten zur Schmerzforschung aus. Die Jung-Medaille für Medizin in Gold ging an den Molekularbiologen Prof. Taroh Kinoshita (University of Osaka) für seine Forschung zur Biosynthese von GPI-Ankern, die eine wichtige Rolle bei seltenen Erkrankungen spielen.
Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Die Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung mit Sitz in Hamburg ist eine unabhängige Stiftung, die mit drei jährlich vergebenen Preisen Projekte der Grundlagen- und weiterführenden Forschung von besonderer klinischer Relevanz ehrt. Seit 1967 hat die Stiftung rund 17 Mio. Euro in Preisgelder und die Förderung von Projekten investiert, die eine Brücke von der medizinischen Forschung zum Krankenbett schlagen. Unter dem Motto „Ausgezeichnete Humanmedizin“ trägt die Stiftung so maßgeblich zur Entwicklung neuer Therapiemöglichkeiten bei. Der Jung-Preis für Medizin, die Jung-Medaille für Medizin in Gold und der Jung-Karriere-Förderpreis für medizinische Forschung zählen in ihrer Gesamtsumme europaweit zu den höchstdotierten Medizinpreisen. Mit der zusätzlichen Vergabe von Fellowships und Deutschlandstipendien kommt die Stiftung so auf Förderungen im Wert von insgesamt bis zu 650.000 Euro jährlich. Mehr Informationen unter www.jung-stiftung.de