22.09.2026
Millionenförderung für neue DFG-Forschungsgruppe zum Einfluss von wärmebehandelten Fetten auf die Evolution
Eine neue DFG-Forschungsgruppe unter Leitung von Biologie-Professor Klaus Reinhardt von der Technischen Universität Dresden (TUD) untersucht, wie erhitzte Nahrungsfette (Lipide) auf Organismen wirken und ob sie evolutionäre Veränderungen auslösen können. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft stellt dafür rund 3,1 Millionen Euro für vier Jahre bereit. Die Gruppe wird gemeinsam mit dem Schweizerischen Nationalfonds im Rahmen der D-A-CH-Zusammenarbeit gefördert.
Kochen, Braten und Backen gehören für den Menschen seit Jahrtausenden zum Alltag. Durch die Wärmebehandlung werden Lebensmittel leichter verdaulich und verändern ihre chemischen Eigenschaften. Die Wirkung von erhitztem Zucker und Eiweiß auf den Menschen ist dabei gut erforscht. Über die genaue Rolle von wärmebehandelten Fetten in unserer Nahrung ist jedoch bislang noch wenig bekannt.
Dresden ist ein weltweit ausgewiesenes Zentrum der Lipidforschung. Insgesamt sieben Arbeitsgruppen aus den Fachdisziplinen Biologie, Lebensmittelchemie und molekularer Medizin der TUD sowie des Universitätsklinikums Dresden wollen nun in dem neuen Projekt gemeinsam mit einem Schweizer Forschungsteam ihre Expertise in der Lipidforschung bündeln und eine bislang kaum untersuchte Fragestellung untersuchen: Was macht die Wärmebehandlung mit pflanzlichen oder tierischen Nahrungsfetten, wie wirken danach diese hitze-veränderten Moleküle und welche Rolle spielen diese in der Evolution von Organismen?
Als Modell dient die Fruchtfliege Drosophila melanogaster. Vor allem der kurze Lebenszyklus der Tiere bietet den Forschenden die Möglichkeit, die Auswirkungen verschiedener Nahrungsfette über viele Generationen hinweg zu beobachten. Vor allem der Zusammenhang von Nahrungsfetten auf die Fortpflanzung sowie Anpassungen an die Nahrungsangebote über viele Generationen hinweg werden im Mittelpunkt der Forschung stehen.
„Die Ergebnisse aus den Fliegen lassen sich zwar nicht unmittelbar auf den Menschen übertragen, allerdings sind viele grundlegende biologische Prozesse und Transportsysteme für Lipide zwischen Fliegen und Menschen vergleichbar. Daher wollen wir langfristig auch der Frage nachgehen, welche Bedeutung die Ergebnisse für die menschliche Ernährung und Evolutionsgeschichte haben könnten“, erklärt Marko Brankatschk, Vertretungsprofessor für Zell- und Molekularbiologie der Pflanzen an der TUD.
Mit der neuen Forschungsgruppe stärkt die TUD ihre interdisziplinäre Forschung an der Schnittstelle von Lebenswissenschaften, Chemie und Medizin und baut ihre internationale Zusammenarbeit mit der Schweiz weiter aus. Prof. Klaus Reinhardt, Initiator und gewählter Sprecher des Projekts erklärt: „Nach langer Vorbereitungszeit freue ich mich jetzt riesig, mit allen in diesem tollen Team zusammenzuarbeiten".
Neben der Forschung setzt die Gruppe auch auf den Austausch mit der Gesellschaft. Geplant sind Bildungsangebote für Schulen, die Schüler und Schülerinnen die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Chemie, Biologie und Evolution anschaulich vermitteln. Dazu soll perspektivisch auch ein „Open Lab“ eingerichtet werden, in dem Interessierte eigene Lebensmittelproben einbringen können, um gemeinsam mit den Forschenden die Wirkung ihrer Nahrungsfette auf die Fruchtfliege zu untersuchen.
Kontakt:
Dr. Marko Brankatschk
Vertretungsprofessor für Zell- und Molekularbiologie der Pflanzen
Fakultät Biologie
E-Mail:
Tel.: +49 351 463 40111