11.09.2018

Weniger ist manchmal mehr – neue Substanz reduziert das Körpergewicht

Prof. Andreas Birkenfeld © Stephan Wiegand, MF TUD Prof. Andreas Birkenfeld © Stephan Wiegand, MF TUD

Prof. Andreas Birkenfeld

Prof. Andreas Birkenfeld

Prof. Andreas Birkenfeld © Stephan Wiegand, MF TUD

In einer weltweit durchgeführten wissenschaftlichen Studie haben Forscherinnen und Forscher erstmals die Wirksamkeit von Semaglutid untersucht. Mit diesem Medikament lässt sich künftig nicht nur das Gewicht reduzieren, sondern auch der Blutdruck verbessern. Die neuen Erkenntnisse bedeuten einen großen Fortschritt in der Adipositastherapie.

„Diäten und Magenverkleinerungen sind sicherlich wichtig und auch so etwas wie der Königsweg, wenn es darum geht, das Gewicht zu reduzieren. Allerdings sind heute auch andere wirksame Methoden gefragt, um einer drohenden Diabetesepidemie etwas entgegenzusetzen“, sagt Prof. Andreas Birkenfeld, Stoffwechselexperte der Medizinischen Klinik III am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus an der TU Dresden und Leiter des neu gegründeten Universitätsstudienzentrums für Stoffwechselerkrankungen. In einer weltweiten Phase-2-Studie (erstmalige Wirksamkeitserprobung am Patienten) mit mehr als 900 Patienten wurde nun erstmals die Wirksamkeit und die Sicherheit von Semaglutid in der Therapie der Adipositas untersucht. Das Medikament ist eine neue Substanz. Sie gehört in die Klasse der Glucagon-like Peptid-1 (GLP-1)-Analoga. Die Wirkungsweise ist ähnlich der körpereigenen Darmhormone, die das Sättigungsgefühl erzeugen. Semaglutid soll einmal wöchentlich verabreicht werden.

Das Studienteam um Prof. Andreas Birkenfeld fand heraus, dass alle Semaglutid-Dosen im Vergleich zu Placebo deutlich das Körpergewicht reduzieren. In der höchsten Dosierung konnte eine Gewichtsabnahme von bis zu 17 % des Ausgangskörpergewichts beobachtet werden. Damit war es möglich, einen Patienten, der zuvor einen BMI von 35 Kg/ m2 und formal eine Adipositas Grad 2, also eine mittelschwere Adipositas aufwies, auf einen BMI von 29 Kg/ m2 zurückzuführen. Kurzum: er schaffte den Schritt von formal fettleibig zu übergewichtig. Zeitgleich wurden der Blutzucker, der Blutdruck, und die Blutfette deutlich gesenkt. Prof. Andreas Birkenfeld bewertet die Reaktion positiv: „Der Patient hat nicht nur abgenommen, sondern Semaglutid gut vertragen, die Nebenwirkungen entsprachen denen anderer bekannter GLP-1 Analoga und sind nicht als kri-tisch einzustufen.“

Diese Wirkung von Semaglutid auf das Körpergewicht läutet jetzt eine neue Ära der pharmakologischen Adipositastherapie ein. Es wird erstmals eine Gewichtsreduktion erreicht, die sonst meist nur mit einer chirurgischen Therapie möglich war. Nachdem Semaglutid in der Typ-2-Diabetestherapie zugelassen wurde, ist absehbar, dass es auch bei Adipositaspatienten zum Einsatz kommt. Denn es wurde bei Patienten mit Typ 2 Diabetes bereits bewiesen: Semaglutid bewirkt nicht nur eine Gewichtsreduktion, sondern reduziert auch das Auftreten kardiovaskulärer Erkrankungen. Die Ergebnisse der Adipositastherapie wurden kürzlich in der Fachzeitschrift Lancet veröffentlicht. Momentan ist Semaglutid ist noch nicht für die Adipositastherapie zugelassen.

Kontakt:
Prof. Dr. Andreas Birkenfeld
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus an der TU Dresden
MK III, Fetscherstr. 74, 01307 Dresden
Leiter Studienzentrum Metabolisch-Vaskuläre Medizin, Fiedlerstraße 34, 01307 Dresden
Tel.: 0351 4583651
E-Mail: andreas.birkenfeld@uniklinikum-dresden.de

Originalpublikation:
THE LANCET. 2018 Aug 25;392(10148):637-649
doi: 10.1016/S0140-6736(18)31773-2
PMID: 30122305

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Marie Brombach
Letzte Änderung: 11.09.2018