17.03.2015
Rückblick Jahresveranstaltung 2015
Am 13. März 2015 fand die Jahresveranstaltung 2015 des Gesundheitsökonomischen Zentrums zum Thema "Behandlungsqualität und Patientennutzen" statt. Dazu sprachen Referenten aus Bundespolitik, Wissenschaft und Wirtschaft.
Nach einer Begrüßung durch den Geschäftsführenden Direktor des GÖZ, Prof. Dr. Alexander Karmann, sprach Frau Maria Michalk, MdB und Mitglied des Ausschuss für Gesundheit, die aktuellen Herausforderungen für das deutsche Gesundheitssystem an. Frau Michalk machte dabei deutlich, dass eine "echte Reform" nicht bloß Aufgabe der Politik sondern aller Akteure im Land bishin zu den Bürgern sei.
Im Anschluss referierte Herr Oliver Schenk, Leiter der Abteilung Grundsatzfragen der Gesundheitspolitik und Telematik des Bundesministeriums für Gesundheit, über die großen Chancen der Digitalisierung für eine effizientere Allokation von Ressourcen im Gesundheitssystem. Deutschland sei für sein Gesundheitssystem demnach zwar international anerkannt, bei Fragen zur Gestaltung der digitalen Zukunft nähmen Länder wie die Vereinigten Staaten jedoch eine bedeutendere Rolle ein. Ziel müsste es demnach sein, das Gesundheitssystem stärker für die digitale Welt fit zu machen, wozu die Bundesregierung ihren Beitrag leisten werde.
Ein praktisches Beispiel der Versorgungsforschung präsentierte Herr Thomas Petzold, der die Ergebnisse einer von Prof. Dr. Jochen Schmitt, Direktor des Zentrums für Evidenzbasierte Gesundheitsforschung und Vorstand GÖZ, geleiteten Forschungsgruppe zur Sturzprävention vorstellte. Demnach kann das Problem mithilfe eines speziell ausgearbeiteten Sturz-Assessments reduziert werden.
Einen kritischen Blick auf den Medizintechnik-Standort Sachsen warf Herr Prof. Dr. Hagen Malberg, Direktor des Instituts für Biomedizinische Technik und Vorstand GÖZ: Obwohl Sachsen mit den stark vertretenen Branchen der Mikroelektronik, der Bio- und Nanotechnologie sowie vielen entsprechenden Forschungseinrichtungen über hervorragende Voraussetzungen verfüge, stehe es noch hinter anderen medizintechnischen Zentren Deutschlands zurück. Anhand praktischer Beispiele wie der berührungslosen - und daher für den Patienten komfortablen - Herzfrequenzmessung wurden die großen Potentiale der Medizintechnik aufgezeigt.
Abschließend präsentierte Prof. Dr. Karmann die Ergebnisse der jüngst vorgestellten Studie zum "Städtebau der Zukunft: Selbstständiges Wohnen bis ins hohe Alter", die gemeinsam mit dem Verband Sächsischer Wohnungsgenossenschafte e.V. (VSWG) erarbeitet wurde. Demnach ist die ambulante Pflege im häuslichen Umfeld deutlich günstiger als die stationäre Pflege im Heim und könnte so bei einem verstärkten Ausbau enorme volkswirtschaftliche Einsparungen mit sich bringen. Dies ist auch insofern von sehr hoher Relevanz, da die Mehrheit der Deutschen den Wunsch hat, in den eigenen vier Wänden zu altern. Allerdings erhöhe der Umbauaufwand hin zu barrierearmen bzw. barrierefreien Wohnungen die Nettokaltmiete um etwa 2,50 Euro/m². In diesem Zuge kritisierte Herr Dr. Axel Viehweger, Vorstand VSWG, deutlich die fehlende finanzielle Unterstützung seitens des Staates. Obwohl der Slogan "ambulant vor stationär" in fast jedem Wahlprogramm zu finden sei, werde nicht geholfen, diesen im Bereich der Pflege in die Tat umzusetzen. Nötig sei demnach eine Förderung, welche die Mietpreiserhöhungen infolge des Umbaus auffängt.
Downloads
- Programm der Jahresveranstaltung 2015
- Präsentation von Fr. Michalk, MdB: Schafft die Politik – schaffen wir eine echte Gesundheitsreform?
- Präsentation von Prof. Dr. Schmitt/Hrn. Petzold: Evidenzbasiertes Sturzrisiko-Assessment
- Präsentation von Prof. Dr. Malberg: Medizintechnik für Sachsen
- Präsentation von Prof. Dr. Karmann: Pflegebedürftigkeit: rechnet sich der Wunsch 'Zuhause statt Pflegeheim' auch gesellschaftlich? Kosten und Perspektiven für Sachsen