May 05, 2022
Internationaler Hebammentag am 5. Mai 2022
Zum Internationen Hebammentag am 5. Mai werden Hebammen auf der ganzen Welt für ihr Wissen und Können gewürdigt. Internationale und nationale Organisationen, Institutionen und Verbände nutzen diesen Aktionstag, um auf die Bedeutung der Hebammen für die Gesundheit und das Wohlergehen von Frauen in Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett aufmerksam zu machen.
Weltweites Engagement für Hebammen
Der Internationale Hebammentag, organisiert vom Internationalen Hebammenverband (ICM), läuft in diesem Jahr unter dem Motto „100 years in progress“[1] und markiert das 100-jährige Bestehen des ICM wie auch die bisher erreichten Fortschritte für Hebammen, Mütter und Neugeborene auf der ganzen Welt. Gleichzeitig werden bestehende Missstände benannt: von den Arbeitsbedingungen über die Anerkennung als autonome medizinische Fachkräfte bis hin zu einer fairen Vergütung. Der 2021 von UNFPA, ICM und WHO veröffentlichte Report[2] zur Situation der Hebammen stellte fest, dass bis 2030 weltweit voraussichtlich 750.000 Hebammen fehlen werden und forderte von allen Ländern verstärkte Investitionen, u. a. auch in der beruflichen Aus- und Weiterbildung. Internationale Beachtung erfuhr im April 2022 der Vorschlag, das Hebammenwesen in die internationale Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufzunehmen[3]. Deutschland beteiligt sich gemeinsam mit Kirgisistan, Kolumbien, Luxemburg, Nigeria, Slowenien, Togo und Zypern an dem Antrag, über den voraussichtlich Ende 2023 entschieden wird. 2016 wurde das Hebammenwesen bereits in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen.
Wie ist die Situation in Deutschland?
In Deutschland haben Frauen während und nach der Schwangerschaft Anspruch auf Betreuung durch eine Hebamme. Bei der Entbindung selbst muss sogar eine Hebamme anwesend sein. 2019 waren ungefähr 26.000 Hebammen in Deutschland in der Schwangerenvorsorge, Geburtshilfe und Wochenbettbetreuung tätig, davon etwa 14.500 freiberuflich[4]. Aber nicht in jeder Region arbeiten so viele Hebammen, wie auch tatsächlich gebraucht werden. Laut einer Befragung von Geburtskliniken des Deutschen Krankenhausinstituts (Krankenhaus Barometer[5]) hatten im Jahr 2020 48 % der Krankenhäuser mit einer geburtshilflichen Abteilung Schwierigkeiten, offene Stellen für angestellte Hebammen zu besetzen.
Auch haben es viele Schwangere und Mütter schwer, eine Hebamme für die Nachsorge zu finden. Laut einer Studie[6] nimmt jede Fünfte nach der Geburt aufgrund fehlender Verfügbarkeit keine Hebamme in Anspruch. Für Sachsen ergab 2019 eine Hebammenstudie[7] im Auftrag des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt, dass in den nächsten 15 Jahren damit zu rechnen ist, dass ein Viertel der derzeit aktiven Hebammen nicht mehr berufstätig sein werden. Der erhöhte Personalbedarf an qualifizierten Hebammen in Sachsen und Deutschland wird weiterhin ein wichtiges Thema bleiben, da man sich im nationalen Gesundheitsziel „Gesundheit rund um die Geburt“[8] und im Koalitionsvertrag[9] der aktuellen Bundesregierung für eine Eins-zu-eins-Betreuung ausgesprochen hat.
Aufwertung des Berufsbildes Hebamme
Die Anforderungen an den Hebammenberuf sind in den letzten Jahren stetig gestiegen. Die 2021 in Deutschland erstmalig begonnene Ausbildung in Form eines dualen Bachelorstudiengangs ist die Grundlage für eine positive Entwicklung des Hebammenberufs, da nun die Erkenntnisse aus der Hebammenwissenschaft und die wissenschaftliche Methodenkompetenz stärker in den Vordergrund rücken, ohne das die praktische Ausbildung zu kurz kommt. Das Studium verbessert nicht nur den Stellenwert des Hebammenberufs innerhalb des Gesundheitswesens, sondern auch die Qualität in der Schwangerenvorsorge, Geburtshilfe und Wochenbettbetreuung.
[1] Quelle: https://idm2022.com; https://www.internationalmidwives.org
[2] Quelle: https://www.unfpa.org/sowmy
[3] Quelle: https://www.unesco.de/kultur-und-natur/immaterielles-kulturerbe/immaterielles-kulturerbe-weltweit/drei-vorschlaege
[4] Quelle: https://www.unsere-hebammen.de/w/files/hebammentag-2022/zahlenspiegel_2022.pdf
[5] Quelle: https://www.dki.de
[6] Quelle: https://www.kartenmacherei.de/studie-hebammen/pdf/Whitepaper-Mangel-an-Hebammen-in-Deutschland.pdf
[7] Quelle: https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/33820
[8] Quelle: https://gvg.org/themen/nationale-gesundheitsziele
[9] Quelle: https://www.rnd.de/familie/schwangerschaft-was-soll-sich-bei-der-geburtshilfe-bald-aendern-TMNEL7NUNZGQ5MAZ5MIOCPFX7A.html