05.05.2026
Internationaler Hebammentag: Vier medizinische Einrichtungen – ein Ziel: Geburten noch sicherer machen
Als Expertinnen in allen medizinischen und psychosozialen Aspekten, die mit Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett einhergehen, spielen Hebammen eine zentrale Rolle in der Gesundheitsversorgung von Frauen, Neugeborenen und Familien. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat ermittelt, dass gut ausgebildete Hebammen die Sterblichkeitsrate von Müttern und Neugeborenen deutlich senken. In einem gemeinsamen Projekt wollen die Medizinischen Fakultäten der Universitäten Dresden, Wien, Brno und des Universitätsklinikums Maribor Hebammen und ärztliches Personal auch auf seltene Komplikationen besser vorbereiten.
In Deutschland gehören vor allem postpartale Blutungen, hypertensive Schwangerschaftserkrankungen und Embolien zu den wichtigen Ursachen schwerer mütterlicher Notfälle. Allen Situationen ist gemein, dass sie selten bis extrem selten auftreten, im Ernstfall aber jede Sekunde zählt und alle Handgriffe sitzen müssen.
Der von den vier Einrichtungen – Medizinische Fakultät der TU Dresden, Medizinische Universität Wien, Medizinische Fakultät der Masaryk-Universität Brno und dem Universitätsklinikum Maribor – entwickelte zweitägige interprofessionelle Trainingskurs „ROUTINE“ konzentriert sich ganz auf derartige Notfälle in der Geburtshilfe. Er soll Hebammen, Ärztinnen und Ärzten dabei helfen, kritische Situationen souverän zu meistern.
Dabei trainieren die Teilnehmenden nicht nur ihr medizinisches Fachwissen, sondern auch die Fähigkeiten für klare Kommunikation, schnelle Entscheidungen und Teamarbeit. Dafür werden in realitätsnahen Simulationen mit Schauspielerinnen und Modellen typische, aber seltene Notfälle nachgestellt. Dazu gehören unter anderem starke Blutungen nach der Geburt, ein plötzlich auftretender Krampfanfall (Eklampsie), Komplikationen bei der Schulterentwicklung des Babys oder auch lebensbedrohliche Ereignisse wie eine Lungenembolie. Selbst Szenarien wie eine Reanimation der Mutter mit einem Not-Kaiserschnitt werden in den entsprechenden Skills Labs der Einrichtungen geübt.
Ergänzt wird das Training durch praktische Übungsstationen, beispielsweise zur Wiederbelebung von Neugeborenen, Geburt aus Beckenendlage oder zum sicheren Atemwegsmanagement. Die Teilnehmenden können sich mit Hilfe digitaler Lernmodule auf den Kurs vorbereiten, sodass die gemeinsame Trainingszeit optimal genutzt werden kann.
Über „ROUTINE“
Das Projekt „ROUTINE“ wird durch das europäische Erasmus+-Programm gefördert und läuft vom 1. November 2024 bis zum 30. Dezember 2026. Es bringt Fachwissen aus verschiedenen europäischen Ländern zusammen, um die Qualität der Geburtshilfe weiter zu stärken. Die Entwicklung eines standardisierten Trainingslehrplans gewährleistet eine gleichwertige, qualitativ hochwertige Ausbildung für medizinisches Fachpersonal in ganz Europa und integriert unterschiedliche Teamrollen und -verantwortlichkeiten. Durch das Einbeziehen verschiedener Gesundheitssysteme und kultureller Perspektiven schafft ROUTINE realistische, anpassungsfähige und inklusive Schulungsmaterialien.
Veranstaltungen in Dresden
24. – 25. August 2026 & 21. – 22. September 2026
1. und 2. Trainingskurs-Testlauf mit interessierten Hebammen, Ärzt:innen der Gynäkologie und Geburtshilfe, Anästhesist:innen und Pflegekräften (Neonatologie, Gynäkologie, Anästhesie)
Projektpartner
- Masaryk-Universität, Medizinische Fakultät
- Medizinische Fakultät der TU Dresden
- Medizinische Universität Wien
- Universitätsklinikum Maribor
Kontakt:
Dr. rer. medic. Katharina Langton
Studiengangskoordination / wissenschaftliche Studiengangsleitung
Zentrum für Hebammenwissenschaft (ZHW)
+49 (0) 351 458 10417
Anne-Stephanie Vetter
Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus
der Technischen Universität Dresden
+49 (0) 351 458 17903