Medical Exhibition Seminars (MES)
Mit dem Medical Exhibition Seminar (MES) wird im Studiengang Hebammenkunde ein innovatives Lehr- und Lernformat eingesetzt, das wissenschaftlich fundierte Wissensvermittlung mit praxisnahen Handlungssituationen verbindet.
Das Konzept verfolgt das Ziel, Studierende durch interaktive und problemorientierte Lernmethoden aktiv in den Lernprozess einzubeziehen. Im Mittelpunkt stehen dabei klinische Fallbeispiele, die in Form einer Ausstellung präsentiert werden und von den Teilnehmenden eigenständig analysiert und bearbeitet werden.
Anders als in klassischen Vorlesungsformaten lernen die Studierenden im MES nicht nur durch Zuhören, sondern durch aktives Entdecken, Diskutieren und Problemlösen. Verschiedene Ausstellungsstücke – darunter Bilder, Videos, Simulationsmodelle sowie interaktive Materialien – veranschaulichen komplexe klinische Situationen aus der geburtshilflichen Praxis. Die Studierenden bewegen sich selbstständig durch die Ausstellung und ordnen den präsentierten Fällen passende Diagnosen zu. Gleichzeitig reflektieren sie ihre diagnostischen Überlegungen im Austausch mit ihren Kommilitoninnen und Kommilitonen. Dieser Peer-Teaching-Ansatz fördert nicht nur die fachliche Kompetenz, sondern auch die Fähigkeit zur interprofessionellen Kommunikation und Zusammenarbeit.
Im Rahmen des aktuellen Seminars lag der Schwerpunkt auf geburtshilflichen und neonatologischen Notfallsituationen. Die Teilnehmenden erhielten die Aufgabe, verschiedene Fallbeschreibungen den entsprechenden Diagnosen zuzuordnen. Zu den behandelten Themen gehörten unter anderem die vorzeitige Plazentalösung, das akute HELLP-Syndrom, die Uterusruptur, die drohende Uterusruptur, regelwidrige Poleinstellungen, die drohende Eklampsie, das Risiko für eine postpartale Atonie sowie die Sepsis des Neugeborenen.
Die Fallbeispiele orientierten sich an realitätsnahen Versorgungssituationen und stellten die Studierenden vor diagnostische Herausforderungen. So mussten beispielsweise Symptome wie akute Oberbauchschmerzen und Übelkeit im dritten Trimenon als Hinweis auf ein HELLP-Syndrom erkannt werden. Andere Szenarien thematisierten schwere Blutungen in der Schwangerschaft, auffällige Geburtsverläufe nach vorausgegangener Sectio oder die klinischen Zeichen einer neonatalen Sepsis wenige Tage nach der Geburt. Durch die Analyse der unterschiedlichen Fallkonstellationen wurden theoretische Kenntnisse mit praktischen Entscheidungsprozessen verknüpft.
Das Medical Exhibition Seminar zeigt eindrucksvoll, wie moderne Hochschullehre gestaltet werden kann: aktivierend, praxisorientiert und wissenschaftlich fundiert. Durch die Verbindung von Ausstellungselementen, Fallarbeit und kollegialem Lernen entsteht ein Lernumfeld, das die Studierenden motiviert, Verantwortung für ihren eigenen Lernprozess zu übernehmen. Gleichzeitig werden Kompetenzen gestärkt, die für die sichere Versorgung von Schwangeren, Gebärenden, Wöchnerinnen und Neugeborenen von entscheidender Bedeutung sind.
Ansprechpartnerin
© Stephan Wiegand
Studiengangskoordination / wissenschaftliche Studiengangsleitung
NameDr. rer. medic. Katharina Langton
Hebamme, M. Sc. Midwifery / Clinical Research
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