29.06.2017

Richtfest für das Beschleunigerlabor im Felsenkeller

Richtfest Teilchenbeschleuniger © Robert Lohse Richtfest Teilchenbeschleuniger © Robert Lohse

Feierliches Richtfest für das Beschleunigerlabor im Felsenkeller. Dirk Hilbert, Prof. Peter Joehnk, Prof. Hans Müller-Steinhagen, Dr. Eva-Maria Stange, Nobelpreisträger Prof. Arthur McDonald und Dr. Michael Stötzel durchschneiden symbolisch das rote Band am Eingang des Felsenkellerlabors.

Richtfest Teilchenbeschleuniger

Feierliches Richtfest für das Beschleunigerlabor im Felsenkeller. Dirk Hilbert, Prof. Peter Joehnk, Prof. Hans Müller-Steinhagen, Dr. Eva-Maria Stange, Nobelpreisträger Prof. Arthur McDonald und Dr. Michael Stötzel durchschneiden symbolisch das rote Band am Eingang des Felsenkellerlabors. © Robert Lohse

Im Felsenkeller in Dresden wurde gestern (28. Juni 2017) das Richtfest für das gemeinsame Beschleunigerlabor von Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) und TU Dresden gefeiert. In der unterirdischen Experimentierstätte wollen Physiker die Vorgänge im Inneren von Sternen nachstellen. Rund 150 Gäste, darunter die Sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Dr. Eva-Maria Stange, der zuständige Referatsleiter im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Dr. Michael Stötzel, sowie der Dresdner Oberbürgermeister, Dirk Hilbert, würdigten den Fortgang der Bauarbeiten und das Forschungsvorhaben. Als Festredner zum Richtfest konnte der Nobelpreisträger Prof. Arthur McDonald gewonnen werden, der für seine Entdeckung von Neutrino-Oszillationen gemeinsam mit Takaaki Kajita 2015 den Nobelpreis für Physik erhielt.

Am südwestlichen Stadtrand von Dresden entsteht derzeit eine deutschlandweit einzigartige Experimentierstätte. In zwei Stollen des ehemaligen Eislagers der Felsenkeller-Brauerei bauen das HZDR und die TU Dresden einen Untertage-Beschleuniger auf. Nach der Fertigstellung wird es die Anlage erlauben, nukleare Fusionsreaktionen zu untersuchen und im Detail aufzuklären, wie die Sonne und andere Sterne in ihrem Innern Atomkerne miteinander verschmelzen und dabei schwerere Elemente erzeugen. Das Felsgestein über der Stollendecke schirmt die Experimente vor äußeren Einflüssen wie der kosmischen Höhenstrahlung ab, so dass im Beschleunigerlabor auch besonders sensitive Materialforschung stattfinden kann.

Der Pelletron-Beschleuniger, der gemeinsam von HZDR und TU Dresden genutzt werden soll, wurde bereits Ende April in das tiefste Teilchenlabor Deutschlands eingebaut. 2012 kaufte das Forschungszentrum die Anlage von einem britischen Privatunternehmen, das ihn zur Arzneimittelentwicklung genutzt hatte. Seitdem haben ihn die sächsischen Forscher für neue Aufgaben gerüstet. Für die Physiker PD Dr. Daniel Bemmerer vom HZDR und Prof. Kai Zuber von der TU Dresden wird mit dem Untertage-Beschleuniger im ehemaligen Eislager der Felsenkeller-Brauerei ein Traum wahr. Bald werden sie in den tiefen Gängen des Felsenkellers auf Teilchenjagd gehen und ungestört von der Höhenstrahlung die Vorgänge im Inneren von Sternen nachstellen.

Das neue Labor bietet dafür optimale Bedingungen, wie der kanadische Physik-Nobelpreisträger Arthur McDonald erklärt: „Der neue Beschleuniger im unterirdischen Labor wird es erlauben, Vorgänge im Innern von Sternen zu vermessen und Einblicke zu gewinnen in die Entstehung von Elementen, die sich letztendlich in uns und unserem Planeten wiederfinden.“

Die sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Dr. Eva-Maria Stange, betonte in ihrem Grußwort: „Mit dem Teilchenbeschleuniger im Felsenkellerlabor erreichen die Experimentiermöglichkeiten für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland eine neue Qualität. Mit dieser deutschlandweit einzigartigen Experimentierstätte werden die Stollen zum Mekka für die Astrophysiker aus der ganzen Welt. Es ist eine sehr schöne Vorstellung, wie aus den Tiefen eines Kellers unter Dresden in die Tiefen der Sterne geschaut wird. Was Milliarden von Lichtjahren entfernt passiert, soll plötzlich hier ganz nah sein – eine aufregende Vorstellung und im wahrsten Wortsinne eine ,Stern-Stunde‘ für die sächsische Forschung. Ich danke den Akteuren des HZDR und der TU Dresden, dass ihre intensive Zusammenarbeit dies möglich gemacht hat.“

Die hervorragende Kooperation betonten auch der Kaufmännische Direktor des HZDR, Prof. Peter Joehnk, und der Rektor der TU Dresden, Prof. Hans Müller-Steinhagen: „Zwei starke Partner des Verbundes DRESDEN-concept, das HZDR und die Exzellenzuniversität, haben sich für dieses Projekt zusammengetan und machen auf diese Art deutlich, wie wir in Dresden gemeinsam die Wissenschaft voranbringen wollen – auch mit Infrastrukturen, die unseren Forschern neue Untersuchungsmöglichkeiten an die Hand geben“, so Prof. Peter Joehnk. Als ein Paradebeispiel für die gelebte Vernetzung der Dresdner Wissenschaftseinrichtungen bezeichnete Prof. Hans Müller-Steinhagen das neue Labor: „Das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf und die TU Dresden sind durch die intensive Kooperation in Forschung und Lehre eng miteinander verzahnt. Diese unschätzbar wertvolle Zusammenarbeit gipfelt nun im Aufbau eines gemeinsam betriebenen Beschleunigerlabors im ehemaligen Eislager der Felsenkeller-Brauerei.“

Dr. Michael Stötzel, Leiter des Referats 714 im Bundesministerium für Bildung und Forschung, lobte anlässlich des Richtfests die Expertise der Dresdner Forscherinnen und Forscher für die Entwicklung und den Betrieb von Beschleunigern und Detektoren: „Dieses Know-how kommt nun dem Beschleunigerlabor im Felsenkeller zugute. Es ist geplant, Strahlzeit auch an Messgäste zu vergeben, damit diese – abgeschirmt von der kosmischen Strahlung – in das Innere von Sternen blicken können. Ich bin mir sicher, dass sich das neue Labor mit seinen einzigartigen Möglichkeiten schnell in der internationalen Scientific Community etablieren wird, und wünsche ihm exzellente Ergebnisse auf dem Gebiet der Erforschung der Materie und der Materialforschung.“

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Nicole Gierig
Letzte Änderung: 29.06.2017