Apr 17, 2026
3D-Ausstellung "Meissener Porzellan im Virtuellen Fokus": Ein Seminarprojekt der Fachbereiche Digital Humanities und Kunstgeschichte
Gesamtansicht der virtuellen Ausstellung
Die Erstellung von 3D-Modellen von Kunstwerken ist eine zunehmend verbreitete Praxis in der Kunstvermittlung, die neue Zugänge zu Objekten eröffnet. Im Rahmen des Masterseminars im Wintersemester 2025/26 "Einführung in die Konzeption von 3D-Objekten und Ausstellungen", geleitet von PD Dr. Angela Dreßen, erfassten die Studierenden 3D-Scans von ausgewählten Objekten des Meissen Porzellan-Museums. Thematisch aufbereitet sind sie nun in der immersiven Ausstellung "Meissener Porzellan im virtuellen Fokus" für Besucher:innen aus der ganzen Welt erlebbar.
Ausstellungskonzept
Böttgersteinzeug, Zwiebelmuster und Chinoiserien – die Ausstellung bietet eine virtuelle Reise durch das Meissener Porzellan im 18. Jahrhundert. Vier thematische Bereiche führen durch die Geschichte des ersten europäischen Porzellans, von den Anfängen bis hin zur Entfaltung zur einflussreichsten Porzellanmanufaktur in Europa. Der Abschnitt "Tafelkultur" thematisiert das Porzellan als Mittel der Machtpräsentation des Adels bei Tisch und zeigt die schönsten Prunkservices und Geschirre. Der Teilbereich "Mythos Ostasien" widmet sich dem Thema Chinamode und der Nachahmung von ostasiatischem Porzellan in Meißen. Die "Werkstatt" gewährt einen Einblick in die Methoden der Restaurierung und die Provenienzforschung. Das Kapitel "Porzellan zwischen Funktion und Inszenierung" präsentiert eine Vielfalt von Luxusgegenständen, unter anderem die berühmte Affenkapelle von Johann Joachim Kändler (1706-1775), die in die Hofkultur des Rokokos einführen. Für besonders Interessierte Besucher:innen bietet ein umfassender Ausstellungskatalog eine fundierte Auseinandersetzung mit der Thematik. Die Exposition bilden zahlreiche Objekte aus dem Bestand des Meissen Porzellan-Museums sowie ein Exemplar aus der Porzellansammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und ein 3D-Modell des Japanischen Palais aus dem Besitz der Landeshauptstadt Dresden. Die Exponate können von allen Seiten und in unmittelbarer Nähe betrachtet werden.
Technische Umsetzung
Photogrammetrie
Heutzutage können 3D-Objekte mittels verschiedener Methoden, wie Laserscanning, Photogrammetrie und 3D-Modellierung, erstellt werden. Innerhalb des vorgegebenen Zeitrahmens des Seminars bot sich das photogrammetrische Verfahren an.
Photogrammetrie ist ein Prozess, bei dem anhand von Messwerten aus zweidimensionalen Fotografien eines Objekts dessen 3D-Modell generiert wird. Ein 3D-Scan kann unkompliziert erstellt werden, indem eine Menge von Fotos um das Objekt herum aufgenommen wird.
Heutzutage gibt es eine Reihe von mobilen Applikationen mit integrierter Kamera, die die Fotos in Echtzeit zu einem 3D-Modell verarbeiten. Die Studierenden nutzten dabei KIRI Engine und Polycam und machten die Aufnahmen direkt mit ihren Handys. Es war keine spezielle technische Apparatur erforderlich, außer ein paar Lampen und weißen Laken. Mit freundlicher Unterstützung des Teams der Meissen Porzellan-Stiftung, das die Exponate sorgsam zum Fotoshooting bewegte, konnten am Vormittag ungefähr vierzig 3D-Modelle erstellt werden.
Bearbeitung in den 3D-Grafiksoftware Blender und Meshlab
Das photogrammetrische Verfahren ist, so einfach es zu klingen scheint, nicht in jedem Fall makellos. Die glänzende und spiegelnde Oberfläche des Porzellans sorgte für Verzerrungen: Als Resultat wiesen einige 3D-Scans Löcher und Artefakte auf. Die Mängel konnten im nächsten Schritt in den 3D-Programmen Blender oder MeshLab behoben und bereinigt werden. Die Studierenden erlernten selbst den Umgang mit den Programmen gemäß ihren spezifischen Anliegen. Eines der Objekte wurde von einer Studentin sogar in Blender neu modelliert. Die Arbeit mit der Bearbeitungssoftware bot unter anderem tiefere Einblicke in die Objekte, die nun im Detail betrachtet werden konnten. Die Bildmotivik und Ornamentmuster einiger zylindrischer Objekte, wie Vasen und Tassen, konnten einer digitalen Abwicklung unterzogen werden, welche die Verzierungen in eine zweidimensionale Darstellung überführt.
Entwurf einer virtuellen Ausstellungsumgebung
Auf der webbasierten Plattform Metasteps können 3D-Umgebungen unkompliziert aufgebaut und wie in einem Computerspiel gestaltet werden. Die Entwicklung und das Design des Ausstellungsraums wurden von der Studentin der Digital Humanities, Jiaying Le, realisiert. Die Kreuzgratgewölbe und die blau-weiße Farbpalette der Räume sollen an das Schloss Albrechtsburg, die ehemalige Niederlassung der Meissener Porzellanmanufaktur, sowie an das im 18. Jahrhundert begehrte Blau-Weiß-Porzellan erinnern. Auch andere Studierende beschäftigten sich intensiv mit Metasteps, um die Möglichkeiten des Tools für die Zwecke einer virtuellen Ausstellung zu erschließen. Gemeinsam erarbeiteten sie einen einheitlichen Stil für die Ausstellungstexte, Abbildungen und Objektbeschriftungen. Eine weitere wichtige Entscheidung betraf die Größe der Objekte: Ihre Originalgröße wurde zugunsten einer besseren Sichtbarkeit angepasst.