Crestron 1 Beyond Kameras (i-Serie)
Table of contents
Allgemein
Die Kameras der 1 Beyond i-Serie sind hochwertige PTZ-Kameras, die durch Erweiterung mit Künstlicher Intelligenz und Automatisierungsmechanismen zu einem Multikamerasystem verbunden werden können. Sie besitzen eine eingebaute Visual AI und bestehen pro Gerät jeweils aus einer PTZ- und eingebauter Weitwinkelkamera. Sie sind dafür gedacht, eine automatische Bildverfolgung zu realisieren.
Die Firma Crestron bietet diese Kameras ohne die eigenständigen AI-Zusatzfunktionen auch als sogenannte p-Serie an. Sie unterstützen kein automatisches Tracking. Sie müssen zur Umsetzung dieser Funktionalität mit der hauseigenen Automate VX-Sprachverfolgung zusammenzuarbeiten.
Ein Gesamtsystem der i-Serie kann aus maximal fünf Kameras bestehen, die mittelgroße bis sehr große Räume (siehe dazu auch Testergebnisse) abdecken können. Das Presenter Tracking und die Umschaltungen zwischen den Kameras werden vom System automatisch vorgenommen. Dabei wird bei der i12 ein 12-fach optischer Zoom genutzt, die i20 verwendet einen 20-fachen optischen Zoom (Eselsbrücke: "Das kann man aus der Zahl im Namen ableiten."). Die i12 eignet sich damit für mittelgroße bis große Räume, die i20 für große bis sehr große Räume.
Die Kameras bieten keine Audioübertragung an, diese muss eigenständig parallel realisiert werden. Der Hersteller bietet hierfür ein kostenpflichtiges Zusatzmodul an, welches jeweils mit den Deckenmikrofonen der Firmen Sennheiser oder Shure optimal zusammenarbeitet.
Das VCC testete zwei bzw. drei Kameras von 11/2025 bis 03/2026. Der lange Testzeitraum ergab sich auf Grund einiger Rückfragen an die Firma (danke für die stets schnelle Hilfe) und die nochmalige Erweiterung des Tests auf drei Systeme ab Mitte Januar 2026.
Installation
Die technische Inbetriebnahme der Kameras ist sehr einfach. Sie bekommt Strom bzw. PoE und eine IP-Verbindung. Alle Kameras des Gesamtsystems müssen im selben Subnetz sein.
Die Leistungsaufnahme einer Kamera liegt bei 15,4 Watt (IEEE 802.3af - POE Type 1).
Startbildschirm des Kamera Managers
Die Einstellung der Parameter für den konkreten Einsatz erfolgt mittels des sogenannten Crestron Kamera Managers. Diese Software ist bei der Firma kostenlos erhältlich. Sie hat einen sehr großen Funktionsumfang, basiert auf dem VISCA-Protokoll der Firma Sony (Anfang der 1990er Jahre erstmals implementiert) und verfügt über einen gewissen Retro-Charme.
Durch die umfangreichen Einstellungmöglichkeiten gepaart mit einer inzwischen nicht mehr zeitgemäßen Software-Ergonomie erfordert der Crestron-Manager eine tiefe Einarbeitung. Für gute Ergebnisse bei den späteren Videokonferenzen muss man wohlüberlegt vorgehen und auch vieles experimentell vor Ort ermitteln.
Dieser Aufwand muss aber nur bei der Ersteinrichtung betrieben werden. Es wird jede Kamera einzeln justiert. Die Ergebnisse werden dann an Hand der Praxis überprüft.
Prinzipieller Aufbau
Das Multikamerasystem der Firma Crestron basiert auf einer Art Arbeitsteilung, die auf einer sogenannten Hauptkamera ("Primary Camera") und den maximal vier begleitenden Kameras ("Companion Cameras") basiert. Die Hauptkamera muss immer zwingend eine i12 sein.
Die Hauptkamera steuert die anderen Kameras. Während der Konferenz wird das jeweils beste Bild abgerufen und eingespielt. Wenn keine Person im Bild zu sehen ist oder eine Meetingpause stattfindet, können vordefinierte Ansichten eingeblendet werden. Diese sind individuell konfigurierbar. (siehe dazu weiter unter auch bei Crestron Kamera Manager)
Sie wird per USB-Kabel mit der UC-Engine (z.B. Laptop mit entsprechender Software) verbunden.
Nur bei der Verwendung des USB-Kabels von der Primary Kamera zum Videokonferenzsystem wird sicher gestellt, dass das jeweils beste Bild in das Meeting übernommen wird. Wenn die Hauptkamera mit einer der drei anderen Anschlussmöglichkeiten (HDMI, NDI, BNC) verbunden wird, überträgt sie nur ihr eigenes Bild.
Die Bilder jeder Kamera können parallel auch einzeln per rtsp-Stream abgerufen werden. Die Hauptkamera gibt bei dieser Variante immer das beste Bild aus, so dass man dieses auch für die weitere Verarbeitung (z.B. Videokonferenz oder Aufzeichnungsrekorder) nutzen kann.
Crestron Kamera Manager
Allgemein
Kameras hinzufügen
Der „Crestron 1 Beyond Camera Manager“ ist kostenlos bei der Firma Crestron verfügbar. Er fungiert als die zentrale Schaltstelle für die Kameras. Es können bis zu vier Videostreams gleichzeitig überwacht werden.
Wie schon erwähnt, müssen die Einstellungen für jede verwendete Kamera einzeln vorgenommen werden.
Hauptmenü der Kamerakonfiguration
Die wichtigsten Funktionen in der Praxis sind die Netzwerkkonfiguration, das Einstellen der Kamerajustierungen (PTZ-Aligment) und die Festlegung der verschiedenen Zonen und Presets. Die Feinabstimmungen der Kamerahardware (wie. z.B. die Auflösung und Framerate) werden ebenfalls hier vorgenommen.
Die Software ist auf den Webseiten der Firma gut dokumentiert und es empfiehlt sich auf jeden Fall, diese vorher diese Anleitungen zu lesen. Trotzdem werden noch genug praktische Proben übrig bleiben ...
Einstellen von Zonen
Die inzwischen gängigen Einstellungmöglichkeiten von Ignorier-, Tracking- und Rednerpultzone sind vorhanden. Diese Einstellmöglichkeiten werden kombiniert und sind nicht sofort eingängig. Wir mussten einige Zeit experimentieren, waren aber dann von den Möglichkeiten sehr angetan.
Zonen konfigurieren, hier im Beispiel: Trackingzone
Im Nachverfolgungsmodus folgt die Kamera der ersten Person, die den Moderatorenbereich betritt, auch wenn weitere Personen hinzukommen. Dieser Modus ist für die i12 und i20 verfügbar.
Im Gruppenmodus (nur bei i20 vorhanden), werden alle Personen aufgenommen, die sich im Moderatorbereich befinden. Dabei wird das Bild dynamisch an die Gruppengröße bei Änderungen angepasst. Dieser Modus ist nur für die i20 verfügbar.
Konfiguration der verschiedenen Zonen
Innerhalb des Moderatorenbereichs können Bereiche (wie das Rednerpult) definiert werden, die von der Kameraverfolgung ausgenommen sind. Dieser Modus ist nur für die i20 verfügbar. Hinweis: Das Rednerpult kann als extra Bereich definiert werden.
Sperrzonen arbeiten wie bei anderen Systemen gewohnt, dort wird gar nichts aufgenommen. Dieser Modus ist für die i12 und i20 verfügbar.
Bei Crestron gibt es allerdings eine Unterscheidung zwischen den Blockingzonen B1-B4 und B5-B8. Die ersteren blockieren Bildschirme, Fenster und Projektorbilder, die anderen Teilnehmer.
Justierung der Fadenkreuze der Kameras
Zwischen allen konfigurierten Bereichen wird während des Meeting intelligent ohne Nutzeraufwand die dafür jeweils am besten passende Kamera ausgewählt und deren Bild übertragen. Der Wechsel ist nahtlos, setzt aber die korrekte Einstellung per PTZ-Aligment voraus. Wenn die Fadenkreuze der Kameras in korrekter Übereinstimmung sind, wird ein bruchloser und nicht sichtbarer Übergang gewährleistet.
Einstellen von Presets
Eine weitere in der Praxis wichtige Einstellung sind die Presets. Für die freie Vergabe sind vier Presets vorgesehen.
Presets konfigurieren
Des Weiteren gibt es noch den „Home Shot“ und „Tracking Shot“. Auch sie sind zwei Presets, aber mit fest definierter Funktion.
Der „Home Shot“ zeigt die durch den Nutzer definierte Position an, wenn die Kamera gestartet wird, sie die zu verfolgende Person verliert oder längere Zeit keine Person und kein Gesicht erkannt wurde.
Der „Tracking Shot“ wird immer dann genutzt, wenn im definierten Bereich eine gültige Bewegung oder ein Gesicht erkannt wurde. Sie aktiviert die Verfolgung und ist damit sozusagen der Gegenpol zum „Home Shot“.
Testergebnisse
Die Kameras sind mit ATEM-Mischern kompatibel. Mittels SDI/HDMI können die Kamerasignale in die Mischer eingespeist werden und die Mischer können andererseits von Crestron-Raumsteuerungen ferngesteuert werden.
Das Framing geschieht mittels 3D-Gesichtserkennung. Laut Firma sollen 2D-Gesichter ignoriert werden. Das geschieht auch relativ zuverlässig, aber nicht mit vollständiger Sicherheit. Somit ist es immer besser, Anzeigen wie z.B. Projektbilder in die Ignorierzone zu nehmen.
Die Unterscheidung von Personen, selbst wenn sich diese hochgradig ähnlich sehen, funktioniert sehr zuverlässig und fehlerfrei in den entsprechenden Test. An dieser Stelle vielen Dank an die Kollegen der Uni Kassel, die das ausprobiert haben.
In wenigen Fällen passierte es, dass die Kameras in eine Art Ping-Pong-Modus verfielen und permanent zwischen zwei Bildern hin und her geschaltet wurde. Hier muss man für die kurzfristige Abhilfe per Hand in die Steuerungssoftware eingreifen und langfristig andere Grundeinstellungen vornehmen (z.B. die Zonen anders einstellen).
Die Reichweite der Kameras wird von der Firma mit ca. 17m angegeben. Im praktischen Test konnten wir dagegen 19m erreichen. Ein ungünstiges Umfeld mit Sonnenschein und Spiegelungen erschwert zwar die Arbeit, aber die Kameras funktionieren trotzdem gut bis sehr gut. Es empfiehlt sich dabei, die Gegenlichtkompensation im Crestron Manager zu nutzen.
Im Testzeitraum war eine Deckeninstallation nicht möglich, weil die Drehung des Bildes nicht funktionierte. Das soll inzwischen behoben sein, konnte aber nicht mehr geprüft werden.
Fazit
Die Kameras der Firma Crestron (1 Beyond) sind für mittelgroße bis große Räume konzipiert. Durch das modulare Konzept kann die Anzahl der notwendigen Geräte optimal an die eigenen Anforderungen angepasst werden. Mit Hilfe von (kostenpflichtigen) Zusatzmodulen sind die Kopplung mit Audiosystemen und automatischen Bildmischern möglich.
Der größte Schwachpunkt ist momentan die wirklich nicht mehr zeitgemäße Steuerungssoftware. Sie sollte (und wird wohl auch) dringend überarbeitet werden.
Alles in allem bieten die Kameras also im universitären Umfeld für akzeptable Preise ein sehr gute Leistung für die automatisierte Übertragung von Hörsälen oder ähnlich großen Räumen.
(Stand: 04/2026)