Meeting Owl 4
Allgemein
Die Meeting Owl 4 ist eine 360°-Kamera, die für sogenannte Huddle Rooms konzipiert wurde. Sie ermöglicht die Audio- und Videoaufnahme des gesamten Raumes mit einem einzigen Gerät, was allen Teilnehmern der virtuellen Sitzung zu einem besseren Gesamteindruck verhelfen soll. Sie ist das Nachfolgemodell der Kamera Meeting Owl 3.
Auf Grund des Namens gibt es eine Reihe von Geräuschen durch das System und verschiedene Ausdrücke in der Beschreibung des Gerätes, die an eine Eule (engl. Owl) erinnern sollen. So hört man zum Beispiel beim Anschalten einen Laut der ähnlichen einem Gurren der Eule klingt oder im Zusammenhang mit mehreren Geräten spricht der Hersteller OWL Labs auch gern von einem "Schwarm".
Im Gegensatz zu allen vorherigen Modellen lassen sich diese Geräusche jetzt abschalten.
Leistungsparameter
- 360°-Kamera mit Sprecherfokussierung
- 360°-Audioempfang mittels acht Mikrofonen für bis zu 5,50m Entfernung
- zwei Lautsprecher mit 79 dB
- maximale Auflösung: 3840 x 2160 @ 30 fps
- Die Meeting Owl 4 wird mittels eines USB-C-Anschlusses verbunden. Die Kennzeichnung der zum Betrieb notwendigen Kabel ist durch eine eindeutige Beschriftung gegeben.
- Der Betrieb mittels Power over Ethernet (POE) ist auch möglich
- Die Deckenmontage ist mittels einer Halterung (z.B. VideoSecu 24-40) möglich.
Testergebnisse
Allgemein / Video / Audio
- Das System besitzt keine Fernbedienung im herkömmlichen Sinn, sondern kann nur mit Hilfe einer App aus der Ferne gesteuert werden.
- Am Gerät befinden sich ebenfalls Tasten für die Steuerung der Lautstärke und Bild an/aus. Diese wird der Nutzer jedoch selten benötigen, da üblicherweise die verwendete Videokonferenzsoftware äquivalente Funktionen bereitstellt.
- Für ein gutes Audio sind möglichst wenig Hintergrundgeräusche notwendig. Da die Fokussierung der Kameras mit Hilfe der Akustikquellen vorgenommen wird, können diese leicht durch semantisch irrelevante Geräusche abgelenkt werden.
Die Kameraverfolgung funktioniert in der Praxis auch nur ziemlich genau bis zu einer Entfernung von 4 Metern. - Die Sprachverständlichkeit wird auf der Gegenseite als gut eingestuft, mit zunehmender Entfernung des Redners benötigt der Empfänger jedoch eine immer stärkere konzentrierte Fokussierung auf die Sprache, was auf Dauer sehr anstrengend wirken kann.
- Die in der Spezifikation angegebene Reichweite für die Mikrofone ist korrekt. Ab ca. 4m Sprecherenfernung sind erste Anzeichen von Hall zu verzeichnen.
Eine Erhöhung des Bereiches des Audioempfanges auf 8m kann durch ein optionales Zusatzmikrofon (nicht für die Vorgängermodelle erhältlich) erreicht werden. - Die Lautsprecher sind innerhalb der empfohlenen Grenzen für das Audio ausreichend.
- Man sollte der Kamera nicht zu nah kommen, da diese ohne Nutzung der App nicht beweglich ist. Hier wird bei Unterschreitung des Mindestabstandes u.U. das Bild inhaltlich unvorteilhaft abgeschnitten.

Illustration zur unbeweglichen Kamera
- Die Kamera kann nicht durch eine mechanische Klappe o.ä. abgedeckt werden.
- Die Aussage auf der Webseite des Herstellers "Die Owl neigt dazu, bei kühler, weißer Beleuchtung besser zu funktionieren als bei warmer, gelber Beleuchtung." kann bestätigt werden. Das Qualität des übertragenen Bildes steigt insgesamt mit höherer Ausleuchtung der Sendeseite spürbar an.
- In der Videokonferenz wird standardmäßig von der Meeting Owl ein aufgeteiltes Bild übertragen. Im oberen Drittel zeigt es in einem Band eine 360 °- Ansicht. Darunter können nebeneinander die letzten drei Sprecher dargestellt werden, auch wenn diese räumlich getrennt voneinander sitzen. DIe Bildaufteilung läßt sich nur in der App ändern.
- Die automatische Verfolgung des Redners findet nicht mehr so schnell wie beim Vorgängermodell statt. Das wird allgemein als positiv empfunden.
- Die Funktionen der Meeting Owl werden durch das System selbst übernommen, so dass es zu keiner spürbaren Mehrbelastung des angeschlossenen Rechners kommt.
- Mittels der sogenannten Owl-App (für iOS, Android und Windows mit identischen Funktionsumfang verfügbar) können Zusatzfunktionen benutzt werden. Diese sind für den einfachen Betrieb der Kamera nicht zwingend notwendig (siehe auch unten).
Pairing
Die Meeting Owl 4 bietet die Möglichkeit des Pairings. Das bedeutet, dass zwei Systeme zu einer Funktionseinheit gekoppelt werden können. Es ist nur für genau zwei Geräte und nicht für mehrere Geräte möglich. Die Webseiten der Firma Owllabs sind hier in den Texten einerseits unscharf fomuliert, bieten andererseits aber auch eine vollständige Tabelle aller Kopplungsmöglicheiten an, welches auch mit ausgewählten älteren Modellen möglich ist.
Nach dem Start der App zeigt diese alle verfügbaren Meeting Owl in der Umgebung an. Jetzt wird eine Kamera als "1" gewählt und das Pairing ("owl connect") aufgerufen. Dort werden noch einmal alle Systeme angezeigt, die als Nachbarn zum Pairing verfügbar sind. Allein diese Anzeige bedeutet aber nicht, dass das Pairing dann auch klappt. Dieses wird manuell gestartet und falls erfolgreich, sehr schnell mittels Anzeige als erfolgreich vermeldet.
In der Praxis empfiehlt es sich immer, die Meeting Owl 4 als "1" zu wählen. Es verbessert die Aussicht auf eine erfolgreiche Kopplung erheblich. Die vom Hersteller vorgegebenen Distanzen zwischen den zwei zu koppelnden Kameras sollten sehr exakt eingehalten werden. Der Abstand zwischen den Kameras darf einen Meter nicht unter- und 2,50 Meter nicht überschreiten. Die Entfernung zum angeschlossenen Laptop hingegen ist nur durch das Verbindungskabel begrenzt und für diesen Vorgang völlig egal.
Nachdem die Koppelung erfolgreich durchgeführt wurde, kann die App geschlossen werden. Sie ist nunmehr nicht mehr notwendig. Im laufenden Betrieb darf innerhalb der vorgenannten Entfernungsgrenzen der Abstand zwischen den Systemen verändert werden, falls es nicht zu abrupt geschieht.
Das Pairing verbessert deutlich das Audio. Die Sprachverständlichkeit wird dadurch auf beiden Seiten erhöht. Die Grenze des empfundenen Halls wird auf ca. 6m verschoben.
Beim Video gibt es keine Änderung in der Darstellung des übertragenen Bildes. Eine leichte Verbesserung ergibt sich dadurch, dass der aktuelle Sprecher immer von jener Kamera aufgenommen wird, die näher an ihm positioniert ist.
Owl-App
Wie weiter oben schon erwähnt, bietet der Hersteller eine Reihe von Zusatzfunktionen an, die mittels einer App genutzt werden können.
Dazu muss man seine Kamera einmalig mittels einer E-Mail-Adresse registrieren. Die Anmeldung im WLAN ist nur per "Shared Key"-Verfahren möglich (WEP, WPA, WPA2 und ähnliches). RADIUS wird nicht unterstützt.
Die E-Mail-Adresse wird nicht auf Erreichbarkeit bzw. Korrektheit geprüft. Sie muss nur formalen Kriterien genügen (z.B. Vorhandensein eines "at"-Zeichens). Die eingegebene E-Mail-Adresse ist nachträglich nicht mehr änderbar und wird fest mit dem Gerät verknüpft. Sie wird auch benutzt, falls man Owl Nest benutzen möchte. Dort sind u.a. Nutzungsstatistiken (auf der Ebene der Metadaten) hinterlegt. Falls man die Angabe der E-Mail überspringt (was auch möglich ist), kann man dieses Weglassen später nicht mehr korrigieren. Damit wird auch der Zugriff auf Owl Nest versperrt.
Der größte Vorteil der Anmeldung liegt in den automatischen Softwareupdates der Kamera, die sie selbstständig vornimmt, wenn sie im "Heimatnetz" eingeloggt ist. Diese Updates können alternativ aber auch per Hand eingespielt werden.
In der App lässt sich u.a.:
- die Dreiteilung des Bildes aufheben, das obere Drittel mit der Gesamtansicht der 360°-Kamera kann dazu ausgeblendet werden;
- die Kamera steuern, einschließlich langsames Ein- und Auszoomen, was ein wenig Übung erfordert;
- die Geräuschreduzierung für Hintergrundgeräusche einstellen;
- ein sogenanntes "Doppelgespräch" (zwei Teilnehmer reden gleichzeitig) einzustellen, was letztlich eine Änderung der Echounterdrückung darstellt und vor der Nutzung ausprobiert werden sollte;
- eine "Ignorierzone" für die Kamera einstellen.
Ein Teil der getroffenen Einstellungen gilt nur für das aktuelle Meeting (Auswahl auf Seite 1 der App), die anderen bleiben permanent bestehen (Auswahl auf Seite 2 der App).
Datenschutz
Im Bereich des Datenschutzes gibt es große Kontroversen. Hier musste im Sommer 2022 sogar das BSI eingeschaltet werden, damit vorhandene Sicherheitslücken behoben werden.
Weder Bluetooth noch WLAN lassen sich am Gerät deaktivieren. Sie sind also immer aktiv, auch im laufenden Betrieb während einer Videokonferenz. Der Hersteller sichert zu, dass die Audio- und Videodaten nur zum angeschlossenen Rechner übertragen werden und nirgendwohin sonst.
Der Hersteller erfasst in jedem Fall statistische Angaben über Meetings, in denen das Gerät eingebunden wird (zum Beispiel Uhrzeit, Dauer, Anzahl der Gesprächspartner und Gesprächspausen). Diese Angaben sind für die Teilnehmer am Meeting nicht personenbeziehbar, können jedoch eventuell der Person zugeordnet werden, die das Gerät verwaltet.
Die PIN für die Sicherung der Owl-App ("Bluetooth-Passcode") wird nur in der App geprüft und nicht am Gerät selbst. Noch dazu existiert eine hart codierte General-PIN, die immer funktioniert, was in der Praxis - wenn auch mit einigem Aufwand - missbräuchlich genutzt werden kann.
Für die Erweiterung der Funktionalität hat der Hersteller einige Clouddienste bereit gestellt, deren Funktionsweise und Sicherheit noch nicht abschließend geklärt sind. Das sind z.B. share.owllabs.com bei der Whiteboard Owl (separat erhältliche Kamera für Whiteboardaufnahmen) und nest.owllabs.com zum Verwalten von mehreren Geräten.
Fazit
Der Einsatz der Meeting Owl 4 ist für alle PC-basierten Videokonferenztools schnell und unkompliziert. Sie ist für Meetings in kleineren Gruppen mit einer maximalen Entfernung von 5,5m gut geeignet. Durch eine Kopplung mit einem zweiten System kann die Reichweite etwas erhöht werden.
Gegenüber den hauseigenen Vorgängermodellen wurde die Audio- und Videokomponente verbessert, aber nicht so sehr, dass die deutliche Steigerung des Preises aus unserer Sicht gerechtfertigt wäre. Somit ist die Kamera nun die kostspieligste in ihrem Segment.
Vor einem Einsatz sollte außerdem auf jeden Fall die Problematik des Datenschutzes beachtet werden und ggf. mit den Richtlinien der Einrichtung abgeglichen werden.
(Stand 03/2025)