27.08.2026
Call for Papers: Bitte Platz nehmen. Entwürfe, Orte und Praktiken des Sitzens
Bitte Platz nehmen
Entwürfe, Orte und Praktiken des Sitzens
Call for Papers
Tagung am 5.–6. Februar 2027 in Weimar
Tagung an der Bauhaus-Universität Weimar (Fakultät Kunst und Gestaltung)
in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Dresden (Fakultät Architektur und Landschaft)
Für das Sitzen und seine Sitzgelegenheiten gilt, dass sie in unseren Kulturen zugleich an- und abwesend, zugleich thematisiert und ignoriert worden sind: In Disziplinen wie der Architektur, der Medizin oder dem Design werden sowohl die Sitzmöbel als auch deren Anordnungen, Materialitäten und Gestaltungen spätestens seit dem 19. Jahrhundert auf empirischer Grundlage immer wieder diskutiert, geplant und kritisiert. In den Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften dagegen sind das Sitzen, die Sitze und deren Sitzordnungen mit wenigen Ausnahmen kaum je beachtet worden. Weder theoretisch noch historisch hat man sich dort mit dieser ebenso spezifischen, wie ubiquitären und prägenden Kulturtechnik beschäftigt.
Die geplante Tagung will sich von solchen Einseitigkeiten und Schieflagen lösen, um mit interdisziplinärem Anspruch über Geschichte und Gegenwart der Entwürfe, Orte und Praktiken des Sitzens nachzudenken. Vor diesem Hintergrund sind Beiträge aus einem breiten Spektrum von Disziplinen erwünscht. Das Thema soll vor allem aus drei Richtungen beleuchtet werden:
Entwürfe des Sitzens: Stühle sind begehrte Designobjekte. Viele Architekt:innen der Moderne haben Sitzgelegenheiten entworfen, vom Hocker über den Klappstuhl bis zur Chaiselongue oder dem Sitzsack. Welche Disziplinen und Akteur:nnen waren an den Diskursen über Sitzmöbel beteiligt? Welche Konzepte lagen den Entwürfen zugrunde und welche anthropologischen, sozialen oder sogar politischen Implikationen haben sie materialisiert?
Orte des Sitzens: In dieser Sektion sollen Architekturen und Infrastrukturen aus unterschiedlichen Epochen analysiert werden: vom Kirchenraum über den Theatersaal, das Klassenzimmer und das Büro bis zu Fahrzeugsitzen, Gamingsessions oder der Essecke in der heimischen Küche. Wie prägen, fordern oder stören sitzende Tätigkeiten solche Räume, Plätze oder Einrichtungen?
Praktiken des Sitzens: Sitzen ist eine kulturell geprägte Körpertechnik. Menschen sitzen in ganz unterschiedlichen Haltungen, und nicht immer auf speziell dafür hergestelltem Mobiliar. Zu verschiedenen Zeiten sitzt und saß man zu den verschiedensten Zwecken und Gelegenheiten. Welche Konventionen, Routinen, Erwartungen oder Widerstände des Sitzens haben unsere Sitzkulturen geprägt?
Wir freuen uns über Vorschläge aus der Architektur-, Design- und Medientheorie ebenso wie über medizinische, pädagogische, philosophische oder soziologische Einreichungen. Dabei kann es sich gerne um historische und zeitgenössische Überlegungen handeln, die als systematische oder fallbezogene Vorträge konzipiert sind.
Um die Einsendung von Themenvorschlägen inkl. eines Abstracts (max. 2000 Zeichen) und einer Kurzbiographie wird bis zum 5. Oktober 2026 gebeten.
Der CfP richtet sich an Nachwuchswissenschaftler:innen und etablierte Forscher:innen mit fortgeschrittenen Arbeiten oder work-in progress-Konzeptionen zum Thema. Geplant sind Vorträge von 20 Minuten mit anschließender Diskussion. Eine Publikation der Tagungsbeiträge ist nicht ausgeschlossen.