Baugeschichte und Architekturtheorie
Architektur ist eine grundlegende Kulturtechnik. In baulichen Strukturen einer Gesellschaft manifestieren sich kulturelle Werte und soziale Praktiken, gleichzeitig prägen die überlieferten Bauten das Leben jedes einzelnen Menschen in der Gegenwart. Die Architekturgeschichte ist selten „nur“ Geschichte.
Die Baugeschichte widmet sich dem Wandel von ästhetischen Erscheinungsformen und Bautechniken sowie der Entwicklung unterschiedlicher Bautypen. Forschungsgegenstand sind sowohl konkrete bauliche Strukturen als auch die Architektur in ihrem konzeptuellen Gehalt. Dabei gehen wir über die Betrachtung von Monumentalarchitektur hinaus und schließen auch das Alltägliche sowie Zweckbauten mit ein. Der Maßstab reicht dabei vom Möbel bis zum Städtebau, wobei die Forschungsschwerpunkte der Professur im 19. bis 21. Jahrhundert liegen.
Ergänzt wird diese Perspektive durch ein systematisches Nachdenken über Architektur. Im Gegensatz zur Architekturgeschichte ist die Architekturtheorie normativ. Da die Architekturtheorie ihre Wurzeln in der Kunsttheorie hat, liegt ihr Hauptaugenmerk traditionell auf der Ästhetik. Über Werte nachzudenken, ist aber auch in ethischer Hinsicht relevant, denn Bauen ist ressourcenintensiv und verändert die Umwelt dauerhaft. Wir reflektieren Vorbedingungen des Bauens, dazu AkteurInnen und Produktionsprozesse bis hin zu Nutzungsfragen und ökologischen Auswirkungen gebauter Strukturen.
Am Lehrstuhl Baugeschichte und Architekturtheorie wird Grundlagenforschung betrieben. In disziplinübergreifender Perspektive konzeptualisieren wir Architekturphänomene zwischen kulturellen, sozialen, technischen und ökonomischen Diskursen. Wir schaffen damit Grundlagen für eine kritische Reflexion der architektonischen Praxis sowie für die Erhaltung und verantwortungsvolle Weiterentwicklung des baukulturellen Erbes.
(Sonja Hnilica, im November 2025)