23.09.2026
Aktives Dämm-Heiz und Kühlsystem aus der Forschung in die Praxis
Energiekonzept mit AktivDHKS - Schematische Darstellung
Vorstellung der Forschungsergebnisse am Demonstrator in Dresden-Cotta
Am 14. September 2026 hat das Institut für Bauklimatik der TU Dresden die Ergebnisse des Forschungsprojekts AktivDHKS vorgestellt – nicht im Hörsaal, sondern direkt am Demonstratorgebäude in der Alfred-Schmieder-Straße 7 in Dresden-Cotta. Rund 50 Gäste aus Wohnungswirtschaft, Politik, Verwaltung, Bauwesen und Wissenschaft nutzten die Gelegenheit, das System dort zu sehen, wo es gerade entsteht.
Der deutsche Gebäudebestand wird zu langsam saniert. Nur rund 0,7 Prozent der Wohngebäude werden pro Jahr energetisch modernisiert. Um die Klimaziele zu erreichen, wäre fast das Dreifache nötig. Ein Grund für diese Lücke ist der Aufwand für alle Beteiligten: Eine Sanierung ist häufig mit einem Auszug verbunden, was Mieterinnen, Mieter und Eigentümer gleichermaßen belastet. Genau hier setzt das Verbundvorhaben AktivDHKS an, das ein System für die Sanierung von außen entwickelt hat.
Bei diesem System wird eine wasserdurchflossene Kapillarrohrmatte zusammen mit einer Wärmedämmung und einem Putzsystem auf die vorhandene Außenwand aufgebracht. Befestigt wird der Aufbau rein mechanisch mit einem eigens entwickelten Spezialdübel, ganz ohne Kleber. Die Bestandswand wird dadurch zur Heiz- und Kühlfläche, zugleich wird ihre Speichermasse thermisch aktiviert. Daher der Name AktivDHKS: aktives Dämm-, Heiz- und Kühlsystem. Versorgt wird das System über eine Wärmepumpe – am Demonstrator eine Sole-Wasser-Wärmepumpe –, die sich optional mit Photovoltaik kombinieren lässt. Weil die Fassade die Wärme aufnimmt und zeitversetzt wieder abgibt, können die vorhandenen Heizkörper im Gebäude bleiben und mit niedriger Vorlauftemperatur arbeiten. Im Sommer läuft dieselbe Schicht im Kühlbetrieb, eine zusätzliche Kälteanlage wird nicht gebraucht. Und weil nichts verklebt ist, lässt sich der gesamte Aufbau später wieder sortenrein zurückbauen.
Nach der Begrüßung durch Institutsleiter Prof. John Grunewald und Katja Tribulowski stellten sich die Projektpartner kurz vor: BauProjekt Dresden, IGC, Fischer, Clina, TragWerk, WiD und Sto schilderten jeweils in wenigen Sätzen, was sie zum Vorhaben beigetragen haben. Anschließend führte Dirk Weiß durch die Forschungsergebnisse am Modell. Deutlich wurde dabei, wie eng Labor, Gebäudesimulation und Demonstrator zusammenspielen: Das Labor liefert die Validierung, die Simulation die bauphysikalischen Voruntersuchungen und die Regelungsstrategie, und das Gebäude in Dresden-Cotta zeigt, dass sich das System unter realen Bedingungen ausführen lässt.
Anschließend führte das Team die Montage an der Giebelseite vor – der letzten Fläche, die noch nicht fertiggestellt ist. Hier ließen sich der Wandaufbau und die Montage in Ruhe betrachten, und es entwickelten sich Gespräche, wie sie in einem Vortragssaal kaum entstehen: über Details der Befestigung, über die Abläufe auf der Baustelle, über Kosten und über die Frage, für welche Gebäudetypen sich das System besonders eignet. Beim gemeinsamen Ausklang wurden diese Gespräche fortgesetzt – bei sonnigem Wetter und in entspannter Runde.
Ein besonderer Dank gilt dem Bauherrenteam, das sein Bauvorhaben in das Forschungsprojekt eingebracht und damit den Demonstrator überhaupt erst möglich gemacht hat. Ebenso danken wir dem Fördermittelgeber und allen Gästen für ihr Interesse und die anregenden Diskussionen.
Die Simulationen sagen voraus, dass die aktivierte Wand in den Übergangszeiten bis zu 80 Prozent der Heizwärme übernimmt und für mehrere Tage ohne Nachheizung funktioniert, beispielsweise zur Überbrückung von Dunkelflauten oder Spitzenauslastungen im Netz. Trotz höhrerer Transmissionswärmeverluste wird laut Simulation eine Stromeinsparung von 25 % erreicht. Man verschwendet also intelligent Energie und beseitigt gleichzeitig bauphysikalische Probleme wie Schimmelrisiko oder Algenwachstum. Ob sich dieses Verhalten am realen Gebäude bestätigt, wie stark der Speichereffekt den Betrieb der Wärmepumpe entlastet und wie viel Geld sich damit einsparen lässt, werden die Messdaten der kommenden Monate zeigen.
Das Verbundvorhaben AktivDHKS wird im Rahmen des 7. Energieforschungsprogramms der Bundesregierung gefördert.
Hier finden Sie ein Link zur Präsentation vom Termin.
Bildergalerie
Projektkonsortium am Demonstrator © Henke, Luisa
Vortrag von Dirk Weiß und Katja Tribulowski © Henke, Luisa
Modell des AktivDHKS zur Besichtigung während der Veranstaltung © Henke, Luisa
Fachlicher Austausch während des Pressetermins © Henke, Luisa
Weiterer fachlicher Expertenaustausch © Henke, Luisa
Ansicht der Giebelseite mit dem installierten AktivDHKS © Henke, Luisa
Detaillansicht der Giebelseite mit Gerüstanker (grün), Kapillarorrohrmatte, Dübelunterteller und monierten Mineralwolle-Dämmsystem © Henke, Luisa
Thomas Gröschke bei der Live-Vorführung der Installation des AktivDHKS am Demonstrator © Henke, Luisa
Egal wie beschäftigt du bist, es ist immer Zeit für eine Tasse Kaffee. © Henke, Luisa