Lehre
Das Entwurfsstudio „For Example“ gestaltet fünf Jahre lang aktiv die Entstehung des sozial-ökologischen Kollektivbauprojektes V29 (www.v29.org) in Leipzig mit. Das Studio verbindet praktisches Arbeiten, angewandtes Entwerfen und entwurfsbasierte Forschung.
Im Wintersemester 2026/27 (Season 1) beginnen wir in einer baupraktischen Woche mit dem Material, bevor es zum Bauteil wird: Wir bergen Mauerwerksziegel aus einem zerfallenen Gebäude nahe Leipzig, sägen Laubschwachholz aus dem Staatsbetrieb Sachsenforst und legen Fundamente frei, die bereits im Boden des Grundstücks stecken. Diese Arbeit ist zugleich der Beginn des Entwerfens: Was wir finden, anfassen, herstellen und verstehen, wandert in Zeichnungen, große Modelle und 1:1-Versuche – und von dort zurück zum Haus. In Zweiergruppen verfolgen wir einzelne Fragen mit großer Genauigkeit: Wie könnte V29 im Erdreich stehen? Was für Räume entstehen aus Decken, die mit „krummen“ Eichenstämmen gebaut werden? Wie lassen sich Stroh, Lehm, Kalk und Hanf zu einer Wand fügen? Jeder dieser Ausschnitte wird zum Ausgangspunkt eines Entwurfs, in dem Konstruktion, Gestalt, Ressourcen, Menschen, Kosten und Regeln zusammenkommen. „For Example“ richtet sich an Studierende, die Architektur baupraktisch, im Entwurf und im Denken erkunden wollen - und keine Scheu davor haben, sich an den Herausforderungen der Realität zu reiben.
Module AD810 Hauptentwurf, AD911 Vertiefungsentwurf, Beginn: 05.10.2026, Bauwoche in Leipzig: 05.10.-09.10.2026
Als Fortsetzung der Grundlagen des Entwerfens richtet der Kleine Entwurf den Blick auf die Praktiken, die Growing a House beleben. Wohnen wird dabei als etwas verstanden, das täglich hergestellt wird: durch Arbeit und Sorge, durch Routinen, Dinge, Körper und ihre Beziehungen. Mit diesen Praktiken bewegen sich auch Stoffe und Ressourcen durch das Haus und über seine Grenzen hinweg. Wir untersuchen in unseren Modellen und Zeichnungen, wo diese Praktiken stattfinden, wie sie sich räumlich ausbreiten und welche gesellschaftlichen Ordnungen und Stoffströme sich darin materialisieren. Was geschieht innerhalb des Hauses, was außerhalb, was allein, was gemeinsam, was sichtbar und was im Hintergrund? Aus diesen Beobachtungen entwickeln wir andere räumliche Konstellationen und erproben, wie veränderte Praktiken auch andere Formen des Zusammenlebens hervorbringen können. Das Haus wird damit zum Ausschnitt eines größeren räumlichen, stofflichen und gesellschaftlichen Gefüges.
Modul AD210, Kleiner Entwurf, Beginn: 21.07.2026
Growing a House beginnt mit dem Versuch, beim Entwerfen die Distanz zu verlieren: zu Materialien und ihren Herkünften, zu Boden und Klima, zu den Werkzeugen, mit denen wir unsere Umwelt verändern, zu zeitlichen Veränderungen. Deshalb beginnen wir mit einem Stück Wirklichkeit – in einem „Eimer“: Erde, Wurzeln und ein lebendes Gehölz. Darin entsteht über das Semester Stück für Stück ein Hausfragment aus Fundament, Wand, Dach und Fassade. Das Modell ist dabei eine kontinuierliche Baustelle - als Ort, an dem Entscheidungen Form annehmen, Widerstand erfahren und weiterbearbeitet werden. Serien von Fotografien fixieren einzelne Momente dieses fortlaufenden Prozesses. Zeichnungen lösen sich vom Maßstab und vom gegenwärtigen Zustand des Modells: Sie können sichtbar machen, was verborgen ist, und vorwegnehmen, was noch kommen könnte. Zwischen Bauen, Fotografieren und Zeichnen entsteht ein Entwurfsprozess, der fortwährend zwischen Wirklichkeit, Beobachtung und Vorstellung wechselt.
Modul AD110, Grundlagen des Entwerfens, Beginn: 15.04.2026
Die Vorlesungsreihe Grundlagen des Entwerfens verzichtet auf den sicheren Standpunkt des Überblicks. In einer unübersichtlichen Welt beginnt sie bewusst mit dem Fragmentarischen. Wir lesen konkrete architektonische „Einzelfälle“ als Spuren und bleiben lange genug bei ihnen, bis ihre scheinbare Eindeutigkeit verloren geht. Aus der Nähe treten Verbindungen hervor, die im Überblick leicht verschwinden: zwischen dem Gebauten und den materiellen, ökologischen, politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen, aus denen es hervorgeht. Der einzelne Fall wird so zu einem Ort, an dem große Zusammenhänge konkrete materielle und räumliche Form annehmen – und zugleich höchst widersprüchlich werden können. Die Vorlesungen interessieren sich für diese unbequemen Momente. Sie bringen vertraute Erklärungen ins Wanken und setzen auch die eigenen Überzeugungen der Prüfung aus. Darin liegt zugleich ihr Optimismus: Was als bedingt und widersprüchlich sichtbar wird, lässt sich neu befragen – und weiterentwerfen.
Modul AD110, Grundlagen des Entwerfens, Beginn: 15.04.2026