Simone und Lucien Kroll
Das Seminar Gebäudedokumentation widmet sich der Dokumentation und Analyse der Bauwerke von Simone (1928) und Lucien (1927-2002) Kroll. Beide vertraten, lehrten und verwirklichten eine Architekturhaltung, die dem Menschen zugewandt, unkonventionell und frei von Selbstgefälligkeit war.
1957 gründeten Simone und Lucien in Brüssel das „Atelier d’Urbanisme, d’Architecture et d’Informatique“. Die zwei belgischen Architekten nahmen fortan mit ihrem partizipativen und unkonventionellen Ansatz eine einzigartige Position innerhalb der Architektur des 20. Jahrhunderts ein. Statt starre Gestaltungsprinzipien zu verfolgen, setzten sie auf Dialog, Vielfalt und die aktive Einbindung der Nutzerinnen und Nutzer. Ihr bekanntestes Projekt, das Studentenwohnheim „La Mémé“ in Brüssel, entstand Ende der 1960er-Jahre in enger Zusammenarbeit mit Studierenden und steht exemplarisch für ihre Haltung. Entstanden ist ein scheinbar wild zusammengewürfeltes, dabei aber fröhliches und hoch funktionales Ensemble, das seiner Zeit in Bezug auf Mitgestaltung, Nutzung und Wandelbarkeit weit voraus war.
Die Krolls wandten sich bewusst gegen den „Starkult“ der Moderne und hinterfragten dominante Formen wie den rechten Winkel, ohne dabei technologische Entwicklungen auszuschließen. Auch ihre späteren Arbeiten, etwa in Hellersdorf oder Marne-la-Vallée, blieben diesem partizipativen Ethos verpflichtet.
Ziel des Seminars ist es, das Werk dieser beiden wenig bekannten, aber einflussreichen belgischen Architekten sichtbar zu machen – ein Werk, das sich nicht nur durch soziale und partizipative, sondern auch durch außergewöhnliche materielle und tektonische Qualitäten auszeichnet und in seinem geografischen, historischen und kulturellen Kontext bemerkenswert ist.
Die Dokumentation ihrer Bauten ist folglich aus architekturhistorischer Sicht wertvoll, aber auch von aktueller Relevanz, da viele dieser Gebäude mittlerweile Sanierungsbedarf aufweisen oder sogar vom Abriss bedroht sind. Das Werk des Ehepaars Kroll steht für eine andere Moderne, eine, die nicht von formaler Strenge, sondern von sozialer Verantwortung, ökologischer Sensibilität und menschlicher Nähe geprägt ist.
Ihre Werke verdienen es, erforscht, dokumentiert und erhalten zu werden, da sie ein bedeutendes Kapitel der belgischen Architekturgeschichte darstellen.
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