27.02.2026
#FactFriday: Bechdel-Test
Bechdel Test
Was ist der Bechdel-Test?
Der Bechdel-Test ist ein einfaches Werkzeug, um die Darstellung von Frauen in Filmen, Serien oder anderen Medien zu hinterfragen. Er prüft anhand von drei grundlegenden Kriterien, ob weibliche Figuren mehr sind als bloße Nebenrollen: Erstens müssen mindestens zwei Frauen mit Namen vorkommen, zweitens müssen sie miteinander sprechen, und drittens muss sich ihr Gespräch um etwas anderes drehen als um einen Mann. Auch wenn der Test keine Aussage über die Qualität oder feministische Haltung eines Werks trifft, macht er sichtbar, wie häufig Frauen in Geschichten unterrepräsentiert sind oder nur in Bezug auf Männer dargestellt werden. Gerade wegen seiner Einfachheit hat sich der Bechdel-Test zu einem bekannten Ausgangspunkt für Diskussionen über Geschlechterrollen und Gleichberechtigung in den Medien entwickelt.
Woher kommt der Bechdel-Test?
Der Bechdel-Test geht auf die US-amerikanische Comiczeichnerin Alison Bechdel zurück. Er wurde erstmals 1985 in ihrem Comicstrip Dykes to Watch Out For erwähnt. In einer kurzen Szene erklärt eine Figur scherzhaft ihre persönliche Regel für Kinobesuche: Sie schaue nur Filme, in denen mindestens zwei Frauen vorkommen, die miteinander über etwas anderes als einen Mann sprechen. Diese humorvolle Beobachtung griff ein weitverbreitetes Problem der Filmindustrie auf und traf einen Nerv. Obwohl der Test ursprünglich nicht als wissenschaftliches Instrument gedacht war, verbreitete sich die Idee schnell über den Comic hinaus. Mit der Zeit wurde der Bechdel-Test zu einem festen Begriff in der Film- und Medienkritik und dient bis heute als Ausgangspunkt, um über die Repräsentation von Frauen und strukturelle Ungleichheiten in erzählerischen Medien zu diskutieren.
Bedeutung des Bechdel-Tests?
Die Auseinandersetzung mit dem Bechdel-Test ist wichtig, weil Medien einen großen Einfluss darauf haben, wie gesellschaftliche Rollenbilder wahrgenommen und weitergegeben werden. Filme und Serien prägen Vorstellungen davon, wer handelt, wer spricht und wessen Geschichten erzählenswert sind. Wenn Frauen darin kaum eigenständige Rollen einnehmen oder hauptsächlich in Beziehung zu männlichen Figuren dargestellt werden, verstärken sich bestehende Ungleichheiten und stereotype Bilder. Der Bechdel-Test macht diese Muster auf einfache Weise sichtbar und regt dazu an, genauer hinzuschauen, auch wenn er selbst nur einen ersten Anhaltspunkt bietet.
Heute wird der Bechdel-Test häufig als Teil einer breiteren Debatte über Diversität und Repräsentation verstanden. Viele Filmschaffende, Produktionsfirmen und Streaming-Plattformen achten zunehmend bewusst auf vielfältigere Figuren und Perspektiven. Gleichzeitig wird der Test auch kritisch reflektiert: Er wird ergänzt durch weitere Kriterien und Tests, die etwa die Darstellung von LGBTQ+-Personen, People of Color oder nicht-stereotype Rollenbilder berücksichtigen. So dient der Bechdel-Test heute weniger als endgültiges Urteil, sondern vielmehr als Ausgangspunkt für einen bewussteren und differenzierteren Umgang mit Gleichberechtigung und Vielfalt in den Medien.
Welche Filme bestehen den Bechdel-Test nicht?
Bekannte Filme
- Der Herr der Ringe (Trilogie)
- Star Wars: Episode IV
- Inception
- The Social Network
- Pulp Fiction
- Fight Club
- Toy Story
- Avatar (2009)
Bekannte Serien
- Breaking Bad
- Sherlock (BBC)
- House of Cards
- Game of Thrones (frühe Staffeln) –(Besteht teils den Test, viele Episoden jedoch nicht)
- Mad Men
Wichtig zu beachten
Ein Nicht-Bestehen des Bechdel-Tests bedeutet nicht, dass ein Film oder eine Serie schlecht, antifeministisch oder unbedeutend ist. Viele dieser Werke gelten als Meilensteine der Film- und Fernsehgeschichte. Die Liste zeigt vielmehr, wie stark Geschichten lange Zeit auf männliche Perspektiven ausgerichtet waren.
Welche Filme bestehen den Bechdel-Test?
Bekannte Filme
- Little Women
- Frozen – Die Eiskönigin
- Hidden Figures
- Bridesmaids
- Barbie (2023)
- Lady Bird
- Mean Girls
- Black Swan
- Mulan
- Die Tribute von Panem
Bekannte Serien
- Orange Is the New Black
- Sex and the City
- The Handmaid’s Tale
- Gilmore Girls
- Fleabag
- Grey’s Anatomy
Ergänzender Hinweis
Auch Werke, die den Bechdel-Test bestehen, können stereotype oder problematische Darstellungen enthalten. Umgekehrt können Produktionen, die den Test nicht bestehen, dennoch komplexe und starke Frauenfiguren zeigen. Deshalb wird der Bechdel-Test heute meist als Einstieg in eine größere Diskussion über Repräsentation verstanden.
Fazit
Abschließend zeigt der Bechdel-Test auf einfache, aber wirkungsvolle Weise, wie Frauen in Filmen und Serien dargestellt werden. Er macht sichtbar, dass selbst viele bekannte und erfolgreiche Produktionen Schwierigkeiten haben, weiblichen Figuren ausreichend Raum für eigenständige Geschichten zu geben. Gleichzeitig ist der Test kein endgültiges Urteil über Qualität oder Gleichberechtigung, sondern vielmehr ein Ausgangspunkt für Reflexion und Diskussion. In einer Zeit, in der Vielfalt und Repräsentation zunehmend an Bedeutung gewinnen, hilft der Bechdel-Test dabei, Medien bewusster zu konsumieren und kritisch zu hinterfragen, wessen Perspektiven erzählt werden – und wessen noch immer zu wenig.
Quellen (15.01.2026):
[1] https://www.backstage.com/magazine/article/what-is-the-bechdel-test-75534/
[2] https://www.dictionary.com/culture/gender-sexuality/bechdel-test