May 09, 2026
#FactFriday: Beziehungen
Beziehungen
Beziehungen und Warum Männer mehr davon profitieren
Einleitung
In der öffentlichen Wahrnehmung gelten romantische Beziehungen und insbesondere die Ehe häufig als gleichermaßen vorteilhaft für beide Partner. Bei näherer Betrachtung empirischer Forschung aus Soziologie, Psychologie, Gesundheits- und Wirtschaftswissenschaften zeigt sich jedoch ein differenzierteres Bild. Eine wachsende Zahl von Studien deutet darauf hin, dass Männer im Durchschnitt stärker von heterosexuellen Partnerschaften profitieren als Frauen. Diese Vorteile zeigen sich vor allem in den Bereichen Gesundheit, emotionale Unterstützung, Alltagserleichterung sowie berufliche Stabilität. Für Frauen fallen die Effekte deutlich schwächer aus und können unter bestimmten Bedingungen sogar negativ sein. Wir wollen uns das mal genauer ansehen.
Disclaimer. Beziehungen sind sehr individuell und müssen nicht den Daten entsprechen.
Gesundheit & Lebenserwartung
Zahlreiche Studien belegen, dass Männer in festen Partnerschaften – insbesondere in der Ehe – signifikante gesundheitliche Vorteile aufweisen. Verheiratete Männer haben im Durchschnitt eine höhere Lebenserwartung, ein geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Wang et al. zeigen und eine niedrigere Suizidrate als unverheiratete oder geschiedene Männer. Zudem zeigen sie weniger gesundheitsriskantes Verhalten, etwa im Bereich Alkohol- oder Drogenkonsum.
Für Frauen sind diese Effekte deutlich schwächer oder teilweise nicht nachweisbar, wie auch Floud et al. berichten. Einige Studien kommen sogar zu dem Ergebnis, dass verheiratete Frauen ähnlich gesund oder gesundheitlich belasteter sind als ledige Frauen. In der Forschung wird dies unter anderem darauf zurückgeführt, dass Männer stärker von der gesundheitsfördernden Kontrolle und Fürsorge ihrer Partnerinnen profitieren, wie in der Harvard Men’s Health Watch beschrieben, während Frauen in Beziehungen häufiger zusätzliche Belastungen übernehmen, etwa durch emotionale Betreuung, Haushaltsorganisation und Pflegearbeit.
Haushalt, Mental Load & Emotionale Arbeit
Zahlreiche Studien belegen, dass Männer in festen Partnerschaften – insbesondere in der Ehe – signifikante gesundheitliche Vorteile aufweisen. Verheiratete Männer haben im Durchschnitt eine höhere Lebenserwartung, ein geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Wang et al. zeigt und eine niedrigere Suizidrate als unverheiratete oder geschiedene Männer. Zudem zeigen sie weniger gesundheitsriskantes Verhalten, etwa im Bereich Alkohol- oder Drogenkonsum.
Für Frauen sind diese Effekte deutlich schwächer oder teilweise nicht nachweisbar, wie auch Floud et al. berichten. Einige Studien kommen sogar zu dem Ergebnis, dass verheiratete Frauen ähnlich gesund oder gesundheitlich belasteter sind als ledige Frauen. In der Forschung wird dies unter anderem darauf zurückgeführt, dass Männer stärker von der gesundheitsfördernden Kontrolle und Fürsorge ihrer Partnerinnen profitieren, wie in der Harvard Men’s Health Watch beschrieben, während Frauen in Beziehungen häufiger zusätzliche Belastungen übernehmen, etwa durch emotionale Betreuung, Haushaltsorganisation und Pflegearbeit.
Karriere & Einkommenseffekte
Auch im beruflichen Kontext lassen sich geschlechtsspezifische Unterschiede in den Effekten von Partnerschaft und Ehe nachweisen. Verheiratete Männer verdienen im Durchschnitt mehr als unverheiratete Männer und werden von Arbeitgebern häufiger als zuverlässig, stabil und leistungsfähig eingeschätzt. Dieser sogenannte „Marriage Premium“ ist in vielen westlichen Ländern gut dokumentiert und zum Beispiel von Pollmann-Schult beschrieben.
Für Frauen zeigt sich der gegenteilige Effekt: Verheiratete Frauen und insbesondere Mütter verdienen im Schnitt weniger als kinderlose oder ledige Frauen. Ursachen sind unter anderem reduzierte Arbeitszeiten, Karriereunterbrechungen sowie strukturelle Benachteiligungen im Kontext von Schwangerschaft und Elternschaft.
Während Partnerschaft die berufliche Entwicklung von Männern häufig stabilisiert oder fördert, wirkt sie sich auf die Karriere von Frauen tendenziell negativ aus.
Trennungen & Beziehungsdynamik
Ein weiterer relevanter Befund betrifft das Erleben von Trennungen. Nach Beziehungsenden berichten Männer häufiger von Einsamkeit, emotionaler Destabilisierung und einem schlechter funktionierenden Alltag, wie Robards et al. erforschten. Frauen sind zwar häufiger finanziell benachteiligt, berichten jedoch vergleichsweise öfter von emotionaler Erleichterung und gesteigertem Wohlbefinden.
Auffällig ist zudem, dass Frauen Trennungen häufiger initiieren. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass diese Entscheidungen in der Regel nicht spontan, sondern nach längerer Unzufriedenheit erfolgen. Dies legt nahe, dass Frauen in bestehenden Beziehungen häufiger Belastungen über längere Zeit tolerieren, während Männer den Nutzen der Beziehung stärker wahrnehmen und erst nach deren Ende realisieren.
Einordnungen & Einschränkungen
Die dargestellten Befunde beschreiben statistische Durchschnittswerte und dürfen nicht auf individuelle Beziehungen verallgemeinert werden. Gleichberechtigte Partnerschaften mit fair verteilter Care-Arbeit, bewusster Kommunikation und gegenseitiger Verantwortungsübernahme zeigen deutliche Vorteile für beide Partner. Der empirisch beobachtete Vorteil für Männer entsteht vor allem in traditionellen oder unreflektierten Beziehungsmustern.
Damit ist die Beziehungsdynamik nicht biologisch determiniert, sondern sozial erklärbar. Wo Rollenerwartungen aufgebrochen, unbezahlte Arbeit sichtbar gemacht und Verantwortung gleichmäßiger verteilt wird, gleichen sich auch die Effekte von Beziehungen auf das Wohlbefinden von Frauen und Männern an.
Handlungsempfehlungen
Individuelle Handlungsempfehlungen
- Aufgaben, Mental Load und emotionale Verantwortung in Beziehungen regelmäßig explizit benennen und neu aushandeln
- Berufs- und Care-Entscheidungen vor und nach wichtigen Lebensereignissen (Heirat, Kinder) planen
- Eigene finanzielle Unabhängigkeit aktiv absichern
- Emotionale Arbeit und Fürsorge nicht als selbstverständlich, sondern als gleichwertige Beziehungsleistung behandeln
- Soziale Netzwerke außerhalb der Partnerschaft bewusst pflegen, um Abhängigkeiten zu reduzieren
Gesellschaftliche Handlungsempfehlungen
- Care-Arbeit (Kinderbetreuung, Pflege, Organisation) strukturell aufwerten und gerechter verteilen
- Steuer- und Sozialsysteme reformieren, die traditionelle Rollenverteilungen finanziell belohnen
- Gleichberechtigte Elternzeitmodelle mit verbindlichen Anteilen für beide Partner stärken
- Mentale und emotionale Arbeit in Forschung, Bildung und Arbeitswelt systematisch sichtbar machen
- Geschlechterrollen in Partnerschaften frühzeitig in Bildung und Öffentlichkeit reflektieren und aufbrechen
Fazit
Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Männer in heterosexuellen Beziehungen im Durchschnitt stärker profitieren als Frauen, insbesondere in den Bereichen Gesundheit, emotionale Stabilität und berufliche Entwicklung. Frauen tragen hingegen häufiger zusätzliche Belastungen durch Hausarbeit, Mental Load und Care-Arbeit. Diese Unterschiede sind weniger auf die Partnerschaft selbst als auf ihre ungleiche Ausgestaltung zurückzuführen.
Die Befunde zeigen jedoch auch, dass Beziehungen für beide Partner gewinnbringend sein können, wenn Verantwortung, emotionale Arbeit und berufliche Nachteile fair verteilt werden. Neben individueller Reflexion und klarer Aufgabenverteilung sind dafür unterstützende gesellschaftliche Rahmenbedingungen notwendig, etwa durch bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die Aufwertung unbezahlter Care-Arbeit.
Quellen
[1] Wang Y, Jiao Y, Nie J, O'Neil A, Huang W, Zhang L, Han J, Liu H, Zhu Y, Yu C, Woodward M. Sex differences in the association between marital status and the risk of cardiovascular, cancer, and all-cause mortality: a systematic review and meta-analysis of 7,881,040 individuals. Glob Health Res Policy. 2020 Feb 28;5:4. doi: 10.1186/s41256-020-00133-8. PMID: 32161813; PMCID: PMC7047380.
[2] Floud, S., Balkwill, A., Canoy, D. et al. Marital status and ischemic heart disease incidence and mortality in women: a large prospective study. BMC Med 12, 42 (2014). https://doi.org/10.1186/1741-7015-12-42
[3] Robards J, Evandrou M, Falkingham J, Vlachantoni A. Marital status, health and mortality. Maturitas. 2012 Dec;73(4):295-9. doi: 10.1016/j.maturitas.2012.08.007. Epub 2012 Sep 21. PMID: 23007006; PMCID: PMC3635122.
[4] Harvard Men’s Health Watch, “Marriage And Men’s Health,” July 2010, accessed at www.health.harvard.edu/newsletters/Harvard_Mens_Health_Watch/2010/July/marriage-and-mens-health?utm_source=mens&utm_medium=pressrelease&utm_campaign=mens0710, on July 19, 2010.
[5] Reich-Stiebert N, Froehlich L, Voltmer JB. Gendered Mental Labor: A Systematic Literature Review on the Cognitive Dimension of Unpaid Work Within the Household and Childcare. Sex Roles. 2023;88(11-12):475-494. doi: 10.1007/s11199-023-01362-0. Epub 2023 Apr 29. PMID: 37283733; PMCID: PMC10148620.
[6] Matthias Pollmann-Schult, Marriage and Earnings: Why Do Married Men Earn More than Single Men?, European Sociological Review, Volume 27, Issue 2, April 2011, Pages 147–163, https://doi.org/10.1093/esr/jcp065
[8] Wong CW, Kwok CS, Narain A, Gulati M, Mihalidou AS, Wu P, Alasnag M, Myint PK, Mamas MA. Marital status and risk of cardiovascular diseases: a systematic review and meta-analysis. Heart. 2018 Dec;104(23):1937-1948. doi: 10.1136/heartjnl-2018-313005. Epub 2018 Jun 19. Erratum in: Heart. 2019 Jul;105(14):e5. doi: 10.1136/heartjnl-2018-313005corr1. PMID: 29921571.
[9] Wong CW, Kwok CS, Narain A, Gulati M, Mihalidou AS, Wu P, Alasnag M, Myint PK, Mamas MA. Marital status and risk of cardiovascular diseases: a systematic review and meta-analysis. Heart. 2018 Dec;104(23):1937-1948. doi: 10.1136/heartjnl-2018-313005. Epub 2018 Jun 19. Erratum in: Heart. 2019 Jul;105(14):e5. doi: 10.1136/heartjnl-2018-313005corr1. PMID: 29921571.