27.03.2026
#FactFriday: Endometriose
Endometriose
Was ist Endometriose?
Endometriose ist eine chronische Erkrankung, bei der gebärmutterähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter wächst – zum Beispiel im Bauchraum oder an den Eierstöcken. Sie betrifft etwa jede 10. menstruierende Person und ist damit keine seltene Erkrankung. Typische Symptome sind starke Regelschmerzen, chronische Unterbauch- oder Rückenschmerzen, Schmerzen beim Sex, Erschöpfung sowie ein unerfüllter Kinderwunsch. Die Beschwerden können sehr unterschiedlich sein und stehen nicht immer im Verhältnis zum Ausmaß der Erkrankung. Viele Betroffene warten jahrelang auf eine Diagnose, weil Schmerzen als „normal“ abgetan werden. Doch das ist wichtig zu wissen: Starke oder einschränkende Schmerzen sind nicht normal. Endometriose ist zwar nicht heilbar, aber behandelbar. Eine frühzeitige Diagnose und individuelle Therapie können die Lebensqualität deutlich verbessern.
Wie entsteht Endometriose?
Die genaue Ursache ist bis heute nicht vollständig geklärt. Wissenschaftler*innen gehen davon aus, dass mehrere Faktoren zusammenwirken. Eine wichtige Theorie ist die retrograde Menstruation: Dabei gelangt während der Periode Menstruationsblut über die Eileiter in den Bauchraum. Bei manchen Menschen werden diese Zellen nicht ausreichend vom Immunsystem abgebaut, können sich festsetzen und weiterwachsen.
Auch hormonelle Einflüsse spielen eine große Rolle, da Endometriose stark östrogenabhängig ist. Zusätzlich zeigen Studien, dass die Erkrankung familiär gehäuft auftritt, was auf eine genetische Veranlagung hinweist. Vermutlich tragen außerdem Fehlreaktionen des Immunsystems, chronische Entzündungen und Umweltfaktoren zur Entstehung bei.
Wichtig ist:
- Endometriose ist keine Folge von Stress oder falschem Verhalten
- Die Schmerzen sind real und körperlich erklärbar
Endometriose & Wissenschaftliche Studien
Die Studie “A qualitative study of the impact of endometriosis on male partners” untersucht, wie Männer emotional und praktisch betroffen sind, deren Partnerin Endometriose hat. Dafür wurden in Großbritannien 22 Paare befragt, bei denen die betroffene Person per Bauchspiegelung diagnostiziert wurde. Die Männer berichteten, dass die Erkrankung viele Lebensbereiche beeinflusst – etwa Sexualität und Intimität, Familienplanung, Alltag, Arbeit, Haushalt und Emotionen wie Hilflosigkeit, Frustration oder Sorge. Die Autor:innen stellen fest, dass männliche Partner oft keine Unterstützung erhalten und sich im Rahmen der Betreuung „marginalisiert“ fühlen. Sie schlagen vor, Endometriose-Behandlung und Versorgung stärker paarzentriert und biopsychosozial auszurichten.
Solche psychosozialen Einblicke können wertvoll sein, weil sie zeigen, wie chronische Erkrankungen auch Beziehungen und Angehörige belasten. Gleichzeitig wirft die Studie wichtige Fragen zur Prioritätensetzung in der Forschung auf: Endometriose ist eine körperliche, gynäkologische Erkrankung, die seit Jahrzehnten in vielerlei Hinsicht unterforscht ist – noch heute gibt es große Wissenslücken zu Ursachen, Mechanismen, Diagnostik und effektiver Therapie. Studien, die sich mit der psychosozialen Wirkung auf männliche Partner beschäftigen, können Ergänzungen sein, doch sie ersetzen nicht dringend notwendige Forschung zu den biologischen Grundlagen der Erkrankung oder zu konkreten Wegen, sie zu behandeln und zu heilen.
Kritisch bleibt zu sagen: Eine Studie, die fragt, wie sich Endometriose auf Männer auswirkt, wirkt vor dem Hintergrund der breiten Unterrepräsentation von relevanten, medizinischen Endometriose-Studien fehlplatziert.
Viele Betroffene warten Jahre auf eine Diagnose, erleben starke Schmerzen und finden nur langsam wirksame Therapien – und anstatt diese grundlegenden Fragen stärker zu erforschen, lässt man Ressourcen in ein Gebiet fließen, dessen Ergebnisse eher aufs soziale Umfeld der Erkrankung als auf die Krankheit selbst einzahlen. Eine wirklich wertvolle Forschung wäre jene, die zu Ursachen, besseren Diagnosetools und wirksamen Therapien beiträgt oder zumindest systematisch die Lebensqualität der Betroffenen selbst untersucht, statt primär die indirekten Effekte auf Partner zu erforschen.
Die 2013 veröffentlichte Studie „Attractiveness of women with rectovaginal endometriosis: a case-control study“ untersuchte angeblich, ob Frauen mit einem bestimmten Endometriose-Typ äußerlich attraktiver wirken als Frauen ohne die Erkrankung. Dazu wurden Bewertungen durch unabhängige Beobachter vorgenommen, und die Autor:innen berichteten, dass Frauen mit tiefreichender Endometriose häufiger als „attraktiv“ eingeordnet wurden als Kontrollpersonen. Die Arbeit bezog auch körperliche Maße wie Taille-Hüft-Verhältnis und BMI ein.
Diese Studie wurde jedoch im Jahr 2020 offiziell zurückgezogen („retracted“) – die Autor:innen selbst baten darum, nachdem sie erkannt hatten, dass die Ergebnisse potenziell fehlinterpretiert wurden und Unmut ausgelöst hatten. In ihrer Rücknahmeerklärung betonten sie, dass ihnen der Respekt vor Frauen wichtig sei und bedauerten die Unzufriedenheit, die durch die Veröffentlichung entstanden war.
Die 2013 veröffentlichte Studie „Attractiveness of women with rectovaginal endometriosis: a case-control study“ untersuchte angeblich, ob Frauen mit einem bestimmten Endometriose-Typ äußerlich attraktiver wirken als Frauen ohne die Erkrankung. Dazu wurden Bewertungen durch unabhängige Beobachter vorgenommen, und die Autor*innen berichteten, dass Frauen mit tiefreichender Endometriose häufiger als „attraktiv“ eingeordnet wurden als Kontrollpersonen. Die Arbeit bezog auch körperliche Maße wie Taille-Hüft-Verhältnis und BMI ein.
Diese Studie wurde jedoch im Jahr 2020 offiziell zurückgezogen („retracted“) – die Autor*innen selbst baten darum, nachdem sie erkannt hatten, dass die Ergebnisse potenziell fehlinterpretiert wurden und Unmut ausgelöst hatten. In ihrer Rücknahmeerklärung betonten sie, dass ihnen der Respekt vor Frauen wichtig sei und bedauerten die Unzufriedenheit, die durch die Veröffentlichung entstanden war.
Aktuelle Therapieansätze
Endometriose ist zwar nicht heilbar, aber die Beschwerden können behandelt werden. Medikamentös kommen Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Naproxen zum Einsatz. Hormonelle Therapien, zum Beispiel die Pille, Gestagene, Hormonspiralen oder GnRH-Analoga, können das Wachstum der Endometriose-Herde hemmen und Schmerzen reduzieren.
Operativ können Endometriose-Herde und Zysten minimalinvasiv entfernt werden, Verwachsungen gelöst oder bei schweren Fällen auch Teile des Bauchraums oder die Gebärmutter operativ behandelt werden. Besonders bei Kinderwunsch kann eine OP die Fruchtbarkeit verbessern.
Ergänzend helfen Physiotherapie, gezieltes Beckenbodentraining, Bewegung, eine entzündungshemmende Ernährung sowie psychologische Unterstützung, um Schmerzen und Stress zu reduzieren.
Die beste Wirkung erzielt oft eine Kombination aus Medikamenten, Operation und unterstützenden Maßnahmen, individuell abgestimmt auf Schmerzen, Kinderwunsch und Lebenssituation.
Fazit zur Endometriose
Endometriose ist eine weit verbreitete, chronische und oft schmerzhafte Erkrankung, die starke Schmerzen, Erschöpfung, Einschränkungen im Alltag und unerfüllten Kinderwunsch verursachen kann. Trotz ihrer Häufigkeit ist die Krankheit extrem unterforscht: Ursachen, Mechanismen, Diagnostik und wirksame Therapien sind nur teilweise bekannt. Jahrzehntelang wurden Studien vor allem an Männern oder männlichen Modellen durchgeführt, während frauenspezifische Erkrankungen vernachlässigt wurden. Einige Forschungsressourcen fließen zudem in fragwürdige oder irrelevante Studien, etwa zur Attraktivität betroffener Frauen oder zum Einfluss auf männliche Partner – statt in die Erforschung der Krankheit selbst.
Das Ergebnis: Betroffene warten oft Jahre auf eine Diagnose, leiden unter starken Schmerzen und erhalten unzureichende Behandlungen. Solange die Forschung falsche Fragen priorisiert und geschlechtersensible Studien fehlen, bleiben Endometriose und ihre Betroffenen im Dunkeln. Es ist höchste Zeit für seriöse, relevante Forschung, die Ursachen aufdeckt, Diagnostik verbessert und wirksame Therapien entwickelt.
Quellen (27.02.2026)
[1] Culley et al., 201. A qualitative study of the impact of endometriosis on male partners. Hum Reprod. 29, 32, 8, 1667-1683.
[2] Vercellini et al., 2013. Retracted: Attractiveness of women with rectovaginal endometriosis: a case-control study. Fertil Steril. 99, 1, 212-218.
[3] https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0022-3999%2820%2930775-3?utm_source=chatgpt.com
[4] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35081940/?utm_source=chatgpt.com
[5] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40323608/?utm_source=chatgpt.com
[6] https://journals.lww.com/rdm/fulltext/2023/09000/medical_treatments_of_endometriosis__a_review.6.aspx?utm_source=chatgpt.com