16.01.2026
#FactFriday: Frauen in der Politik
Frauen in der Politik
Worum geht es in diesem Fact Friday?
In diesem Fact Friday geht es um die politische Teilhabe von Frauen weltweit und speziell in Deutschland. Wir schauen darauf, wie viele Frauen heute politische Führungspositionen innehaben, wann Frauen in Deutschland erstmals politisch mitbestimmen durften und welche Bedeutung historische Meilensteine, wie die Wahl Angela Merkels zur Bundeskanzlerin, haben.
Weltweit: Frauen in politischen Führungspositionen
Weltweit sind Frauen in politischen Führungspositionen weiterhin deutlich unterrepräsentiert. Zwar ist der Anteil von Frauen in nationalen Parlamenten in den letzten Jahrzehnten gestiegen, dennoch liegt er global bei nur etwa einem Viertel. Noch geringer ist der Anteil von Frauen an der Spitze von Regierungen oder Staaten. Aktuelle Berichte von UN Women und dem World Economic Forum zeigen zudem, dass der Fortschritt zuletzt stagniert oder sich in manchen Ländern sogar rückläufig entwickelt hat. Politische Macht ist global weiterhin überwiegend männlich geprägt.
Deutschland: Die erste Frau im Parlament
In Deutschland begann die politische Beteiligung von Frauen erst mit der Einführung des Frauenwahlrechts am 12.November 1918. Bereits 1919 zogen erstmals Frauen in die Weimarer Nationalversammlung ein. Eine besondere Rolle spielte dabei Marie Juchacz.
Am 19. Februar 1919 hielt Marie Juchacz (SPD) als erste Frau eine Rede vor einem demokratisch gewählten deutschen Parlament, der Weimarer Nationalversammlung.
Juchacz eröffnete ihre Rede mit den Worten „Meine Herren und Damen!“ und machte damit direkt deutlich, dass Frauen nun gleichberechtigt Teil des politischen Geschehens waren. Sie betonte, dass Frauen ihre politischen Rechte nicht geschenkt bekommen hätten, sondern dass ihnen lediglich ein lange vorenthaltenes Recht zurückgegeben worden sei. In ihrer Rede sprach sie zudem über die schwierige soziale Lage nach dem Ersten Weltkrieg und machte deutlich, dass Frauen Verantwortung für den politischen und gesellschaftlichen Wiederaufbau übernehmen müssten.
Mit dieser Rede wurde nicht nur ein symbolischer, sondern auch ein inhaltlicher Grundstein für die politische Mitwirkung von Frauen in Deutschland gelegt.
Seit wann dürfen Frauen politische Führungspositionen übernehmen?
Mit dem Frauenwahlrecht erhielten Frauen in Deutschland nicht nur das aktive, sondern auch das passive Wahlrecht und konnten damit grundsätzlich politische Führungspositionen übernehmen. Rechtlich waren Frauen Männern gleichgestellt. In der politischen Praxis blieben Spitzenpositionen jedoch über Jahrzehnte hinweg fast ausschließlich Männern vorbehalten. Gesellschaftliche Rollenbilder, strukturelle Barrieren und fehlende Zugänge zu Machtpositionen verzögerten eine tatsächliche Gleichstellung erheblich.
Angela Merkel: Erste Bundeskanzlerin und politische Ausnahme
Im Jahr 2005 wurde Angela Merkel zur ersten Bundeskanzlerin Deutschlands gewählt und schrieb damit politische Geschichte. Sie war nicht nur die erste Frau in diesem Amt, sondern auch die erste Kanzlerin aus Ostdeutschland. Merkel prägte die deutsche Politik über 16 Jahre hinweg und gilt international als eine der einflussreichsten politischen Führungspersönlichkeiten ihrer Zeit. Ihre Kanzlerschaft war geprägt von zentralen Krisen wie der Finanz- und Eurokrise, der Flüchtlingspolitik ab 2015 sowie der COVID-19-Pandemie. Trotz ihrer historischen Rolle blieb Angela Merkel jedoch eher eine Ausnahmeerscheinung und steht nicht automatisch für eine vollständige Gleichstellung von Frauen in politischen Spitzenpositionen.
Fazit
Die Entwicklung von Frauen in der Politik zeigt sowohl deutliche Fortschritte als auch weiterhin bestehende Ungleichheiten. Frauen sind heute sichtbarer und politisch aktiver als noch vor hundert Jahren, doch insbesondere in Führungspositionen bleiben sie unterrepräsentiert. Die Geschichte macht deutlich, dass politische Teilhabe von Frauen hart erkämpft wurde und kein selbstverständlicher Zustand ist. Um echte Gleichberechtigung zu erreichen, sind weiterhin strukturelle Veränderungen und gesellschaftlicher Wandel notwendig.
Quellen
https://www.bundeskanzler.de/bk-de/kanzleramt/bundeskanzler-seit-1949/lebenslauf-angela-merkel
https://www.deutsche-bundeskanzler.de/merkel_angela.shtml
https://www.bpb.de/kurz-knapp/hintergrund-aktuell/179230/vor-95-jahren-erste-frauen-im-parlament/
https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/1919-02-19-juchacz-591728
https://www.deutschlandfunkkultur.de/frauen-deutscher-bundestag-gleichberechtigung-100.html