30.01.2026
#FactFriday: Granny Fight Club
Granny Fight Club
Was ist der Granny Fight Club?
Die erste Regel im Fight Club: sprich unbeding mit jemandem darüber und schaffe Aufklärung über die Situation der Frauen.
Der “Granny Fight Club” bezieht sich auf einen gleichnamigen Dokumentarfilm aus dem Jahr 2017, der Seniorinnen in den Slums von Nairobi, Kenia, zeigt. Diese werden durch eine NGO namens Ujamaa (“Einheit, Gemeinschaft”) in Selbstverteidigung geschult. Ziel ist, Frauen in gefährlichen Lebensumständen gegen sexuelle Übergriffe und Belästigung zu stärken.
Warum gibt es den Granny Fight Club?
Der sogenannte Granny Fight Club entstand aus der Not heraus. In den Slums von Nairobi leben viele ältere Frauen unter schwierigen Bedingungen – oft allein, verwitwet und in Armut. In diesen dicht besiedelten Vierteln sind Gewalt und sexuelle Übergriffe ein großes Problem, das nicht nur junge Frauen betrifft. Auch ältere Frauen werden Opfer von Übergriffen, weil sie als wehrlos gelten oder weil sich hartnäckige Mythen halten, die ihnen vermeintliche „heilende Kräfte“ zuschreiben und Sex mit älteren Frauen gegen Geschlechtskrankheiten schützen soll.
Um diesen Frauen Schutz, Selbstbewusstsein und Stärke zu geben, wurde der „Granny Fight Club“ gegründet. Dabei handelt es sich nicht um einen Kampfsportverein im klassischen Sinn, sondern um ein Selbstverteidigungsprogramm, das von der Organisation Ujamaa ins Leben gerufen wurde. Die Teilnehmerinnen lernen, sich in Gefahrensituationen zu verteidigen, lautstark „Nein!“ zu sagen und einfache, aber effektive Techniken anzuwenden, um Angreifer abzuwehren oder Hilfe zu rufen.
Der Kurs hat jedoch eine tiefere Bedeutung: Er gibt den Frauen ein neues Gefühl von Würde und Kontrolle über ihr Leben. Viele von ihnen berichten, dass sie sich zum ersten Mal seit Jahren sicher und stark fühlen. Der „Granny Fight Club“ ist damit nicht nur eine Reaktion auf Gewalt, sondern auch ein Symbol für Selbstermächtigung, Solidarität und die Kraft, selbst im Alter und unter widrigen Umständen für sich und andere einzustehen.
Slums in Nairobi: Geburtsort des Granny Fight Club
In den Slums von Nairobi leben viele Menschen unter extrem schwierigen Bedingungen: enge Behausungen, kaum sauberes Wasser, unzureichende medizinische Versorgung und hohe Arbeitslosigkeit prägen den Alltag. Besonders hart trifft es die Frauen. Viele sind alleinerziehend, arbeiten im informellen Sektor oder suchen auf Müllhalden nach Verwertbarem, um ihre Familien zu ernähren.
Gewalt gegen Frauen ist ein weit verbreitetes Problem. In überfüllten und schlecht beleuchteten Vierteln sind sie häufig Opfer von Übergriffen, ohne dass Täter zur Rechenschaft gezogen werden. Polizei und Justiz bieten kaum Schutz, und gesellschaftliche Tabus erschweren es den Betroffenen, über Gewalt zu sprechen oder Hilfe zu suchen.
Trotz dieser Umstände zeigen viele Frauen beeindruckende Stärke. Sie organisieren sich in Gemeinschaften, unterstützen sich gegenseitig und kämpfen für ein sicheres, würdiges Leben. Projekte wie der „Granny Fight Club“ sind ein Ausdruck dieser Kraft – sie geben Frauen Mut, sich selbst zu verteidigen und ihre Stimme zu erheben.
Wer steckt hinter dem Granny Fight Club?
Das Projekt entstand in Korogocho, einem der größten Slums von Nairobi, und wird von der Organisation Ujamaa unterstützt. Diese NGO, die von Dr. Jake Sinclair und seiner Frau gegründet wurde, arbeitet in ganz Kenia an Programmen gegen geschlechtsbasierte Gewalt.
Eine der bekanntesten Figuren des Projekts ist Beatrice Nyariara, eine 81-jährige Bewohnerin von Korogocho. Sie wurde mehrere Monate lang in Selbstverteidigung geschult und gibt dieses Wissen nun an andere ältere Frauen weiter. Mit Energie, Humor und Entschlossenheit leitet sie Trainings, in denen ihre Mitstreiterinnen lernen, sich körperlich zu wehren, lautstark Hilfe zu rufen und sich nicht mehr als Opfer zu sehen.
Neben Beatrice engagieren sich viele andere Frauen aus der Nachbarschaft. Sie organisieren sich in Gruppen, helfen sich gegenseitig im Alltag und unterstützen neue Teilnehmerinnen. Manche nennen die Bewegung deshalb auch „Shosho Jikinge“, was auf Swahili „Großmutter, verteidige dich!“ bedeutet.
Fazit: Der Granny Fight Club
Der Granny Fight Club in Nairobi ist ein beeindruckendes Beispiel für Mut, Zusammenhalt und Selbstermächtigung. In den Slums von Korogocho leben viele ältere Frauen unter extrem harten Bedingungen: Armut, Unsicherheit und fehlender Schutz gehören zu ihrem Alltag. An einem Ort, an dem Gewalt gegen Frauen allgegenwärtig ist und staatliche Hilfe kaum existiert, haben sie beschlossen, sich selbst zu verteidigen – mit ihren eigenen Händen, Stimmen und ihrer Entschlossenheit.
Unterstützt von der Organisation Ujamaa und angeführt von Frauen wie Beatrice Nyariara trainieren sie regelmäßig, um sich gegen Angriffe zu wehren und ihr Selbstbewusstsein zu stärken. Diese Frauen sind nicht nur Opfer schwieriger Umstände, sondern echte Kämpferinnen, die zeigen, dass Stärke kein Alter kennt.
Gleichzeitig bleibt es erschütternd, dass es überhaupt so weit kommen muss – dass ältere Frauen lernen müssen, sich körperlich gegen Gewalt zu schützen, weil Gesellschaft und Staat sie im Stich lassen. Der „Granny Fight Club“ ist daher nicht nur ein Symbol für weibliche Stärke, sondern auch ein Mahnzeichen für soziale Ungerechtigkeit und die Notwendigkeit, Frauen weltweit besser zu schützen und zu unterstützen.